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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Caramel
Eingestellt am 08. 08. 2013 22:47


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Gonzo Gonzales
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Mar 2003

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Caramel




"Ja gut, machen wir's so, bis spĂ€ter - Ciao!", Tina legt zufrieden das Telefon neben sich auf die Couch. Und um diesen unerwartet frohen Moment, dessen Frohsinn genau genommen eigentlich nur von einer kĂŒnstlichen Zufriedenheit genĂ€hrt wird, trotzdem so richtig zu genießen, beschließt sie sich so schnell wie möglich eine Zigarette anzuzĂŒnden. Rein zur Entspannung und in Anbetracht der UmstĂ€nde, sogar völlig ohne schlechtes Gewissen. Jetzt ist es eh noch wurscht...
Ja, eine feine JPS Black, eine Gute von der Marke ihrer Wahl.
...wÀre jetzt einfach voll herrlich!
Hektisch beginnen ihre moccabraunen Augen damit, umherzuwandern und halten Ausschau nach dem ersehnten schwarzen PĂ€ckchen. Auf dem Beistelltisch, neben dem Fernseher - dort auf dem Sofa, wo sie gerade ihre Handtasche entdecken. Ah, genau - da werd ich sie haben!; ein scheinbarer Triumph fĂŒr Tina.
MĂŒhelos gleitet sie prompt und ausgesprochen geschmeidig, ja fast schon elfenhaft ĂŒber den glattgewetzten Raulederbezug rĂŒber zum anderen Sofaende, zur Tasche und lĂ€sst ihre feingliedrige Hand blitzartig hineinschnellen. Ah, lĂ€ssig, da sind sie ja- uff - so jetzt nur noch ein Feuerzeug...
Ein weiterer schneller Griff in die Tasche bleibt leider ohne den erhofften Erfolg. Ma, so eine Scheiße...
Leicht verĂ€rgert zieht Tina ihre Hand zurĂŒck und wirkt auf einmal ĂŒberhaupt nicht mehr entspannt. Daraufhin erkennt sie zu ihrem Unmut auch noch, dass dieser Wunsch nach einer Zigarette sie wohl bald dazu zwingen wird, aufzustehen. Auf dem Sofa ist nĂ€mlich bestimmt weit und breit kein Feuerzeug, bemerkt sie; auch nicht in der großen Ritze entlang der RĂŒckenlehne. Da sucht sie gerade höchst verzweifelt. Ach, ich will ja jetzt nicht aufstehen - verdammt! Ich will einfach gemĂŒtlich meine Zigarette rauchen!
Nach diesem internen Statement, steht Tina nun doch auf und weitet diese ungewollte Suche auf das gesamte Wohnzimmer aus. Mei wie stressig...
Und schon ein paar Minuten spĂ€ter ist von der eben noch vorhandenen (kĂŒnstlichen) Zufriedenheit schon fast nichts mehr ĂŒbrig. Tina, in deren Mundwinkeln schon, sozusagen startklar, die von ihr so begehrte Zigarette baumelt, ist nĂ€mlich noch immer nicht fĂŒndig geworden. Ach - das gibtÂŽs ja nicht...
Bevor sie jedoch völlig die Beherrschung verliert und laut zu fluchen beginnt, hat sie unvermittelt Mukke`s (Spitzname ihres Freundes) schĂ€biges Benzinfeuerzeug vor ihrem inneren Auge. Etwas das sie normalerweise verdrĂ€ngt. Denn: Sie mag es irgendwie nicht. Das quietscht immer so ungut wenn man es öffnet und das anschließende Klicken klingt nach einem lahmen Frosch (irgendwie), findet Tina. Das hĂ€tte er schon lĂ€ngst mal irgendwo entsorgen können - oder SIE hĂ€tte es entsorgen können. Doch das hat sie bis heute, so bedauerlich es auch sein mag, noch nicht fertig gebracht. Schließlich ist sie ja kein Arschloch, denn das Teil ist ihrem Freund immerhin wichtig. Sehr wichtig (Warum auch immer?). Zuhause, also hier in der Wohnung, benutzt er es beinahe ausschließlich. Selbst wenn er es auch die meiste Zeit in dem von ihm veranstalteten Chaos gar nicht finden kann!
