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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Cappuccino
Eingestellt am 09. 11. 2015 17:59


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michaelfromcologne
Hobbydichter
Registriert: Oct 2015

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Aufgrund Zeitmangels hatte ich schon vor dem Urlaub geplant, meiner angestammten Friseurin Andrea ausnahmsweise einmal „untreu“ zu werden und stattdessen im Urlaub einen ortsansĂ€ssigen Coiffure aufzusuchen. Zumal sich dadurch, dass ich die Reise alleine unternehmen wĂŒrde, ohnehin nicht allzu viele Konversationsmöglichkeiten ergeben sollten.
Bei Ankunft auf der Ile de Noirmoutier am Samstagnachmittag war das sowieso noch kein Thema und am Sonntag hatte zwar der IntermarchĂ© fĂŒr ein paar Stunden geöffnet, aber natĂŒrlich kein Salon. Montags hatte dann auch nur der sich im Gewerbegebiet befindliche und den Charme einer Bahnhofshalle versprĂŒhende Salon im Gewerbegebiet geöffnet und so dringend war es ja auch wirklich nicht. Am Dienstag bei einer Fahrradfahrt durch die umliegenden Ortschaften fand ich dann aber einen nett anmutenden kleinen Salon. Die einzige Coiffeuse stand an der Theke neben dem Eingang und beobachtete gedankenverloren das Treiben auf der kleinen Straße. Zu tun war offensichtlich rein gar nichts und so trat ich ein. Nach der BegrĂŒĂŸung fragte sie mich, ob ich ein Rendez-Vous vereinbaren wolle, aber ich entgegnete, dass ich eigentlich nur einen neuen Haarschnitt wollte, mit Waschen. Sie bat mich auf einem der BedienplĂ€tze Platz zu nehmen und schon bei der Frage „wie es denn werden solle“ stellte sich heraus, dass sie außer der französischen Sprache ĂŒber keinerlei Sprachkenntnisse verfĂŒgte – kein Wort Deutsch, davon war ich ausgegangen, aber auch kein Wort Englisch, das ĂŒberraschte mich dann doch ein bisschen. Immerhin reichte mein Französisch so weit, dass ich ihr erklĂ€ren konnte, dass ich es zwar kurz, aber nicht extrem sehr kurz wollte, oben lieber mit der Schere (Ciseaux) geschnitten, fĂŒr Seiten und Nacken könne sie die Tondeuse (Haarschneidemaschine) benutzen. Ansonsten solle sie einfach machen, was ihr so vorschwebt. Ich hĂ€tte ja Urlaub und reichlich Zeit, zumal sich in diesem Moment die dunklen Wolken draußen wieder einmal krĂ€ftig entluden. Ich fand sie mit ihren kurzen schwarzen Haaren sehr attraktiv. Obwohl sie ein wenig pummelig war, trug sie ein recht kurzes gelbes Kleid mit bunten asiatischen Schriftzeichen und Sandalen, bei denen meine EX wahrscheinlich Höhenangst bekommen hĂ€tte. Es fiel mir direkt auf, dass sie fĂŒr jeden ihrer FußnĂ€gel eine andere Farbe gewĂ€hlt hatte, aber alle passend zu den Schriftzeichen auf ihrem Kleid. Ein dezentes Make-Up rundete das Erscheinungsbild ab. Sie lĂ€chelte, schaute sich zunĂ€chst einmal genauer meine Haare an und murmelte etwas von Gris und Cappuccino und auf mein Oui verschwand sie lĂ€chelnd in dem kleinen angrenzenden Nebenraum. Ein Cappuccino wĂ€re jetzt wirklich nicht verkehrt, lag doch das FrĂŒhstĂŒck schon einige Zeit zurĂŒck. Als sie nach ein paar Minuten zurĂŒckkam, hatte sie eine schwarze SchĂŒrze an und Einmalhandschuhe ĂŒbergestreift. In der linken Hand hielt sie eine SchĂŒssel mit einer dunkelbraunen Masse und in der rechten Hand einen HaarfĂ€rbepinsel. Auf mein erstauntes Gesicht, erklĂ€rte sie mir, dass das die Tönung in Cappuccino sei, ĂŒber die wir gesprochen hĂ€tten. Ich gebe zu, dass ich echt verdutzt war und sagte ihr, dass ich bei Cappuccino eigentlich an ein GetrĂ€nk gedacht hatte, aber sie entgegnete, dass sie mir natĂŒrlich einen CafĂ© anbieten könne, der kĂ€me aber etwas spĂ€ter. Außerdem hĂ€tte ich ja gesagt, sie solle machen, was ihr vorschwebt und schließlich hĂ€tte ich doch erwĂ€hnt, dass ich ĂŒber genĂŒgend Zeit verfĂŒge und so fragte sie mich, ob sie denn jetzt endlich loslegen dĂŒrfe und schenkte mir dabei ein charmantes LĂ€cheln. Ihr Alter schĂ€tzte ich auf Mitte bis Ende dreißig, sicher war sie eine erfahrene Frau, die offensichtlich wusste was sie wollte und in jenem Moment war das das Auftragen der Tönung. Nachdem ich ihr erklĂ€rt hatte, dass ich meine natĂŒrliche Haarfarbe eher als braun, denn als Cappuccino bezeichnet hĂ€tte, holte sie kurz eine Tafel mit HaarstrĂ€hnen