Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92225
Momentan online:
148 Gäste und 7 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Humor und Satire
Chefs
Eingestellt am 22. 11. 2004 10:42


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Felidae
Hobbydichter
Registriert: Nov 2004

Werke: 1
Kommentare: 4
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Felidae eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Donnerwetter Sommerwetter

Es war frustrierend. Den ganzen Tag hatte die Sonne geschienen. Gerade als ich mein B├╝ro verlie├č, schob sich von S├╝den her eine dicke, dunkle, bedrohliche Wolkenfront heran. Nach wenigen meiner Schritte zuckten erste Blitze am Horizont, gefolgt von einem zunehmend lauter werdenden Donnergrollen. Das Gewitter hatte sich bei mir schon am Morgen angek├╝ndigt. Eine lange Narbe am Oberk├Ârper hatte so sehr gezwickt, dass ich das Gef├╝hl hatte, ich w├╝rde auf der Stelle platzen. Stattdessen platzten jetzt Regentropfen aufs Haupt wie kleine Katapulte aus einem Maschinengewehr. Ratzfatz war ich patschnass. Zu allem ├ťberfluss wirbelte ein dicht vorbeifahrender Lastwagen eine riesige Portion schmutziges Pf├╝tzenwasser auf mich und mein wei├čes Leinenkleid. Blitze und Donner wechselten sich nun in atemberaubender Geschwindigkeit ab; schlugen in Frankfurts Hochh├Ąusern ein; echoten zwischen engen H├Ąuserschluchten. Wenigstens war der sommerliche Regen warm.

Nat├╝rlich - ich h├Ątte zur├╝ck ins B├╝ro gehen k├Ânnen; bl├Âderweise gab es dort etwas, was weitaus schlimmer ist als ein Sommergewitter. Mein Chef. Er stank wie so oft wie ein toter nasser B├╝ffel. Seit mittlerweile zwei Wochen hatte er denselben abgewetzten, schwarzgrauen Anzug an. Hochsommerliche Temperaturen hatten uns, in Ermangelung einer Klimaanlage in unseren ├╝berhitzten B├╝ros in den letzten Wochen t├Ąglich kr├Ąftig ins Schwitzen gebracht. Sein mittlerweile v├Âllig zerknitterter Anzug gl├Ąnzte total speckig mit gro├čfl├Ąchig-graumelierten Dreckflecken, w├Ąhrend sein ehemals wei├čes, nahezu durchsichtiges Hemd vor Schmutz strotzend an Kragen und Manschetten schwarze R├Ąnder aufwies. Ein Knopf fehlte. Statt seiner leuchtete dort ein leicht r├Âtlicher Fleck, der immer noch an die von der Kantine angebotene toskanische Tomatensuppe vom letzten Donnerstag erinnerte. Seine schwarzen rissigen Schuhe wirkten glanzlos; ihre Sohlen schief abgewetzt. Seine Fingern├Ągel waren eigentlich viel zu kurz, um unter ihren Enden tiefschwarz zu sein. Finger und Kuppen waren leicht gelblich tabakbraun bis schwarz und mit kleinen blutig verschorften Rissen durchsetzt. Sein Haar stand fettig und wirr in alle Richtungen. Und erst sein Mund! Herpisierte aufgesprungene Lippen ÔÇô meist klemmte eine Kippe dazwischen. Seine Augen schimmerten r├Âtlich unterlaufen. Zu seinen vornehmsten Eigenarten geh├Ârte es, einen Toilettenbesuch nach Gesch├Ąftsabschluss mit ungewaschenen H├Ąnden zu beenden. An den Besuchen durfte ich regelm├Ą├čig akustisch teilnehmen, da mein B├╝ro vis-a-vis der Herrentoilette lag. Mit lautem, schnellem Getrampel hastete er stets durch den schmalen Gang zur Toilette. T├╝r auf, T├╝r zu, Stille, bevor die laut rauschende Klosp├╝lung verstummen konnte, erneut T├╝r auf, T├╝r zu und mit hastigen Schritten zur├╝ck ins B├╝ro. Kein zus├Ątzliches Wasserhahnrauschen, kein Handtuchautomat, der wie bei anderen Besuchern leise vor sich hin surrend ein benutztes Handtuch wieder aufsaugt. Ekelhaft ÔÇô der Typ.

Kurz bevor ich den Feierabend einl├Ąuten wollte, lehnte er lasziv am Rahmen meiner B├╝rot├╝r, textete mich dicht, w├Ąhrend er sich v├Âllig ungeniert mit seiner rechten Hand fortlaufend wie wild an seiner Poritze kratzte. Ich wusste nicht, ob ich vor lauter Peinlichkeit rot anlaufen oder vor Lachen vom Stuhl fallen sollte. Stattdessen starrte ich fassungslos in seine Richtung, hielt meine linke Hand vor meine bereits entglittenen Gesichtsz├╝ge, w├Ąhrend ich es vermied, ihn direkt anzusehen. Zuh├Âren konnte ich ihm sowieso nicht mehr. Nachdem er ÔÇô wie durch ein Wunder - seinen Fauxpas - sichtlich unterst├╝tzt von einem r├Âtlich anlaufenden Gesicht ÔÇô bemerkt hatte, musste er sich sichtlich bem├╝hen, nicht seinem Impuls zu folgen und sich weiter an der Ritze zu kratzen. Es war grotesk. Er fuhr nun vermeintlich unauff├Ąllig mit seiner rechten Hand Richtung Ritze und zuckte eruptionsartig gleich wieder zur├╝ck, so als habe er einen Tic.

