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Leselupe.de > Humor und Satire
Computerliebe
Eingestellt am 18. 02. 2004 14:06


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Warui
Festzeitungsschreiber
Registriert: Nov 2003

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Markus h├Ârte, wie der Briefschlitz an der Haust├╝r klapperte. Das musste die Morgenzeitung sein. Was wohl gestern passiert war in der Welt? Egal was, um das zu erfahren, musste man ja nicht unbedingt aufstehen. Auf seinem Bildschirm war im Moment nur ein Minimum an Fenstern offen. Eher Grund als Hindernis, um ein neues aufzumachen. Er ├Âffnete sein AOL-Fenster und betrachtete die bunten Bildchen im AOL-Newsticker. Nichts davon interessierte ihn im Moment und das f├╝r das "Girl der Woche" hatte er schon gestimmt, Manuela hatte ihn definitiv am meisten erregt. Da lohnte sich der Gang zur Haust├╝r erst recht nicht, also konnte er auch gleich hier sitzen bleiben. Musste sowieso in ein paar Stunden zur Arbeit. Allein bei dem Gedanken daran ging ihm schon wieder beinahe die Hutschnur hoch und er schnaubte ver├Ąchtlich "Alles Idioten dort", die ihn bis zum Umfallen reizten, und vor allem in letzter Zeit war es schlechter als je zuvor gelaufen. Markus arbeitete als Dachdecker in einem relativ kleinen Betrieb, der sich im Ort keiner ernstzunehmenden Konkurrenz zu stellen brauchte. Ein sicherer, gut bezahlter Job; klar, er bot keine gro├čartigen Aufstiegsm├Âglichkeiten, aber mit 45 hatte man sich an diesen Gedanken sowieso schon gew├Âhnt. Trotzdem war Markus seit ein paar Wochen auf der Arbeit immer gereizt und unzufrieden mit Allem, was ihm ├╝ber den Weg lief. Alle behinderten ihn bei seiner Arbeit, bei seiner Ruhepause, bei der Planung, und wenn er nach Feierabend nach Hause kam, ging es da genauso weiter. Bei seiner Frau hatte er schon l├Ąngere Zeit erhebliche Potenzprobleme, doch das schob er entweder auf sie oder die Arbeit, die Kinder tanzten ihm sowieso nur auf der Nase herum, er konnte sie nicht mehr so beeinflussen wie noch vor wenigen Jahren und vor allem durchsetzen konnte er sich nicht mehr. Der ├älteste war inzwischen aus dem Haus und hatte sich irgendwo eine Wohnung gesucht, von der aus er zur Schule ging. Wenn Markus es recht bedachte, hatte er ihn inzwischen schon fast drei Monate nicht mehr gesehen, jedenfalls pers├Ânlich nicht. Er wusste, dass seine Frau ab und an mit ihm telefonierte, meistens am Wochenende, da kostete es Nichts. Doch im Chat sah er ihn fast jeden Tag, mal kurz, mal l├Ąnger. Was ja nicht hie├č, dass man sich unterhalten musste, war ihm sogar lieber so, eine Nervens├Ąge weniger. Vor allem, wenn der ihm dann immer wieder bewies, dass er eigentlich mehr Ahnung hatte, oder sie zu haben glaubte. Markus schnaubte wieder ver├Ąchtlich. Was der Typ alles an Schwachsinn redete, von wegen Linux und OpenSource (Markus sprach es wie "OopenSorze" aus, er sagte auch "G├Âgel" statt Google). Was benutzte der immer zum Surfen? "Mozilla Firebird" oder so hie├č das Teil. Er fand das Programm in den pers├Ânlichen Dateien seines Sohnes ("Wo man als Administrator doch alles hinkommt," freute er sich) und startete es. In der Leiste unter der Adresszeile gab es einen Ordner ("Was haben Ordner da zu suchen?") namens "Foren" und einen einzelnen Link namens "Private Bilder". Markus ├Âffnete den Ordner und sah sich die einzelnen Eintr├Ąge an, die Namen sagten ihm jedoch nichts. Ganz unten gab es einen Punkt "Alle Links in Tabs ├Âffnen". Neugierig geworden klickte er darauf und sofort ├Âffneten sich diverse kleine Fenster innerhalb des Programms. "Das sind also Taps," brummelte Markus und klickte einen nach dem anderen an. Diese sogenannten Foren hatten so seltsame Namen wie "Stolzes Herz" und "Lacrimosa Forum" und "Wacken Forum" und "SMJG Forum" (Markus guckte verdutzt den seltsamen Smiley an und sch├╝ttelte den Kopf) und dann kamen welche, die fand Markus viel zu un├╝bersichtlich, aber da war wenigstens klar, worum es ging: "Leselupe", "Gedichteforen" und sowas. "So ein Schwachsinn," fand er, da ging ein neues Fenster auf: "Sie haben eine neue Nachricht von Malefiz empfangen." Markus klickte auf "Zum Posteingang gehen" und sah sich die Nachricht an ("Vielleicht ein h├╝bsches M├Ądel...") und verstand nur Bahnhof. Nicht nur, das dieser Malefiz ein seltsames Bild hatte, er schrieb auch Sachen, von denen Markus kaum ein Wort