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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Chicago Blues
Eingestellt am 20. 04. 2015 18:15


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CPMan
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CHICAGO BLUES

Man fĂ€ngt mit ganz kleinen Mengen Marihuana an, die man vorsichtig dem Tabak beimischt. Dann lĂ€sst man sich von seinen Kumpels einreden, dass Bong-rauchen viel gefĂ€hrlicher ist. Das ist wissenschaftlich erwiesen, sagen sie. Das klingt dann so, als sei das Rauchen von Marihuana im Vergleich zum Bong-rauchen fast schon gesund. Also nimmt man grĂ¶ĂŸere Mengen Marihuana.
Außerdem sieht es so cool aus, wenn man mit der nötigen Übung endlich alleine Joints drehen kann. Das wird in der Kifferszene wie eine Kunst fĂŒr sich betrachtet. Wenn man ein Longpaper geschickt um den Tabak und das Marihuana wickelt, wenn man den aus dem Cover eines Collegeblocks selbst gemachten Filter professionell hinzufĂŒgt, dann ist man nicht selten auch auf die bewundernden Blicke der Kifferkollegen stolz. Schön gedrehte Joints sind eine Schule fĂŒr sich. Und ich bin ein Meister im Drehen von Joints. Tulip, windmill oder diamond. Die Phantasie der Kiffer ist grenzenlos. Meine also auch.

Den Effekt von Marihuana kann man nur schwer beschreiben. Alle meine Sinne sind scharf. Ich fĂŒhle mich im Marihuanarausch wie ein besonders graziles Tier, wie ein Reh oder eine Gazelle oder so was. Ich glaube, bessere Instinkte zu haben als sonst und meistens glaube ich auch, interessantere und intelligentere Dinge zu sagen als sonst. Ich glaube dann, AtmosphĂ€re besser fassen zu können. Es ist, als ob der Himmel, ich meine die Luft, als ob die Luft viel bewusster durch mich hindurch atmet.
Einmal haben wir uns beim Kiffen auf Video aufgenommen. Ich hatte mir eine besonders starke TĂŒte gebastelt und sie dann mit Greg und Jared zusammen aufgeraucht. Das war fĂŒr mich der bisher geilste Trip gewesen. Als ich mir aber mit Greg und Jared Tage spĂ€ter das Video von unserem Rausch angesehen habe, waren wir alle drei peinlich berĂŒhrt. Wir sahen uns, drei dĂ€mliche Affen, die auf einer Couch saßen und ĂŒber weltbewegende Dinge in einer Art und Weise redeten, die zusammenhangloser nicht sein könnte. Was wir wĂ€hrend des Rausches als absolut logisch und folgerichtig empfunden hatten, machte in der objektiven Videoaufzeichnung einen konfusen und inhaltslosen Eindruck. Greg, den ich am Abend selbst als hellsichtigsten Menschen aller Zeiten empfunden hatte, war in Wirklichkeit nur dumpf grunzend auf dem Sofa gesessen. Und die Art, wie wir lachten! Ein Fingerzeig, die harmloseste Bewegung von einem von uns, und wir brachen in schallendes GelĂ€chter aus.

Ich muss auf jeden Fall lernen, wieder im Kontext zu erzÀhlen. Ich muss mich an den Kontext erinnern.

Diese Worte DU und FÜR IMMER habe ich ihr nie gesagt. DafĂŒr waren wir beide auf jeden Fall zu jung. Und dieses FÜR IMMER verstehe ich sowieso nicht. Warum ist wahre Liebe nur dann wahre Liebe, wenn sie ewig oder so lange wie möglich wĂ€hrt. Ich meine, wenn ich jemanden so intensiv liebe wie ich Jenna geliebt habe, sich diese Liebe aber im Laufe der Zeit verflĂŒchtigt, ist diese Liebe dann eine LĂŒge? Wenn ich nur einem Moment lang bereit war, mein Leben fĂŒr Jenna hinzugeben, ist es dann schon keine wahre Liebe mehr, weil diese Opferbereitschaft nicht Monate oder Jahre gewĂ€hrt hat?
Ich verstehe Liebe nicht! Manchmal, eigentlich immer, habe ich das GefĂŒhl, dass die Menschen einem Ideal, einem blöden Konzept von Liebe hinterherlaufen, das irgendwelche mittelalterlichen Troubadoure aus einer Laune heraus entwickelt haben, und das den Frauen so gut gefiel, dass sie es am Leben erhielten. Und deshalb gibt es in jeder zweiten Hollywoodschnulze noch die klassische Szene, in der die Frau aus dem Fenster im zweiten Stock zu ihrem im Garten stehenden Lover herunterguckt, der sich zum totalen Affen macht, nur um die Lady zu pimpern. Schwachsinn! Purer Schwachsinn! Wenn es nach mir ginge, dann sollte jeder sich sein eigenes Konzept von Liebe entwickeln und dann danach leben. Wenn zum Beispiel ein Mann gerne in Lederklamotten auf allen Vieren kriecht und gerne mit einer Peitsche geschlagen wird, weil ihn das antörnt, und wenn eine Frau gerne die Peitsche in der Hand hĂ€lt und diesen Typen schlĂ€gt, weil sie das antörnt, wieso reden dann alle von einer kranken Art der Liebe? Vielleicht empfinden diese Frau und dieser Mann sehr viel fĂŒreinander und stehen im Leben fĂŒreinander ein. Mir lĂ€uft viel eher ein Schauer ĂŒber den RĂŒcken, wenn ich diese Soaps im Fernsehen sehe, in denen uns vorgelebt wird, wie eine gute, amerikanische Familie auszusehen hat. Mich persönlich kotzen die politisch korrekten Familien an, in denen die Frau Hausfrau ist und der Mann mechanisch seinen Job erledigt und niemals einen schmutzigen, unpuritanischen Gedanken Ă€ußert, weil er zu feige ist, auf seine GefĂŒhle zu reagieren. Das ist doch krank! Nur in einem Land wie Amerika, das PrĂŒderie zum obersten Gebot auserkoren hat, kann eine Monica Lewinsky so viel Aufsehen erregen. Ein einziges Mal lĂ€sst sich der amerikanische PrĂ€sident bei einer Sache erwischen, von der achtzig Prozent der MĂ€nner ohnehin heimlich trĂ€umen, und schon steht die ganze Welt Kopf. Clinton hat sich einen blasen lassen, na und?
Das stinkt mir so in Amerika: Diese Heuchelei!

