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Leselupe.de > Kurzprosa
Bye, bye Michael Klaus
Eingestellt am 08. 10. 2009 14:52


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Ralf Langer
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Bye bye Michael Klaus

Seine Stimme am Telefon war wie frĂŒher. Gewaltig tief, aufrĂŒhrend und beruhigend zugleich.
Eine Stimme, wie ich sie gerne als Kind gehört hĂ€tte, zu einer Zeit, als Blitz und Donner mich noch die Bettdecke ĂŒber den Kopf ziehen ließen. Eine Stimme, wie jeder Vater sie haben sollte. Aber es gab sie nur einmal.
Also sagte ich:
„ Mensch Michael, schön dich zu hören.“
Und ich bekam ein schlechtes Gewissen, weil jetzt schon wieder der Kranke beim Gesunden angerufen hatte. Weil ich schon wieder verschoben hatte, ihn zu besuchen.
„ Ich habe ein neues Projekt“, sagte er und hustete.
„Wird in der Zeche Zollverein stattfinden.“
Er hustete wieder.
„Schauspieler, die in GlaskĂ€figen sitzen, erzĂ€hlen den VorĂŒbergehenden von mir geschriebene Texte, ĂŒber die große Liebe! Wird Teil der Kulturhauptstadt 2010.“
Ich versprach ihm vorbei zu kommen. Ideen zu liefern.
"Am liebsten was Eigenes",
hatte er noch gesagt.
„ Große Liebe“, lachte ich ins Telefon.“ Kein Problem“, und legte auf.
Zwei Tage spÀter war er tot. Zum Schluss ist das Leben aus ihm geströmt wie aus einem weit geöffneten Gashahn.
Ich habe ihm noch Zettel und Stift ins Grab geworfen.
Große Liebe, dachte ich , das ist doch das Leben.

__________________
RL

Version vom 08. 10. 2009 14:52
Version vom 08. 10. 2009 15:23
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Version vom 09. 10. 2009 12:37

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

hallo @ralf,

eine gute idee und ein hĂŒbscher, trockener text darĂŒber.

ich erlaube mir ein paar tipps zur verschlimmbesserung wie: in der zeit bleiben, ein paar interpunktionen fĂŒr den lesefluss und ein paar anfĂŒhrungszeichen setzen:

quote:
Seine Stimme am Telefon war wie frĂŒher. Gewaltig tief, aufrĂŒhrend und beruhigend zugleich.
Eine Stimme, wie ich sie gerne als Kind gehört hĂ€tte unklar: redet hier jemand mit seinem vater oder nicht?, zu einer Zeit, als Blitz und Donner mich noch die Bettdecke ĂŒber den Kopf ziehen ließen. Eine Stimme, wie jeder Vater sie haben sollte. Aber es gab sie nur einmal.
Und ich sagte (also) das also ist ein bisschen unmotiviert; ohne bezug klingt es fast "biblisch":
„ Mensch Michael, schön dich zu hören.“
Und ich kriege bekam ein schlechtes Gewissen, weil (jetzt) schon wieder der Kranke beim Gesunden angerufen hatte. Weil ich es schon wieder verschoben hatte, ihn zu besuchen.
„ Ich arbeite an einer neuen Idee“, sagte er und hustete.
„Wird in der Zeche Zollverein stattfinden.“
Er hustete wieder.
„Schauspieler, die in GlaskĂ€figen sitzen, erzĂ€hlen den VorĂŒbergehenden von mir geschriebene Texte, ĂŒber die große Liebe! Wird Teil der 'Kulturhauptstadt 2010'.“
Ich versprach ihm besser komma vorbei zu kommen. Ideen zu liefern. "Am liebsten was Eigenes", hatte er noch gesagt.
„ Große Liebe“, lachte ich ins Telefon komma “ kein Problem“ komma und legte auf.
Zwei Tage spÀter war er tot. Zum Schluss ist das Leben aus ihm geströmt wie aus einem weit geöffneten Gashahn coole ansage!!.
Ich habe ihm (noch) Zettel und Stift ins Grab nachgeworfen.
'Große Liebe', dachte ich noch besser: dabei, 'das ist doch das Leben'.
vielleicht kannst du ja etwas damit anfangen. wenn du deinen text als ausdruck verwenden möchtest, solltest du ihn auch optisch ein bisschen besser strukturieren.

liebe grĂŒĂŸe aus mĂŒnchen

bluefin

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Open Mike
Guest
Registriert: Not Yet

quote:
Ich versprach ihm vorbei zu kommen. Ideen zu liefern. Am liebsten was Eigenes, hatte er noch gesagt.
. . .

quote:
Zum Schluss ist das Leben aus ihm geströmt, wie aus einem weit geöffneten Gashahn.
Mag ja sein, dass fĂŒr manche aus einem Gashahn Leben strömt. Nur lĂ€sst sich dies so dem Leben des Herrn K. vergleichen?
Vielleicht sollte ich lesen:
"Zum Schluss ist das Leben aus ihm geströmt, wie das Gas aus einem weit geöffneten Hahn."

quote:
Ich arbeite an einer neuen Idee
...
Schauspieler, die in GlaskĂ€figen sitzen, erzĂ€hlen den VorĂŒbergehenden von mir geschriebene Texte, ĂŒber die große Liebe! Wird Teil der Kulturhauptstadt 2010.
Jene Schauspieler in KĂ€figen lassen an Fusco & GĂłmez-Peña denken. Und an Performern, die jeden VorĂŒbergehenden mit Texten maltrĂ€tieren, herrscht wohl auch kein Mangel. Das Prinzip der Narration gilt als ein wesentlicher Zug des postdramatischen Theaters.
Wirklich neu ist der Rahmen dieser Idee – bei allem Respekt vor Klaus' sonstigem ƒuvre – also nicht.
Mit anderen Worten: Das Neue daran stÀrker herausstellen.

