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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Claudia
Eingestellt am 28. 10. 2013 17:43


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wolfmann
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Sep 2013

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Claudia

Nun werde ich bald fĂĽnfzig, das muss man sich mal vorstellen. Dabei sehe ich doch noch gar nicht so alt aus. Wirklich. Jeder, ein jeder muss doch neidlos anerkennen, dass ich mindestens fĂĽnf Jahre, bei besonders gĂĽnstigem Licht und gut zurecht gemacht sogar zehn Jahre, jĂĽnger aussehe.
Aber das ist ja leider nur das Äußere, das was ein anderer oder andere an mir wahrnehmen, oder ich an mir im Spiegel sehe. Aber innen, und das kann zumeist nur ich erkennen und dann auch mir nur selten genug eingestehen, fühle ich mich oft, gerade in der letzten Zeit, fünf Jahre älter, mindestens.
Nun werde ich also bald fĂĽnfzig, und wieder einmal stehe ich ohne Mann dar.
Dabei ist es mir doch schon längst klar, dass ich eigentlich diese Männer gar nicht brauche.
Und dennoch versuche ich es immer wieder, … dieses Suchen, kann es einfach nicht lassen. Und es ist nicht nur wegen des immer noch wiederkehrenden Kitzels zwischen den Beinen, nein, es gibt da mehr, was mich umtreibt, … nennen wir es Erwartungen, Hoffnungen, ja, … Sehnsucht, kurz gesagt.
Dabei stehe ich doch mitten im Leben, wie man so schön sagt, habe meine Arbeit, was ja längst nicht mehr ein jeder von sich sagen kann, habe eine schöne Wohnung, die sehr geschmackvoll eingerichtet ist, habe auch Freundinnen, mindestens eine sehr gute sogar, und auch eine Anzahl von männlichen Bekannten gibt es in meinem Leben.
Dennoch ist der richtige Mann nicht dabei, und es scheint ihn auch sonst nicht zu geben.
Mir jedenfalls begegnet er einfach nicht.
Auch wenn ich noch so viel unterwegs bin, mich austausche, auch einen anderen sehr nahe an mich heranlasse, kommt nichts oder jedenfalls viel zu wenig herĂĽber.
Es wird nichts zum Klingen gebracht, … da werden keine Saiten angeschlagen, bestenfalls ist es ein schöner Abend, auch mal, leider nur ganz selten, eine reizvolle Nacht gewesen, die aber bereits am nächsten Tag schon in so weite Ferne gerückt, schon gar nicht mehr wahr ist - nie also bleibt.
(Aber vielleicht verlange ich einfach zu viel? Vielleicht ist es in meinem Alter nicht mehr angemessen, so zu denken wie jüngere und auch noch Vierzigjährige denken dürfen.
Sollte es mit fĂĽnfzig schon vorbei sein? ... Ich glaube es nicht! ... Und ich will es auch nicht glauben!)
Meinen Ehemann habe ich geliebt, bin auch sehr lange bei ihm geblieben, … geblieben, solange geblieben, bis es nicht mehr ging.
Nach fast fĂĽnfzehn Jahren war es mit diesem flotten, schwarzhaarigen Italiener endgĂĽltig vorbei.
Irgendwann konnte ich seine Seitensprünge, obgleich nicht wirklich viele, aber doch in regelmäßigen Abständen wiederkehrend, nicht mehr ertragen, … irgendwann war es dann auch keine Liebe mehr.
Und so hatte ich mich dann, danach, nach einer doch recht schnellen Trennung, auch alleine einzurichten, habe mich auch ganz gut eingerichtet, denn meinen Optimismus kann (na ja, konnte, denn manchmal glaube ich nun, dass er mir ein bisschen abhanden gekommen ist, dieser Optimismus) mir keiner nehmen, sodass ich immer gewusst habe, wie ich ĂĽber die Runden komme.
Nur mit meinem Wunsch, meiner Sehnsucht wieder einen Mann zu finden, der mich berührt, den auch ich berühre, und der dann auch bleibt, … mit diesem Wunsch war ich und blieb ich allein - viel zu lange schon allein.