Und so verwundert es nicht, dass er es nur selten irgendwohin mitnimmt - höchstens zu ganz besonderen AnlÀssen, auf keinen Fall will er riskieren, es irgendwo "anzubauen". Dieses rÀudige alte rostige, nervig quietschende Teil! Wo ist es?
Eilig stapft Tina in die KĂŒche, öffnet alle Schubladen, schiebt anschließend einen Stuhl vor den KĂŒhlschrank, steigt hinauf und sieht, dass dort oben auch kein Feuerzeug liegt. Dann denkt sie an das SchuhkĂ€stchen im Vorraum.
Warum nicht gleich so - MĂ€dl...
Schnell tragen sie ihre Beine raus in den Vorraum und ihre rechte Hand streift im Blindflug ĂŒber die Oberseite des "KĂ€stchens", freudig zitternd. Siegessicher - aber auch fĂŒr nichts...
Jetzt krieg ich aber langsam einen Schleim! Arghh -meistens legt er es ja hier aufs Kastl rauf. Mist...
Tina beginnt sich nun so richtig zu Ă€rgern - trotz der Aussicht auf einen netten Feierabend in einer neu eröffneten Bar am anderen Stadtrand. Warum nur hat dieser Kerl nur die Angewohnheit, immer alle Feuerzeuge mitzunehmen, wenn er's mal packt seinen bequemen Hintern hochzukriegen und einmal raus zu gehen (außer zum Graskaufen).Und heute muss er auch noch sein dĂ€mliches Zippo mitnehmen! Ist es denn so besonders, bei seinem Bruder vor dem Lapi zu kauern? Verdammt! Das lĂ€sst er ja normal liegen...
Voll innerer Anspannung schnappt sie sich ihr Smartphone von der Couch und tippt auf das entsprechende Schellwahlsymbol. Mukke`s Handy wird sofort angepeilt und beginnt zu klingeln...
Das Telefonat:
Mukke: "Ja - hi! Du kann ich dich spĂ€ter zurĂŒckrufen, muss nur schnell diesen Absatz fertig schreiben - bin grad voll drinn!"
Tina: "Hey nein, warte mal..."
Mukke: "Ähm ja?"
Tina: "Ich will grad eine rauchen - und rate mal ..."
Mukke: " Hey, du sollst ja nicht mehr rauchen!"
Tina:" Ach komm, ist ja nicht mal fix!"
Mukke:" Aber...!"
Tina:" Nix aber! Fakt ist ja, dass du schon wieder..."
Mukke: "Mei ja - Tschuldigung..."
Tina: " Na klar, das sagst immer - Du, und außerdem: Is es wirklich so schwer auch mal an andere zu denken? Wenigstens bei ein paar Sachen, hm?"
Mukke: "Ähm..."
Tina: "Jetzt hock ich wieder mal alleine hier und kann keine rauchen - super, danke!"
Mukke: "Ähm, vielleicht is ja ein Feuerzeug in meiner grĂŒnen Jacke. HĂ€ngt auf der Seite vom Schukastl! Oder..."
Tina: "Naja, is eigentlich eh wurscht - schau ich dann mal. Ansonsten bin ich eh bald dahin!"
Mukke:" Was dahin? Was machst denn?"
Tina: "Ach, geh nur mit Kathi was Trinken! "
Mukke: " Was? Alkoh...? Ähm cool! Tja dann..."
Tina: "Jaaaa?!
Mukke: " Ähm, nix..."
Tina: " A ja -seufz- Und, geht wenigstens was weiter bei deiner Schreiberei?"
Mukke: " Ähm - grad nicht so viel! Aber sonst - Du, Ă€hm ich..."
Tina: " Na komm, wollt ja nur wissen wo ein Feuer ist, eigentlich! Und auch, naja obÂŽs was bringt, wennst dich 3 Tage bei deim Bruder verkriechst bei dieser Sachlage! Muss schon was ..."
Mukke: " Du ja, Ă€hm - meld ich mich spĂ€ter nochmal! Schau in der grĂŒnen Jacke nach! Und. Bussi..."
