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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Cata-Tonia
Eingestellt am 12. 05. 2009 23:24


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Roland Peters
Hobbydichter
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Entstanden als ich fĂŒr eine andere Geschichte zum Thema psyschische Krankheiten recherchiert habe.
Ich gebe zu, der Text ist etwas schwer zu lesen, hoffentlich findet der ein oder andere trotzdem den Zugang dazu.

---------------------------

Cata-Tonia

Eine Großstadt in Deutschland. Unbedeutend welche: was wir in und zwischen den folgenden Zeilen erleben könnte und wird sich gleichermaßen in jeder grĂ¶ĂŸeren Stadt irgendwo zutragen, mit leichten Abwandlungen, differenten Details; es könnte sich ebenso gut ereignen in einer Stahlbetonfestung mit einer beliebigen Stockwerkanzahl in Frankreich, Amerika (vielleicht gerade dort!), England, Sie verstehen schon: etc. pp.
Wichtiger als der Ort (Hauptsache Großstadt) ist die Uhrzeit – 07.05 Uhr in roten Digitalsignalen auf dem Radioweckerdisplay – wiewohl auch sie im Vergleich mit den Geschehnissen ziemlich unbedeutend erscheint. Nennen möchte ich den momentanen temporĂ€ren Stand lediglich aus einem Umstand: der Radiowecker wird um exakt 07.10 Uhr sein Wecksignal in den Raum hinaus schreien und damit meine Protagonistin aufwecken. Mir verbleiben ergo nur maximal fĂŒnf Minuten Sie vorzustellen.

Eine groß gewachsene Statur, also flĂŒchtige KĂŒsse auf Zehenspitzen gewohnt, liegt scheinbar friedlich ruhend eingewickelt in blau-weiße BettwĂ€sche, gekrönt von derzeit zerzausten halblangen schwarzen Haaren – ob der seelige Frieden wahrhaftig ist will ich ungeklĂ€rt lassen, sprich mir die Beschreibung ihrer TrĂ€ume sparen – nicht vergessen: fĂŒnf Minuten (mittlerweile viereinhalb)!
Obgleich besagte Statur ebenso weit von Kate Moss wie auch von Hella von Sinnen entfernt pendelt, kurz: gesundes Mittelmaß darstellt, bleiben die bereits genannten ZehenspitzenkĂŒsse fast ausnahmslos ihren wenigen Freundinnen ĂŒberlassen, typische WangenkĂŒsse zur BegrĂŒĂŸung unter MĂ€dchen, denn Tonia (ich vergaß: so heißt Sie) ist ausnehmend schĂŒchtern, und dies ist ihr erstes großes Problem, eines von vielen.
Es wird noch verstĂ€rkt durch eine besondere Gabe, Tonia nĂ€mlich ist in der Lage einem Jungen, der ihr Avancen macht, am Gesicht abzulesen, wenn er Sie nur poppen will um Sie anschließend fallen zu lassen, unsere Großeltern sagten dazu: wie eine heiße Kartoffel. FĂŒr meine Protagonistin nicht akzeptables, doch weit verbreitetes Verhalten. Soweit ihre persönliche Ansicht der ZustĂ€nde, in der RealitĂ€t hat Sie jedoch eine derartige Paranoia vor einer solchen Situation entwickelt, dass unlĂ€ngst alle Kerle die verrĂ€terischen Stigmata auf ihren Gesichtern tragen. Gleichzeitig wird ihr ĂŒber vorsichtiges Herz heftig verzehrt von Sehnsucht nach NĂ€he und Zuneigung, ein großer Baustein ihres tĂ€glich gefĂŒhlten UnglĂŒcks, einer von vielen.

Noch drei Minuten. Passend zur Beliebigkeit der Stadt und des Landes verzichte ich auf Nennung ihrer Hobbies und kleinen Interessen, jene sind austauschbar, es bleibt der Phantasie des Lesers ĂŒberlassen die LĂŒcken zu fĂŒllen, wobei klar sein muss, solch kleine Kiesel im Bauwerk Tonia befinden sich nicht in der Position genĂŒgend GlĂŒcksgefĂŒhl zu emittieren um die Schatten der UnglĂŒck abstrahlenden Backsteine auszuleuchten. Jeder ihrer Tage ist vergleichbar mit dem Zustand eines Teilchens nach den Gesetzen der Quantenmechanik: wahrscheinlich erfreulich durch viele kleine Dinge, mit grĂ¶ĂŸerer Wahrscheinlichkeit aber total beschissen bedingt von wenigen großen UmstĂ€nden, vielleicht auch beides gleichzeitig mit Hang zu Letzterem.