Ich war mit Greg und Jared im Humboldt-Park. Wir hatten auf der Wiese ein bisschen Football gespielt, aber uns schon sehr bald zurĂŒck auf die Wiese gelegt, weil Jared ziemlich stoned war. Ich war gerade dabei, einen mir selbst auferlegten Entzug zu machen, aber der Geruch, den Jareds Joint verströmte, war ein echter Test fĂŒr mich. Jared, der ohnehin nicht daran glaubte, dass ich vom Gras lassen könnte, hielt mir den Joint direkt unter die Nase.
„Hmmm“, machte er, „riecht das gut“.
Ich schubste ihn weg. Er fiel nach hinten ĂŒber und ihm fiel der Joint aus der Hand Der heiße Stummel brannte ein Loch in sein ohnehin schon löchriges T-Shirt.
„Ey“, schrie er mich an, „du blöder Motherfucker“.
Ich ging wortlos zur KĂŒhlbox, nahm mir zwei Budweiser, und verzog mich.
„Ich hol mir ein Eis“, sagte ich.
Ich streunte ein bisschen verloren ĂŒber die Wiesen des Humboldt-Parks. Ein paar Schwarze, die auf der Wiese ein Picknick veranstalteten, sahen mich skeptisch an. Aufgrund meines kahl geschorenen Kopfes hielten sie mich wohl fĂŒr einen rechten Skin. Die waren einfach zu blöd, um den Unterschied zwischen Punk und Skin zu kennen.
Noch ein paar Meter weiter saßen ein paar MĂ€dchen aus einer Studentenverbindung der Chicagoer UniversitĂ€t. Sie trugen alle weiße T-Shirts mit der Aufschrift Alpha, Beta und noch einem griechischen Buchstaben, aber ich weiß nicht mehr, welcher das war. Wenn die MĂ€dchen lachten, erinnerten sie mich an Cheerleader. Sie wirkten alle albern und dĂ€mlich. Bis auf eine.
Um sie ein bisschen zu provozieren, setzte ich mich auf eine Bank ganz in der NĂ€he und starrte sie dann ganz blöde an. Ich wollte einfach sehen wie sie reagieren. Ich wollte diesen blöden Tussis ihren amerikanischen Traum von einem Sonntagspicknick verleiden und ihnen mit meiner Anwesenheit zeigen, dass Amerika nicht so schön und sauber war, wie sie es gerne hĂ€tten. Ich trank in langen ZĂŒgen mein Bier auf und rĂŒlpste dann so laut ich konnte. Um es ein wenig auf die Spitze zu treiben, schmiss ich die leere Dose dann in hohem Bogen auf die Wiese. Sie landete nur wenige Zentimeter neben der Picknickdecke, die die MĂ€dchen auf der Wiese ausgebreitet hatten, um ihr Territorium zu markieren. Ein paar der MĂ€dchen quietschten.
Ein anderes MĂ€dchen stand von der Decke auf, löste sich aus der Gruppe und kam auf mich zu. Ich war ein bisschen nervös, ließ es mir aber nicht anmerken.
„Hast du auch ein Bier fĂŒr mich?“, fragte das MĂ€dchen, als es vor mir stand.
Es war Jenna.

In so einem Wissenschaftsmagazin, ich glaube im National Geographic, habe ich kĂŒrzlich ĂŒber einen Versuch gelesen. Über SpitzmĂ€use. Man hat irgendwie testen wollen, wie sich SpitzmĂ€use verhalten, wenn sie in eine Notsituation geraten. Dazu hat man dreißig SpitzmĂ€use durch eine einzelne TĂŒr in ein Terrarium aus Plexiglas gelassen. Zur Mitte hin war das Terrarium ein wenig abschĂŒssig und mit einer Öffnung versehen. Durch diese Öffnung konnte man Wasser einlassen. Als dann die Verantwortlichen des Experiments den Wasserhahn aufdrehten, und das Wasser in das Terrarium lief, brach bei den SpitzmĂ€usen ziemlich schnell die Panik aus. Mit aller Kraft drĂ€ngten alle dreißig SpitzmĂ€use zu der TĂŒr, durch die sie in das Terrarium gelangt waren. Da aber alle zur gleichen Zeit durch die TĂŒr zu kommen versuchten, gab es ein riesiges GedrĂ€nge und der Eingang war blockiert. Ein Großteil der MĂ€use, so das Resultat dieses Experiments, wĂ€re abgesoffen. Erst dachte ich noch: Was fĂŒr ein Scheißversuch! Ich meine, die haben doch nicht ernsthaft erwartet, dass die SpitzmĂ€use sich wie zivilisierte Leute anstellen und einer nach dem anderen das Terrarium verlassen. Aber weiter unten im Artikel stand dann:

„WĂ€hrend des gesamten Versuchs war an jeder Seite des Terrariums eine weitere TĂŒr geöffnet. Doch alle dreißig SpitzmĂ€use drĂ€ngten nur zu der TĂŒr, durch die sie in das Terrarium gelangt waren. Als wir in einer Wiederholung des Versuchs die SpitzmĂ€use durch alle vier TĂŒren einließen und erneut das Wasser aufdrehten, verteilten sich die dreißig SpitzmĂ€use bei ihrer Flucht auf alle vier TĂŒren. Auf diese Weise gelangten die dreißig SpitzmĂ€use auf erheblich schnellere Weise, das heißt rechtzeitig, aus dem Terrarium.“

Die Forscher meinten schließlich, dass die Ergebnisse dieses Versuchs auch fĂŒr die menschliche Welt von Nutzen sein könnten. Wenn Discobetreiber sich dazu entschlössen, ihre GĂ€ste kĂŒnftig nicht mehr nur durch eine TĂŒr in die Diskothek zu schleusen, sondern durch drei oder vier TĂŒren, dann wĂŒrden die GĂ€ste bei einer Massenpanik innerhalb der Disko auch ĂŒber vier verschiedene TĂŒren versuchen, ins Freie zu gelangen. Dadurch ließe sich der Stau, der bei nur einem Einlass unweigerlich entstĂŒnde, gezielt vermeiden. Viele Discobetreiber, so die Forscher, hĂ€tten aber ablehnend auf diesen Vorschlag reagiert. Sie hĂ€tten behauptet, dass mehrere EingĂ€nge mehr Geld fĂŒr TĂŒrsteherpersonal bedeuteten und dass mehrere EingĂ€nge einen Windzug verursachten, der im Winter die Heizkosten unnötig hochtreiben wĂŒrde. Die Forscher meinten jedoch, dass die ohnehin in jeder Disco vorhandenen NotausgĂ€nge auch als EingĂ€nge benutzt werden könnten. Es reiche ja schon, so behaupteten sie, wenn nur ein Teil der GĂ€ste die NotausgĂ€nge als EingĂ€nge benutzten. Diese wĂŒrden dann bei einem Feuer auch ĂŒber die NotausgĂ€nge fliehen und nicht wie hirnlose Idioten zum Haupteingang stĂŒrmen. Es gelte, so die Forscher, so viele Menschenleben wie möglich zu retten.

