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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Cappuccino-Queen
Eingestellt am 08. 08. 2003 10:17


Autor
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David Winterhurst
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Apr 2003

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Make-up auf meinen F├╝├čen. Wie nur konnte ich deine Sch├Ânheit so schnell zertreten?

Bei dem Modell, wie es Pascal vorschwebt, muss ich die zigarettengro├čen Miniaturb├Ąume, die Laura gebastelt hat, exakt auf die daf├╝r markierten Stellen kleben. Sp├Ąter wird es teils der berechnete Lichteinfall sein, der daf├╝r sorgen soll, dass das Modell bei der langsamen Kamerafahrt absolut realistisch aussieht.
F├╝r einen so schmal budgetierten Film hat sich der gute Pascal reichlich ins Zeug gelegt, die Liebe zum Detail ├╝ber das Geld siegen zu lassen. Und deshalb ist er jetzt gerade auch in Leipzig und beschafft Kost├╝me von seiner Tante; was auch immer damit gemeint sein mag.

Ich bin bei Laura zuhause. Ihr ger├Ąumiges Dachgeschosszimmer brachte ihr die privilegierte Last ein, das Modell hier zu bauen. Und so kommt es, dass ich nun schon den siebten Nachmittag hier verbringe, im k├╝hlen Wind erster Fr├╝hlingsatemz├╝ge Klebstoff inhaliere und mir in den Pausen, die er zum Trocknen braucht, Farbsplitter von den Fingern pule.
Pausen, in denen Laura mir Tee kocht; sich selbst Fertigcappuccino aus der T├╝te. Ich kenne niemanden au├čer ihr, der die beigelegte T├╝te mit Schokopulver exakt auf alle zehn Tassen zu verteilen vermag. Nach meiner Cappuccinozeit, blieben zehn solcher T├╝ten f├╝r ein halbes Jahr im K├╝chenschrank liegen, ehe ich sie eines Nachts in einer Hei├čhungerphase auf S├╝├čes in mich hinein gesch├╝ttet hab.
Laura ist so exakt, so ├╝ber die Ma├čen pr├Ązise in allem was sie tut. Mit beinahe mechanischer Akribie bastelt sie so ein Miniaturb├Ąumchen nach dem anderen, die alle verschieden und doch gleich realistisch aussehen. Selbst in der Auswahl des richtigen Materials hat sie oberste Pr├Ązision walten lassen und mich nur scheel angeblickt, als ich vorschlug das ganze Modell aus S├╝├čigkeiten zu basteln, damit wir es hinterher aufessen k├Ânnten. In einer Hei├čhungerphase auf S├╝├čes versuchte ich ihr die symbolische Bedeutung des kleinen Duplo-W├Ąldchens zu erkl├Ąren, und scheiterte an der ├ťberlegenheit weiblichen Kalk├╝ls, hervorgel├Ąchelt hinter einer Tasse Cappuccino. - Vielleicht ein Waffelzaun neben dem Haus der Familie? Nein? Auch nicht.

Es ist mir ein R├Ątsel, wie sie bei all dieser berechnenden Gewissenhaftigkeit andererseits so r├╝cksichtslos mit ihren zwischenmenschlichen Prinzipien umgehen kann.
Es ist mir bekannt, dass sie von Zeit zu Zeit Liebe sucht, wo ganz gewiss keine zu finden ist. Und sie wei├č das, und bereut es und leidet, und leidet sich aus, in der Perfektion zu bastelnder Miniaturb├Ąumchen.
Den vierundzwanzigsten von ihnen klebe ich jetzt an seinen Platz. Das Weihnachtsb├Ąumchen. Doch als ich die Finger ganz langsam aus dem Wald ziehe, bemerke ich ein Atmen neben meinem Ohr, das sich schlie├člich zum Gewicht eines Gesichts auf meine Schulter senkt.
Ich drehe den Kopf, so weit ich es kann, schlage den Blick noch tiefer in die Augenwinkel ein.
ÔÇ×Sieht doch gut ausÔÇť, sagt Laura, noch immer von meiner Schulter aus.
ÔÇ×Das finde ich nicht. Was bitte machst du da? ÔÇô Mit deinem Kopf ÔÇô auf meiner SchulterÔÇť und ihrer Wange an meiner, wie sie es jetzt mit schlecht gespielter M├╝digkeit versucht.
Ich stehe auf und frage, ob wir nicht noch einen Tee trinken wollen.
ÔÇ×M├Âchtest du noch welchen?ÔÇť sagt sie und geht in die K├╝che. Die andere Frage beantwortet sie nicht.
ÔÇ×Ja, danke. Sehr gern.ÔÇť
Doch schneller als erwatet ist sie zur├╝ck, steht vor mir als ich mich in den Raum drehe, und versucht diesen Blick, der etwas erwartet und doch gerissen genug ist, sich im Zweifelsfall aus der Aff├Ąre zu ziehen.
ÔÇ×Ach, wei├čt duÔÇť, sage ich. ÔÇ×Vergiss den Tee und ÔÇô ja, klar. Lass es uns einfach tun. Lass uns das bl├Âde Modell runter schmei├čen und es gleich hier auf dem Tisch tun. Und dann kann ich sagen, ich habe die Cappuccino-Queen gefickt. Das ist nicht die Ballk├Ânigin, aber immerhin. Doch wir m├╝ssen uns beeilen. Meine Freundin ist schon zuhause und wartet sicher auf mich. Bis ich da bin, muss das schlechte Gewissen noch trocknen. Und dann bin ich endlich ein St├╝ck weit m├Ąnnlicher.ÔÇť
Laura l├Ąchelt und ├Âffnet ihr Haar mit vergeblicher Liebesm├╝h.

[21.03.2003]
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Daktari
Guest
Registriert: Not Yet

Na und?

Hi, David!

Die Story ist nicht ganz uninteressant. Aber ich sehe kein Ziel, auf das der Leser hin gef├╝hrt wird. Man m├╝├čte noch ein wenig Spannung und ├ťberraschung ein bauen.

Ciao
Tim

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Haselblatt
Festzeitungsschreiber
Registriert: Dec 2002

Werke: 2
Kommentare: 25
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unglaubw├╝rdig

Schade, gerade der Schluss macht alles zunichte. Welche Frau w├╝rde sich nach einem Monolog dieser Qualit├Ąt:

"..Vergiss den Tee und – ja, klar. Lass es uns einfach tun. Lass uns das bl├Âde Modell runter schmei├čen und es gleich hier auf dem Tisch tun. Und dann kann ich sagen, ich habe die Cappuccino-Queen gefickt. Das ist nicht die Ballk├Ânigin, aber immerhin. Doch wir m├╝ssen uns beeilen. Meine Freundin ist schon zuhause und ..."

noch ernsthaft ficken lassen?
Ich (wenn ich eine Frau w├Ąre) jedenfalls nicht!

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Auf bald - Heimo B.
As long as you continue to do what you always did, you will continue to get what you always got. (Abraham Lincoln)

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David Winterhurst
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Apr 2003

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Haselblatt, diese Frau hier sicher nicht. Darum geht es ja auch in dem Text. Andererseits gibt es Frauen, die in dieser Hinsicht nicht weniger schei├če sind als die meisten M├Ąnner und das durchaus tun w├╝rden.
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