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Leselupe.de > Horror und Psycho
Children's Revenge
Eingestellt am 17. 12. 2001 14:23


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Robert McKay
Hobbydichter
Registriert: Dec 2001

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Kapitel 1


"Schei├č-Karte!", fluchte Jack Roberts und schlug mit der flachen Hand auf das zerknitterte Papier auf seinen Knien.
Er sa├č in seinem Auto und befand sich an einem Ort, der hinter dem Ende der Welt zu liegen schien. Eigentlich h├Ątte er schon l├Ąngst in Danville sein m├╝ssen, aber irgendwie musste er die Ausfahrt verpasst und stattdessen eine oder zwei sp├Ąter genommen haben. Seine ├╝berm├╝deten Nerven hatten es nicht zugelassen, dass er sich richtig hatte konzentrieren k├Ânnen.
Das Auto stand auf einer Erh├Âhung, einer Art H├╝gel und der Motor war abgestellt. Es war absolut finster, so dass es kaum m├Âglich war, etwas zu erkennen. Die Scheinwerfer schafften es nicht, die Dunkelheit zu durchdringen. Die Scheibenwischer fuhren immer noch wie wild ├╝ber die Scheibe und der Regen trommelte leise auf das Dach. Jack fuhr abermals mit seinem Daumen ├╝ber die Karte und versuchte verzweifelt, sich zu erinnern, wo er h├Ątte abbiegen m├╝ssen, aber es gelang ihm nicht. Er wusste partout nicht, wo er sich im Moment befand.
Er schleuderte die Karte w├╝tend auf den R├╝cksitz, als w├Ąre sie an seiner Situation schuld, und klopfte mit den Fingern ungeduldig auf dem Lenkrad umher. Vor ihm konnte er den Schatten eines kleinen Hauses ausmachen, vermutlich handelte es sich um eine kleine H├╝tte, in der irgend ein menschenscheuer Auswanderer lebte. Jack sah auf seine Armbanduhr. Es war kurz vor halb elf. Es w├╝rde wohl das Beste sein, wenn er fragen w├╝rde, ob er hier irgendwo ein Nachtlager bekommen k├Ânnte, anstatt noch heute den Weg nach Hause zu suchen, den er wahrscheinlich sowieso nicht finden w├╝rde.
Er stieg aus seinem Auto, knallte die T├╝r zu und lief auf die H├╝tte zu. Er hatte sich nicht vorgestellt, dass der Regen so stark war. Obwohl der Weg von seinem Auto zu dem kleinen Haus h├Âchstens f├╝nfzig Meter betrug, war er ziemlich durchn├Ąsst, als er an die T├╝r klopfte.
"Hallo", rief er, "Ist jemand da?"
Nur ein paar Sekunden sp├Ąter wurde die T├╝r ge├Âffnet und ein warmer Lichtschein fiel auf Jack. In der T├╝r stand ein Mann von etwa sechzig Jahren, sehr penibel gekleidet und ein freundliches L├Ącheln im Gesicht. Jack ordnete ihn in die Kategorie "liebensw├╝rdiger Gro├čvater" ein.
"Entschuldigen Sie, bitte", sagte er und bemerkte erst jetzt, dass er zitterte, "ich wollte Sie nur fragen, ob sie mir vielleicht eine Unterkunft bieten k├Ânnten."
Der Mann musterte Jack von oben bis unten und bedeutete ihm dann mit einer knappen Geste, hereinzukommen.
Jack trat ein und die T├╝r fiel mit einem dumpfen Knall ins Schloss. Drinnen war es mollig warm. Die H├╝tte war gr├Â├čer, als sie Jack zuerst vorgekommen war, sie musste sich ein ordentliches St├╝ck nach hinten erstrecken. Am gegen├╝berliegenden Ende des Raumes befand sich ein Kamin, in dem ein gem├╝tliches Feuer knisterte. An den W├Ąnden hingen Tierk├Âpfe von Hirschen und Wildschweinen und auf dem Boden lagen Felle verschiedener Tierarten. Insgesamt erweckte das Haus den Eindruck, als stamme es aus einer vergangen Zeit.