Jenna war hĂŒbsch anzusehen. Sie hatte einen etwas verschlagenen Gesichtsaudruck, der mich glauben ließ, sie könnte auch hinterhĂ€ltig und gemein sein. Auf jeden Fall wirkte sie abgeklĂ€rter als die anderen MĂ€dchen, die in ihrer Studentenverbindung waren.
„Du kannst von meinem Bier trinken“, sagte ich frech.
„O.K.“, sagte sie und setzte sich neben mich auf die Bank.
WĂ€hrend der Unterhaltung mit ihr merkte ich, dass wir beide eigentlich eine Rolle spielten, die nicht hundertprozentig zu uns passte. Genauso wenig wie sie dem Klischee der Verbindungsstudentin entsprach, genauso wenig war ich ein echter Punk. Aber erst im GesprĂ€ch mit ihr wurde mir bewusst, was ich innerlich schon immer gewusst hatte: Ich war ein EinzelgĂ€nger. Jared und Greg, die ich meine besten Freunde nannte, waren eigentlich totale Idioten. Ihre Andersartigkeit war das einzige, was wir gemeinsam hatten, aber es reichte nicht, um ein wirkliches GefĂŒhl der Seelenverwandtschaft in mir zu erzeugen. Ich merkte, dass ich alleine und auf andere Art und Weise anders sein musste. Ich merkte, dass Jenna und ich im Grunde niemanden hatten, der zu uns und unseren Gedanken vorzustoßen vermochte. Jenna und ich, so großkotzig das klingen mag, waren Orchideen in einem Garten, der zu neunzig Prozent aus Moos und zu weiteren neun Prozent aus Unkraut bestand. Wir waren losgelöst von allen Dingen, wir hatten Eltern, die uns nicht mochten, Lehrer, denen wir gleichgĂŒltig waren und Freunde, die uns akzeptierten, solange wir ihr Spiel mitspielten. Am liebsten wĂ€re ich nach meiner Unterhaltung mit Jenna zurĂŒck zu Greg und Jared gegangen um ihnen zu sagen, dass sie nicht wirklich der gesellschaftliche Gegenentwurf waren, fĂŒr den sie sich hielten. Aber als ich etwas spĂ€ter mit Jenna zurĂŒck zu dem Platz ging, wo ich Jared und Greg verlassen hatte, war von beiden weit und breit keine Spur.
„Wo wohnst du“, fragte ich Jenna.
„In der NĂ€he vom Southside Hospital.“
„Ich wohne zwei Blocks entfernt davon! Wie wĂ€r’s wenn du mich nach Hause bringst?“
„O.K. Warum nicht.“
Wir liefen dann durch Chicago nach Hause und es war schön. Ich hatte meine HĂ€nde in den Hosentaschen und genoss das Laufen. Jenna erzĂ€hlte mir von ihren Eltern, die Ă€hnlich wie meine waren, sie erzĂ€hlte mir von ihrem Bruder, der mit meinem nichts gemeinsam hatte. Sie erzĂ€hlte mir von ihren PlĂ€nen, Lehrerin fĂŒr Französisch zu werden oder vielleicht sogar ihren Doktor an einer UniversitĂ€t zu machen. Erst, als wir schon fast bei ihr waren, fragte sie mich, was ich einmal werden wolle.
„Schriftsteller“, sagte ich, grinsend.

Irgendwann wĂ€ren wir wohl zusammen gezogen. Wir hĂ€tten uns gestritten, sicherlich, wir hĂ€tten uns zuweilen gehasst, abgrundtief, wir hĂ€tten uns ab und zu bitterböse Dinge an den Kopf geworfen. Im Alltag hĂ€tten wir unsere innige Liebe zuweilen aus den Augen verloren, und unsere Jobs, mit denen wir das nötige Geld herbeischafften, hĂ€tten uns bestimmt ausgelaugt. Auch durch die anderen persönlichen Geschichten mit Arbeitskollegen, Unbekannten und Vorgesetzten wĂ€ren wir bestimmt oft voneinander abgelenkt worden. Ich hĂ€tte wohl genauso mit mir und mit meinen Zielen, WĂŒnschen und TrĂ€umen gekĂ€mpft wie sie, und wir beide hĂ€tten stetig versucht, uns selbst zu verwirklichen, ich als Schriftsteller und sie als Lehrerin oder Doktorin. Das ein oder andere Mal hĂ€tte unsere Beziehung vor dem Aus gestanden. Sie wĂ€re probeweise ausgezogen, in eine eigene Wohnung, in ein Hotel oder vielleicht sogar zu einem anderen Mann. Vielleicht wĂ€ren wir uns auf der Straße dann wie Fremde begegnet, hĂ€tten einander nur höflich zugenickt, und wĂ€ren dann unseres Weges gegangen. Vielleicht wĂ€re sie dann irgendwann wieder eingezogen, vielleicht auch nicht. Vielleicht hĂ€tten wir ein Kind bekommen, einen Sohn oder eine Tochter. Vielleicht hĂ€tte Jenna auch eine Fehlgeburt erlitten, und das hĂ€tte unsere Beziehung wiederum bedroht, weil sie geglaubt hĂ€tte, ich wĂŒrde ihr diese Fehlgeburt zum Vorwurf machen oder sie fĂŒr eine schlechte Mutter halten. Vielleicht wĂ€re die Geburt auch glimpflich verlaufen und das Kind erst Jahre spĂ€ter gestorben oder drogenabhĂ€ngig geworden. Vielleicht hĂ€tte unser Sohn oder unsere Tochter uns auch einfach nur stolz gemacht. Fest steht jedenfalls, dass es glĂŒckliche und traurige Tage in unserer Beziehung gegeben hĂ€tte.
Aber am Ende, da bin ich ganz sicher, am Ende hĂ€tten wir unsere Entscheidung fĂŒreinander nie bereut. Denn genau das wollte ich: Ich wollte Jenna bei mir haben, ich wollte Jennas Leben mit meinem verbunden wissen, und ich wollte, dass zwischen all diesem alltĂ€glichen Mist immer der Funke sprĂŒht, der mir und Jenna zu der Gewissheit verhalf, dass unsere beiden Leben zueinander gehörten und dass unsere Liebe, wenn schon nicht den Tod, so zumindest doch das Leben besiegte. Ich wollte abends nach Hause kommen, und Jenna in meiner Wohnung vorfinden, ich wollte Jenna durchs Haar fahren und ihre funkelnden Augen betrachten. Ich wollte mit Jenna ĂŒber Bekannte lachen und Tote beweinen, ich wollte in meinem Bett aufwachen, und jeden Morgen die schlafende Jenna neben mir sehen. Ich wollte Jenna lieben und von Jenna geliebt werden.

Ich wollte nicht, dass die Disco brennt.

In den Tagen danach war es in allen Zeitungen. Die Tribune ĂŒberbot sich selbst mit Hintergrundberichten und Kommentaren. Der Besitzer der Diskothek wurde als verantwortungsloser Tölpel dargestellt, ein nicht besonders schmeichelhaftes Photo von ihm wurde ĂŒber die rechte untere Ecke des großen Fotos, welches die abgebrannte Diskothek zeigte, gelegt. Auch im Fernsehen wurde die Katastrophe dokumentiert. Immer wieder sah ich vom Krankenbett aus die Aufzeichnung aus dem Hubschrauber von WHLM 5, der noch wĂ€hrend des Brandes ĂŒber die Diskothek geflogen war und live vom Unfallort berichtet hatte. Der BĂŒrgermeister von Chicago kĂŒndigte an, die Brandschutzverordnung noch schĂ€rfer zu ĂŒberwachen und etwaige VerstĂ¶ĂŸe mit der sofortigen Schließung des GebĂ€udes zu ahnden.
Ich lag im dritten Stock des Cook County Hospitals. Ich hatte unentwegt Kopfschmerzen, mir war schwindlig und ich hatte mich seit meiner Einlieferung schon mindestens dreimal ĂŒbergeben. Die anfĂ€nglich blaue Haut sah mittlerweile wieder so rosafarben wie eh und je aus, aber meine SchleimhĂ€ute waren immer noch stark gereizt.
Als ich noch in der Notaufnahme gewesen war, hatte man mich sicherheitshalber intubiert, weil ich zweimal hintereinander kurzzeitig das Bewusstsein verloren hatte. Eine Schwester hatte mich dauernd nach meinem Namen und meiner Adresse gefragt, sie wollte meine Eltern verstĂ€ndigen. Ich klagte ĂŒber Atembeschwerden und der Arzt der mich behandelte, meinte, ich wĂ€re bradykard oder so Ă€hnlich. Im Grunde genommen fĂŒhlte ich mich wie nach einem Drogenrausch. Alles war so unwirklich und dauernd sah ich nur die Gesichter der Krankenschwestern, AssistenzĂ€rzte und Doktoren, die ĂŒber meinem Kopf hin- und her schaukelten und sich ĂŒber mich unterhielten ohne mich dabei anzusehen. Man setzte mir meine Atemmaske auf und redete beruhigend auf mich ein. Ich glaubte, langsam einzuschlafen, doch dann fiel es mir wieder ein.
Ich zog mir die Atemmaske ab und griff nach dem Arm einer Schwester.
„Schwester, Schwester!“, schrie ich, von Panik erfĂŒllt.
Sie nahm meine Hand und beruhigte mich.
„Ist ja gut, ist ja gut“, sagte sie. „Ruhig Blut, es ist alles in Ordnung, es ist nur eine starke Rauchvergiftung.“
Aber ich war nicht um mich besorgt.
„Schwester“, sagte ich wieder, als die Angst mich wieder ĂŒberkam, „Schwester?“
„Was ist denn?“. Sie legte ihre flache Hand auf meine Stirn.
„Jenna, sie mĂŒssen Jenna finden!“.
Ich weinte das mehr, als dass ich es sagte.

