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Leselupe.de > Humor und Satire
Cafe Garrnegoll exquise
Eingestellt am 24. 07. 2004 13:51


Autor
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Engbert
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jul 2004

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„Ein Meloneneis, bitte!“ sagte Professor Schweineschwanz bestimmt.
Die Oberin nickte und notierte die Bestellung auf dem Notizblock, den sie zum Geburtstag von ihrem Onkel bekommen hatte.
„Das w├Ąre alles?“ fragte sie freundlich.
„Das ist alles!“ sagte der Professor.
Sie wollte sich gerade abwenden, wie ein Kleinwagen, der an einer Einfahrt wendet, wenn er sich verfahren hat, da fiel dem Professor noch etwas ein, wie das nun mal so ist bei alten Leuten.
„Ach, ich h├Ątte doch noch gern eine Linsensuppe dazu.“
„Kein Problem. Mit oder ohne Schweinespeck?“ fragte die Oberin.
Der Professor ├╝berlegte kurz. Mit oder ohne? Ohne oder mit? F├╝r eine Weile spielte sein Kopf
„Hm. Mit nat├╝rlich. Ganz viel Schweinespeck, ja, lecker!“ rief der Professor.
„Na gut.“ sagte die Frau.
Dann ging sie weg, in den Laden hinein, und der Professor war allein. Da sa├č er nun, vor dem Cafe Garrnegoll exquise, wer sich auskennt, weiss, dass dies das teuerste, aber auch beste Cafe in ganz K├Âln ist, einem St├Ądtchen in Westdeutschland, am Rhein. Es lag direkt am gro├čen Platz vor dem K├Âlner Dom, nicht das St├Ądtchen, sondern das Cafe, so dass Herr Professor einen tollen Ausblick hatte ├╝ber alles.
Nach f├╝nf Minuten war die Kellnerin noch nicht wieder zur├╝ck. Der Professor war gereizt. Er hatte Hunger.
„Verdammt!“ sagte er und haute mit seiner Faust auf den Tisch, dass sich die Balken bogen, denn die Balken waren aus einer Mahagoniholz-Platanen-Legierung gemacht.
Das h├Ątte er dann besser nicht tun sollen, denn jetzt kam die Oberin doch heraus, ganz schnell. Einen roten Kopf hatte sie, sie hatte des Professors Ausbruch wohl gesehen.
„So geht das nicht, werter Herr!“ sagte sie. „Sie machen ja alles kaputt! Das Holz! So geht das nicht! Es ist aus Japan.“
Dem Professor war das ziemlich peinlich. Die Leute guckten schon.
„Ja ja.“ sagte er. „Tut mir leid, wirklich! Ich war nur etwas ungehalten, um nicht zu sagen: ungeduldig. Ist mein Essen schon fertig?“
Die Kellnerin lachte ge├Ąchtet. „Ihr Essen? Jetzt werden Sie mal nicht frech! Ich hol es ihnen.“
Weg ging sie, schon wieder, doch diesmal kam sie ganz schnell zur├╝ck, mit Meloneneis und Linsensuppe mit Schweinespeck.
„Da.“ kam aus ihrem Mund. Der Professor merkte wohl, dass sie einen Besen an ihm gefressen hatte. Aber egal, dachte er.
Dann fing er an, zu essen, ganz schnell und hastig, denn in der N├Ąhe hatten sich schon Tauben gesammelt, haufenweise Tauben, mehrere tausend Viecher, die der Professsor am liebsten mit G├╝lle ertr├Ąnkt h├Ątte. Da verschluckte er sich, verschluckte sich und ├Ąrgerte sich ├╝ber solch niederes Gedankengut. Nein, mein Freund, die Tauben haben dir nichts getan. Es ist alles deine Schuld, sagte er sich.
„Hier, da habt ihr etwas ab!“ sagte er und sch├╝ttete seine Suppe auf den Asphalt, dass es klatschte. Die Tauben lie├čen sich das nicht zweimal sagen und nach zwei Sekunden war ein m├Ąchtiger Haufen versammelt, der sich einen harten Kampf um Speck und andere Ingredienzien lieferte, ganz schnell, denn die V├Âgel wussten: Wenn man zu lange wartet, versickert die Pl├Ârre im Boden und dann ist sie weg.
Der Professor schaute sich um. Da waren Leute. Viele Leute. Sie starrten ihn alle an, auf eine ganz merkw├╝rdige Art und Weise. Dann geschah etwas, was er nicht erwartete. Die Leute standen auf und klatschten. Sie klatschten ihm Beifall. Ein Mann mit Sonnenh├╝tchen, er hatte ihn noch nie gesehen im Leben, n├Ąherte sich l├Ąchelnd und sch├╝ttelte ihm die Hand.
„Bravo.“ sagte er. „Das haben sie gro├čartig gemacht. Unsere Stadt ist stolz auf Sie.“
Dem Professor fehlten die Worte. Er sagte nur: „Aha.“
Der Wurstfabrikant mit seinem Wagen kam um die Ecke gebogen. Laute Musik schepperte, um die Menschen anzulocken. Gerade heizte er am Cafe Garrnegoll exquise vorbei, mitten durch den Taubenhaufen hindurch, dass es flatterte. Zum Gl├╝ck wurde kein Tier ├╝berfahren, aber stattdessen geschah etwas anderes: Der Fahrer, ein gewisser Herr Henry, sah zu sp├Ąt die Pf├╝tze aus Linsensuppe und Speck auf dem Boden, so bremste er deutlich zu sp├Ąt und sein Wagen geriet ins Schlittern.
Der Wagen ├╝berschlug sich, Scheiben klirrten, tausend W├╝rstchen erhoben sich fliegend durch die Luft, aus dem Wurstwagenfenster, dann prasselten sie wie Platzregen auf Betonplatten, wo sie teilweise explodierten, jedenfalls diejenigen, die zu scharf gew├╝rzt waren, so dass die Schweine in ihren D├Ąrmen, sie lebten teilweise noch, ├╝berfordert waren, also wie gesagt, sie explodierten einfach. Die anderen W├╝rste aber h├╝pften und verteilten sich h├╝pfend und quiekend wegen der Schweine darin ├╝ber den ganzen Platz.
„Wurst umsonst!“ schrie ein Mann, kein geringerer war es als der Domkapitular Fredegar, denn in diesem Augenblick war die Messe vorbei und gerade kam er aus seinem Gottesh├Ąuschen geschritten. Da ging ein Schlag durch die Menge, ein Ruck sozusagen, die Menschen st├╝rzten sich auf die W├╝rste, jeder wollte eine haben, keine Frage. So schnappte sich jeder, was er kriegen konnte und a├č es auf, gierig und erf├╝llt von unstillbarem Hunger. Da krochen sie alle herum, gl├╝cklich, nur einer war es nicht und das war Henry, der Wurstverk├Ąufer. Er stand an seinem demolierten Wagen, verbittert, und weinte, die H├Ąnde hielt er sich vors Gesicht, damit keiner sah, wie fertig er war mit sich und der Welt.
Professor Schweineschwanz sah das und weil er ein Mann von Welt war, ging er hin zum armen Henry und klopfte ihm auf die Schulter.
Er sagte: „Kopf hoch! Die Welt geht unter, aber der Sommer lacht. Morgen ist auch noch ein Tag! Tsch├╝ss!“ Damit verabschiedete er sich und ging nach Hause. Jetzt habe ich vergessen, zu bezahlen, dachte er noch.


