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Leselupe.de > Humor und Satire
Castro Street
Eingestellt am 19. 08. 2005 17:14


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Marius Speermann
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Registriert: Jul 2005

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Ein kleiner Bub aus Wien kommt herum in der Welt und beschreibt, was ihm dabei so auffĂ€llt. Gemeinsam mit seiner kleinen Freundin Natasha, die aus Russland stammt und scheinbar alles weiss, versucht er die Situationen und WidersprĂŒchlichkeiten zu verstehen. Dabei bleibt zuerst Mal der Ernst auf der Strecke...

Meine Mama hat Geburtstag gehabt. Deshalb gingen wir nach San Francisco in ein Restaurant auf der Castro Street. Auf der Castro Street fahren alte Strassenbahnen, die von Kabeln gezogen werden. Unsere in Wien sind viel moderner: die werden nicht von einem Kabel gezogen, sondern die hanteln sich mit ElektrofitÀt an einem Kabel entlang.
Auf dem Weg zum Restaurant haben wir viele MĂ€nner gesehen, die miteinander Hand in Hand gingen und Papa, Mama und mich komisch ansahen und einander ins Ohr tuschelten, wenn wir vorbeigingen.

Im Restaurant hat uns ein HinsetzfrĂ€ulein zum Tisch gefĂŒhrt. In Amerika kann man sich nicht einfach den Platz im Restaurant aussuchen, man muss warten, bis einen die dorthin setzen, wo es ihnen passt. Deshalb muss man eigene Hinsetzdamen einstellen, die einem dann zeigen, wo man sitzen darf. Weil es aber Mamas Geburtstag war und Papa zu dem FrĂ€ulein ganz freundlich gesprochen hat, haben wir einen Platz gleich in der NĂ€he vom Klo bekommen.

Am Nachbartisch sind auch drei Damen gesessen, die geschminkt und mit viel Schmuck auf den Armen und um den Hals Wein geschlĂŒrft haben. Papa hat zu ihnen rĂŒbergeschaut, sie angelĂ€chelt und gegrĂŒsst.

Mama wusste nicht was sie bestellen soll, also hat Papa in der Speisekarte nachgesehen. Er hat einige MenĂŒs vorgelesen, aber keiner konnte sich vorstellen, was „Portobella Mushroom“ oder „Rack of Lamb“ sein soll, also haben wir alle Hamburger mit Pommes Frittes und Ketschup bestellt. Die Amerikaner haben halt keine Esskultur.

Die Kellnerin hat nur freundlich gelÀchelt und aufgeschrieben, was Papa ihr gesagt hat. Sie hat immerzu gelÀchelt. Vielleicht war mehr nicht möglich, weil sie hat soviel Schminke im Gesicht gehabt, dass das wie die getrocknete Wandfarbe im Badezimmer ausgesehen hat und wahrscheinlich ihr Gesicht versteinert hat. Schminke wirkt immer so, das weiss ich ganz genau. Einmal habe ich nÀmlich Natashas Barbielippenstift genommen und meinem Hasen Charley eine Kriegsbemalung aufgemalt. Seine bemalten Haare waren dann mit dem Lippenstift darauf ganz steif. Und Natasha war auch nicht locker, weil sie böse war auf mich, dass ich den Barbielippenstift abgebrochen habe. Aber das war allein Charleys Schuld, der hat beim Anmalen nicht still gehalten.

WĂ€hrend wir bestellten, haben die Damen am Nebentisch immer ganz freundlich herĂŒbergelĂ€chelt. Papa und ich haben zurĂŒckgelĂ€chelt. Die eine Dame kam dann herĂŒber und hat mit ganz tiefer Stimme Papa gefragt: „Hallo SĂŒsser, kann ich mir das Salz ausborgen?“ Papa schaute ganz erschrocken und stotterte „NnnaatĂŒĂŒrlich“, und hat ihr das Salz gereicht. Die Mama grinste ihn ganz hĂ€misch an und Papa schaute dann nur mehr auf seinen Teller.

Mama hat mir erklÀrt, dass es in San Francisco viele MÀnner gibt, die sich als Frauen verkleiden. Das ist aber nichts Neues, auch die Schotterer und Pfarrer tragen Röcke und sind trotzdem MÀnner. Mein Papa und ich sind aber echte MÀnner und tragen nur Hosen.

Jedenfalls waren die Hamburger gut und wir haben sie mit Messer und Gabel zerteilt, was dumm war. Ich hÀtte sie lieber mit den Fingern gegessen, weil das im Fernsehen auch immer alle tun, aber Mama hat gesagt, dass sich das nicht gehört. Die drei FrauenmÀnner am Nachbartisch haben die ganze Zeit gekichert, aber die Amerikaner wissen halt nicht, wie man sich benimmt.

Als die Mama nach dem Essen aufs Klo gehen wollte, ist sie gleich darauf mit grossen Augen zu unserem Tisch zurĂŒckgestĂŒrmt.
„Was ist denn los?“, hat Papa gefragt.
„Ich gehe hier nicht aufs Klo!“, hat Mama empört gesagt. „Auf dem Damenklo sind nur MĂ€nner!“
„Dann geh doch aufs Herrenklo“, sagte Papa.
Mama ĂŒberlegte, sagte „Gut!“ und verschwand in Papas Sakko gehĂŒllt am Herrenklo.

Papa und ich sind aber nicht aufs Damenklo gegangen, denn Mama wollte uns partout ihren Rock nicht borgen.

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flammarion
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niedlich.

deine geschichten machen immer mehr spaß.
lg
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Old Icke

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dennis petsch
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gott zum gruße, herr speermann!

wie war das noch mal mit dem "ein bisschen zu viel tanz fĂŒr meinen geschmack"???

also, dieser text ist absolut kein stĂŒck unausgereift, sondern wieder ein generöses highlight!!!

alles weitere tipp ich dir privat...

lg,
-dennis-

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