07.08 Uhr. Tonia ist zweiundzwanzig, wohnt wegen ihres Studiums noch unterm Dach der Eltern und belegt Englisch und Geschichte auf Lehramt. Womit wir bei ihrem zweiten großen Problem angelangt wĂ€ren: Warum und mit welchem Sinn studiert man heutzutage noch Geschichte? Warum nicht etwas sinnvolles, anwendbares, Betriebswirtschaft, Informatik, Nanotechnologie? Die erste spontane Antwort ist fast immer: aus Interesse (an der Herkunft unserer Kultur, der Entwicklung unserer Gesellschaft, des Menschen, so in der Art). Aber bloßes Interesse lĂ€sst sich auch in privater BeschĂ€ftigung mit der Thematik befriedigen, gezielter sogar, und außerdem ist Interesse eine von Schwankungen belastete Empfindung, sprich es lĂ€sst zu Zeiten nach. Wiederholen Sie jetzt die obigen „Warum-Fragen“ und finden Sie einige gute Argumente – schwierig nicht wahr?

Wir erkennen ein Dilemma: Tonia sucht, bisher erfolglos, ihren Platz in WeltgefĂŒge und Gesellschaft, ihr Pech ist, dass Sie zu intelligent ist um mit einem normalen einfachen Job glĂŒcklich zu werden. Nur wer sich selbst der gleichen Erfahrung rĂŒhmen kann, weiß wie belastend sich dieselbe auf die eigene Psyche auswirkt. Da mir nur noch knapp fĂŒnfundzwanzig Sekunden fĂŒr den Abschluß der Einleitung verbleiben, will ich ihn in einem verallgemeinerten philosophischen Block vor ihre FĂŒĂŸe werfen. Wer den zu deuten vermag (keine Angst, ist nicht so schwierig!) versteht aus welchem Grund (in Synthese mit oben genannten Problematiken) meine Protagonistin tagtĂ€glich belastet und niedergedrĂŒckt von Emotionen erwacht, die einzig von einer krankhaften Depression evoziert werden können.
Das grĂ¶ĂŸte Problem fĂŒr Tonia oder jemand anderen, der erkannt hat wie absurd und unsinnig unsere Gesellschaft, ihre GefĂŒge und viele menschliche Verhaltensweisen sind, ist: ihre/seine Umgebung lassen ihr/ihm keinen Raum eben diese als sinnentleert erkannten Verhaltensmuster zu unterdrĂŒcken oder abzulegen. Die Mitmenschen wĂŒrgen und pressen solange, bis sie/er im Suizid resigniert oder die besagte Erkenntnis anderweitig – beliebt sind Alkohol oder Arzneimittel oder Ausbildung einer tiefen Depression (siehe Tonia) – ertrĂ€nkt.

Beep. Beep-beep. Beep-beep-beep. Beeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeep! 07.10 Uhr.
Faszinierend zeitgleich mit der GerĂ€uschkulisse bewegt sich ein MĂ€dchenkörper in eine Position, zu der wir gegen Ende der Geschichte zurĂŒckkehren wollen, nein mĂŒssen, also ĂŒben wir uns in Geduld anstatt jetzt mit deren Beschreibung vorzugreifen. Mit dem ĂŒblichen LĂ€cheln auf dem Gesicht – gleich morgens frisch und munter – erwacht Tonia, steigt schwungvoll aus ihrem Bett... Moment! Übliches LĂ€cheln? Ein Splitter ihres Bewusstseins registriert die AbnormalitĂ€t, meldet gewohnt wĂ€re TrĂ€gheit, Unlust, miese Laune, wird aber weggewischt vom hell funkelnden Sonnenschein, der Tonia aufs Gesicht fĂ€llt wĂ€hrend Sie auf die Straße hinaustritt, bevor er richtig zur Geltung gelangen kann.
Beschwingt durch das hĂŒpfende GlĂŒcksgefĂŒhl, von der frischen Luft und dem schönen Tag bemerkt das MĂ€dchen ebenso wenig, dass Sie sich nicht daran erinnern kann sich angezogen und gewaschen zu haben. Einerlei: Sie trĂ€gt ihre Lieblingskleidung, die sĂŒndhaft teuren Schuhe vom Sport-Scheck, die Sie sich nie leisten konnte und sieht gut aus wie lange nicht mehr, vollkommen ohne Schminke und im vollen Bewusstsein, die Schiffer wĂŒrde sich bettelnd die Knie blutig rutschen, wĂŒrde man ihr dafĂŒr das Geheimnis der notwendigen Kur preisgeben.
In ihrem Studienkurs der Nanotechnologie liegt Tonia dermaßen gut im Rennen, man hat ihr heute offiziell einen freien Tag zu gestanden, man fĂŒrchtet Sie könne bei weniger zuvorkommender Behandlung die UniversitĂ€t wechseln (welch Prestigeverlust!), schließlich reißen sich bereits jetzt diverse Pharmakonzerne darum Sie einzustellen, begierig an ihren genialen Forschungen zum Wohle der Menschheit teilzuhaben und Sie zu fördern, außerdem liegt ihre Sachkenntnis sowieso weit ĂŒber der des dozierenden Professors, oftmals schon beschĂ€mt durch Aufdeckung von WissenslĂŒcken durch ihre Hand.

