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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Casanova Clothing Trademark
Eingestellt am 29. 10. 2001 09:03


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Antaris
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2001

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Hallo allerseits,

dieser Text ist entstanden als Aufgabe einer Schreibwerkstatt - es ging darum, in die Perspektive eines Kleidungsst├╝ckes zu schl├╝pfen.


Casanova Clothing Trademark, Paris-Madrid

Was f├╝r eine Frau! Schon als ich sie von weitem durch die G├Ąnge zwischen den Regalen und Kleiderst├Ąndern schreiten sah fiel sie mir auf und ich w├╝nschte mir, mit ihr zu gehen. Das war ein vermessener Wunsch, denn ob sie ├╝berhaupt Interesse an mir finden w├╝rde war mehr als fraglich. Sie war auch nicht wirklich sch├Ân, jedenfalls nicht so wie die Models auf den Werbeplakaten, aber sie gefiel mir. In ihrem Gang lag ein herausforderndes Ma├č an Stolz und der rote Schimmer in ihrem Haar verdankte sie gewiss nicht dem K├Ânnen eines t├╝chtigen Friseurs. Diese Frau m├╝sste es sein, dachte ich.

Langsam kam sie n├Ąher und dann entdeckte sie mich. Sie war nicht die erste Frau in meinem Leben, aber als sie ihre H├Ąnde nach mir ausstreckte konnte ich vor Aufregung kaum meine Ruhe behalten. ÔÇ×HalloÔÇť, sagte ich als ich die zarte Haut an ihren Hals ber├╝hrte, ÔÇ×wie sehr habe ich mir gew├╝nscht, eine Frau wie Sie kennenzulernen.ÔÇť

Sie sch├╝rzte ihre Lippen skeptisch. ÔÇ×Doch, das ist mein ErnstÔÇť, bekr├Ąftigte ich, "Sie sind so sch├Ân! Schauen Sie nur, welch ein wundervolles Paar wir beide abgeben."

Sie drehte sich zum Spiegel, strich ganz zart ├╝ber mich, und leider war es unvermeidlich, dass sie meine Visitenkarte in die H├Ąnde bekam. Nun wusste sie genau, wer ich war, aber die Zahlen am unteren Rand schienen sie zu st├Âren. Ihre harten Fingerkuppen, ihre festen Handballen lie├čen ahnen, dass sie den Wert der Ziffern sehr wohl kannte. "Dich kann ich beim besten Willen nicht brauchen", zischte sie.

Schon war sie drauf und dran, mich wieder zr├╝ck ins Regal zu bef├Ârdern. "Halt", schrie ich, "werden wir denn nie wieder zusammen sein?" Nun ruhten ihre schmalen H├Ąnde auf mir, und ich schmiegte mich an ihre Ohren. "Komm, nimm mich mit nach Hause", fl├╝sterte ich. "Du sollst nie wieder frieren."

Das half. Unsicher blickte sie sich um, versteckte meine Visitenkarte zwischen mir und ihrer Haut, dann schloss sie ihren Mantel. Ich nahm kaum die Umgebung wahr, ich sp├╝rte nur ihre Schritte und klammerte mich fest. Alles schien genau so zu funktionieren wie ich es mir in meinen k├╝hnsten Tr├Ąumen ausgemalt hatte. Schon schlug uns die kalte Luft an der Ausgangst├╝r entgegen da tippte jemand auf ihre Schulter.

"Entschuldigen Sie, d├╝rfte ich bitte Ihren Kassenzettel sehen?" Der Ladendetektiv zeigte seinen Ausweis vor.

"Kassenzettel...warum?" fragte die Frau entgeistert.

"Ich meine den Kaufbeleg von diesem guten St├╝ck hier" Schon kam mir der Ladendetektiv mit seinen fettigen Fingern gef├Ąhrlich nahe. "Am besten kommen Sie gleich mit in mein B├╝ro."

"Ich...kann nichts daf├╝r", stammelte die Frau, als der Ladendetektiv sie quer durch die Gesch├Ąftsr├Ąume f├╝hrte. "Der Schal hat gesagt, ich soll ihn mitnehmen!"

"Das finde ich ├╝berhaupt nicht witzig", entgegnete der Ladendetektiv finster. Kaum hatte er die B├╝rot├╝r hinter ihr geschlossen brach sie in Tr├Ąnen aus und vergrub ihr Gesicht in ihren H├Ąnden.

"Was ist denn los?" Der Abteilungsleiter dr├╝ckte seine Zigarette aus.

"Einer von diesen Kaschmirschals hat ihr angeblich eingeredet, sie soll ihn mitnehmen", brummte der Ladendetektiv."Das muss eine neue Masche sein. Sie ist schon mindestens die dritte, die so einen Stuss von sich gibt. Hier, nimm den schon mal mit."

Ehe ich mich versah lag ich wieder in meinem alten Regal.




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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

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schmunzel,

schmunzel. und beinahe gruselig. gef├Ąllt mir. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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Willi Corsten
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Apr 2001

Werke: 87
Kommentare: 1122
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Liebe Antaris,
meisterhaft geschrieben, wirklich! Ohne die Erkl├Ąrung oben h├Ątte ich glatt auf einen Liebhaber getippt.
Nur schade, dass die Geschichte kein Hapy-end hat. Platz daf├╝r ist doch da. Reizt dich die Aufgabe nicht?
Herzliche Gr├╝├če
Willi

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Antaris
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2001

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Danke

Hallo Ihr Beiden,

danke f├╝r Eure Anerkennung. Die Geschichte weiter erz├Ąhlen? Na, ich wei├č nicht, was k├Ânnen wir von einem dusseligen Schal mehr erwarten als leere Versprechungen? Vielleicht schreibe ich mal eine andere Geschichte mit einem anderen Gegenstand, die dann ein Happy-End bekommt. Schrreib Du eine, Willi!

Mit feurigen Gr├╝├čen

Antaris

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axel
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Apr 2001

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Hallo Antaris.
Schon witzig: meine Handtasche neben deinem Schal.
Ich finde die Geschichte toll, du solltest nichts ├Ąndern, auch kein happy-end dazu schreiben, denn dann ginge der Witz verloren. Kompliment!
Sch├Âne Gr├╝├če,
axel

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Weg des Weisen
Hobbydichter
Registriert: Oct 2001

Werke: 17
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Schal

hey das ist ne wirklich coole Geschichte, hat mir sehr gut gefallen:-))

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