Also musste etwas getan werden, und so habe ich dann auch vor zwei Monaten eine Anzeige aufgegeben, eine Kontaktanzeige in einer dieser Anzeigenblätter, nicht etwa im Internet, das passt nicht zu mir, denn irgendwie brauche ich da etwas schwarz auf weiß real in der Hand.
Und es ist auch viel Resonanz gekommen, auf meine Anzeige.
Zweiundzwanzig Schreiben sind es gewesen.
Allerdings hatte ich gleich vierzehn aussortiert, denn wer nicht einmal seine Adresse angibt, mir nur eine Handynummer preisgibt, der hat bei mir keine Chance.
Von den restlichen acht waren drei ĂĽbriggeblieben, drei, die mich ansprachen, mehr oder weniger angesprochen hatten.
Bei dem ersten Treffen mit einem der drei aber bin ich erst gar nicht aus meinem Wagen gestiegen. Kam doch der Mann mit einem Vollbart an, und da kann ich nicht gegen an, verursacht mir doch ein so ausgestatteter Mann physisches Unbehagen. - Es ist so!
Auch mit meinem zweiten Kontakt ging es nicht viel besser. Da war nach dem Kaffee schon alles aus und vorbei, und konnte gar nicht erst richtig beginnen.
Außerdem war er Raucher, … und ich glaube auch, dass er trank.
Dann der Dritte.
Der war schon ganz ansehnlich, und hatte früher sicher mal ganz gut ausgesehen. Aber auch jetzt noch, als Fünfzigjähriger, war er ganz passabel. Doch. Groß, leicht ergraut, aber noch recht volles Haar, machte er einen guten Eindruck auf mich - alles in allem, und so auf den ersten Blick. Auch war er leger gekleidet, so mit Sakko und Jeans und ohne Krawatte, und das finde ich immer gut.
So war dann auch die erste Barriere genommen, und wir konnten, da das Wetter an diesem Tag sehr schön gewesen war, einen längeren Spaziergang machen, weitläufig um unser Schlösschen herum, das malerisch, so sagen das alle, die es einmal gesehen haben, am Rande unseres kleinen Städtchens liegt.
Und wir verstanden uns - man glaubt es kaum!
Frei weg konnten wir miteinander reden, ich konnte erzählen, mein neuer Bekannter hörte tatsächlich interessiert zu, und stellte auch kluge Fragen, und natürlich erzählte auch er ein wenig von sich, … denn das gehört doch einfach dazu.
So etwas erlebt man nicht alle Tage, … und ich ja nun schon lange nicht mehr.
Schnell schon hatte ich das GefĂĽhl endlich mal einen GlĂĽcksgriff getan zu haben.
Auch dann, zum Abend hin, wir hatten vorher noch eine Kleinigkeit in einem Bistro gegessen, wurde er nicht etwa aufdringlich, wollte nicht partout noch einen Kaffee bei mir trinken (oder, … ein jeder weiß ja nun schon was gemeint ist), nein, wir konnten uns verabschieden, uns auf den nächsten Tag vereinbaren, denn da das Wochenende bevorstand, lag dieses ja auch nahe, zumal wir uns schon einige Male vorher versichert hatten, dass wir uns sehr sympathisch wären und uns natürlich so schnell wie möglich wiedersehen müssten.
Dies taten wir dann auch.
Schon am nächsten Nachmittag stand Michael, so hieß mein neuer Bekannter (ich selbst heiße übrigens Claudia - sorry, für diese Nachlässigkeit, ich hätte mich doch schon längst vorstellen müssen), mit einer Rose, die nicht (schon) dunkelrot, … muss ja auch noch nicht sein, sondern eher lachsfarbend gewesen war, … stand also Michael mit dieser Rose vor meiner Tür.
NatĂĽrlich sollte er auch sogleich meine Wohnung sehen, mein kleines Reich, auf das ich wirklich stolz bin.
Und sie schien ihm zu gefallen.
Vielleicht war sie ihm ein wenig zu hell, mit der weißen Couchgarnitur und den weißen Teppichen überall, den er bewegte sich vorsichtig, ja, zaghaft durch die Räumlichkeiten, und dies änderte sich erst, nachdem ich ihn gebeten hatte, sich die Schuhe auszuziehen.