Aus diesem Umstand heraus beschließt Tonia ihr ausnehmend wohlbehĂŒtetes und phantastisches Leben in vollen ZĂŒgen auf einem Spaziergang durch die geliebte Heimatstadt mit sauberen Straßen voller freundlicher BĂŒrger zu genießen, vorbei an den GeschĂ€ften mit Designermoden zu Niedrigstpreisen (alle passend in ihrer GrĂ¶ĂŸe!), ein wenig zu flirten mit all den hĂŒbschen gut gebauten Jungs, die keine Sekunde zögern wĂŒrden Tonia auf ewig ihr Herz zu schenken (wem sonst?), um danach ihrem heiß geliebten Freund einen Besuch abzustatten, dem Adonis der Stadt, der sicher schon mit der romantischsten Überraschung der Welt sehnsĂŒchtig auf Sie wartet.

Ihr tÀnzelnder leichter Schritt wird auf einer von BÀumen gesÀumten Allee gestoppt von unerwarteter, nicht in das Gesamtbild ihrer Umgebung passender Akustik:
„Tonia! Tonia!“ – sicher, die Stadt war vorher auch nicht still, sondern erfĂŒllt von den fröhlichen, von allgemeiner Bildung zeugenden Diskussionen ihrer Bewohner, „Tonia!“ – doch erschallt dieser Ruf nach ihrem Namen traurig schluchzend, zerrt verzweifelt an ihrem Ohr, entfernt, unwirklich. Suchend fĂ€hrt ihr Blick zwischen die BĂ€ume, ĂŒber die Straße, erfolglos. Wer erlaubt sich einen so blöden Scherz? Wer meint die Perfektion dieses Sommertages stören zu mĂŒssen? Verwirrt schĂŒttelt Tonia den Kopf, will den Ruf abschĂŒtteln, ihr immer noch forschender Blick bleibt endlich an den BlĂ€ttern der BĂ€ume hĂ€ngen, die sich unbeschreiblich schön im leichten Wind wiegen und in allen Farben des Regenbogens Leuchten. Freude an den einfachen Dingen des Lebens flutet ihr Herz und bald hört Sie den nagend bittenden Ruf nicht mehr. Die Vögel zwischen den Zweigen singen eine Symphonie allein fĂŒr Tonia, ein Passant schenkt ihr Rosen, geblendet von ihrer Schönheit! Das ist das wahre Leben! So schön kann es nur in dieser unserer Welt sein!

Oder wollen Sie etwa jetzt doch wissen, woher die Schreie kamen? Folgen Sie mir...

Ein halbdunkles Schlafzimmer, vor dem Fenster plĂ€tschernder Regen, drinnen Panikwolken in der Luft, ein starr liegendes MĂ€dchen mit aufgerissenen Augen, grotesk verdrehten Armen, ihr Kopf schwebt bereits so lange erhoben, dass eigentlich kein gesunder Mensch dies zustande bringen könnte, und niemand weiß, wie lange Tonia noch in dieser Position verharren wird. Sie liegt totenstarr, aber lebendig, doch vollkommen abwesend, mit schwachem Puls, die Mutter hĂ€lt ihre Hand, weint versalzene glitzernde Perlen, ruft ihren Namen – „Tonia!“ – wĂ€hrend ihr Herz erdrĂŒckt wird von einem Mount Everest aus Verzweiflung. Ein Berg zu hoch, um von ihrem VerstĂ€ndnis erklommen zu werden. Der Vater fassungslos daneben, lĂ€ngst hat er aufgegeben die Erstarrte wachrĂŒtteln zu wollen.
Er wartet jetzt nur noch auf die Ankunft des Notarztes, lauscht auf die Sirenen, klammert sich an den Hoffnungsfunken, den sein Glauben an die Macht der „Götter in weiß“ entzĂŒndet hat...