Nein, zur├╝ck ins B├╝ro wollte ich ganz bestimmt nicht. So lief ich durch prasselnden Regen Richtung Hauptwache. Im ÔÇ×B├ĄrentreffÔÇť kaufte ich mir zusammen mit einer blechernen Vorratskiste die ÔÇ×Saure MischungÔÇť. Mittlerweile war das Gewitter am abziehen, das Donnergrollen kam schon aus weiter Ferne. Es fielen nur noch einzelne Regentropfen vom Himmel, der sich langsam wieder in ein strahlendes Blau verwandelte. Wiedererwachende Sonne kitzelte in Pf├╝tzen, die auf zuvor ausgetrockneten Stra├čen liegen geblieben waren. Entlang eilende Menschen schlossen ihre Regenschirme. Stra├čencaf├ębesitzer befreiten hastig zusammengestellte St├╝hle und Tische vom Regenwasser. Fliegende H├Ąndler kamen aus dem Untergrund, um ihre mobilen Verkaufsst├Ąnde auf der Zeil wieder zu besetzen. Mormonen warben laut singend mit debilem Grinsen um neue J├╝nger. Es roch nach Sommergewitter. Ich lief weiter durch belebte Stra├čen, ├╝berquerte mit raschen Schritten verstopfte Kreuzungen. W├Ąrmende Sonnenstrahlen trockneten mich und mein Leinenkleid. In der Eckenheimer Landstra├če setzte ich mich in ein Eiscafe, bestellte eine riesige Portion gemischtes Eis mit Sahne, w├Ąhrend ich, in mich hinein schmunzelnd, auf mein wei├čes, grau gesprenkeltes Kleid sah. Ich war zufrieden.

__________________
Die L├╝ge wird zur Weltordnung gemacht - Kafka

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Lotte Werther
Guest
Registriert: Not Yet

An Felidae

Das ist ja fast wie im M├Ąrchen. Als brave Leserin habe ich die Symbolik nat├╝rlich gleich erkannt. Die gute, von Widrigkeiten geplagte Prot. im wei├čen Leinenkleid. Was muss sie alles ├╝ber sich ergehen lassen. Das muss einem auf die Narbe schlagen. Wie Blitz und Donner in die H├Ąuserfronten. Ja sag mal, da d├╝rften doch die wenigsten der H├Ąuserfronten stehen geblieben sein.

Dieser Chef ist ja widerlich. Da bleibt der armen Prot. aber auch gar nichts erspart. Zerknitterter Anzug, schmutziges Hemd. Das reicht nat├╝rlich nicht. Fehlender Knopf, Sauceflecken, Herpeslippen und rot unterlaufene Augen - das ganze Programm aus der Trickkiste der Schwarz-Wei├č-Malerei.

Und noch eines wei├č ich jetzt: Ich werde von meinem Chef ein B├╝ro N├Ąhe Klo einfordern. Denn hier habe ich erfahren, was mir bisher alles entgangen ist. Und wehe, wenn ich dann den Wasserhahn nicht rauschen h├Âre.

Also, Felidae, es gibt f├╝r dich viel zu tun. Nicht nur der Erz├Ąhlstrang ist einf├Ąltig, sondern auch die Sprache ist linkisch, ein erster Versuch eben.

Machs besser und lies weiter Kafka, wie aus deiner Signatur ersichtlich.

Lotte Werther

Bearbeiten/Löschen    


huwawa
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

Werke: 89
Kommentare: 233
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um huwawa eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

hallo felidae

also ganz so schlimm wie lotte werther sehe ich es nicht! wahrscheinlich hast du im bem├╝hen, dieses scheusal von chef noch zu ├╝berzeichnen, ein wenig ├╝bers ziel hinausgeschossen.
sprachlich gibt es zwar im detail sicher noch einiges zu verbessern, z. b. "und zuckte eruptionsartig gleich wieder zur├╝ck", "reflexartig" w├Ąre wohl richtiger, gr├Âbere fehler sind mir aber sonst nicht aufgefallen. Ich denke, wenn du engagiert weitermachst, kannst du dich sicher noch verbessern, lass dich nicht entmutigen!

liebe gr├╝├če
huwawa
__________________
manchmal sind die anderen kl├╝ger als man(n) selbst...denkt

Bearbeiten/Löschen    


Susanne Henke
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2004

Werke: 9
Kommentare: 56
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Susanne Henke eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Hallo Felidae

allen ├ťbertreibungen zum Trotz habe ich mich k├Âstlich am├╝siert - Du hast einen flotten Stil . Wenn Du ein bisschen feilst ÔÇô es mit dem "wie gesprochen" nicht ├╝bertreibst wie z.B. "Das Gewitter war am abziehen" und ein bisschen an Deinen Bildern arbeitest (z.B. "wie kleine Katapulte aus einem Maschinengewehr" ÔÇô Katapult ist das, womit das Geschoss in die Luft gejagt wird), kann was draus werden.

Gru├č
Susanne

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Humor und Satire Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!