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Leselupe.de > Feste Formen
Campo dei` Fiori (Hexameter)
Eingestellt am 07. 10. 2015 11:05


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manehans
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Campo dei` Fiori

Friedlich lag sie einst, diese Flur - eine stille Oase -
Lauschig, inmitten der Stadt und verbarg sich, nahe des Tibers
SchÀumenden Stroms, bis hinauf zum Tempel der siegreichen Venus,
Sorgsam gesetzt und gerahmt, wie ein farbiges LandschaftsgemÀlde.
Bis dann Bauern fĂŒr sich, und auch HĂ€ndler, die Wiesen entdeckten:
Ochsengespanne, ein Schnaufen unter den Lasten, ein Ächzen,
Noch in den Gassen, so eng, wie die Stollen, in Berge getrieben,
Hallte lautstark das Hufegetrappel - der Rosse Gewieher,
NĂŒstern geblĂ€ht. Denn sie witterten schon die schmackigen Felder,
dicht bedeckt mit Steinklee, Labkraut und anderen PflÀnzchen.
Hier, ein unaufhörliches Wuseln und Blöken der Schafe;
Ziegengemecker dazwischen, und HĂ€ndler, die feilschten, um Pferde.

Was auf dem Marktgrund verblieb? Was wir heute entdecken?
Tauchen wir doch hinein, in den Trubel, ins emsige Treiben!
Laut erschallen vergnĂŒgte Rufe. Die Rufe der HĂ€ndler:
"Kommt und kauft! Und schnuppert am sĂŒĂŸen Duft gelber Rosen!"
"Wabenhonig sammelten Bienen, dem Gaumen zu schmeicheln."
"Trauben! Saftig sind sie! Und sĂŒĂŸ!" Und die Menge, sie drĂ€ngt sich.
Schiebt nach vorn und zurĂŒck. Ein Durchkommen? Völlig unmöglich.
Wo ist die Bresche? Macht rasch und kommt! Da vorn, ich seh sie!
SchlĂŒpfen schnurstracks hinein, in die Mitte, und wollen dort bleiben.

Vor uns ein Denkmal. Bedrohlich, fast kalt, erhebt es sich strebend,
Wie ein beschwörendes Zeichen. In schwarze Bronze gegossen,
Ragt hier, den Kopf geneigt und mit stummer GebÀrde zum Himmel:
Bruno, Giordano Bruno, auf steinern gemeißeltem Sockel.
Schon als Mönch ein Rebell, im Orden der Dominikaner,
QuÀlte Bruno den Klerus - mit bohrenden Fragen - und schmÀhte
Geozentrische Lehren der Kirche. Papst Clemens, er schÀumte:
"Setzt ihn in Haft! Diesen Ketzer! Und treibt ihm aus die Verblendung!"
Endlos die Folter. Doch Bruno blieb stark. Mit gebrochenen Knochen.
Dann - der Schuldspruch: " Ins Feuer schickt ihn! Ins Feuer, das reinigt."
Bruno wankte nicht, und ein LĂ€cheln zu ahnen, bekennt er:
"GrĂ¶ĂŸer vielleicht ist die Furcht, mit der ihr das Urteil verkĂŒndet,
GrĂ¶ĂŸer als ich es ertrage, ja, grĂ¶ĂŸer als ich es ertrage."
Hier, auf diesem Markt, einen Scheiterhaufen errichtet,
Band ihm der Henker die mutige Zunge: " Verstumme und schweige!
Schweige, bis in den Tod!" Und hellauf loderten Flammen,
Löschten sein Leben. Dann - hier und da in der Menge - ein Seufzen:
TrÀnen des Leids - auch TrÀnen der Wut benetzten den Boden.

Nehmen wir uns die Zeit, einen Augenblick zu verharren,
Still - am Mal des Bruno zu weilen. Ganz still!


Version vom 07. 10. 2015 11:05

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Bernd
Foren-Redakteur
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Registriert: Aug 2000

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Das Werk zieht einen richtig hinein, Bilder prallen Lebens, dann der Kontrast: Brunos Sterben.
Eine erhabene und wĂŒrdige Sprache des Gedichtes, und sie wirkt in keiner Weise langweilig, wie viele nur etwas lĂ€ngere Hexametergedichte.

Ich habe es auf die Empfehlungsliste gesetzt.

Beim Lesen fiel mir auf:

"Hier, ein unaufhörliches Wuseln und Blöken Schafe;"

Hier fehlt aus grammatischen GrĂŒnden etwas.
__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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manehans
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Hallo Bernd!

Es freut mich, dass Dir die ErzÀhlverse gefallen haben.
Und es ist schön, dass Du dem vermeintlich angestaubten Hexameter ein solche Chance gibst und Campo dei` Fiori auf die Empfehlungsliste setztest.

Den fehlenden Artikel bei "Schafe" habe ich inzwischen eingefĂŒgt.

Hab dank fĂŒr Deine freundlichen Worte.

lg Hans

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Patrick Schuler
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Hallo manehans
Ich bin sprachlos
Wer sich selber schon einmal am Hexameter versucht hat, weiß wie viel Arbeit in dem Text steckt, der so locker, so unaufgezwungen, und erstaunlich schlicht und schön zu lesen ist.

Und dann das ergreifende Schicksal Brunos( fĂŒr das bis heute, wenn ich richtig liege, ein SchuldeingestĂ€ndnis der Kirche fehlt) in stilles, schönes Gedenken gesetzt, wunderbar.

Von mir giebt es die 10

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manehans
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Guten Morgen Patrick!

Schön, dass diese Verse deinen Nerv trafen!

Und du hast Recht. Im Gegensatz zu Galilei hat Rom den Bruno nicht rehabilitiert. BegrĂŒndung: Sein polytheistischer Standpunkt.

Hab dank fĂŒr deinen Kommentar und auch fĂŒr die Bewertung!

lg Hans

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Mondnein
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gelungen!

sehr gute hexameter! ganz ausgezeichnet!

der (ansonsten schwer reaktionĂ€re) papst Johannes Paul 2 hat ich glaube 2002 ein eingestĂ€ndnis oder eine entschuldigung, ein schuldbekenntnis o.Ă€. bezĂŒglich Bruno verlauten lassen. siehe Bruno-artikel in der wikipedia.

es ging auch nicht um den geozentrismus, und vor allem nicht um polytheismus, sondern um den neuplatonischen pantheismus Brunos. er war ein heftiger anti-aristoteliker, ein platoniker auf proklos-grundlage (daher auch seine monadenlehre). in deutschland war Nicolaus Cusanus ein vergleichbarer philosoph, allerdings ĂŒber 100 jahre frĂŒher.


__________________
sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

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