Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92263
Momentan online:
510 Gäste und 15 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Chat
Eingestellt am 28. 07. 2008 17:39


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
R. Herder
???
Registriert: Jan 2008

Werke: 41
Kommentare: 526
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um R. Herder eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Chat



    Er freut sich, schreibt er, ist schon ganz aufgeregt und ein bisschen nerv├Âs, schreibt er, was nicht n├Âtig ist, findet sie, obwohl sie auch ein kleines Kribbeln im Bauch sp├╝rt, schreibt sie, dann sehen wir uns also, schreibt er, hab dich ganz doll lieb, schreibt sie, und verschwindet aus dem fliederfarbenen Raum, l├Ąsst ihn allein im fliederfarbenen Raum, und er bleibt im fliederfarbenen Raum, nimmt nur die H├Ąnde von der Tastatur, steht auf vom

    Schreibtischstuhl, geht hin zum kleinen Aktenschrank, auf dem die Schmetterlinge stehen, die Gie├čharz-Schmetterlinge, seine Schmetterlingssammlung, die er st├Ąndig erweitert, die Sammlung seiner Schmetterlinge, die Tagfalter enth├Ąlt und Nachtfalter, in allen Farben und Graustufen, die ihn immer erinnert an seinen ersten Schmetterlingsfang, da hatte er richtiges Kribbeln im Bauch und war ganz vorsichtig, damit er nichts kaputt

    macht, weil ein kaputter Schmetterling nicht gesammelt werden kann, weil es sich nicht lohnt, Kaputtes in Kunstharz zu betten. Wie er so im fliederfarbenen Raum vor dem kleinen Aktenschrank, auf dem die Schmetterlinge stehen, steht, bemerkt er seinen Durst und dreht sich dabei um, er dreht sich weg vom kleinen Aktenschrank und dreht sich hin zum Raum, dreht sich Richtung K├╝che und denkt dabei an sie, die er sehen wird, ganz

    bald, die er bisher nur auf Fotos sah, auf kleinen Fotos, in 2-D, auf seinem Monitor, vor dem er so oft sitzt, auf seinem Schreibtischstuhl, B├╝rostuhl, Drehstuhl, denkt an ihre ausgewaschene Blondf├Ąrbung und ihre blauen Augen und die etwas schiefen Z├Ąhne und die Wollpullover, die sie tr├Ągt auf Fotos, die er auf seinem Monitor sieht, wobei sein Durst noch gr├Â├čer wird, den er stillen will mit Cola oder Red Bull, weil er wach bleiben will im

    fliederfarbenen Raum, in dem die Gieh├čharz-Schmetterlinge auf dem kleinen Aktenschrank stehen, von dem er sich wegdreht. Also steigt er ├╝ber die Chipst├╝ten auf dem Boden, ├╝ber die 5-Minuten-Terrinen steigt er, also auch ├╝ber die Pfandflaschen, die er mal zum Supermarkt bringen muss, wof├╝r er keine Zeit hat, weil er sie nicht findet zwischen den Tetra-Paks und den Pizzakartons, ├╝ber die er steigen muss, will er zur

    K├╝che gelangen, um dort, wie gesagt, seinen Durst zu stillen, den er unvermittelt bemerkt hat, als er vor dem kleinen Aktenschrank stand und an seinen ersten Schmetterlingsfang dachte, der so ein Kribbeln in ihm ausl├Âste, sein erster eigener Schmetterling, das war eine besondere Sache, denn es war sein Schmetterling, er hatte ihn gefangen, seinen ersten Schmetterling, wie gesagt, also steigt er ├╝ber die Wollm├Ąuse

    und die schmutzigen Klamotten und tritt manches einfach beiseite, um besser in die K├╝che zu gelangen, in der Cola oder Red Bull auf ihn warten, seinen Durst zu stillen, den er eben bemerkt hat, wie gesagt, nachdem er mit ihr, mit dem Foto in 2-D gechattet hat ├╝ber das baldige Treffen, auf das sich beide schon freuen, nicht ohne nerv├Âs zu sein. Aber Nervosit├Ąt ist OK, denkt er beim Klettergang in die K├╝che, Nervosit├Ąt ist Aufmerksamkeit,

    denkt er, und Konzentration, denkt er, es zeigt, wie wichtig einem etwas ist, und das ist OK, denkt er in diesem fliederfarbenen Raum, der von elektronischer Musik durchflutet ist, und ihm den Rhythmus vorschl├Ągt, den er einhalten sollte, will er in die K├╝che gelangen, der die Schmetterlinge in ihrem Gie├čharz tanzen l├Ąsst, der sie wild mit ihren Fl├╝geln schlagen l├Ąsst, in ihrem Gie├čharz, die den Bass in ihren Fl├╝geln sp├╝ren, ein kleines