"Wow!", murmelte Jack bewundernd und sah sich um. In der Mitte des Raumes entdeckte er einen Tisch, auf dem viele Fotos lagen. Sie waren ordentlich ├╝bereinander gestapelt und so konnte Jack nur das Oberste erkennen: Es war in Schwarz-Wei├č, sah schon recht alt und vergilbt aus und zeigte ein kleines M├Ądchen, vielleicht f├╝nf Jahre alt, das mit einem Puppenwagen spielte. Vielleicht war es ein Enkel des Bewohners.
Just in dem Moment, in dem Jack dar├╝ber nachdachte, trat der Mann, der ihn eingelassen hatte, an den Tisch, nahm den Stapel Fotos und verstaute ihn in einem Pappkarton, der auf dem Boden stand. Er st├╝lpte einen Deckel ├╝ber und richtete sich wieder auf.
"Was kann ich f├╝r Sie tun?", fragte er und l├Ąchelte.
"Nun", erwiderte Jack, "eigentlich m├Âchte ich Sie nur um eine Unterkunft f├╝r diese Nacht bitten."
Das L├Ącheln auf den Lippen des Mannes erlosch und sein Gesicht nahm eine unnat├╝rliche Farbe an. Jack erschrak. Hatte seine Forderung etwa unversch├Ąmt geklungen?
"Eine Unterkunft...", murmelte der Mann leise. Er blickte Jack in die Augen und fragte dann: "Wissen Sie denn nicht, was heute f├╝r ein Datum ist?"
Jack verstand die Frage nicht. Er kniff die Augen erstaunt zusammen und antwortete: "Doch... selbstverst├Ąndlich. Heute ist der vierzehnte November. Und?"
"Ich halte es f├╝r keine gute Idee, an diesem Tag hier eine Unterkunft zu verlangen!"
"Wieso nicht?" Jack verstand einfach nicht, was dieser Typ von ihm wollte.
"Na, wegen der Kinder!", sagte der Mann. Es klang, als w├Ąre es das Nat├╝rlichste auf der ganzen Welt.
"H├Âren Sie", sagte Jack. Er wollte sich jetzt absolut nicht den Kopf ├╝ber irgendwelche zusammenhanglosen ├Ąu├čerungen zerbrechen. "Ich habe eine vierst├╝ndige Autofahrt hinter mir, einen Stau und einen Polizisten, der mir wegen zu schnellem Verfahren einen Strafzettel verpasst hat. Eigentlich m├╝sste ich schon l├Ąngst zu Hause sein, aber ich habe wohl meine Ausfahrt ├╝bersehen und alles, was ich jetzt noch will, ist eine M├Âglichkeit, zu ├╝bernachten. Wenn Sie mir nicht helfen k├Ânne, dann muss ich sie mir woanders suchen, aber ich glaube, ich baue einen Unfall, wenn ich auch nur noch einen Meter weit fahre. K├Ânnen Sie mir sagen, ob ich hier irgendwo ein Hotel finde?"
Der Mann hob die H├Ąnde, abwehrend aber auch beschw├Ârend und sagte: "Bitte, mein Herr, ich muss Ihnen wirklich dringend davon abraten. Die Kinder..."
Jack hatte die Nase voll. Wahrscheinlich h├Ątte er den Mann angeschrien, wenn er nicht so furchtbar m├╝de gewesen w├Ąre. So sagte er nur in einem zischenden Ton: "Bitte!!"
Der Mann seufzte und sch├╝ttelte den Kopf. Dann ging er zu einem Fenster und schob die Gardine beiseite.