Auszug aus einem Lexikon medizinischer Fachbegriffe:
Katatonie (engl. catatonia), ist ein psychisches Krankheitsbild mit ausgeprĂ€gter Störung der WillkĂŒrmotorik, der Emotionen und Verhaltensweisen des Patienten. Es existiert eine Vielzahl von AusprĂ€gungen, beispielsweise stunden- bis tagelange Starreperioden in bizarren Positionen, manchmal im Wechsel mit gewalttĂ€tigen kurzen ErregungszustĂ€nden. Patienten sprechen nicht, zeigen einen Mutismus und verhalten sich in keiner Weise mehr zur Umwelt. HĂ€ufig kommt es zur Ausbildung unbegrĂŒndeter AngstzustĂ€nde oder Aggression, Bewusstseinsstörungen oder zur Umkehrung von EmpfindungszustĂ€nden.
Vorkommen vor allem bei katatoner Schizophrenie oder Depressionen, seltener im Rahmen von Infektionskrankheiten, bei Hirntumoren.
__________________
„Finstere TĂ€ler entstehen dort, wo unsere Gedanken sie erschaffen, wenn wir es zulassen, dass jene unsere TrĂ€ume ersticken.“

Version vom 12. 05. 2009 23:24

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Roland Peters
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GrĂŒĂŸe Suzah

Danke fĂŒr den kurzen kommentar,
hab die zwei Fehler gleich korrigiert.

"Der Text ist schwer zu lesen" - bezog sich auch tatsÀchlich auf den Schreibstil dieser Geschichte, nicht auf den Inhalt.
Um den Stil geht es auch hauptsĂ€chlich in dem Text, der Inhalt ist eher dazu da, ihn zu tragen. Obwohl natĂŒrlich auch der Inhalt wichtig ist, nur nicht so schwerwiegend wie ĂŒblich.


"was soll das, die beschreibung des plots?
schreib doch die ganze story."
- diesem Kommentar kann ich leider nicht so ganz folgen. Der geplante Inhalt der Geschichte ist da und soll garnicht mehr ausformuliert werden.
Er beginnt mit einer sehr allgemeinen Beschreibung / EinfĂŒhrung in die Situation im Stil "Schreiber spricht Leser an", geht dann konkreter an die Protagonistin - und springt dann plötzlich in die heile Traumwelt, die Tonia in ihrer katatonen Starre wie einen Film abfĂ€hrt.
Dann kommt wieder der Autor, spricht wieder den Leser direkt an - um ihn aus dieser Traumwelt heraus zu ziehen und auf die RealitĂ€t zu stoßen.

Das imitiert die Situation eines Arztes, der mit jemandem ĂŒber den Katatoniepatienten spricht:
- Durch welche UmstÀnde konnte es so weit kommen? Was hat die Depression der Patientin so weit fortschreiten lassen, das sie sich in eine Katatonie gesteigert hat?
- Wie kann man sich die Gedankenwelt der Patientin in der katatonen Starre vorstellen (solche Patienten neigen manchmal dazu, sich die Umkehrung ihrer RealitÀt zu projezieren)?
- Und in dem Fall hier: wie reagiert ihre Umwelt auf den ersten Anfall?

Und aus diesen UmstĂ€nden heraus wĂŒrde ich es auch nicht als Plotumschreibung, sondern als die Geschichte ansehen.
Dennoch hatte ich schon vor dem veröffentlichen hier Bedenken, der Text wĂŒrde nicht "eingĂ€ngig" wirken, vielleicht habe ich ihn gerade deshalb auch ausgesucht.

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suzah
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cata-tonia

hallo roland,

die geschichte wĂ€re es wert, dass du sie ĂŒberarbeitest.

wie ich schon sagte, sah ich darin erst einmal die beschreibung des plot. m.e. springst du zu viel hin und her und zwischen den sichtweisen, einiges mĂŒĂŸte prĂ€ziser gefaßt werden und einiges lĂ€ĂŸt mich an pseudowissenschaftliche artikel oder tv-sendugen denken.

ich bin gespannt, wie andere leser das sehen.

grĂŒĂŸe von suzah

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Roland Peters
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Ich werde ĂŒbers Wochenende mal darĂŒber nachdenken, auch ĂŒber deine letzten Kommentare. Vielleicht hilft es schon das Ganze etwas zu entzerren und zu verlĂ€ngern, weil die wechselnden Sichtweisen möchte ich schon beibehalten.