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Kasoma
Guest
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Hallo, lieber Engbert,

kein schlechter Einstieg, diese witzige Geschichte voller kurioser Einf├Ąlle, nur wie die Schweine in W├╝rstchen ├╝berleben, das d├╝rftest Du mir gern erkl├Ąren - Mir als alten Tiersch├╝tzer, ich w├╝rde dann vielleicht ├Âfter welche essen, ne, wahrscheinlich auch nicht...
Lieber Gru├č und ein herzliches Willkommen sendet Dir
Kasoma

P.S Eine Oberin arbeitet im Kloster, eine weibliche Bedienung nennt man meistens Kellnerin, oder!?

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Engbert
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jul 2004

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Kommentare: 2
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Tierfreundschaft

Ja hallo!
Danke f├╝r die Reaktion. Ja, das mit den lebenden Schweinen war vielleicht etwas makaber. Man muss schon aufpassen, dass man nicht irgendwo aneckt, jedenfalls werde ich in Zukunft etwas angemessener mit solchen Dinge umgehen. Wie sagte mein Hund einmal: "Auch ohne W├╝rze schmeckt die Suppe gut, wenn sie nur gesund ist."

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gareth
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Dec 2003

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Kommentare: 783
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Lieber Engbert,

sei mir nicht b├Âse, aber ich konnte deine Geschichte jetzt ├╝berhaupt nicht witzig finden. Und auch sonst... irgendwie...
Meloneneis mit Linsensuppe, weil man zertreut ist und Schweineschwanz hei├čt und nat├╝rlich Professor ist. Dann sitzt man im besten Cafe der Welt, oder jedenfalls der n├Ąheren Umgebung und nach 5 Minuten Wartezeit schreit man und haut mit der Faust auf den Tisch und die Vorsteherin eines Nonnenklosters lacht dann 'ge├Ąchtet' (was immer das ist), wenn man nochmal nach dem Essen fragt. Dann kommen mehrere tausend(!) Tauben, die sich genau mit Suppe auskennen, die ihnen dann vom Professor hingesch├╝ttet wird, der sie lieber in G├╝lle ertr├Ąnken w├╝rde und die Leute klatschen Beifall.
Warum man zu sp├Ąt bremst, wenn Suppe auf der Stra├če ist, hab ich nicht verstanden und auch nicht, warum sich das Auto dann ├╝berschl├Ągt und auch nicht die Erkl├Ąrung daf├╝r, dass irgendwie lebende Schweine in den W├╝rstchen ├╝brig geblieben sind, obwohl die Geschichte an der Stelle anf├Ąngt, lebendig und interessanter zu werden. Aber zu sp├Ąt.

Ein Haufen Chancen zun├Ąchst einmal verpasst.
Aber kann noch werden, lieber Engbert.

das meint jedenfalls
gareth

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Lotte Werther
Guest
Registriert: Not Yet

An Engbert

So kanns gehen, Engbert. Dem einen gef├Ąllt's, dem anderen nicht. Wer deine Geschichte bei jedem Satz auf Wahrheitsgehalt oder zumindest auf Glaubw├╝rdigkeit abklopft, der findet sie vielleicht ├╝bertrieben.

Ich habe neben dem leicht aberwitzigen Inhalt auch deine Sprache im Auge behalten und wie schon die Bewertung aussagt, mit Freude und fl├╝ssig gelesen.

Rasant geschrieben und gerade die noch lebenden Schweine in den W├╝rsten habe ich goutiert. Das ├ťberspitzte daran ist f├╝r mich jedenfalls unverkennbar.

Und Argumente, dass man kein Eis mit Linsensuppe bestellen kann, gelten h├Âchstens, wenn Mutter und Vater Sonntags dem S├Âhnchen in der Wirtschaft auf die Finger klopfen bei derlei Gel├╝sten. In einem satirischen Text ist alles erlaubt.

Vielleicht konnte ich ja auch deshalb lachen, weil ich keine W├╝rste esse. Weder mit lebenden noch toten Schweinen darin.

Lotte Werther

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