Jack konnte einen leisen, verbl├╝fften Aufschrei nicht verbergen. Drau├čen befand sich auf einmal eine ansehnliche Ansammlung von H├Ąusern, hier und da waren Fenster hell erleuchtet und auch der Regen hatte auf einmal aufgeh├Ârt. Man hatte eine weite Sicht und konnte auch noch in gro├čer Entfernung deutlich kleine, gelb-strahlende Vierecke ausmachen.
"Das dort", sagte der Mann und zeigte auf ein gr├Â├čeres Haus in kurzer Entfernung, "ist das Jefferson-Hotel. Es ist das Beste in ganz Cild, da finden Sie mit Sicherheit noch ein Zimmer."
Jack betrachtete das Hotel. Es sah ordentlich und noch recht neu aus. Er nickte dem Mann dankbar zu und sagte: "Okay. Vielen Dank, Mr. ..."
"Brown", erwiderte der Mann, "Jacob Brown."


Kapitel 2


Jack parkte den Wagen vor dem Hotel, stieg aus und ging auf das Geb├Ąude zu. Ein gro├čes Schild prangte ├╝ber dem Eingang: "Jefferson".
Er betrat die riesige Eingangshalle und wurde schon wieder ├╝berrascht. Dieses Hotel schien technisch auf dem neuesten Stand zu sein. Moderne Fahrst├╝hle befanden sich an beiden Seiten und der Mamorboden gl├Ąnzte, als w├Ąre er gerade eben erst frisch poliert worden. Das Einzige, was Jack ein wenig verwunderte war, dass er hier der Einzige war. Keine andere Menschenseele war zu sehen.
Er ging zur Rezeption und schlug mit der Hand auf die kleine goldenen Klingel. Der helle Klang hallte durch den Raum und schien immer weiter anzuschwellen.
Ein alter Mann kam mit schlurfenden Schritten aus einem kleinen Raum hinter der Rezeption hervor und sah Jack missmutig an.
"Sie w├╝nschen?"
"Ich h├Ątte gerne ein Zimmer f├╝r diese Nacht", sagte Jack. Der Mann nahm ohne lange zu ├╝berlegen einen Schl├╝ssel von dem Brett hinter sich und warf ihn auf den Tresen.
"Bittesch├Ân!"
Jack nahm ihn langsam in die Hand. "Wollen Sie sich denn gar nicht meinen Namen aufschreiben?"
"Nicht n├Âtig."
"Aber ich muss doch bezahlen!"
"Glaub ich kaum!"
Jack stand noch eine Weile da und betrachtete abwechselnd den Schl├╝ssel und den Mann an der Rezeption. Dann entschied er sich, dass er zu m├╝de war, um sich ├╝ber so etwas zu streiten und dass Geldfragen auch morgen fr├╝h noch gekl├Ąrt werden konnten. Er machte auf dem Absatz kehrt und schickte sich an, die Treppe hinaufzugehen.
"Sie wissen, dass heute der vierzehnte November ist, ja?", klang auf einmal die Stimme des Mannes hinter seinem R├╝cken.
Jack verdrehte genervt die Augen. Jetzt fing dieser Typ auch noch damit an. Er schnappte h├Ârbar nach Luft, fuhr herum und fragte: "Und? Und? Was ist schon so Besonderes daran? Was ist so Besonderes an diesem verdammten vierzehnten November?"
Der Mann wich einen Schritt zur├╝ck. Zweifellos war er ├╝ber Jack's pl├Âtzliche Bewegung verwundert.
"Am vierzehnten November 1896 hat der verr├╝ckte Brown alle seine Kinder umgebracht. F├╝nf kleine Kinder. Drei Jungen und zwei M├Ądchen."
"Das ist mir v├Âllig egal!", zischte Jack, "es ist mir schei├čegal, wer hier in eurem Kaff wen umbringt. Was mir nicht egal ist, ist die Tatsache, dass ich hundem├╝de bin und endlich schlafen will!"