Und er wurde dann auch ungezwungener, fast schon zu sehr, denn zwischenzeitlich lag er auch schon mal auf meinem Teppichboden im Wohnzimmer, um mir einige Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur vorzuführen.
Sei es drum, wir verbrachten jedenfalls einen schönen Nachmittag, der sich bis spät in den Abend hinein verlängerte, und der dann nach einigen Gläsern Rotwein, die Frage aufwarf, wie es mit uns an diesem Abend weitergehen sollte.
Erst vorsichtig vorfĂĽhlend, dann aber sich bald schnell entscheidend, fanden wir uns noch vor zweiundzwanzig Uhr in meinem Bett wieder.
(Es ist doch immer wieder merkwürdig zu sehen, wie wir erwachsenen, aufgeklärten Menschen, und da nehme ich mich nun gar nicht aus, obwohl ich auch schon bei ausgelassenen Gegebenheiten, also in besonderen Situationen, durchaus leichtsinnig gewesen bin, wie wir Menschen also in normalen Situationen doch immer noch eine Art von Verklemmtheit mit uns herumtragen, die erst beiseitegelegt werden muss, und dann überwunden werden kann.)
In meinem Bett also fanden wir uns wieder, und liebten uns zum ersten Mal.
Eigentlich war es ganz schön gewesen.
Doch, … für das erste Mal war es ganz schön gewesen.
Natürlich war es nicht berauschend gewesen, … aber ich weiß auch nicht, … und bin mir da wirklich nicht sicher, ob es so etwas mit fünfzig überhaupt noch geben kann.
(Wobei ich aber allerdings immer noch glaube und hoffe, dass es so etwas wie Berauschung, ich will ja gar nicht gleich sagen Ekstase, aber doch eben Berauschung beim Sex, … so etwas, wo man sagt ´das war sehr, sehr, ... so geil!`, noch geben kann. - Na ja, vielleicht ist dies aber doch auch nur wieder ein „Kinderglaube“, dem ich, dieses muss ich zugeben, bei einigen Gelegenheiten immer noch anhänge.)
Auch ich bin ja nun eine Frau, die recht schnell kommt, und dann auch (manchmal) ein zweites Mal kommen kann.
Und es muss auch schon recht schnell und intensiv bei mir sein.
Dieses war bei Michael eher anders.
Er brauchte lange, wollte intensives Vorspiel, lange hinausgezögertes Liebesspiel mit Varianten und kleinen Pausen, … und dann einen großen Abschluss.
Das ist auch schön, … wenn auch mehr für ihn als für mich.
Aber dieses war nun wirklich kein Hindernis für uns beide, denn wenn ich gekommen bin, bin ich doch auch bereit, mich ihm zur Verfügung zu stellen, das schon, … zumal ich ja vielleicht ein zweites Mal kommen kann.
Und es ist doch auch etwas Schönes, so eine intensive, intime Nähe, und natürlich ein Mann, der mir zeigt, dass er mich gerade jetzt braucht und will.
Das war dann also unsere erste Liebesnacht gewesen, und am folgenden Morgen konnten wir sie auch noch schön abschließen, denn ich konnte mich bedienen, diesmal schnell und intensiv - und das war geil!
Ja, beim Sex hatten wir uns schon verständigt. Das bekamen wir hin, sodass ein jeder von uns auf seine Kosten kam, denn in den zwei Monaten unserer Bekanntschaft taten wir es regelmäßig an den Wochenenden und hatten auch keinen Anlass gesehen, es zu thematisieren, es lang und breit zu beäugen oder gar zu kritisieren - nein!
Und wenn dies so ist, dann konnte man doch wohl annehmen, dass es funktioniert, miteinander - so sehe ich es jedenfalls.
Aber andere Dinge funktionierten leider nicht, oder jedenfalls nicht gut. Und die haben dann auch, Tropfen fĂĽr Tropfen, das Fass zum Ăśberlaufen gebracht. ... Gewiss, es waren alles Kleinigkeiten gewesen, aber die Summe machte es, und das schon nach zwei Monaten.
Ich habe, wie schon gesagt, eine sehr schöne Wohnung, die tipp-top in Ordnung ist.
Und nun sollte man meinen, dass ein jeder, der bei mir zu Besuch ist, bei mir zu Gast ist, sich auch so benimmt, wie es sich eben für einen Gast gehört - doch, … das sollte man meinen.