Jenna hatte schöne, glatte Haut gehabt. Rosige Wangen, wenige Pigmentflecken, und die an den richtigen Stellen. Ebenso glatt und schön war auch ihr Haar gewesen. Es hatte einen leichten Stich ins Rote gehabt. Jared hatte immer darĂŒber gewitzelt. Rostiges Dach, feuchter Keller, hatte er gesagt. Jennas Augenfarbe war grĂŒnbraun. Da war immer ein bestimmtes Funkeln in ihren Augen gewesen. Und wenn sie gelacht hatte, dann strahlte ihr ganzes Gesicht. Ich sah mir sie gerne an. Das wirkte manchmal ein bisschen dĂ€mlich, und sie mochte es auch nicht, wenn ich sie so anstarrte. Aber ich konnte nicht anders. Ich konnte mich an ihrem Gesicht nicht satt sehen, an ihrer Nackenlinie, an ihrem OhrlĂ€ppchen, an der niedlichen Nase. Die Lippen waren eher schmal, aber dafĂŒr saftig. Sie benutzte kein Make-up, sie brauchte auch keins. Sie hatte diese NatĂŒrlichkeit, die man bestimmten Models nachsagte. Ich glaube, sie war sich ihrer Schönheit nicht wirklich bewusst.
Als ich sie das erste Mal nackt sah, wĂ€re ich fast ohnmĂ€chtig geworden. Ich hatte, wenn ich ehrlich bin, keinen so schönen Busen erwartet. Weil sie bis dahin immer weite Hosen getragen hatte, war ich ĂŒberzeugt gewesen, dass sie breite und ausladende HĂŒften hĂ€tte. Aber auch da wurde ich angenehm enttĂ€uscht. Die Proportionen stimmten. Ihre Beine waren schlanker als ich erwartet hatte und ließen sie nackt grĂ¶ĂŸer wirken als angezogen. Ihre FĂŒĂŸe waren grazil, die Venen traten ein wenig hervor und schlĂ€ngelten sich wie Baumwurzeln um die festen Knochen. Der flache Bauch verriet sportliche BetĂ€tigung.

Man kann sich nicht vorstellen, dass so ein Körper vergĂ€nglich ist. Man kann nicht wirklich glauben, dass solche Schönheit mal altern oder sogar gĂ€nzlich verschwinden kann. Man tut sich schwer mit dem Gedanken, dass ein Mensch, der doch etwas so Wirkliches ist, gleichzeitig auch etwas so Zerbrechliches und Verwundbares ist. In den intensivsten Momenten mit Jenna war ich so voller Leben, dass ich nicht glauben konnte und nicht glauben wollte, dass wir einmal sterben mĂŒssten. Jenna und ich, wir waren das pure Leben. Wir hatten Schmetterlinge im Bauch, wir waren verliebt ineinander. Wir waren erfĂŒllt von Gedanken aneinander, so sehr, dass andere Gedanken keinen Platz mehr hatten. Wir waren die Liebe, die Lust und das Leben. Wir waren unzerstörbar.

Gestern Nacht bin ich schweißgebadet aufgewacht. Ich habe von Jenna getrĂ€umt.

Sie brannte.


Greg und Jared hatten an jenem Tag beide bei mir angerufen. Meine Eltern waren, wie immer, sonstwo, und ich hatte die Wohnung fĂŒr mich alleine. Jenna hatte sich fĂŒr sieben Uhr angekĂŒndigt, und ich hatte eigentlich keine Lust auf Greg und Jared.
„Komm schon, Alter, wir mĂŒssen das Zeug irgendwo klein hacken und unsere Eltern sind zuhause!“
Greg und Jared waren mittlerweile kleine DrogenhĂ€ndler geworden. Sie hatten einen Zwei-Kilo Brocken Stoff gekauft, den sie jetzt irgendwo ruhig in kleine, verkaufsfertige StĂŒckchen schneiden wollten.
„O.K.“, sagte ich, „aber um Sechs seid ihr weg, ist das klar?“
Jared grunzte. „Geht klar!“

Sie kamen um halb Vier. In einem Rucksack hatten sie das Zeug. Ganz entkrampft spazierten sie durch unsere Wohnung, machten sich schließlich auf der Couch vor dem Fernseher breit und packten ihre Ware aus. Kaum hatten sie drei, vier StĂŒcke gebrauchsfertig, holte Jared schon seine BlĂ€ttchen heraus und begann, sich einen Joint zu machen.
„Ey, Alter“, sagte ich, „musst du hier in der Wohnung kiffen? Ich dachte, ihr seid nur zum Schneiden hier!“
„Jetzt hab’ dich mal nich’ wie ‚ne Pussy, Mann!“, erwiderte Jared lapidar. „Wir mĂŒssen das Zeug doch erst mal testen.“ Dann schnitt er ein weiteres StĂŒck ab und hielt es mir hin. „Hier, nimm doch auch was!“
„Danke, ich verzichte!“
Im Nu waren Greg und Jared so stoned, dass sie das Zeug nicht mehr klein schneiden konnten. WĂ€hrend die beiden sich ihrem Rausch hingaben, setzte ich mich an den Tisch und schnitt das Zeug klein. Ich beeilte mich, denn ich wollte die beiden vor Jennas Ankunft aus meiner Wohnung haben. Und ich wusste, dass sie sich nicht verziehen wĂŒrden, bevor ihre Arbeit getan war. Außerdem hatte ich keine große Lust, von Jenna dabei ĂŒberrascht zu werden, wie ich mit zwei zugekifften Pennern vor einem zwei Kilo schweren Batzen Koks sitze und kleine StĂŒcke in Siegeltaschen verpacke. Bei aller Liebe, die ich bei Jenna fĂŒr meine Wenigkeit spĂŒrte, war ich mir doch recht sicher, dass sie eine solche Aktion nicht gutheißen wĂŒrde. Und so schnitt ich wie ein Irrer das Koks zurecht, machte gleichgroße StĂŒckchen, verpackte sie sĂ€uberlich und achtete darauf, dass nichts daneben ging. Unterdessen ergingen sich Jared und Greg in einer anregenden Diskussion ĂŒber Pamela Andersons SilikontĂŒten und Erika Eleniaks Schambehaarung.