Der Mann zuckte die Schultern. Er hatte seine Fassung von vorhin wieder gewonnen. "Gute Nacht, Mister", sagte er. Dann verschwand er wieder mit denselben schlurfenden Schritten.
Das Zimmer stellte sich als sehr ger├Ąumig und durchaus nobel eingerichtet heraus, als Jack es betrat. Der Anblick beruhigte ihn wieder ein wenig und lie├č seine angestrengten Nerven sich automatisch etwas entspannen, die eben so strapaziert worden waren. Hier w├╝rde er eine ruhige und erholsame Nacht verbringen. Morgen fr├╝h dann w├╝rde er sich um den Rest k├╝mmern und ├╝berhaupt erst einmal herausfinden, wo dieses Cild, in dem er sich jetzt befand und von dem er noch nie etwas geh├Ârt hatte (ganz zu schweigen davon, dass er sich in keiner Weise daran erinnern konnte, es im Auto auf der Karte entdeckt zu haben) ├╝berhaupt lag.
Er warf seinen Koffer auf das Bett und setzte sich. F├╝r einen Moment schloss er die Augen und genoss die Stille; nur unterbrochen von dem gleichm├Ą├čigen Ticken der antiken Uhr, die an der Wand hing.
... Der verr├╝ckte Brown hat seine Kinder umgebracht. Alle f├╝nf...
Die Worte kamen ihm wieder in den Sinn, und pl├Âtzlich fiel ihm auch die Namensgleichheit mit dem alten Mann in der kleinen H├╝tte auf. F├╝r kurz keimte in Jack ein Gedanke auf, aber er verwarf ihn genauso schnell wieder, wie er gekommen war. Der Mann konnte unm├Âglich derselbe sein, der seine Kinder umgebracht hatte, sonst w├Ąre er jetzt wohl schon mindestens hundert Jahre alt.
... Aber er hatte Fotos von kleinen Kindern...
Ja und? Bleib auf dem Teppich, Jack, bleib auf dem Teppich. Geh jetzt schlafen, dann kannst du auch schnell wieder hier weg.
Jack fand dies eine gute Idee. Er stand auf, ging hin├╝ber zum Bett und lie├č sich wieder fallen. Er beschloss, dass er keine Lust mehr hatte, sich noch umzuziehen und d├Âste vor sich hin.
Nur kurze Zeit sp├Ąter - es konnten allerh├Âchstens f├╝nf Minuten gewesen sein - vernahm er ein seltsames Ger├Ąusch. Es schreckte ihn aus seinem Halbschlaf hoch und er blickte angestrengt im Zimmer umher.
Nichts hatte sich ver├Ąndert. Wieso sollte es auch so sein? Er war doch alleine hier. Als er zum Fenster blickte, erkannte er Regentropfen an der Scheibe und nun konnte er auch das Ger├Ąusch einordnen: Es war das leise Trommeln der Tropfen auf dem Glas.
Beruhigt schloss er wieder die Augen.
... aber das Gef├╝hl lie├č ihn nicht los, dass da noch etwas anderes war, irgend etwas anderes, au├čer dem Ger├Ąusch des Regens. Es klang sehr ├Ąhnlich, aber es war dennoch eine Spur zu laut, als dass es auf Glas tropfendes Wasser h├Ątte sein k├Ânnen.
Dann erkannte er es. Jemand klopfte an die T├╝r.
"Ja, bitte", rief Jack und richtete sich auf. Das Klopfen verstummte. Vielleicht war es der Zimmerservice. In einem solch nobel ausgestatteten Hotel war es immerhin gut denkbar, dass ein paar eifrige Pagen den G├Ąsten mit endlosen Fragen nach ihren W├╝nschen auf den Geist gingen.
Dann ert├Ânte es wieder. Jack stand auf und ging langsam zur T├╝r. Er w├╝rde den Angestellten abwimmeln und ihm klar und deutlich erkl├Ąren, dass er m├╝de war und schlafen wollte. Die T├╝r hatte er abgeschlossen. Er drehte den Schl├╝ssel im Schloss und zog die T├╝r mit einem entschiedenen Ruck auf.