Tina: " Hey Tobias, wart mal kurz...
Tobias: " Ach - ja, was brauchst du noch?"
Tina: "Hab dich lieb und schreib was LĂ€ssiges! Vielleicht gwinnst ja!"
Tobias: " Ma, hab dich auch lieb - und passt mach ich - Bussi..."
Tina : "..."
Bevor Tina noch was darauf sagen kann, hat Mukke schon aufgelegt und widmet sich wieder seinem "TagesgeschĂ€ft". Ein kurzer Moment der Stille folgt. Dann nimmt Tina das Telefon vom Ohr und blickt es fĂŒr eine Zeit lang fragend und mit ernster Miene an, bevor sie es zurĂŒck auf das Sofa legt. Und nur ganz langsam lockert sich anschließend ihr fast schon zĂ€rtlicher Griff von dessen "kunststofflichen" OberflĂ€che. Tina steht bedachtsam auf und geht abermals rĂŒber zum "Schuhkastl". TatsĂ€chlich!
Diesmal hat sie GlĂŒck. In der abgeschundenen Außentasche von Mukke's schĂ€biger grĂŒner (im Prinzip gestohlenen) Bundesheerjacke, befindet sich ein blaues Plastikfeuerzeug. Phoa...
Endlich ist Tina nun dazu befĂ€higt, sich ihre mittlerweile so redlich verdiente 1te Zigarette dieses Tages anzuzĂŒnden. (Wieder kĂŒnstlich) zufrieden lĂ€sst Tina das Feuerzeug aufblitzen und die rote Glut der Zigarette kĂŒndigt an was heute noch geschehen wird...


"Caramel? Also mir gefÀllt der Name schon gut!"
"Naja, ich find ihn schon a bisl einfallslos, eigentlich...", antwortet Tina gelangweilt und wirft ihrer Freundin einen ebensolchen Blick zu.
"Hab mir das schon a bisl fetziger vorgestellt, das hier, Kathi!"
"Ach komm, das wird schon noch lustig, Tini! Wirst sehn, bald kommen schon noch ein paar mehr Leute! Vielleicht auch ein paar fesche Typen!", meint Kathi lakonisch. Doch Tina schĂŒttelt abweisend ihre Schultern und nimmt einen krĂ€ftigen Schluck aus ihrem bis dato noch vollen Bierkrug.
Na sicher, das ist genau das, was ich jetzt brauchen kann. Irgend einen Typen! Will nur a bisl feiern - jetzt wo ich's noch "darf"...
Doch zum Feiern braucht man ja die richtige Stimmung und die will irgendwie nicht aufkommen, findet Tina. Das sich das bald Ă€ndern wird, daran mag sie im Augenblick noch nicht so recht glauben. Ein flĂŒchtiger Blick zur Theke bestĂ€rkt sie in dieser Überzeugung.
"Na komm, so wenig wie jetzt los ist! Außerdem interessieren mich Typen echt nicht Kathi, hab ja Tobias! HĂ€tt nur gern ein bisschen mehr Stimmung in der Bude!", nach diesem Satz schnappt sich Tina ihren inzwischen nur mehr halbvollen Bierkrug und nimmt einen weiteren ausgiebigen Schluck. WĂ€hrend dieser Aktion wird sie von Kathi genauestens beobachtet.
"Ah, ja! Hey, genau! Wenn wir grad ĂŒber den Namen der Bar gredet haben...!
Tina lĂ€uft es eiskalt den RĂŒcken runter.
"Muss dich eh noch was fragen!", eine ihrer Augenbrauen schiebt sich verschwörerisch nach oben: "Die Dodi hat mir was gsagt ĂŒber dich..."
"So, was ...", Tina verschluckt sich beinahe, was Kathi recht aufmerksam mitverfolgt. Tinas plötzliche und sichtbare NervositÀt scheint ihr zu gefallen.
"Na...", eine kurze Pause folgt: "...dass du glaubst, dass du schwanger bist!"