in verschiedenen Farben und erklĂ€rte mir, dass braun in Frankreich immer eine deutliche Rotnuance hat. Das, was dort die Bezeichnung Braun (brun) trug, wĂŒrde ich dabei in der Tat eher als Mahagoni bezeichnen und sie erklĂ€rte mir auch direkt, das wĂ€re etwas fĂŒr Frauen und nicht pour les hommes und warf mir nun doch einen kurzen bösen Blick zu. Scheinbar kam ihr aber dann in den Sinn, wie ich mich evtl. fĂŒhlen musste und nach einem kurzen „oh pardon monsieur, c’est mon tempĂ©rement“ löste sie noch eine der StrĂ€hnen, nĂ€mlich die, mit der Bezeichnung Cappuccino, aus der Verankerung und hielt sie an meine Haare und meinte, das passe doch perfekt, wichtig sei auch nur die Farbnummer, in dem Fall die 45. Das Muster entsprach tatsĂ€chlich exakt der Farbe meiner Haare und so ließ ich sie mit einem OK und einem etwas merkwĂŒrdigem GefĂŒhl im Magen gewĂ€hren. Schließlich fehlte mir bis dahin jegliche Erfahrung in Sachen Haarfarbe.
Zuerst trug sie beginnend mit den Seiten, also dort, wo bei mir die meisten grauen Haare waren, die Masse auf und dann verteilte sie den Rest ĂŒber die sonstige Haarpracht. Dennoch war in der SchĂŒssel viel zu viel von der Mousse und so blieb erst einmal einiges ĂŒbrig. Schließlich bekam ich eine kleine Plastikhaube auf und durfte fĂŒr ca. zehn Minuten, vielleicht waren es auch 15, unter die WĂ€rmehaube. Danach bekam ich noch eine Art LĂ€tzchen um und sie bat mich mit zum Waschbecken zu kommen. Nachdem ich meinen Kopf nach hinten gelegt hatte, holte sie die SchĂŒssel und erklĂ€rte mir, dass ich nun den Mund zu schließen hatte. Dann pinselte sie mir den Bart ein und lĂ€chelte mich an. Erst jetzt, als sie so nach vorne gebeugt vor mir stand, bemerkte ich hinter der etwas abstehenden SchĂŒrze das ĂŒberaus großzĂŒgig geschnittene Dekolletee ihres Kleides. Zweifellos war sie sich der Wirkung wohl bewusst, denn nun sah sie mir kurz in die Augen und fragte ob denn jetzt alles in Ordnung sei. Danach ließ sie mich ca. 10 Minuten so am Waschbecken sitzen und telefonierte. Nachdem sie zurĂŒckgekommen war, spĂŒlte sie zunĂ€chst die Farbe aus meinen Haaren und wusch diese dann mit geĂŒbten Massagebewegungen grĂŒndlich durch. Hier wusste sie gegenĂŒber Andrea wahrhaft zu punkten. Nachdem sie die Haare frottiert hatte, bat sie mich aufzustehen und 1 x um das Becken herumzukommen und mich ein wenig herunterzubeugen. Das untere Ende des LĂ€tzchens lag nun im Becken und so wusch sie mir die Farbe aus dem Bart. Als ich wieder am Bedienplatz angekommen war, fragte sie mich, ob ich nun einen CafĂ© wolle und brachte ihn mir. Im Spiegel zeigte sie mir, dass nun kein graues Haar mehr zu sehen sei und dann begann sie mit der Tondeuse im Nacken und an den Seiten. Oben schnitt sie wie gewĂŒnscht meine Haare mit der Schere und die ÜbergĂ€nge mit einer Effilierschere. Sie stellte sich als Beatrice vor, fragte nach meinem Namen und wo ich denn herkĂ€me. Ich sagte, dass ich Michael heiße und aus Cologne stamme, avec le grand cathĂ©drale und sie ergĂ€nzte dass ihr natĂŒrlich auch das Eau de Cologne ein Begriff sei. Mit einem Rasiermesser arbeitete sie exakt die Konturen des Haar- und des Bartansatzes heraus. Dann kam kurz der Fön zum Einsatz und sie verteilte ein wenig Gel in meinen Haaren. Schließlich durfte ich ihr Werk noch von allen Seiten im Spiegel bewundern und sie fragte mich, ob es mir denn auch gefiele. Ich antwortete mit einem nach oben gestreckten Daumen und einem „oui, oui, good job!“ Als ich zahlte, sie verlangte 38,- €, was ich weiß Gott nicht fĂŒr ĂŒberteuert hielt, zeigte sie zum Fenster und sagte „et voilĂĄ le soleil – bon vacances Michel“. Ich gab ihr noch ein großzĂŒgiges Trinkgeld und sagte ihr, dass ich bestimmt zu einem Rendez-Vous vorbeikĂ€me, sollte ich hier in der NĂ€he noch einmal meinen Urlaub verbringen.....
__________________
MB

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DocSchneider
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Ein paar AbsĂ€tze wĂŒrden Deiner Geschichte gut tun. Ein bisschen fehlt ihr ein Höhepunkt - worauf soll das Ganze hinauslaufen? Ist es nur das Rendezvous? Ich wĂŒrde ja eine erotische Geschichte daraus machen, genug AnsĂ€tze sind vorhanden.


Viele GrĂŒĂŸe von DocSchneider

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