Der Stoff wirkt wie frisch aus dem Alltag, unbearbeitet, aber das soll er wohl auch.
Einen gewissen Naturalismus gibt's auch im oben genannten Theater, dort freilich meist ĂŒbersteigert und reflektiert.

om

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Ralf Langer
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lieber bluefin,
openmike,
dank fĂŒr euer intensives auseinandersetzen mit meinem
Text.
werde nach der Arbeit mich daran geben darĂŒbe nach zu denken.

Eins nur vorab:
Ich hatte das Tempus extra gewechselt um den Leser in die
geschichte zu ziehen.

P.S
.... keine Zeit...
spÀter
lg
Ralf
__________________
RL

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

dass irgendwo anders auf der welt schon mal jemand im glashĂ€uschen saß, lieber @frank, wissen wir alle. ich find's in deinem text deshalb etwas besonderes, weil's in der krankmachenden zechenluft rĂŒberkommt wie ein schutz, den's gebraucht hĂ€tte, um am leben bleiben zu können. lass dich von @mike nicht irre machen: wer zwischen den zeilen zu lesen bereit ist, versteht's - ebenso wie das mit dem gasherd: wer das gerĂ€usch des ausströmers im ohr haben und damit das ausatmen der seele in verbindung bringen kann, muss schon mal was anderes reanimiert haben als nur eine popelige frostpizza in der mikrowelle.

@elisabeth hat's vor kurzem auf den punkt gebracht: man muss nicht nur schreiben, sondern auch lesen können, sagte sie.

tipp: von der vergangenheit ins prÀsens zu springen, um dramatisch zu wirken, war gestern. hier und heute braucht's das nicht mehr.

liebe grĂŒĂŸe aus mĂŒnchen

bluefin


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Ralf Langer
Routinierter Autor
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Hi bluefin,
hab dank fĂŒr deine ausfĂŒhrliche Auseinandersetzung mit dem Text.

Das doppelte "noch" am ende des StĂŒcks muss ich tatsĂ€chlich eliminieren.

Das mit dem Gashahn lasse ich stehen, weil es genauso ist wie du gesagt hast.
Mit dem Tempuswechsel bin ich mir noch nicht sicher.

Hi open mike,
deine Umwandlung des Satzes mit dem Gas, gefÀllt mir auch.
Sagt es aber nicht dasselbe?
Hm?
Die Geschichte mit den Schauspielern hinter Glas, will ich so lassen. Denn es entspricht soweit den Tatsachen. Es war halt fĂŒr Michael eine neue Idee.
Ich grĂŒbele darĂŒber nach, was du damit meintest, der Stoff sei frisch aus dem Alltag!
Der Verlust war real. Die Begebenheiten habe ich verĂ€ndert um das fĂŒr mich wichtigste der letzten Begegnungen mit Michael herauszustellen.

Die große Liebe, das Leben.

P.S.
Hab lange ĂŒberlegt, und bin mir immer noch nicht sicher, ob ich diese Geschichte hĂ€tte besser ins Tagebuch schreiben sollen.
Vielleicht mache ich das noch?
Irgendwie tragen wir Lebenden die Verantwortung fĂŒr die Gegangenen.
Jetzt fange ich schon wieder an zu grĂŒbeln.

Habt alle dank fĂŒr die Kommentare
lg
Ralf

__________________
RL

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Open Mike
Guest
Registriert: Not Yet

quote:
deine Umwandlung des Satzes mit dem Gas, gefÀllt mir auch.
Sagt es aber nicht dasselbe?
Wie bereits angemerkt, in der Version
quote:
Zum Schluss ist das Leben aus ihm geströmt wie aus einem weit geöffneten Gashahn.
strömt aus dem Gashahn auch das Leben und nicht nur das Gas.
Jenes Atemgift im Zusammenhang mit Klaus' Tod als Leben zu bezeichnen, klingt bestenfalls zynisch.

quote:
Es war halt fĂŒr Michael eine neue Idee.
So lÀsst sich's auch verstehen.
Er könnte jedoch ebensogut gesagt haben:
"Ich arbeite an einem neuen Projekt."
Zumal das Ich wenig spÀter "Ideen" zu liefern verspricht.

quote:
Ich grĂŒbele darĂŒber nach, was du damit meintest, der Stoff sei frisch aus dem Alltag!
Ich schrieb:
"Der Stoff wirkt wie frisch aus dem Alltag, unbearbeitet, aber das soll er wohl auch."

Im Tagebuch wĂŒrde der Text an Wirkung verlieren.

bluefin schrieb:
quote:
dass irgendwo anders auf der welt schon mal jemand im glashĂ€uschen saß, lieber @frank, wissen wir alle. ich find's in deinem text deshalb etwas besonderes, weil's in der krankmachenden zechenluft rĂŒberkommt wie ein schutz, den's gebraucht hĂ€tte, um am leben bleiben zu können
Wo MĂŒnchner noch immer "krankmachende Zechenluft" wittern, herrscht heute die AtmosphĂ€re eines ganz normalen Kulturtempels.

quote:
@elisabeth hat's vor kurzem auf den punkt gebracht: man muss nicht nur schreiben, sondern auch lesen können, sagte sie.
Ihr zwei mĂŒsst es ja wissen.

om

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