Diese ausgesprochen "diskreten" Worte lassen Tina unvermittelt zusammenzucken - sie reflexartig nach Luft ringen. Und in den blassblauen Wolfsaugen ihrer besonders "netten" GesprÀchspartnerin spiegelt sich die Idee eines kleinen Triumphes wider.
"Stimmt das echt?", ihre roten Lippen spitzen sich lĂ€sterhaft, wĂ€hrend Kathi voll Genugtuung eine Zigarette aus ihrem PĂ€ckchen zieht. Tina schaut sie sehnsĂŒchtig an - die Zigarette.
"Also, ich...", Tinas Stimme vollzieht einen (oder gleich mehrere?) Oktavenspru(ĂŒ)ng(e) nach oben, wĂ€hrend das I von "ich" beinahe schon ein zweigestrichenes C erreicht. Erschrocken darĂŒber fasst sie sich ihren Bierkrug und leert den geringen Rest in sich hinein. In ihrer Magengrube rumort es kurz - so als ob der hektisch hinuntergespĂŒlte letzte Schluck Bier, Tina's "Vielleicht-Bald-Baby" nicht so recht bekommen wĂŒrde. Sie verdrĂ€ngt diese Empfindung schleunigst und sucht aufgebracht nach den passenden Worten um diesem ungewollten GesprĂ€chsthema den NĂ€hrboden zu entziehen. Ach Mist! Genau das wollt ich eben heute nicht - sowas...
"Tina! Ich höre...", Kathi klingt leicht genervt, zumindest versucht sie so zu klingen. Und Tina beginnt sich schon zu fragen, warum sie sich heute eigentlich mit diesem heimtĂŒckischen Mistvieh namens Katharina Rotstein ĂŒberhaupt getroffen hat.
Sie atmet durch - bemĂŒht sich darum abgeklĂ€rt zu klingen, aber diese Fassade hat schon gebröckelt bevor sie ĂŒberhaupt hochgezogen war - und ihre vibrierenden Fingerspitzen verraten sie erneut, wie Kathi natĂŒrlich ebenfalls nicht ĂŒbersieht - und sie ahnt (sieht) es, Tina ist nicht zufrieden mit dieser Situation. Ist ja auch kein Wunder - bei dem Vater! >Vater?< Eine Frage die fĂŒr Kathi viele Antwortmöglichkeiten hat, aber letztlich auch noch mehr weitere Fragen aufwirft . >Ist Tobias womöglich gar nicht der Vater...<, geht ihr gerade durch den Kopf. >...weiß er gar nichts von der Sache?< Kathi kann sich das bei Tina nur allzugut vorstellen - obwohl...
"Kann schon sein!", entfĂ€hrt es Tina, die ihre Stimme noch immer nicht so recht unter Kontrolle hat. Unvermittelt schreckt Kathi aus ihren umtriebigen Gedankenspielen hoch. "Jaaaaaa!?", sagt sie ganz langsam und behutsam - sorgfĂ€ltigst darauf achtend, den Bogen nicht zu ĂŒberspannen. Sie empfindet Tina's NervenkostĂŒm heute nicht mehr als allzu robust. Also hĂŒtet sie sich davor, dieses lustige Spielchen durch eine unbedachte Äußerung zu gefĂ€hrden. Gelassen nimmt sie eine ausgiebigen Zug von ihrer Zigarette und blĂ€st den Rauch in Tinas Richtung.
>Könnte zu massiver Aufregung fĂŒhren. WĂ€re ja schließlich nicht gut fĂŒr das zukĂŒnftige Kind, wenn sich die liebe Mama noch ein paar GlĂ€ser mehr auf die schnelle Art in die Birne knallt, außerdem erfahr ich so ja nichts...<, ergĂ€nzt Kathi im Gedanken.
"Ich habe einen positiven Test."
"Also schwanger! GlĂŒckwunsch!", fast schon wie aus einem schlechten Film erscheint fĂŒr Tina die zu diesen Worten aufgesetzte "Ach mei!" -Maske auf dem Gesicht ihrer "Freundin". Sie gerĂ€t unvermittelt in Rage...
"GlĂŒckwunsch!?!", faucht sie ihre "Freundin" an. Den Rest des Satzes denk sie sich (leider) nur.