Es war nicht der Zimmerservice, der vor der T├╝r stand. Das, was Jack dort erblickte, jagte ihm einen Schauer ├╝ber den R├╝cken und lie├č ihn entsetzt aufschreien.
Vor sich sah er eine kleine Gestalt, etwa einen Meter gro├č. Es war ein M├Ądchen, mit langen Haaren und einem Sommerkleid. Zumindest musste es das fr├╝her einmal gewesen sein. Jetzt war es nicht besser erkennbar, als die gesamte, restliche Gestalt. Die Haare waren schmutzig und hingen in langen verklebten Str├Ąhnen herab. Der Sch├Ądel war an der linken Seite eingedr├╝ckt, ganz so, als h├Ątte jemand mit einem harten Gegenstand mehrere Male darauf eingeschlagen; an einer kleinen Stelle schien der Kopf sogar vollst├Ąndig aufgespalten zu sein. Eine lange, blutige Narbe verlief ├╝ber ihre Wange. Die andere Gesichtsh├Ąlfte bestand nur noch aus einer weichen Masse, aus der unentwegt Blutf├Ąden ├╝ber den Hals des M├Ądchens rannen und sich in seinem Kleid festsetzten. Ein Auge bestand nur noch zur H├Ąktfe, die andere war nicht mehr erkennbar. Ein Gestank von Verwesung und Tod schlug Jack entgegen und raubte ihm beinahe das Bewusstsein.
Er schrie einmal kurz aber laut genug, dass man es bis an das Ende der Stra├če geh├Ârt haben musste; dann schlug er die T├╝r knallend zu und hastete zu seinem Bett. Er hockte sich auf die Decke und beobachtete die T├╝r.
Erst jetzt fiel ihm ein, dass er vergessen hatte, abzuschlie├čen. Kurz spielte er mit dem Gedanken, noch einmal zur├╝ckzurennen und die T├╝r zu verriegeln, aber sofort fiel ihm ein, dass dies reiner Selbstmord sein w├╝rde. Zitternd wartete er, was weiter geschehen w├╝rde.
Ganz sicher tr├Ąumte er, hatten ihm seine Nerven einen Streich gespielt. Das, was er eben gesehen hatte, existierte doch ├╝berhaupt nicht. Er war verr├╝ckt, hatte zuviel gearbeitet oder sonst etwas, aber ganz sicherlich stand nicht genau in diesem Moment ein kleines M├Ądchen vor seiner Zimmert├╝r, das mehr tot als lebendig war und zudem auch noch gen├╝gend Stoff f├╝r einen primitiven Horrorstreifen bot.
Diese Gedanken, mit denen er sich halbwegs zu tr├Âsten versuchte, wurden allerdings sofort widerlegt, als die Klinke auf einmal langsam heruntergedr├╝ckt wurde und die T├╝r aufschwang.
Und da stand sie wieder, und diesmal schrie er nicht nur einmal kurz auf, sondern begann derart vor Angst und Entsetzen zu br├╝llen, dass seine Kehle schmerzte und er dachte, seine Stimmb├Ąnder w├╝rden jeden Moment zerrei├čen. Er lie├č das M├Ądchen dabei nicht aus den Augen und als sie sich langsam auf ihn zubewegte und er nicht weiter zur├╝ckweichen konnte, weil er die Wand bereits im R├╝cken sp├╝rte, vermischte sich sein Geschrei mit Weinen. Er sprang auf, warf dabei den Nachttisch um und verschwand im Badezimmer. Dieses Mal schloss er die T├╝r ab.
Eine Waffe!, schrie es in seinem Gehirn, verfluchte Schei├če, ich brauche eine gottverdammte Waffe und zwar SOFORT!!!