Derweil ruft andere Arbeit und ich habe vielleicht auch das GlĂŒck, noch einen weiteren hilfreichen Eindruck von jemand anderem zu erhaschen.

Danke erstmal, ich schaue zu, mit dem Gedanken "VerÀnderung" warm zu werden .-)
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FrankK
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Hallo Roland
Ein interessanter Text, allerdings wirklich sauschwer zu lesen.
Ich will mich mal an ein paar VorschlÀgen versuchen.

quote:
Eine groß gewachsene Statur, also flĂŒchtige KĂŒsse auf Zehenspitzen gewohnt, liegt(Komma) scheinbar friedlich ruhend(Komma) eingewickelt in blau-weiße BettwĂ€sche, gekrönt von derzeit zerzausten halblangen schwarzen Haaren – ob der seelige Frieden wahrhaftig ist(Komma) will ich ungeklĂ€rt lassen, sprich(Komma oder Doppelpunkt) mir die Beschreibung ihrer TrĂ€ume sparen – nicht vergessen: fĂŒnf Minuten (mittlerweile viereinhalb)!
Obgleich besagte Statur ebenso weit von Kate Moss wie auch von Hella von Sinnen entfernt pendelt, kurz: gesundes Mittelmaß darstellt, bleiben die bereits genannten ZehenspitzenkĂŒsse fast ausnahmslos ihren wenigen Freundinnen ĂŒberlassen, typische WangenkĂŒsse zur BegrĂŒĂŸung unter MĂ€dchen, denn Tonia (ich vergaß: so heißt Sie) ist ausnehmend schĂŒchtern, und dies ist ihr erstes großes Problem, eines von vielen.

Diese beiden Abschnitte könnten zusammengefasst werden und dadurch um die HĂ€lfte verkĂŒrzt.
Doppelte Aussagen (KĂŒsse auf Zehenspitzen), umstĂ€ndliche Umschreibungen (ob der selige Frieden wahrhaftig 
), die „Zwischendurch-Hinweise“ auf den „Countdown“, der Vergleich zwischen Kate und Hella (mĂŒndet nur in Mittelmaß), die umstĂ€ndliche EinfĂŒhrung ihres Namens.
Die relevanten Aussagen machen nur einen Bruchteil des zu lesenden Textes aus.
Bitte auch mal die Zeichensetzung kontrollieren, ich bin kein Profi darin und habe oben nur mal Beispielhaft Kommata eingesetzt, wo sie nach meinem „BauchgefĂŒhl“ fehlen.

quote:
Da mir nur noch knapp fĂŒnfundzwanzig Sekunden fĂŒr den Abschluß der Einleitung verbleiben, will ich ihn in einem verallgemeinerten philosophischen Block vor ihre FĂŒĂŸe werfen.

Solche, ich will mal sagen „StilblĂŒten“, werfen den Leser regelmĂ€ĂŸig aus dem Leserhythmus.
Der Sinn und Zweck des Countdowns leuchtet mir nicht ganz ein. In Realzeit-Betrachtung ist es sogar höchst Ablenkend und verschwendete Zeit.

quote:
Beep. Beep-beep. Beep-beep-beep. Beeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeep! 07.10 Uhr.

Ab hier beginnt die eigentliche Story, wir hatten bislang nur Einleitung (gut die HĂ€lfte des Textes).

quote:
Faszinierend zeitgleich mit der GerĂ€uschkulisse bewegt sich ein MĂ€dchenkörper in eine Position, zu der wir gegen Ende der Geschichte zurĂŒckkehren wollen, nein mĂŒssen, also ĂŒben wir uns in Geduld anstatt jetzt mit deren Beschreibung vorzugreifen. Mit dem ĂŒblichen LĂ€cheln auf dem Gesicht – gleich morgens frisch und munter – erwacht Tonia, steigt schwungvoll aus ihrem Bett... Moment! Übliches LĂ€cheln? Ein Splitter ihres Bewusstseins registriert die AbnormalitĂ€t, meldet gewohnt wĂ€re TrĂ€gheit, Unlust, miese Laune, wird aber weggewischt vom hell funkelnden Sonnenschein, der Tonia aufs Gesicht fĂ€llt wĂ€hrend Sie auf die Straße hinaustritt, bevor er richtig zur Geltung gelangen kann.

