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Leselupe.de > Kurzprosa
Campari Orange
Eingestellt am 18. 07. 2006 22:08


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Alex Anderson
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jun 2004

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Ich sitze auf der Terrasse, und schaue mir das Swimmingpool an. Das Wasser steht still, es ist ganz glatt. Der Rasen daneben ist etwas verbrannt. In der Ecke suchen ein paar Hummeln nach Honig in den Bl√ľten. Aus der Nachbarschaft dringt elektronische Musik her√ľber. Die Luft steht. Es ist sehr hei√ü. Der Schwei√ü l√§uft √ľber meinen nackten Oberk√∂rper. Ich nehme einen Schluck Campari Orange. Von oben ist der Motor eines Sportflugzeuges zu h√∂ren. Das Ger√§usch entfernt sich bereits. Ich denke sitzend, dass dem Piloten wohl sehr hei√ü sein muss. Dann kommt mir in den Sinn, dass ich noch Kleidung f√ľr mich einkaufen will. Ich brauche zwei Hosen, eine kurze und eine lange, denke ich im Gartenstuhl sitzend. Ich zerflie√üe in der Hitze, kann f√ľr Minuten nichts denken und meine Wahrnehmungen werden nicht im Hirn weiterverarbeitet. Kindergeschrei aus der Nachbarschaft l√§sst mich wieder zu mir kommen. Ich denke an Michael: er wurde von seiner Freundin verlassen, die er doch erst seit f√ľnf Wochen hatte. Jetzt lenkt er sich mit einem Buch ab. Das muss ihn schon schwer getroffen haben. Aber es schadet im bestimmt nicht, wenn er sich ein bisschen bildet, denke ich im Gartenstuhl sitzend. Ich hatte schon seit zwei Jahren keine Beziehung mehr, sinniere ich, das hat mein Leben unkomplizierter gemacht. Wenn ich mal von dem Two Night Stand vor drei Monaten absehe. Ich h√∂re ein Auto die Auffahrt des Nachbarn entlang fahren. Und denke im Gartenstuhl sitzend an die gestiegenen √Ėlpreise. Das Zuschlagen der Autot√ľre ist zu h√∂ren. Dann Stille. Ich k√∂nnte mich mit Mathematik besch√§ftigen. Da sind die Ergebnisse verifizierbar. Ja, Mathematik, denke ich im Gartenstuhl sitzend. Eine Hummel summt in zwei Meter Entfernung vorbei. Ich nehme einen Schluck von meinem Getr√§nk und denke nichts, im
Gartenstuhl sitzend. Im Wasser des Pools liegt jetzt ein gr√ľnes Blatt. Es ergibt einen sch√∂nen Kontrast zu dem Blau. In der Nachbarschaft wird jetzt wieder Musik abgespielt. Mehr Bass. Wenn ich mich mehr mit Musik besch√§ftigt h√§tte, k√∂nnte ich jetzt vielleicht ein guter DJ sein, denke ich im Gartenstuhl sitzend und wische mir den Schwei√ü von der Stirn. Ich k√∂nnte mir den Ventilator aus dem Haus holen, denke ich. Oder warten bis Wind aufkommt. Ich warte. Und denke nichts. J√§ger, kommt es mir f√ľnf Minuten sp√§ter in den Sinn, k√∂nnte auch eine interessante Besch√§ftigung sein. Ich w√ľrde auf ein Wild warten und es erschie√üen. Und dann essen. Wild schmeckt gut, wenn man es √ľber Nacht in Buttermilch einlegt. Au√üerdem h√§tte ich ein Gewehr. Mit Munition. Ich genie√üe die Musik aus der Nachbarschaft und denke an Fortpflanzung. Genauer gesagt an Koitus. Vor zwei Wochen war ich tanzen, denke ich im Gartenstuhl sitzend. Die Musik war schon OK. Das Publikum auch. Ich hatte sogar einen Flirt. Selbst das Angebot an Getr√§nken hat meine Erwartungen erf√ľllt. Einen Block weiter ist jetzt ein Rasenm√§her zu h√∂ren. Ich blicke auf und sehe eine Amsel in der Hecke, wie sie mit ihrem Schnabel im Boden scharrt. Sie flattert ein wenig, als sie meinen Blick bemerkt. Im Hintergrund sind jetzt weitere Flatterer zu h√∂ren. Welch Energieverschwendung es doch ist, Stra√üenlaternen die ganze Nacht brennen zu lassen, denke ich im Gartenstuhl sitzend. Andererseits ist es auch angenehm, wenn beim sp√§ten Heimkommen eine Beleuchtung den Weg erhellt. Ich greife in die K√ľhlbox und schenke mir nach. Nehme einen Schluck und denke nichts. Pl√∂tzlich verstummt der Rasenm√§her. Ich genie√üe die Musik aus der Nachbarschaft. Das Wasser im Pool steht immer noch still. Das Blatt bildet immer noch einen Kontrast. Ich schlafe ein und tr√§ume, dass ich im Garten sitze und sich ein Vogelschwarm in einem Baum niedergelassen hat. Ich habe mich die ganze Zeit bis zum Herbst nicht aus dem Gartenstuhl bewegt. Habe nur Campari Orange getrunken. Jetzt liegt der Rasen voller Laub. Und ich sehe einen Igel, wie er aus dem Geb√ľsch hervorschaut. Ich denke an die √Ėlpreise im Gartenstuhl sitzend. Und wie sie im Herbst erwartungsgem√§√ü gestiegen sind. Der Pool ist leer, nur einiges Laub befindet sich darin. Pl√∂tzlich wache ich durch das wiedereinsetzende Ger√§usch des Rasenm√§hers auf. Im Nachbarhaus wird die Musik lauter gestellt. Ich genie√üe wieder die Musik. Ich trinke von meinem Glas. Es schmeckt gut. N√§chstes Jahr werde ich mir ein neues Handy kaufen. Mit mehr Speicherplatz und einer besseren Kamera, denke ich im Gartenstuhl. Ich schaue in den Pool, das Blatt schwimmt noch und bildet immer noch den Kontrast. In der Nachbarschaft ist schon wieder ein Auto zu h√∂ren. M√∂glicherweise dasselbe wie vorhin. Morgen muss ich wieder einkaufen gehen, ich brauche Orangensaft und Brot, denke ich im Gartenstuhl sitzend, und vielleicht eine Zeitung. Die Hummeln sammeln immer noch. Ihr Brummen ist angenehm. Ich sehe auf und mein Blick f√§llt auf Michael. Er hat sein Buch in den Scho√ü gelegt und nimmt einen Schluck Campari Orange im Gartenstuhl sitzend. Dann greift er zu den Zigaretten und fragt mich nach Feuer, w√§hrend er das Buch auf den Tisch legt. Es handelt von Quantenphysik.

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