Er riss den kleinen Spiegelschrank an der Wand auf und durchsuchte hastig seinen Inhalt. Zahnb├╝rsten, Plastikbecher, Rasierklingen. Rasierklingen. Er wog die Chance ab, die er haben w├╝rde, mit diesen simplen Messerchen diesen Zombie im Wohnzimmer zu verletzen und schleuderte sie dann in die Ecke, als er einsah, dass es absolut nichts bringen w├╝rde.
Es splitterte. Jack warf einen kurzen Blick zur T├╝r und erkannte die schlechte Qualit├Ąt des Holzes. Eine kleine blutige Hand, die zudem aschfahl war, hatte sich bereits hindurchgebohrt.
Er schrie noch einmal und sah sich hektisch nach rechts und links um. Es w├╝rde doch irgendetwas geben, mit dem er sich zur Wehr w├╝rde setzen k├Ânnen.
Splittern. Eine zweite Hand.
"Schei├če!", schrie Jack, "Schei├če, schei├če, SCHEISSE!" Er entdeckte die Handbrause aus der Dusche und griff sie sich. Sie bestand aus Metall.
Die T├╝r bog sich regelrecht, kurz bevor sie splitternd zerbarst. Das kleine M├Ądchen kam herein, aber keineswegs hastig. Sie schien alle Zeit der Welt zu haben.
"Komm her! Komm doch, du Mistst├╝ck!", fluchte Jack und hob die Brause hoch. Ein r├Âchelndes Zischen kam aus dem Mund des Kindes. Es hob seine grauen H├Ąnde, als wolle es eine unsichtbare Barriere durchbrechen, die es noch von Jack trennte. Es machte einen Schritt nach vorn - langsam - und dann noch einen... und noch einen...
Als die Kleine nur noch einen halben Meter von Jack entfernt war, lie├č er die Handbrause mit einem angsterf├╝llten Gebr├╝ll auf sie heruntersausen.
Das Metall grub sich in den Sch├Ądel und blieb dort stecken. Das M├Ądchen lie├č einen f├╝rchterlichen Schrei los und fasste nach der Brause, um sie aus ihrem Kopf heraus zu ziehen. Jack sah nicht hin, sonst h├Ątte er sich ├╝bergeben.
Ein metallener Klang zeigte ihm, dass sie es geschafft hatte. Jack erkannte, dass sein Verteidigungsman├Âver nichts, absolut nichts genutzt hatte. Das M├Ądchen ging weiter auf ihn zu, als w├Ąre ├╝berhaupt nichts geschehen. Jack konnte nicht mehr zur├╝ckweichen. Er nahm all seinen Mut zusammen, trat mit seinem rechten Fu├č zu und schleuderte das M├Ądchen damit in die Badezimmerecke. Dann st├╝rmte er an ihr vorbei und rannte aus seinem Zimmer auf den Flur.
Er lehnte sich keuchend an die Wand und schnappte nach Luft. Er musste dieses Hotel verlassen und zwar auf der Stelle. Aus dem hinteren Teil seines Zimmers drangen die unverkennbaren Ber├Ąusche, mit dem sich das M├Ądchen seinen Weg durch die demolierte Einrichtung bahnte.
Und pl├Âtzlich h├Ârte er noch ein anderes Ger├Ąusch. Er drehte seinen Kopf nach rechts und erkannte zu seinem Entsetzen zwei weitere Kinder. Es waren Jungen, aber sie sahen mindestens genauso grausam zugerichtet aus, wie das M├Ądchen, wenn nicht sogar noch viel schlimmer. Sie trugen Teddyb├Ąren in ihren Armen und hatten Pyjamas an. Ihre Sch├Ądel waren eingedr├╝ckt und aus ihren Augen rannen Blutf├Ąden.
"Nein...", keuchte Jack, "Nein, lasst mich in Ruhe! Lasst - mich - in - Ruhe!!"
Er drehte sich um und rannte davon in Richtung der Treppe, auf der er herauf gekommen war.
