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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Chaos
Eingestellt am 22. 01. 2002 12:05


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L├Âwengeist
???
Registriert: Sep 2001

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Nach langem Hin und Her hatte er sich nun doch dazu entschlossen, die hei├čersehnte CD seiner
Lieblingsgruppe zu kaufen.
Einkaufen, wie lange mochte es her sein, als er noch unbeschwert durch die Regale des Kaufhauses
schlendern konnte ? Er wusste es nicht mehr.
Alles hatte er in diesem Moment vergessen. Unb├Ąndige Angst qu├Ąlte ihn und lie├č ihn erstarren.
Nochnichteinmal f├╝nf Minuten waren vergangen, seitdem er die Musikabteilung betreten hatte.
Schwei├čperlen bildeten sich auf seiner Stirn und er begann am ganzen Leib zu zittern.
Nerv├Âs blickte er um sich und versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen; Warum fiel ihm alles
nur so schwer ? Er hatte das Gef├╝hl, bohrende Blicke auf sich zu sp├╝ren und
es war ihm nicht m├Âglich, ihnen zu entgehen.
"Guten Tag, kann ich ihnen helfen ?" Er zuckte wie unter einem Peitschenhieb zusammen ! Das hatte
er doch unter allen Umst├Ąnden vermeiden wollen, was jetzt ? Er starrte in das Gesicht der jungen
Verk├Ąuferin und leckte sich nerv├Âs ├╝ber die Lippen.
"N-n-n-nein", stammelte er, "schon schon gut, nur eine CD...".
Damit fl├╝chtete er in den n├Ąchsten Gang, wo sich niemand sonst aufhielt. Er versuchte sich wieder
zu fangen und die Kontrolle ├╝ber sein Denken zur├╝ckzuerlangen.
Ganz ruhig, sagte er zu sich selbst, immer wieder, dabei machte er einige tiefe Atemz├╝ge
und schloss die Augen. Eine kleine Weile sp├Ąter hatte er sich gefasst. Er konzentrierte
sich wieder auf sein eigentliches Anliegen und machte sich vorsichtig auf den Weg durch die Regale.
Nach kurzer Zeit hatte er die gew├╝nschte CD gefunden, nahm sie aus der Halterung und zwang
sich, ruhig zu einer der drei ge├Âffneten Kassen zu gehen. Zwei Kunden waren noch vor ihm, also
hatte er noch Zeit. Warum hatte er nur solche Angst vor den Menschen ? Mit den Jahren war es immer
schlimmer geworden. Es kostete ihn Tage des ├ťberwindens, bevor er auch nur einen Schritt au├čer
der Reihe aus der Wohnung tat.
Er hasste es, morgens zur Schule zu gehen, diese Angst zu sp├╝ren und nichts dagegen tun zu k├Ânnen.
Aber am Meisten hasste er sich selbst daf├╝r, diese Gedanken ├╝berhaupt zu haben.
In seiner klasse war er schon lange zum Au├čenseiter abgestempelt, man mied ihn, aber hinter
seinem R├╝cken wurde geredet und oft glaubte er, im Vorbeigehen zynische Bemerkungen aus den
M├╝ndern seiner Mitsch├╝ler zu h├Âren. Wenn seine Angst ihn wiedereinmal zu erdr├╝cken schien, ging
er einfach nicht hin, er schw├Ąnzte den Unterricht. Ja, das hatte er schon oft gemacht, und
seine Noten lie├čen dementsprechend auch zu w├╝nschen ├╝brig. Und auch das hasste er. Warum
konnte er nicht einfach normal sein ?
"Legen sie bitte die Ware auf das Band", h├Ârte er die Kassiererin sagen. Es dauerte einen Moment,
bis er begriffen hatte, da├č er gemeint war. Eine Hitzewelle ├╝berflutete ihn und schnell tat er,
was die Frau von ihm verlangte. Blos schnell raus hier, dachte er, als er mit zitternden
H├Ąnden das geforderte Geld aus dem Portemonnaie nahm und der Kassiererin reichte.
Schnell steckte er das Wechselgeld in die Jackentasche, nahm die CD vom Band und lief in Richtung
Ausgang. Da├č er dabei eine junge Frau, die einen Kinderwagen schob, unsanft anrempelte,
merkte er nichteinmal. Er wollte nur so schnell wie m├Âglich nachhause zur├╝ck, in sein sch├╝tzdendes
Zimmer.
Dort angekommen, dachte er nach. Er wusste, er hatte ein Problem, genauergenommen waren es viele
Probleme, die ihm fast den Verstand raubten. Wie sollte er mit ihnen umgehen ? Mit wem sollte
er dar├╝ber reden ? Seine Eltern verstanden ihn ja doch nicht, au├čerdem m├╝ssten sie doch sehen,
da├č es ihm nicht gut ging. Aber nein, sie waren nur mit sich selbst besch├Ąftigt und stritten oft.
Sicherlich war er daran schuld, schlie├člich war er ein Nichts, der blos faul in seinem
Zimmer hockte und die Tage nutzlos verstreichen lie├č. Nein, er w├╝rde nichts davon sagen, es
hatte ja doch keinen Sinn, er konnte einfach nicht reden. Was sollte sich denn auch ├Ąndern ?
Seine Eltern w├╝rden ihn wahrscheinlich zu einem Psychologen bringen, wenn sie davon erfuhren, und
das wollte er auf keinen Fall, schlie├člich war er nicht bl├Âd. Er war nur anders als die anderen,
das war es, nur anders....



__________________
Der Glaube in uns, geboren aus Hoffnung, weist einen Weg, der Zuversicht hei├čt.

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