Und Michael benahm sich auch niemals wirklich daneben, nein, das nun nicht, aber er hatte doch eine recht legere Art.
Und dieses schlug sich in vielem nieder.
Er war nun also nicht wirklich rücksichtslos, aber er erkannte wohl nicht oder wollte es nicht erkennen, wie viel Arbeit, wie viel Verzicht und Mühe in einer schön hergerichteten, mit hochwertigen Möbeln ausgestatteten Wohnung steckten.
(Einmal war ich übrigens auch in seiner Wohnung gewesen. Die zwei Zimmer, das Bad und die Küche mit Einbaumöbeln waren in Ordnung, aber so dunkel, und irgendwie kamen mir seine Möbel mehr oder weniger wahllos zusammen gewürfelt vor. Sie machten so einen uneinheitlichen Eindruck, mehr eine Studentenbude, denn eine Wohnung eines gereiften Fünfzigjährigen. - Wir haben uns dann auch lieber wieder regelmäßig bei mir getroffen.)
Ja, ich habe auf so manches verzichtet, habe mir vieles absparen müssen, und das sollte ein jeder respektieren, auch einer, den man näher kennen gelernt hat, mit dem man näher beieinander ist, … auch so einer ist doch erst einmal Gast, der den Gastgeber, die Gastgeberin und ihre Wohnung, ja, ihres ganzes Umfeld und ihre Gewohnheiten entsprechend zu respektieren hat.
Von den Schuhen, die man doch besser in meiner Wohnung ausziehen sollte, sprach ich schon (was ja dann auch schnell klappte), und dass man beim gemütlichen Zusammensitzen nicht immer wieder einen Fuß auf den Couchtisch legt (den kann man doch auf dem abseits stehenden Hocker legen), auch dies ist doch wohl selbstverständlich, ebenso muss man doch den Toilettendeckel nach Benutzung wieder herunterklappen (auch mit der Ausrede: ´Ich mache doch immer wieder die Badezimmertür zu`, ist es nicht abgetan), und auch mit der Unsitte nach dem Pinkeln immer nur die Spartaste zu drücken, kann ich nicht gut leben (denn es bleiben doch Reste von Harnstein im Becken).
Ich weiß ja, dass das alles nur Nichtigkeiten sind, aber diese und anderes, wie etwa, das ich kaum gezielt fernsehe, mit Ausnahme des Regionalmagazins, eher also wahllos schaue, ja, es mehr als Geräuschkulisse nehme, und Michael doch sehr gezielt sich Filme oder Beiträge ansah und gern darüber sprach - überhaupt neigte er sehr dazu, immer wieder ins Detail zugehen, alles lang und breit auseinandernehmen zu wollen. ... Aber genug!
Ich könnte noch so einige Beispiele bringen, aber dies bring doch letztendlich nichts!
All dies zeigt doch nur, dass wir beide leider nicht so nahe beieinander waren, zueinander kommen konnten, wie ich es mir und wie es sich sicherlich auch Michael gewünscht hatte, weil wir doch wohl zu verschieden waren, und weil wir auch unsere eingefahrenen Gewohnheiten nur schwerlich ändern konnten, vielleicht auch nicht wollten.
(Wenn wir zwanzig gewesen wären, hätten wir es sicher gekonnt, denn dann wären wir andere und auch die Umstände andere gewesen.)
Dieses erkennend hätte ich konsequent handeln müssen, nichts verdrängen, nichts schleifen lassen dürfen, denn stand doch eine siebentätige Wellness-Woche für uns beide an, die wir gebucht hatten, und die uns, so wie wir naiver Weise gemeint hatten, noch näher zusammenbringen sollte.
Ich hätte doch rechtzeitig ansprechen müssen, dass wir nicht zueinander gekommen waren, dass wir schlicht und einfach die Kurve nicht gekriegt hatten. Niemals hätte ich es laufen lassen dürfen, im Vertrauen darauf, dass es schon irgendwie gut gehen würde.
Wenn wir miteinander gesprochen hätten, wer weiß, vielleicht, nein bestimmt, hätte sich eine Lösung gefunden.
