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Leselupe.de > Kurzprosa
Cafe James
Eingestellt am 01. 02. 2008 20:19


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memo
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Cafe James

Der Innenhof vor dem kleinem Cafe ist mit einem bunten BlĂ€tterteppich bedeckt. „Zu verkaufen“ steht auf dem Schild an der TĂŒr - Es fĂ€llt mir schwer es zu akzeptieren. Ich grabe meine kalten HĂ€nde tief in die Manteltasche. Der Novembernebel kriecht die TĂŒr empor, als ich den warmen Raum betrete.
James lacht.
„Das ist der letzte Cappuccino, den ich dir hier mache!“
WehmĂŒtig löffle ich den Milchschaum. Einerseits bin ich ganz froh, da ich kaum mehr Zeit dazu finde und doch - so viele Montage habe ich in den letzten Jahren hier verbracht und James fĂŒr einige Stunden entlastet. UnzĂ€hlige GesprĂ€che gefĂŒhrt. Viele Erfahrungen gemacht. Gelacht, geweint und geliebt.


JULIA

Ich erinnere mich noch gut an diesen Vormittag im Sommer. Der erste Gast war Julia und sie war nicht mehr ganz nĂŒchtern. Sie setzte sich auf einen der hohen Barhocker und schaute mich mit ihren großen, schwarzen Augen an. „Jetzt bin ich zu Fuß ĂŒber eine Stunde von zu Hause hermarschiert. Es ist toll so durch die Natur zu wandern.“ Ich wusste, dass sie kein Geld mehr fĂŒr den Bus hatte. Nur sie durfte bei James anschreiben. Also gab ich ihr ein Glas Rotwein.

„Ich bin das schwarze Schaf der Familie!“, sagte sie oft.
Ihr Vater war Direktor der Kunsthochschule unserer Stadt. Und dies war wohl auch der Grund, warum sie schon seit ĂŒber 10 Jahre dort studierte und es nicht schaffte, das Studium abzuschließen. Irgendwie hatte ich immer das GefĂŒhl, sie wollte sich dafĂŒr entschuldigen. Nicht offensichtlich, jedoch mit diesem bitteren Sarkasmus, durch den diese junge, kluge Frau immer von einem Hauch aus Tragik umgeben war.
„Mein Bruder ist sehr erfolgreich,“ sagte sie,“ Ich bin wirklich stolz auf ihn. Auch wenn er mich nicht sehen will und er eigentlich ein Idiot ist.“ Unerwartet sprang sie auf.
„Darf ich spielen? Ich habe es als Kind gelernt und es gehasst.“ Ich hatte befĂŒrchtet, dass sie mich das fragen wĂŒrde. James wollte nicht, dass jemand ohne sein Wissen das Klavier benutzte. Doch wir waren ganz allein im Lokal und ich konnte Julia schwer einen Wunsch abschlagen.
„Komm, spielen wir vierhĂ€ndig!“ Also saßen wir schließlich auf dem breiten Schemel und musizierten. Ich bemerkte bald, dass sie nicht, oder nicht mehr spielen konnte.
Dies sagte ich ihr natĂŒrlich nicht, sondern klimperte ebenfalls unfĂ€hig, aber lĂ€chelnd in die Tasten. Es war eine groteske Situation. Ich könnte nun sagen, dass es mir Spaß gemacht hat. Aber ganz so war es leider nicht. Ich hatte Mitleid. Und ich hoffe, dass Julia dies nie spĂŒrte.