Ich schaffte es, das Koks rechtzeitig klein zu schneiden und alle Beweise meiner illegalen TĂ€tigkeit zu vernichten. Ich verstaute die Siegeltaschen in einer Kiste in meinem Zimmer, ich wusch das Messer und staubsaugte den Teppichboden. Nur gegen den Geruch, den Gregs und Jareds Joint verströmten, konnte ich nichts machen. Wir hatten zwar ein Raumspray, aber der Duft war so dĂŒnn, dass er gegen den Jointgeruch nichts auszurichten vermochte. Kaum hatte ich Greg und Jared aus meiner Wohnung befördert, klingelte es schon wieder an der TĂŒr. Es war Jenna. Sie schaute mich skeptisch an.
„Ich dachte, du wolltest nichts mehr mit den beiden zu tun haben!“
„Welchen beiden?“, fragte ich und stellte mich dumm.
„Na, Greg und Jared. Die sind mir gerade entgegen gekommen. Wo sollten sie sonst gewesen sein, wenn nicht bei dir?“
„Ach so, Greg und Jared. Ja, die waren bei mir. Die hatten noch ein paar ihrer Sachen bei mir und sind nur vorbeigekommen um sie abzuholen“.
Der skeptische Ausdruck war noch immer nicht von Jennas Gesicht verschwunden. Und sie schien zu bemerken, dass sie immer noch im TĂŒrrahmen stand.
„Was ist? LĂ€sst du mich rein!“, fragte sie.
„Klar“, erwiderte ich, „komm rein!“.
Sie trat ein und lief vor mir her ins Wohnzimmer. Ich hatte nicht das GefĂŒhl, dass da meine Freundin in meiner Wohnung herumspazierte, sondern eher eine Agentin von der Drogenfahndung. Bevor Jenna sich setzte, machte sie eine Runde um den Wohnzimmertisch und schnĂŒffelte ein wenig die Zimmerluft. Ich war mir nicht sicher ob Jennas Nase gewöhnlichen Zigarettenrauch vom Rauch eines Joints unterscheiden konnte. Auch ihre Frage war zweideutig.
„Habt ihr hier geraucht?“ erkundigte sie sich unvermittelt.
Ich versuchte es mit der Wahrheit.
„Greg und Jared haben geraucht. Ich nicht!“
„Ach so!“.
Jenna setzte sich hin. Ich wollte mich augenblicklich zu ihr setzen und mit ihr herumknutschen, aber Jenna schien nicht in der Stimmung. Überhaupt schien sie mir etwas kalt und abwesend. Ich ĂŒberlegte, ob das vielleicht mit dem Besuch von Greg und Jared zusammenhing oder ob es gar nichts damit zu tun hatte. Was es auch war, ich wagte nicht danach zu fragen. Ich entschied, dass es das Beste sei, so zu tun, als ob nichts wĂ€re. Ich ging auf sie zu und setzte mich neben sie. Kaum glaubte ich, gefahrlos den Arm um sie legen zu können, klingelte es erneut an der TĂŒr.
Greg und Jared waren zurĂŒckgekommen.
„Ey, Alter, heute ist Eröffnungsparty in diesem neuen Club. Hells Bells oder so. Wir haben gerade sechs Freikarten bekommen!“, sagte Greg.
Ich wollte gerade Nein sagen und Greg die TĂŒr ins Gesicht schlagen, da stand Jenna in der TĂŒr.
„Cool! Ich bin dabei“, sagte sie laut. Ich stutzte. Was sollte das? Was wollte Jenna in so einem Discoschuppen? Und dazu noch mit Greg und Jared, die sie nicht ausstehen konnte und von denen ich ihr zuliebe Abstand genommen hatte?
Greg und Jared grinsten. Sie schienen Jennas Zusage auch als Zusage meinerseits zu verstehen und betraten die Wohnung.
„Wir haben noch n’bißchen Zeit“, meinte Greg. „S’ist ja erst halb Acht. Vor elf Uhr ist da eh nichts los!“
„Habt ihr was zu rauchen dabei?“. Das war Jenna. Sie fragte Greg und Jared allen Ernstes, ob sie was zu rauchen dabei hatten. Das war so verwunderlich, dass selbst Greg und Jared etwas verdutzt schauten.
„Ob wir etwas zu rauchen dabei haben, oder ob wir ‚etwas zu rauchen’ dabei haben?“, fragte Greg noch mal nach.
„Ob ihr mir einen Joint drehen könnt, will ich wissen!“.
Was war mit Jenna los? Erst versuchte sie mich von meinen Freunden und ihren bewusstseinsverĂ€ndernden Drogen abzubringen, und jetzt will sie selber was rauchen. Ich verstand nicht, was in ihr vorging. Wollte sie es mir heimzahlen? War sie wĂŒtend auf mich? Warum wollte sie plötzlich mit dem Kiffen anfangen?
Greg und Jared gingen mit Jenna ins Wohnzimmer. Ich lief unschlĂŒssig hinterher. Ich ĂŒberlegte ob ich Jenna mal auf die Seite nehmen und sie fragen sollte, was das Ganze zu bedeuten hĂ€tte. Aber andrerseits war ich selber scharf auf einen Joint und dachte bei mir, dass Jenna vielleicht nur ein Spiel spielen wollte, und dass ich einen Teufel tun wĂŒrde um dieses Spiel zu beenden. Wenn sie mir nicht gerade heraus sagen konnte, dass sie wĂŒtend auf mich oder enttĂ€uscht von mir war, dann musste sie die Konsequenzen tragen. Wenn sie einen Joint rauchen wollte, gut, dann sollte sie eben einen Joint rauchen. Aber ich wĂŒrde auch einen rauchen.
Wir pflanzten uns vor den Fernseher und Greg begann tatsĂ€chlich, jedem von uns einen Joint zu drehen. Zehn Minuten spĂ€ter lagen vier einwandfrei gedrehte TĂŒten auf unserem Wohnzimmertisch und jeder von uns nahm sich einen. Ich schaute Jenna in die Augen, doch sie wandte den Blick ab und nahm Gregs Feuerzeug. Bevor ich irgendetwas sagen konnte, hatte sie ihren Joint angezĂŒndet. Greg erklĂ€rte ihr wie sie ziehen musste und behauptete es wĂ€re eine besonders leichte Mischung. Ich aber hatte mitbekommen, dass er in alle vier TĂŒten ordentlich Zeug reingemischt hatte. Was auch immer Jenna da rauchte, es war keine AnfĂ€ngermischung.