GlĂŒckwunsch, GLÜCKWUNSCH, Gratuliere Tina - jawohl! Endlich kriegt ihr euer so lange erhofftes Baby. So eine Scheiße...
"DafĂŒr trinkst du aber schon a bisl arg!", sagt Kathi um diese kurze Pause, wĂ€hrend Tina offensichtlich etwas um ihre Fassung ringt, zu nutzen - aus defensiver Überlegung heraus, nur um nicht verbal niedergemĂ€ht zu werden. >Schwangere können ja...<
Dann merkt sie aber gleich, dass das keine wirklich passende Bemerkung war.
Denn bevor Kathi diese blöde Aussage bedauern kann, erntet sie einen kurzen stechenden Blick und gerÀt jetzt wirklich in die Defensive.
"...das ist jetzt nicht dein Ernst! Oder Kathi?"
"Nunja, also..."
"Komm schon Kathi - du bist aber genau nicht so jemand!"
Blitzschnell wechselt Kathi ihre voreilig offensive Strategie und setzt sich, aus Tinas Sicht, die nÀchste schnulzige Maske auf.
"Ach Tini! Willst wohl noch nicht Mama werden - hm?", die Anteilnahme in Kathi's Gesicht wirkt gar nicht mal so unecht auf Tina. NatĂŒrlich trotzdem, sieht sie den Wolf hinter der Maske. Einen im sprichwörtlichen Schafspelz, einen der sich gerade nach vorne lehnt und seine stahlblauen Augen ganz nah an sie heranfĂŒhrt. Diese Augen funkeln kurz auf und eine Woge der KĂ€lte entströmen deren klaren aber emotionslosem Blick.
Die hat ja noch nicht genug! Mei - warum hab ich mich nur nicht mit der Dodi getroffen... Dennoch gelingt es Kathis Mund auf irgendeine unerdenkliche Art, ein warmes LĂ€cheln herbeizuzaubern und dadurch dafĂŒr zu sorgen, dass Tina trotz einer nunmehr schon extremen GesprĂ€chsabneigung nicht einfach aufsteht und geht, sondern weiter spricht.
"Weiß nicht!", sagt sie wieder etwas ruhiger.
"Warum weißt du das nicht? So was spĂŒrt man ja - ob die richtige ..."
"Nein, eben nicht! Ich spĂŒr gar nichts!", Tina wird wieder lauter und greift hektisch in die Handtasche.
"Ist nĂ€mlich noch nicht fix! Und solange ich nicht beim Frauenarzt war, bin ich auch nicht schwanger!", wie zum Protest, bringt Tina's Hand eine schwarze Packung zum Vorschein und beinahe zeitgleich greift die andere Hand nach dem blauen Feuerzeug auf dem Tisch und zĂŒndet fĂŒr Tina ihre Zigarette an. Dessen gelbe Flamme blitzt fĂŒr sie somit schon das zweite Mal an diesem Tag auf. Gierig nimmt sie einen krĂ€ftigen Zug und greift nach dem leeren Bierglas - kurz herrscht ein Waffenstillstand...
Jetzt hol ich mir aber noch ein Bier, bevor...
"Rauchen und Trinken! Wie passt das eigentlich zu deiner Situation?"
Mei! Regt mich dieses blöde Weib vielleicht auf, das gibts ja nicht - es reicht jetzt aber langsam...
"Kann dir ja wurscht sein!", Ă€tzt Tina, die ihre HĂ€nde schon abwehrend vor ihrem Brustkorb verschrĂ€nkt hat und saugt unter einem arg abwertenden Blick ihrer "Lieblingsfreundin" noch mehr von diesem köstlichen Rauch in ihre sehnsĂŒchtige Lunge. Dann bemĂŒht sie sich darum, sich so schnell als möglich aus dieser unangenehmen Situation davonzustehlen.
"Ich werd dann noch was zum Trinken holen, Kathi! Brauchst du auch noch was? Ein Bier?", aber ihre verbale Fluchtvorbereitung misslingt. Kathi setzt schon wieder dazu an sich etwas von der Seele zu reden.
"Hey jetzt wart mal Tini! Wo liegt denn das Problem? Bist ja eh schon 27 und eine gute Arbeit hast ja auch! Oder ..."