Unvermittelt stand sie nach einer Weile auf und zog einige Zeichnungen aus ihrer alten Ledertasche hervor. Es waren eigenwillig filigrane Linien. Wirr und sensibel waren sie, jedoch so schien mir, ohne ausdrucksstarker Kraft. Das passte zu Julia. Ich erkannte ihr Talent und doch war nichts Greifbares mehr da. Sie schien wie eine HĂŒlle die tief war, aber leer. Als habe sie irgendjemand oder irgendetwas ausgehöhlt.
Sie lud mich zu einer Ausstellung in einem unbekannten Landgasthaus ein, drĂŒckte mir ein chaotisches StĂŒck Papier mit einigen Daten in die Hand und bat mich noch einmal zu kommen. Ich kam nicht.
Einmal schenkte sie mir einen Pullover. Ich wollte nicht unhöflich sein und nahm ihn an. Er war mit einer schönen Wolle selbst gestrickt, jedoch etwas zerzaust und ausgeleiert. Ich hÀngte ihn auf die kleine Garderobe. Getragen habe ich ihn nie.
Julia lĂ€chelte bezaubernd, aber sie war unberechenbar. Jeder der sie kannte, distanzierte sich von ihr. Besonders MĂ€nner. Sie lockte sie in ihre Falle und gab ihnen keine Chance. Sie war den meisten rhetorisch und intellektuell ĂŒberlegen. Ich wusste, ich durfte ihr in solchen Situationen keinen Alkohol mehr geben. Es war nicht einfach ihr zu widersprechen. Man durfte sie nicht provozieren, da sonst die Situation leicht eskalierte. Ich wollte mich von ihr nicht beschimpfen lassen.
Aber eines Tages hatte ich keine Wahl. Plötzlich ging sie in die Knie und rutschte vom Barhocker. Es war ein trauriges, absurdes Bild. Ich sah diese unglaublich zarte Gestalt am Boden hocken und undeutlich fluchen, da sie noch ein Glas Wein wollte. Ich war mit der Situation ĂŒberfordert. Im Cafe James wurde nur klassische Musik gehört, Schach gespielt, philosophiert und Zeitung gelesen. Wahrscheinlich nahm ich James als Ausrede, der mir aber auch den Rat gab, sie mit Vorsicht zu behandeln. Ich wusste, dass er sie sehr mochte. So suchte ich nach einer höflichen Formulierung und bat sie schließlich doch eindringlich zu gehen. Sie sah mich an, als sie sich schwankend an der TĂŒr zu mir umdrehte. Es war dieser Blick, den ich fĂŒrchtete und der mich fragte:
„Auch du lĂ€sst mich fallen?“
Diesmal sprach sie kein Wort.

Etwa eine Woche spÀter plauderte ich mit einem freundlichen Mann, der Julia gut kannte.
„Du weißt es noch nicht? Unser MĂ€dchen hat es nicht mehr geschafft.“
Ich habe sicher gefragt wie sie es getan hat. Aber ich weiß es nicht mehr. Ich will es wohl nicht wissen. Ich rede mir natĂŒrlich ein, dass ich nichts mit der ganzen Sache zu tun habe. Ich war ja sicher kein wirklich wichtiger Mensch fĂŒr Julia. Wir kannten uns im Grunde kaum.
An diesem letzten Tag wollte sie ihren Pullover zurĂŒck. Erst spĂ€ter erkannte ich, dass sie ihn achtlos in einem Regal neben der Bar liegen gesehen haben musste.
Ich habe ihre Augen gesehen, als sie ging. Sie waren dunkel, wunderschön und einsam. Aber vor allem enttÀuscht. Von mir, von ihrer Familie, von sich selbst?
Vielleicht war dieser Tag nur ein weiterer dieser unzÀhligen Punkte, ein winziger nur - in ihrem verworrenen, dunklen Weltbild. Einer zuviel.



Version vom 01. 02. 2008 20:19
Version vom 01. 02. 2008 20:36

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo memo,

eine intensive und letztendlich traurige Geschichte, die ich gern gelesen habe. Eigentlich verwunderlich, dass sie so wenig Beachtung findet.
Genau wie Julias Liebe, die vom Prot. nicht erhört wurde.
Anbei ein paar VorschlĂ€ge von mir, wie es sich (aus meiner Sicht) besser lesen wĂŒrde.