"Lasst - mich - in - Ruhe..."
Die Jungen waren schneller als das M├Ądchen. Sie rannten hinter Jack her und als dieser erkannte, dass am Fu├če der Treppe bereits ein drittes Kind auf ihn wartete, blieb die einzige Fluchtm├Âglichkeit eine Etage h├Âher.
Er h├Ârte das Getrappel der kleinen F├╝├če, als er die Stufen hinaufhetzte. ... Der verr├╝ckte Brown hat seine Kinder umgebracht. Alle f├╝nf... Verdammt, was war hier nur los? Was hatte das mit dem vierzehnten November zu tun? Es gab doch keine Zombies oder Gespenster oder irgend solch einen Kram! Oder?
Er fand sich auf einem langen Flur wieder, als er das Ende der Treppe erreicht hatte. Eine lange Reihe von T├╝ren befand sich auf beiden Seiten. Jack probierte eine.
Verschlossen.
Er rannte ein St├╝ck weiter und dr├╝ckte noch eine Klinke herunter.
Auch verschlossen.
Verschlossen.
Verschlossen.
Es war zwecklos. Kein Mensch au├čer ihm war heute nacht in diesem Hotel. Hinter ihm h├Ârte er die Kinder laufen und als er sich umblickte, erkannte er, dass ihre Anzahl inzwischen auf f├╝nf angestiegen war.
... Drei Jungen. Zwei M├Ądchen...
... Alle umgebracht...
"Verschwindet!", kreischte er, "Verpisst euch, na los, ich habe euch nichts getan!"
Dann stand er mit dem R├╝cken zum Fenster. Er konnte nicht weiter ausweichen, daf├╝r kamen ihm die Kinder immer n├Ąher. Einer der Jungen zog aus seiner Tasche einen kleinen Ball und warf ihn nach Jack. Er traf ihn am Kopf und Jack schrie vor Schmerz laut auf. Der Ball hatte ihm die Haut aufgerissen, Blut lief ihm ├╝ber das Gesicht und verschleierte das Geschehen dunkelrot. Er sank zu Boden, hielt sich seine Stirn und versuchte, diesen wahnsinnigen Schmerz zu verdr├Ąngen.
Pl├Âtzlich wurde seine linke Wade von einer kleinen Hand ergriffen und brannte sich regelrecht in seine Haut. Ein furchtbares Br├╝llen lie├č die W├Ąnde erzittern, als die Kinder begannen, Jack mit sich zu ziehen. Er trat nach ihnen, strampelte wie wild, sah aber ein, dass es nichts brachte. Er traf einen der Jungen an seinem Kopf und sofort spritzte eine Blutfont├Ąne ├╝ber sein Hosenbein. Die Hand lockerte sich einen Sekundenbruchteil, aber das gen├╝gte Jack. Er riss sich los, drehte sich um und rannte auf das Fenster zu.
Ein entt├Ąuschtes Gebr├╝ll erklang von den Kindern und er h├Ârte noch, wie sie ihm hinterhereilten, aber er sprang bereits durch das Glas. Tausende von kleinen Wunden holte er sich ein, als die Scheibe klirrend implodierte und er anschlie├čend wie ein Stein mindestens zwanzig Meter in die Tiefe st├╝rzte...


Kapitel 3


Aus der New York Times:

"Ein grausames Verbechen wurde der Polizei gestern fr├╝h gemeldet. Ein Jogger fand auf seinem allmorgendlichen Lauf eine grausam zugerichtete Leiche mitten auf einem freiem Feld in der N├Ąhe von Danville. Der Tote hatte unz├Ąhlige Schnittwunden, als w├Ąre er furchtbar maltr├Ątiert wurden, bevor er ermordet wurde. An seinem linken Bein fand man eine gro├če Brandwunde. Die Identit├Ąt war bisher nicht festzustellen. Die Polizei ermittelt."

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