Wir hätten den Urlaub absagen können oder aber, warum denn nicht, wir hätten die sieben Tage noch gemeinsam verbringen können, hätten zwanglos unsere Wellness-Woche gehabt, so als versöhnlichen Abschluss unserer kurzen Beziehung, besser Bekanntschaft. Vielleicht hätten wir sogar noch, wir mochten uns doch eigentlich, ganz ohne Reue und Gewissensbisse, miteinander schlafen können - auch dies ist doch Wellness im weiter gefassten Sinne.

Es ist Samstagnachmittag und wir sind in der Wellness-Oase, die direkt am Meer gelegen ist, angekommen.
Das Hotel ist erstklassig, und natürlich sind es auch die Zimmer. Der Ausblick allerdings lässt ein wenig zu wünschen übrig, denn wir haben nicht die Seeseite gebucht. Aber dieses lässt sich schon verschmerzen.
Zuerst muss nun selbstverständlich alles erkundet werden, … und was wir da zu sehen bekommen, überzeugt uns: Schwimmbäder, Whirlpools, Saunen, Massage- und Fitnessräume, Moorbäder, Restrooms, Beautyshops, … es ist einfach alles da, … und es ist tadellos.
Hier können wir uns also verwöhnen lassen.
Und zwei Tage lang geht es auch gut mit uns beiden.
Sonntag und Montag nutzen wir all die Annehmlichkeiten, bis hin zur fantastischen Küche, und kommen so gar nicht dazu, in uns hinein zu hören oder uns gar wirklich auszutauschen.
Wir kommen also nicht zueinander, und dann Dienstagfrüh, es ist gerade mal sechs Uhr, muss heraus, was innerlich gegärt hat, und nun nicht mehr unter dem Deckel zu halten ist.
„Claudia, was ist los mit uns?“
Michaels Frage trifft mich nicht unvorbereitet, und so kann ich auch sogleich antworten.
„Du weißt genau so gut wie ich, dass wir fest hängen, irgendwie den Anschluss verloren haben, den wir glaubten gefunden zu haben, ... und irgendwie auch nicht mehr aufeinander zu gehen können. ... Wir passen doch wohl nicht zusammen. ... Eigentlich empfinde ich kaum noch etwas für dich.“
So direkt wollte ich diesen letzten Satz gar nicht gesagt haben, … weiß ich doch selbst nicht genau, ob es so ist.
Aber nun ist er heraus und steht im Raum, … in diesem Raum, der in schummeriges Morgenlicht gehüllt und nur Umrisse erkennen lässt.
„Es ist schon klar, so wie du es so sagst, ... ja, ... es ist schon klar, aber ich habe es nicht so gesehen, ... bisher jedenfalls. ... Das da etwas gewesen ist, ... klar, ... aber so endgültig habe ich es nicht gesehen, ... wirklich! ... Und so plötzlich! ... Ich begreife es auch nicht! ... Es ist schade, dass es so ist, ... wirklich! ... Wie soll es jetzt nun weitergehen, ... wie soll es enden?“
„Wieso enden? ... Wir haben doch beide Wellness gewollt, und nun machen wir sie doch wohl auch?“
„Glaubst du allen Ernstes, dass wir das können?“
„Na, ... wir sind doch erwachsen, brauchen uns doch nicht kindisch zu benehmen.“
Michael hat nun lange zu überlegen, … und dann ist von ihm zu hören.
„Nein, ... so kann ich es nicht, ich finde es verlogen, ... so weiter zu machen, als wäre nichts geschehen. ... Nein, so geht das nicht!“
Und nach diesem kategorischen ´nein` kommt nicht mehr viel von Michael, … und nach dem Frühstück ist er dann auch schnell weg.
Ich glaube, dass Michael weniger wegen des „ausgeträumten Traumes“, denn so etwas passiert doch immer wieder, und dafür kann keiner etwas, sondern eher wegen meines Schweigens und nicht rechtzeitigen Ansprechens, so rigoros handelte und mich die restlichen Tage dieser Wellness-Woche, und es waren keine schönen Tage mehr gewesen, allein ließ.
Ich glaube nun, ihn so verstehen zu mĂĽssen - was weiter in seinem Kopf vorging, weiĂź ich nicht.

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wolfmann

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