    Kribbeln, das sie feiern l├Ąsst, in ihrem Gie├čharz, wie gesagt, ohne Nervosit├Ąt w├╝rde er das gar nicht schaffen, denkt er, sich treffen mit ihr und alles richtig machen, ohne Nervosit├Ąt ginge das nicht, denkt er, als er seine Wanderung beendet und in der K├╝che steht. Die K├╝che ist sein Nutzort, hier hortet er das N├╝tzliche, das n├╝tzt, seinen Durst zu stillen oder Ungebrauchtes abzustellen, hinzulegen auf die Arbeitsplatte, anzuheften an

    den K├╝hlschrank, so nutzt er seine K├╝che, die ihm seinen Kaffee macht, deren Waschbecken seinen Urin trinkt, wenn er zu faul ist f├╝r den weiten Gang ins Bad, nachts, wenn er gechattet hat im fliederfarbenen Raum, und sich verliebt hat im fliederfarbenen Raum und sich verabredet hat im fliederfarbenen Raum, wenn er gedacht hat an seinen ersten Schmetterlingsfang und ihm vor Augen noch ein Foto schwebt von einer Frau, die

    schon ganz aufgeregt, ganz freudig ihn erwartet, bald, wie gesagt, mit einem Kribbeln im Bauch wie von elektronischer Musik, wie von einem Bass, der einen kleinen blechernen Aktenschrank vibrieren l├Ąsst, so steht er in der K├╝che und greift mit seinem rechten Arm den Griff der K├╝hlschrankt├╝r und ├Âffnet sie, und das Licht des K├╝hlschranks prallt auf die Flut der elektronischen Musik, was er betrachtet wie in jeder Nacht, wenn das

    K├╝hlschranklicht auf die Elektrowellen prallt, und den Tanz der Schmetterlinge in ihrem Gie├čharz begleitet. Sein rechter Arm greift, nachdem er alles betrachtet hat, was er jede Nacht betrachtet, nach Cola oder Red Bull, wie gesagt, sein rechter Arm im K├╝hlschranklicht, das in den fliederfarbenen Raum und gegen die Musik des fliederfarbenen Raumes knallt, sein rechter Arm, mit dem er seinen ersten Schmetterling

    gefangen, was so ein Kribbeln ihn ihm, sein rechter Arm, dessen Hand, deren Finger immer tippen auf der Tastatur vorm Monitor, auf dem er immer Fotos sieht, Fotos in 2-D, auf denen ausgewaschene blonde Haare sind und etwas schiefe Z├Ąhne, ab und an auch Wollpullover, sein rechter Arm, der seinen Penis h├Ąlt, wenn er ins Waschbecken der K├╝che, sein rechter Arm, der vorbeigreift an den kleinen Plastikt├╝ten im K├╝hlschranklicht,

    an den vielen Plastikt├╝ten, in die er immer was anderes, in die er nur mit Handschuhen, wenn nichts schmutzig werden soll, wenn nichts rot werden soll, weil das schlecht abgeht von den H├Ąnden und dem ganzen Rest, das Rot in den Plastikt├╝ten, die er sammelt und st├Ąndig erweitert, wie seine Schmetterlingssammlung, wie gesagt, sein rechter Arm greift nach Cola oder Red Bull, um seinen Durst zu stillen, wie gesagt, seinen

    Durst, den er unvermittelt bemerkt hat vorm kleinen Aktenschrank, auf dem die Gie├čharz-Schmetterlinge stehen, die feiern zur Musik in diesem fliederfarbenen Raum, in dem er allein ist, in diesem fliederfarbenen Raum, in dem er bleibt, in diesem fliederfarbenen Raum, nachdem sie ihn verlassen haben.



Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Retep
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2008

Werke: 41
Kommentare: 607
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Retep eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Was Hakan ├╝ber Stil, Sprache und Abs├Ątze sagt, meine ich auch.

Dar├╝ber hinaus:

- Der Text hat mich nicht "erm├╝det".
- Die Schmetterlingssammlung passt genau.

- In seiner substantiellen Form kann ich mir den Text nicht
besser vorstellen.
- Form und Inhalt stimmen ├╝berein.
- Der Text ist authentisch, hat Ausruckskraft und Orginalit├Ąt.
- Er hat " ein gewisses Etwas ".
- Dem Leser bleibt nicht erspart, Interpretationen selbst zu
finden.
Das alles sind Kennzeichen von guter Literatur, wie ich
glaube.

- Zum Verbessern gibt es immer Kleinigkeiten.

Das ist meine Meinung, die Meinung eines Laien, der von Kurz-
prosa wenig Ahnung hat.

Mich hat der Text beeindruckt, ich habe ihn mehrmals gelesen.

Gl├╝ckwunsch!

Retep

Bearbeiten/Löschen    


13 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!