Hier wÀre ich fast ausgestiegen, ich musste mich zwingen, weiter zu lesen.
Diesen Teil habe ich drei / vier Mal lesen mĂŒssen, bevor der Sinn einigermaßen bei mir ankam.


Als Leser fĂŒhle ich mich von Dir an die Hand genommen, bekomme eine Geschichte erzĂ€hlt und ein paar Bilder gezeigt. Ich komme aber selbst nicht in die Geschichte hinein, bleibe außen vor und daher unbeteiligt. Der Stil ist zu „liebevoll“ gestaltet, mit zu vielen sanften Vergleichen, als wĂŒrdest Du es einem Kind erklĂ€ren.

Kennst Du „Dinner for One“?
Ein Moderator erklĂ€rt kurz zu Beginn des Schauspiels die Besonderheiten, dann verlĂ€sst er das Szenario. Der Zuschauer erlebt das „Theater“ ungestört.
Das Schauspiel wĂŒrde sehr viel an Reiz verlieren, stĂŒnde der Moderator die ganze Zeit dabei und erklĂ€rte die Handlung. Das Publikum wĂŒrde sich auf den Moderator konzentrieren und dadurch viel vom eigentlichen Geschehen abgelenkt

In Deinem Text spielst Du selbst den Moderator, erklÀrst mir zu Beginn viele Dinge, die von Belang sein sollen.
Dann fĂŒhrst Du mich als Moderator an Tonias Traum entlang, erzĂ€hlst mir, was sie macht, wie sie sich fĂŒhlt.
Aus dem Traum heraus zeigst Du mir plötzlich ein Schlafzimmer, in dem ein offensichtlich krankes MĂ€dchen liegt. Du erzĂ€hlst mir von der Besorgnis der Eltern und deren GefĂŒhle.
Zum Schluss bekomme ich eine fachliche ErklĂ€rung fĂŒr das, was Du mir gerade alles gezeigt hast.
Betroffenheit bei mir: Fast Null.

Anstatt Deine Leser die Geschichte miterleben zu lassen, moderierst Du sie.
Erweitern? Nur nicht, ist schon viel zu breit.

Die Geschichte besteht im Prinzip aus vier Teilen:
1. Einleitung:
Kann ruhig „moderiert“ dargestellt werden, aber etwas dichter und kompakter. Den Countdown empfinde ich auch nach mehrmaligen Lesen fĂŒr absolut ĂŒberflĂŒssig.
Viele der Informationen (KĂŒsse auf Zehenspitzen) empfinde ich als irrelevant fĂŒr die eigentliche Story.
2. Tonias Traum
Lass nicht den Moderator erzĂ€hlen, was Tonia fĂŒhlt und denkt, lass sie es selbst sein. Lass Deinen Leser mit in die Traumwelt gelangen.
3. Das reale Schlafzimmer
Lass nicht den Moderator erzĂ€hlen, was passiert, lass die Bilder und die Eltern selber fĂŒr sich sprechen. Setz Deinen Leser quasi mit ans Bett und lass ihn Tonias Hand halten.
4. SacherklÀrung
Kann, meiner Meinung nach, so bleiben. Bestenfalls in kursiver Schrift, damit er sich vom ErzÀhltext abhebt.

Dein Schreibstil erscheint mir streckenweise etwas umstÀndlich, etwas kompliziert. Manchmal hilft es, sich selbst den Text laut vorzulesen.

Betrachte dies als Hinweise, Deinen Text möglicherweise zu verbessern. Was Du davon wie umsetzt, musst Du selbst entscheiden.


Viele Liebe GrĂŒĂŸe
Frank

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Roland Peters
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Vielen Dank fĂŒr diese ausfĂŒhrliche Betrachtung.

Ich kann gut nachvollziehen, was du meinst. Manche SĂ€tze wirken jetzt - mit deinen Kommentaren im Hinterkopf - einfach zu ĂŒberfĂŒllt und lange.

Die Sache mit dem Countdown war eine Stilidee, die eben verwendet werden wollte. Vielleicht ist es wirklich besser, sie hier herauszunehmen und fĂŒr etwas anderes aufzusparen.

Ich nehme mir jetzt einfach ein paar Tage Zeit und schaue nĂ€chste Woche, wie ich den Text umschreiben wĂŒrde. Das WE gehört einer anderen Veranstaltung.

Sehr hilfreich sind deine Kommentare, manchmal wird man wohl selbst blind fĂŒr seinen Text.

Wir lesen uns in einigen Tagen!

Roland
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