Im Grunde verabschiedeten wir alle vier uns dann von der eigentlichen Welt und reisten gemeinsam in jene Parallelwelt, in der das herkömmliche Sehen so stark von den eigenen Gedanken verfĂ€lscht wird, dass einem die eigenen Augen plötzlich wie die Augen eines anderen vorkommen. Alle vier wurden wir zu einer anderen Person, eine Person, die Greg, Jared und ich zumindest von unserem letzten Trip noch kannten. Jenna aber wurde plötzlich mit einer in ihr schlummernden Person konfrontiert, die sie nie vorher gesehen hatte und die sie zugleich faszinierte und erschreckte. Jenna war sichtlich ĂŒberfordert mit ihrem Joint. Mit dem klĂ€glichen Rest an normalem Bewusstsein sah ich, dass Jenna in ihrem Drogenrausch gefangen war. Ihr glasiger Blick, die GrĂ¶ĂŸe ihrer Pupillen und die auf ihrer Stirn platt gebĂŒgelten Haare waren die Ă€ußerlichen Anzeichen fĂŒr den chaotischen Zustand in ihrem Innern. Sehr bald begann sie, wirres Zeug zu faseln und stĂ€ndig in sich hinein zu kichern. Da ich selber stoned war, erkannte ich nicht einmal die GefĂ€hrlichkeit der Situation, sondern sah das alles als einen großen Spaß. Auch Greg und Jared sahen Jenna gerne bei ihrem ersten Rausch zu und ich glaube, sie wĂ€ren ihr hemmungslos an die WĂ€sche gegangen, wenn sie nicht ĂŒber meiner Beziehung zu ihr im Bilde gewesen wĂ€ren. Denn wenn Greg und Jared stoned waren, dann waren sie auch rollig. Dann dachten sie an nichts anderes als ans Ficken. Und Jenna war eine Frau. Das fiel nicht nur Greg und Jared auf, sondern auch mir.

Irgendwann gab Jared dann das Signal zum Abmarsch. Wir standen auf und machten uns auf den Weg aus der Wohnung, mussten aber noch mal zurĂŒckkehren um Jenna beim Aufstehen zu helfen. Die Wirkung des Joints ließ langsam nach, was nicht hieß, dass sie wieder nĂŒchtern war. Aber zumindest kicherte sie nicht mehr wie blöde in der Gegend herum und auch der starre Blick war aus ihren Augen verschwunden. Sie stolperte im Flur ĂŒber den Teppich aber ich fing sie gerade noch rechtzeitig auf. Sie grinste.
„Wer Sie auch sind“, lallte Jenna, „ ich habe mich schon immer auf die Freundlichkeit und GĂŒte von Fremden verlassen“.
Sie hakte ihren Unterarm in meinen und wir gingen los. Da Greg und Jared die einzigen waren, die wussten, wo die Diskothek war, liefen sie vorne weg. An der Ecke zum Southside stiegen wir in einen Bus. Nach drei oder vier Stops stiegen wir wieder aus. Wir liefen fĂŒr ungefĂ€hr zehn Minuten, dann tat sich eine relativ großes, eckiges GebĂ€ude vor uns auf. Draußen am Eingang befanden sich zwei riesige Flutlichter, die den Himmel anstrahlten. Roter Teppich war vor den Eingang gelegt worden, und MĂ€nner, die aussahen, als arbeiteten sie fĂŒr den Secret Sevice, bewachten den Eingang. Ich war mir ziemlich sicher, dass sie uns in unserem Zustand nicht in die Disco lassen wĂŒrden, aber als wir die Karten vorzeigten, die Greg oder Jared besorgt hatte, öffnete der TĂŒrsteher den Eingang fĂŒr uns und wĂŒnschte uns einen schönen Abend. Wahrscheinlich hielt er uns fĂŒr zugekokste Kinder einer stinkreichen Familie, mit der man sich besser nicht anlegte. Wir spazierten hinein und Jared machte sich noch ĂŒber einen der TĂŒrsteher lustig.

Im Innern war alles von jenem Schick, den man Neureichen zuschreibt. TĂŒrkise und lilafarbene SatintĂŒcher hingen von der mindestens fĂŒnf Meter hohen Decke, rote Samtdecken bedeckten sowohl die Theke als auch die Tische, und große Wattebausche hingen an BindfĂ€den von den Lampen herab. Die Wattebausche sollten Wolken darstellen und das Motto der Party beinhaltete das Wort ‚Himmel’. FĂŒr einen ‚Himmel’ war es allerdings relativ dunkel in der Diskothek, nur die bunten, von der Diskokugel reflektierten Strahler durchkreuzten den spĂ€rlich beleuchteten Raum. Goldenes Lametta fĂŒllte den Boden aus, und man musste aufpassen, nicht in den Schlaufen des Lamettas hĂ€ngen zu bleiben und hinzufallen. Schöner Tand, dachte ich. Dann sagte ich es laut, weil mir das Wort so gefiel: „Schöner Tand“.
Jared ging an die Theke um ein paar Kurze zu holen. Statt mit vier Kurzen kam er mit einer Flasche Wodka und vier normalen GlĂ€sern zurĂŒck. Er lief ein zweites Mal an die Theke und brachte eine Flasche Orangensaft mit. Wir setzten uns an einen der kitschigen Tische und Jared fĂŒllte unsere GlĂ€ser. Aus der ĂŒblichen 20:80 Mischung machte Jared im Handumdrehen eine 60:40 Mischung und als ich den ersten Schluck nahm schmeckte ich den Orangensaft kaum durch den Wodka durch. Schluck fĂŒr Schluck trank Jenna ihr Glas leer, knallte es zurĂŒck auf den Tisch, stand auf, und rief: „Ich geh tanzen“. Dann verschwand sie im immer dichter werdenden Gewimmel der GĂ€ste. Ich ĂŒberlegte noch, ihr hinterher zu laufen, stand auf, tat ein paar Schritte, doch gab die Idee sofort wieder auf, als ich die undurchdringbare Masse von Yuppies sah, die sich GĂ€ste schimpften.

ZurĂŒck am Tisch, leerte ich ein mit Wodka gefĂŒlltes Glas in einem Zug. Greg und Jared klopften mir anerkennend auf die Schulter. Auch sie gossen sich noch einen ein und eh wir uns versahen bewiesen wir uns gegenseitig unsere MĂ€nnlichkeit mit kindischen Trinkspielchen. Ich ahnte, dass diese Spielchen nicht eher aufhören wĂŒrden, bevor nicht einer von uns unter dem Tisch lag. Und je mehr ich mich besoff, desto gleichgĂŒltiger wurde mir Jenna. Ich erinnerte mich an all die chauvinistischen SprĂŒche von den unertrĂ€glichen Machos, mit denen ich mal zu tun gehabt hatte. Ich erinnerte mich an ihr großes Gerede ĂŒber die Kunst, sich eine Frau unterwĂŒrfig zu machen und was Liebe doch fĂŒr ein Kampf sei, in dem der Mann sich nicht die geringste BlĂ¶ĂŸe geben darf. Soll Jenna doch zum Teufel fahren, dachte ich, aber in Wirklichkeit realisierte ich wohl, dass ich sie liebte und sie nicht verlieren wollte, und dass mein Benehmen nur die Trotzreaktion einer beleidigten Leberwurst war. Ich schĂŒttete mir unermĂŒdlich Wodka ins Glas und verlor bald die Kontrolle ĂŒber mich. Jenna kam nicht zurĂŒck und ich glaubte, dass sie nie wiederkommen wĂŒrde. Ich dachte, es sei vorbei zwischen uns, ein fĂŒr alle mal. Und deshalb nahm ich an, als Jared mir noch einen Joint anbot.