"Merkst du das nicht? Ich will jetzt wirklich nicht darĂŒber reden!", brĂŒllt Tina schon fast, und das obwohl es ja insgeheim dann doch nicht ganz der Wahrheit entspricht. Sie will ja nur mit Kathi nicht ĂŒber diesen "Mist" reden. Sie wollte ja eigentlich ĂŒberhaupt nicht reden - halt heute nicht. Aber reden darĂŒber, will und muss sie schon (eh schon bald). Am liebsten natĂŒrlich mit Tobias - aber der...
Mit dem kann ich ja auch nicht richtig darĂŒber reden. Der packts ja selber nicht...
Und wĂ€hrend Tina sich aufgrund einer weiteren kurzen KonversationslĂŒcke fragt, was ihr Freund wohl gerade macht, zieht sich auch schon die nĂ€chste Ungeheuerlichkeit durch Kathis Sprechapparat.
"Na arg! Hey sag, ist das Kind etwa gar nicht vom Tob..., Àhm "Mukke?"
Jetzt spinnt sie aber schon ein bisl...
"Hey Kathi...", Tina dreht die Augen ĂŒber:"...ich bin ja nicht du! Und wenn ich schwanger bin dann..."
Kathi reagiert abermals theatralisch, findet Tina. Auf groteske Art verzieht Kathi ihr hĂŒbsch gepudertes Gesicht und rĂŒmpft die Nase - wie eine feine Dame die man derb beleidigt hat.
"Ach - uch! Nein, also sowas...", eh schon klar Kathi.
"Passt schon! Alles klar! Werdet's dann auch heiraten?", versucht sich Kathi zurĂŒckzukĂ€mpfen.
"Mensch! Wo lebst du? Man heiratet ja nicht gleich!"
"Aber zusammen bleiben werdets schon? Aber ich find nÀmlich..."
"Ich weiß schon was du denkst Kathi! Wir passen nicht zusammen und er hat keine gscheite Arbeit - auch kein Geld, eigentlich nichts - außer ein scheiß Zippo - aber ich lieb ihn und...", Tina nimmt einen weiteren krĂ€ftigen Zug von ihrer Zigarette.
"...ich will jetzt nicht darĂŒber reden!"
" Und wie wirds heißen?"
"Argh! Na sicher nicht Caramel, Kathi - echt! Ich geh jetzt was zum Trinken holen!", Tina nimmt einen eiligen letzten Zug von ihrer Zigarette und drĂŒckt den Rest im Aschenbecher aus. Diese Frau raubt ihr noch den allerletzten Rest ihrer Vernunft, befĂŒrchtet Tina.
Nichts wie weg jetzt! So eine Kuh...
"Also Kathi! Noch ein Bier?"
"Ähm - Ja, doch..."


So ein freakiges Mistvieh! Echt...
Tausend wirre Gedanken streifen durch Tinas Kopf, dessen Innenleben einem ĂŒberfĂŒllten Autobus gleicht. So hat sie sich diesen Abend aber sicher nicht vorgestellt.
Ich wollt ja nur mal wieder raus! Echt - aber der Tobias...
Sie ahnt natĂŒrlich, dass sie selbst Schuld ist, an dessen Verlauf. Ist ja auch kein Wunder bei der Begleitung. Unter normalen UmstĂ€nden hĂ€tte sie jemand anderen getroffen. Dodi zum Beispiel, aber eigentlich wollte sie heute ja nicht reden, sondern feiern - was mit Kathi im Prinzip ja immer recht lustig werden kann. Nur hat Tina ja nicht ahnen können, dass Kathi schon weiß, was los ist (sein könnte). So muss sie sich auch heute mit diesem, fĂŒr sie, leidigen Thema auseinandersetzten. Mist auch...
SehnsĂŒchtig fixieren ihre Augen die Bar am hinteren Ende des Lokals, gegenĂŒber einer kleinen, fast schon grotesk wirkenden TanzflĂ€che. Ihre Schritte beschleunigen sich zusehens - ein weiteres Bier ist bald in ihrer Rechweite.