Der Innenhof vor dem kleinen CafĂ© ist mit einem bunten BlĂ€tterteppich bedeckt. Ich spĂŒre den weichen Boden, als ich vor dem kleinen Cafe stehe „Zu verkaufen“ steht auf einem Schild an der TĂŒr – Es fĂ€llt mir schwer, es zu akzeptieren. zu realisieren was die Buchstaben der schlichten Schrift bedeuten. Ich grabe meine kalten HĂ€nde tief in die Manteltasche. Der Novembernebel kriecht die TĂŒr empor, als ich den warmen Raum betrete.
James lacht.
„Das ist der letzte Cappuccino, den ich dir hier mache!“
WehmĂŒtig löffle ich den Milchschaum. Einerseits bin ich ganz froh, da ich kaum mehr Zeit dazu finde, und doch - so viele Montage habe ich in den letzten Jahren hier verbracht und James fĂŒr einige Stunden entlastet. UnzĂ€hlige GesprĂ€che gefĂŒhrt. Viele Erfahrungen gemacht. Gelacht, geweint und geliebt.


JULIA

Ich erinnere mich noch gut an diesen Vormittag im Sommer. Der erste Gast war Julia, und sie war nicht mehr ganz nĂŒchtern. Sie setzte sich auf den einen der hohen Barhocker und schaute mich mit ihren großen, schwarzen Augen an. (Direkte Rede beginnt immer mit einer neuen Zeile)
"Jetzt bin ich zu Fuß ĂŒber eine Stunde von zu Hause hermarschiert. Es ist toll, so durch die Natur zu wandern.“ Ich wusste, dass sie kein Geld mehr fĂŒr den Bus hatte. Nur sie , aber sie durfte bei James anschreiben. Also gab ich ihr ein Glas Rotwein.

„Ich bin das schwarze Schaf der Familie!“, sagte sie oft.
Ihr Vater war Direktor der Kunsthochschule unserer Stadt. Und dies Das war wohl auch der Grund, warum sie schon seit ĂŒber 10 Jahren dort studierte und es nicht schaffte, das Studium abzuschließen. Irgendwie hatte ich immer das GefĂŒhl, sie wollte sich dafĂŒr entschuldigen. Nicht offensichtlich, jedoch mit diesem bitteren Sarkasmus, durch den diese junge, kluge Frau immer von einem Hauch von aus Tragik umgab umgeben war. ("Cut")
„Mein Bruder ist sehr erfolgreich,“ sagte sie,“ Iich bin wirklich stolz auf ihn. Auch wenn er mich nicht sehen will und er eigentlich ein Idiot ist.“ Unerwartet sprang sie auf.
„Darf ich spielen? Ich habe es als Kind gelernt und es gehasst.“ ("Cut")
Ich hatte befĂŒrchtet, dass sie mich das fragen wĂŒrde. James wollte nicht, dass jemand ohne sein Wissen das Klavier benutzte. Doch wir waren ganz allein im Lokal und ich konnte Julia schwer einen Wunsch abschlagen.("Cut")
„Komm, spielen wir vierhĂ€ndig!“ Also saßen wir schließlich auf dem breiten Schemel und musizierten. Ich bemerkte bald, dass sie nicht, oder nicht mehr, spielen konnte.
Dies Das sagte ich ihr natĂŒrlich nicht, sondern klimperte ebenfalls unfĂ€hig, aber lĂ€chelnd in die Tasten. Es war eine groteske Situation. Ich könnte nun sagen, dass es mir Spaß gemacht hat. Aber ganz so war es leider nicht. Ich hatte Mitleid. Und ich hoffeund hoffte, dass Julia dies es nie nicht spĂŒrte bemerkte.

Unvermittelt stand sie nach einer Weile (Nach einer Weile stand sie unvermittelt )auf und zog ihre Zeichnungen hervor (Woher hervor? Sie hatte doch keine Tasche dabei.). Es waren Eeigenwillige Bilder aus filigranen Linien, Wwirr und sensibele waren sie, jedoch, so schien mir, ohne ausdrucksstarker Kraft Ausdruck.

So, bis hier hin, Memo, erst mal, weil ich nicht weiß, ob Du derartige VorschlĂ€ge magst. Ich liebe greifbare Texte, und versuche weitgehend auf FĂŒllworte oder ErklĂ€rungswörter zu verzichten. Da bleibt mehr fĂŒr die Fantasie der Leser da.

Naja, bin mal auf Deine Antwort gespannt.

LG, Karsten

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