Ich holte mein Feuerzeug und zĂŒndete meine TĂŒte an. Dann gab ich Jared mein Feuerzeug. Es war ein Sturmfeuerzeug, das mit Benzin gefĂŒllt war. Jared ließ den Metallverschluss aufschnappen, und hielt die Dochtflamme an seine TĂŒte. Bevor er jedoch den Verschluss wieder zuschnappen ließ, grinste er mich und Greg verschĂ€mt an und hielt das Sturmfeuerzeug an einen der Wattebausche.
Ich glaube wir alle drei hatten erwartet, dass es zu brennen anfangen wĂŒrde, aber keiner hatte erwartet, dass Watte so entflammbar war. Ich hatte erwartet, dass Watte so entzĂŒndlich ist wie Papier oder Ă€hnliches Material. Ich hatte erwartet, dass man das entstehende kleine Feuer problemlos ausmachen konnte bevor es gefĂ€hrlich wurde und bevor es auf die anderen Stoffe ĂŒbergriff. Aber kaum hatte Greg die Flamme an die Watte gehalten, brannte diese lichterloh und fraß sich in Windeseile an der Decke hinauf. Von der brennende Watte griff das Feuer wie nichts auf den Samt und die Seide ĂŒber und bevor wir drei volltrunkenen und zugekifften Idioten es realisierten, stand der halbe Trakt der Disco, in dem wir uns aufhielten, unter Feuer. Rings um uns herum ergriffen Typen in Nadelstreifen und Frauen in schicken Kleidchen panikartig die Flucht. Mit einem Mal ging das Geschrei los und Greg, Jared und ich stolperten ĂŒbereinander her. Ich erinnere mich noch, wie ich diesen einen Gedanken fassen konnte: Lauf zurĂŒck zum Eingang! Du musst ins Freie! UnglĂŒcklicherweise jedoch fassten die anderen zweitausend GĂ€ste der Discothek zur ungefĂ€hr selben Zeit denselben Gedanken. Ein panischer Exodus, eine hastige Völkerwanderung Richtung Ausgang setzte ein, und, wenn wundert es, viele machten den Anschein, als wĂŒrden sie ihre Großmutter zurĂŒcklassen, solange sie nur selber rechtzeitig zum Ausgang gelangten.
Der Rauch in der Discothek wurde sehr schnell sehr dick. Das spĂ€rliche Licht und die Dunkelheit im Kopf nahmen mir die Sicht. Ich hatte Greg und Jared schon lĂ€ngst im Gewimmel verloren. Ich glaubte, durch das Adrenalin wieder nĂŒchtern geworden zu sein, aber wenn ich mich jetzt an meine Wahrnehmung zu jenem Zeitpunkt erinnere, dann weiß ich, dass ich stark an geistiger Umnachtung litt. Ich konnte nicht wirklich schalten und vollfĂŒhrte in der Art eines willenlosen Zombies einfach die gleichen Bewegungen wie die Masse um mich herum. Ich kraulte wie in einem Meer aus Quallen durch das Volk, ich glitt an Schultern, Gesichtspartien, Knöcheln, BrĂŒsten und Schultern ab, und versuchte gleichzeitig mich immer wieder an um mich herum liegenden Körperteilen hochzuziehen. Ich meine mich zu erinnern, wie ich einer am Boden liegenden Frau in den Mund und an den Kiefer fasste und mich an ihr in Richtung Ausgang zog. Ich sah ihre entsetzten Augen, aber ich glaube nicht, dass sie geschrieen hat. Ich sah einen Mann, dessen Anzug Feuer gefangen hatte, und der, einer lebenden Fackel gleich, ins Innere der Disco torkelte anstatt auf den Ausgang zuzulaufen. Niemand schien auf die Idee zu kommen, eine Decke ĂŒber den Mann zu werfen. Niemand schien ĂŒberhaupt auf irgendetwas zu achten. Alle Bewegung kannte nur eine Richtung, und alle Gedanken kannten nur ein Ziel: den Ausgang. An einen geordneten RĂŒckzug dachte niemand. Alle folgten ihren niederen Instinkten und alle wollten nur eins: ĂŒberleben. Der Mann neben mir, die Frau neben mir, wurde plötzlich zum erbittertesten Feind, weil ihr Wunsch zu leben irgendwie dem Wunsch gleichkam, mich tot zu sehen. Ich weiß noch, dass ich ĂŒber einen Jugendlichen, der neben mir wie wild um sich schlug, dachte: Der will dich umbringen! Hau ihm eine rein! Laß ihn nicht vorbei!

Man hört es immer wieder: Alles ging so schnell! Und wirklich, es ging alles sehr schnell. Eben noch hatte ich mit Greg und Jared Wodka getrunken, jetzt schlug ich mich mit aller Gewalt durch eine Menge Menschen, die dem Feuer und dem Rauch zu entkommen versuchten. Jetzt, wo ich selber Zeuge einer Brandkatastrophe geworden bin, kann ich sogar mit einem besonderen Wissen prahlen. Denn viele Menschen finden die Vorstellung, bei lebendigem Leibe zu verbrennen, als unertrĂ€glich. Diese Menschen kann ich jetzt beruhigen. Denn bei den meisten BrĂ€nden in geschlossenen RĂ€umen verbrennen die Menschen nicht. Sie verbrennen schon, aber nicht bei lebendigem Leibe. Als ich schon draußen war und von einem SanitĂ€ter mit einer Sauerstoffmaske behandelt wurde, lagen ungefĂ€hr zweihundertfĂŒnfzig Menschen friedlich und bewegungslos innerhalb der Disco. Manche lagen ĂŒber den Tischen, an denen sie gegessen hatten, manche hatten wenigstens noch ein paar Schritte in Richtung Ausgang machen können, manche wiederum waren von den fliehenden GĂ€sten zu Tode getrampelt worden. Aber keiner dieser Menschen brannte schon. Nein, als die Flammen, als das Feuer von diesen Menschen Besitz ergriff, waren sie schon lĂ€ngst tot: Sie waren erstickt. Das Feuer mussten sie nicht mehr spĂŒren. Sie hatten keine Luft mehr bekommen. Wie ich schon sagte: Eigentlich war alles sehr schnell gegangen. So gut wie niemand hatte einen langen und qualvollen Feuertod erlitten. Die meisten hatten einfach keine Luft mehr bekommen.

Greg, Jared und Jenna waren erstickt und dann verbrannt. Man hatte sie anhand der DNA Proben zweifelsfrei identifizieren können. Schon am Tag nach der Katastrophe waren Spezialisten bei Jenna, Greg und Jared zu Hause vorbeigefahren und hatten benutzte ZahnbĂŒrsten und KĂ€mme eingesammelt und sonstiges brauchbares Material aus den MĂŒlleimern gefischt. Sie hatten bei den ZahnĂ€rzten die Röntgenbilder angefordert und hatten das Material dann mit den verkohlten Menschenresten aus der Diskothek verglichen. Innerhalb von achtundvierzig Stunden waren fast achtzig Prozent der Opfer identifiziert worden. Innerhalb von achtundvierzig Stunden nach dem Brand wusste ich, dass ich Greg, Jared und Jenna nie wieder sehen wĂŒrde. Aber ich weinte nicht. Ich lag nur im Bett meiner Krankenstation und sah fern. Die Simpsons, Emergency Room und Ally Mc Beal. Nachts versuchte ich zu weinen, aber der krankhafte Versuch, mir TrĂ€nen aus den Augen zu pressen, brachte mich jedes Mal fast zum Lachen. Wenn meine Eltern kamen, schwieg ich sie an, und meistens schwiegen sie zurĂŒck. Ich wollte fĂŒr immer da liegen bleiben. FĂŒr immer wollte ich in diesem Krankenbett liegen bleiben, ohne mich zu waschen und zu reinigen, solange, bis ich vom Wundliegen sterben wĂŒrde.