Hab ich eigentlich was falsch gemacht? Scheiße! Jetzt bin ich auch noch schwanger von dem Hirschen...
Als sie die Bar schließlich erreicht hat, trifft ihr Blick direkt auf eine wirklich extrem tussige Blonde. Fast schon obszön hĂ€ngt eine Zigarette zwischen ihren Lippen. Sie scheint etwas zu suchen.
Ein Feuerzeug! Na Tusschen, brauchst du ein Feuerchen?
Als sich Tina mit schnellen Schritten nÀhert, zieht die "Klischeeblondine" erwartungsvoll ihre Augenbrauen nach oben und setzt ein verhaltenes, total falsches LÀcheln auf.
Das kenn ich ja von irgendwoher...
"Hey du! Hast du vielleicht ein Feuer fĂŒr mich?"
"Nein - leider nicht!", wehrt Tina diese Bitte genĂŒsslich ab und sucht Blickkontakt mit dem aufmerksamen Typen hinter der Bar.
Und das LÀcheln im Gesicht der Blonden ist wie weggewischt. Schnell wendet auch sie ihren Blick ab und verzieht ihren ( wie Tina im Augenwinkel sehen kann ) extrem geschmacklos gefÀrbten Lippen nach unten. BÀÀÀ! Ich krieg kein Feuerchen! Oje - und so ein grÀsslicher Lippenstift!
"Was darfs denn sein?"
"Ähm - 2 große Bier, bitte!"
"Kommt sofort!"
Ein Auge hat Tina immer bei der Blonden, wÀhrend sie mit dem anderen zuschaut, wie der Kellner das Bier zapft.
Vielleicht sollte ich mir jetzt einfach auch eine holen gehen! Pha - ist die blöd! Warum fragt sie nicht den Kellner nach einem Feuer.
"Ach, da ist eh das eine...", triumphiert die unsympathische Blonde plötzlich - exakt wĂ€hrend Tina gerade zwei "große Bier" in Empfang nimmt..
Ach nein! Schade...
" 5 Euro 20!", sagt der fesche Typ hinter dem Zapfhahn und Tina entfÀhrt ein scheues LÀcheln.
"Da bitte sehr!", Tina drĂŒckt dem Typen das schon vorbereitete Geld in die Hand und verabschiedet sich innerlich von all ihrer aufgestauten Anspannung, wĂ€hrend sie sich einen krĂ€ftigen Schluck von ihrem Bier gönnt.
Ahhh! So jetzt mag ich aber nicht so schnell zurĂŒck zu der Irren! Ist das ein schrĂ€ger Abend! Und schwanger soll ich auch noch sein. Oder ich bins! Und ich rauche und trinke - aber nur bis zum Frauenarzttermin. Oder? Nein, vielleicht bin ich ja doch nicht schwanger - ach, aber egal! Das wird schon irgendwie gehen und das mitn Tobias auch..
Diesen relativ zuversichtlichen Gedanken wird jedoch ein jÀhes Ende bereitet.
-QUIETSCH & KLICK-
Tina schreckt auf! Dieses GerÀusch...
Ihre Augen fixieren augenblicklich das Objekt, welches dieses GerÀusch produziert hat. Dieses unsÀgliche GerÀusch.
Völlig erstarrt sieht Tina DAS Zippo in den sorgfÀltig lackierten Fingern dieser blonden "Tussie". Das Feuer brennt und die Glut der Zigarette brennt alles nieder, was irgendwie mit Hoffnung zu tun hat. Als sie sich erschrocken abwendet und sich gleichzeitig verzweifelt einredet, dass das nicht DAS Zippo ist, nÀhert sich dessen Besitzer von hinten (vom Klo kommend).
"Hey Schnecke! Bin wieder da!"
Tobias!!!
Fast tödlich verwundet dreht Tina sich wieder herum und sieht in das sich aufhellende Gesicht der Blonden - diese beginnt zu lÀcheln.
Dann sieht sie in sein Gesicht und er lÀchelt ebenfalls - kurz...


__________________
jeder mensch wird als original geboren,
aber die meisten sterben als kopie

Version vom 08. 08. 2013 22:47

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