Nach sechs Tagen konnte ich nach Hause. Meine Eltern holten mich im Ford Station Wagon ab und behandelten mich wie ein Neugeborenes. Schon auf der Heimfahrt begann ich wieder, sie zu hassen und nahm mir vor, nie wieder ein Wort mit ihnen zu reden. Als ich nach Hause kam, ging ich auf mein Zimmer und starrte die Wand an. Dann schlug ich meinen Kalender auf, nahm einen Stift in die Hand und ĂŒberlegte. Ich kaute eine Weile am Ende des Stiftes herum, dann setzte ich zum Schreiben an. Nochmal ĂŒberlegte ich, was ich schreiben sollte, dann kamen die Worte von ganz allein.

Ich schrieb: „Ich war es!“. Dann klappte ich das Buch wieder zu und legte mich aufs Bett.



Version vom 20. 04. 2015 18:15

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rothsten
???
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Hallo CPMan,

ich gebe zu, zuerst dachte ich "och nö, bitte keine Kiffergeschichte". Dann las ich weiter und war zunehmend berauscht von dem Fluss Deiner unglaublich guten Sprache. Da sind so viele kluge Gedanken drin, z.B.

quote:
Warum ist wahre Liebe nur dann wahre Liebe, wenn sie ewig oder so lange wie möglich wĂ€hrt. Ich meine, wenn ich jemanden so intensiv liebe wie ich Jenna geliebt habe, sich diese Liebe aber im Laufe der Zeit verflĂŒchtigt, ist diese Liebe dann eine LĂŒge?

Wenn ich einen Text lese, der mein Denken auch nur um einen Millimeter weiterdreht, dann hat er sich schon gelohnt. Allein hierfĂŒr lohnte es sich - fĂŒr mich.

quote:
Und deshalb gibt es in jeder zweiten Hollywoodschnulze noch die klassische Szene, in der die Frau aus dem Fenster im zweiten Stock zu ihrem im Garten stehenden Lover herunterguckt, der sich zum totalen Affen macht, nur um die Lady zu pimpern

Denen fÀllt halt nix mehr ein. Ist mir auch schon aufgefallen.

quote:
Nur in einem Land wie Amerika, das PrĂŒderie zum obersten Gebot auserkoren hat, kann eine Monica Lewinsky so viel Aufsehen erregen.

Hier erzÀhlt Dein Prot, der darf irren und vereinfachen. Im realen Leben nennte ich seine Weltsicht etwas totalitÀr. Etwas.

Nein, Dein Prot muss so denken. Du zeichnest ihn wirklich plausibel. Nix zu meckern daran.

quote:
Ich ging wortlos zur KĂŒhlbox, nahm mir ein Budweiser, und verzog mich.

Hoffentlich das tschechische Original und nicht diese US-Plörre. Wenn schon Schleichwerbung ...

quote:
„Du kannst von meinem Bier trinken“, sagte ich frech.


Kleiner Logikfehler, denn er hatte sich nur ein Bud genommen, es getrunken und die leere Dose zu den MĂ€dchen geworfen.

quote:
Ihre Andersartigkeit war das einzige, was wir gemeinsam hatten,

Es sind SĂ€tze wie diese, die einen Schriftsteller ausmachen. Grandios!


Beinahe schön zu sehen, dass Dir auch mal was nicht gelingt:

quote:
Und je mehr ich mich besoff, desto gleichgĂŒltiger wurde mir Jenna (Binsenweisheit). Ich erinnerte mich an all die chauvinistischen SprĂŒche von den unertrĂ€glichen Machos, mit denen ich mal zu tun gehabt hatte. Ich erinnerte mich an ihr großes Gerede ĂŒber die Kunst, sich eine Frau unterwĂŒrfig zu machen und was Liebe doch fĂŒr ein Kampf sei, in dem der Mann sich nicht die geringste BlĂ¶ĂŸe geben darf. Soll Jenna doch zum Teufel fahren, dachte ich, aber in Wirklichkeit realisierte ich wohl, dass ich sie liebte und sie nicht verlieren wollte (etwas allgemeinplatzig), und dass mein Benehmen nur die Trotzreaktion einer beleidigten Leberwurst (tautologisch und abgegriffen) war.

quote:
Der Rauch in der Discothek

Oben schreibst Du es mit k.

quote:
Ich glaubte, durch das Adrenalin wieder nĂŒchtern geworden zu sein, aber wenn ich mich jetzt an meine Wahrnehmung zu jenem Zeitpunkt erinnere, dann weiß ich, dass ich stark an geistiger Umnachtung litt.

Erinnerungen an eine Wahrnehmung geistiger Umnachtung? Klingt nicht wirklich plausibel.


Aber dann ...

quote:
Meine Eltern holten mich im Ford Station Wagon ab und behandelten mich wie ein Neugeborenes. Schon auf der Heimfahrt begann ich wieder, sie zu hassen und nahm mir vor, nie wieder ein Wort mit ihnen zu reden.

Meine Fresse, ist das gut! Der Vergleich (Neugeborenes) klingt so unscheinbar, aber wÀhrend andere mit hochtrabendem GeschwÀtz zu beeindrucken versuchen, bringst Du es einfach auf den Punkt - und zwar mittels einfachster Sprache. Darin steckt alles, was diese Szene hergeben kann; alles.

Fazit:
Talent ohne Ende, aber hin und wieder haut es Dich raus.

Der Text ist (fĂŒr LL-VerhĂ€ltnisse) sehr lang. Das ist fĂŒr mich der einzig plausible Grund, warum dieser Text nicht mehr Beachtung findet.

Sehr, sehr schade drum!

lg

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CPMan
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Liebe(r) rothsten,

zunĂ€chst einmal vielen Dank fĂŒr deine motivierende RĂŒckmeldung.
Du hast mir gestern tatsĂ€chlich ein HochgefĂŒhl verschafft, das auch bis jetzt noch andauert. Ich schreibe jetzt schon etwas lĂ€nger und der Enthusiasmus bezĂŒglich meines Schreibens unterliegt demselben Auf und Ab wie das Meer den Gezeiten. Und deine Kritik motiviert mich, weiter zu schreiben.

Also danke!

Danke auch fĂŒr die hilfreichen Kommentare, die die kleinen MĂ€ngel der Geschichte beheben helfen, vor allem die Sache mit der einen Dose Bier ist bisher noch keinem aufgefallen, was den Schluss nahelegt, dass du ein sehr aufmerksamer Leser bist.

Ich bin mit allen deinen Kritikpunkten einverstanden und werde die Geschichte in deinem Sinne nachbearbeiten.

Gruß und Dank,

CPMan

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DocSchneider
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Hallo CPMan,

eine ausgezeichnet aufgebaute Geschichte: als Leser will man unbedingt wissen, wie sie weitergeht. Zudem eine gut gelungene Milieuschilderung mit allgemeingĂŒltigen Weisheiten ĂŒber die Liebe.

Traurig-schön-melancholisch.

Deshalb mit VergnĂŒgen den Stempel aufgedrĂŒckt!

LG DS
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Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals ermĂŒdendem Lesen. (Virgina Woolf)

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drogen induzierte psychose

mach mal einen ausflug in die psychatrie
dort wirst du ĂŒber drogen induzierte psychosen aufgeklĂ€rt.
nimms mal mit.ansonsten feiere weiter synapsencarneval.
__________________
windspieler

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