verstand: "Was zur H├Âlle ist ne 'alki...alk├Ąische Ode' und was hei├čt 'Katharsis'? Wer braucht sowas eigentlich?" Schlechtgelaunt klickte Markus auf den "Zur├╝ck"-Knopf des Browsers und sah sich um, was es da noch gab. Ein rotes Symbol neben einem Punkt namens "Schwarz" in der Kategorie "Von ihnen beobachtete Themen" erregte seine Aufmerksamkeit und er folgte dem Link. Dass es in besagtem Gedicht um irgendwas schwarzes ging, war sogar ihm klar, aber was danach kam, sagte ihm alles nichts. Was sollten diese ganzen gro├čen und kleinen "X", war das ein Geheimcode? Markus war nun wirklich sauer und schloss das Programm ganz. Dann fiel ihm ein, dass es da noch einen anderen Punkt in der Liste gegeben hatte und er startete es erneut und w├Ąhlte besagten Link. Zuerst entt├Ąuscht sah er, dass nach einem Benutzernamen und Passwort gefragt wurde und wollte den Browser gerade wieder zumachen, als diese pl├Âtzlich erschienen, scheinbar waren sie gespeichert. Nach einem Klick auf "Best├Ątigen" fand Markus sich in einer Liste von Bildern wieder, die er eins nach dem anderen durchging, es waren offensichtlich Urlaubsfotos, die mal seinen Sohn, mal seine damalige Freundin zeigten, dann kam irgendwann eine Serie von Friedhofsbildern ("Wer ist bittesch├Ân Wolfgang Borchert und warum hat der Typ ein Foto von seinem Grab?"), dann irgendwelche Aufnahmen von Musikgruppen, und wieder Bilder von seiner Freundin. Das letzte zeigte sie schlafend auf dem Bett und Markus lie├č seine Fantasie schweifen. Er hatte sie einmal getroffen, war aber nicht n├Ąher an sie herangekommen, hatte sich aber seine Gedanken gemacht. "Wie der wohl damals an diesen K├Ąfer rangekommen ist .... und wie sie wohl im Bett war?" gr├╝belte er und lie├č eine Hand unter den Schreibtisch sinken.
Ein Piepslaut weckte Markus Aufmerksamkeit und er sah seine Chat-Fenster durch. In Yahoo war "S├╝├čeMaus83" online gekommen. Genau, was er jetzt brauchte. Er checkte kurz seinen eigenen Login-Namen, vergewisserte sich, dass er gerade der 23j├Ąhrige gutaussehende Mann war, und sprach sie an. Das Gespr├Ąch kam von Begr├╝├čung und kurzem Austausch ├╝ber das Wetter sehr schnell zu handfesteren Themen und Markus tat langsam der Arm weh, aber er musste sich ja als ausdauernder Liebhaber beweisen und schrieb also weiter. Nachdem er ├╝ber den H├Âhepunkt hinaus war, angelte er sich ein Tempo aus der Familienbox neben dem Computer, w├Ąhrend er der s├╝├čen Maus ├╝bers Haar strich und ihr z├Ąrtlich ins Ohr fl├╝sterte, wie unheimlich gerne er jetzt bei ihr w├Ąre. In diesem Moment protestierte seine Armbanduhr w├╝tend, dass er immer noch am Computer sa├č. Markus informierte seufzend seine Chatpartnerin dar├╝ber, dass er bald gehen m├╝sse und br├╝hte sich seine dritte Kanne Kaffee diese Nacht auf. Diese zeigte Verst├Ąndnis, vor allem, da sie auch bald bei der Arbeit sein m├╝sse. Sie fragte ihn ganz lieb nach einem Bild von ihm und er sagte zu, dass er ihr eins schicken wolle, wenn sie ihm das zuerst t├Ąte. W├Ąhrend er auf das Bild wartete, holte er sich seinen Kaffee und suchte auf seiner Festplatte nach dem Ordner mit den Bildern, die er f├╝r den Account benutzte. nach ein paar Minuten erreichte ihn auch das Bild einer langbeinigen Sch├Ânheit am Strand. Markus bedauerte, dass er keine Zeit mehr hatte, sich noch konkret ├╝ber das Bild zu freuen, schickte seine Mail los und machte den Computer aus.
Seine Tasche geschultert ging er am Nachbarhaus vorbei zu seinem Auto. Vor ein paar Wochen war hier seine Chefin eingezogen, eine unattraktive Mittvierzigerin mit schlecht get├Ânten Haaren und einem dicken Hintern. Sie war wohl auch schon wach, er konnte das Licht des Monitors im Wohnzimmer erkennen. Markus beeilte sich, er wollte ihr nicht unbedingt um diese Zeit schon begegnen. Aus dem angekippten Fenster t├Ânte ihm ein "├ťbertragung beendet", gefolgt von einem "Auf Wiedersehen" hinterher. Er beschleunigte seine Schritte noch etwas mehr und st├╝rzte sich in den aufreibenden Arbeitsalltag eines 45j├Ąhrigen Dachdeckers mit nervigen Kollegen, die ihm eh nur den Weg nach oben verbauten, und der seit Jahren schon keinen ehelichen Sex mehr genossen hat.

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Boah, bin ich grad in ner Laune *b├Âsegrins*
....
Ich finde (aber das ist ja nur subjektiv ), ich habe die Denkweise eines ergrauten Mittvierzigers ganz gut getroffen, aber das kann mir die entsprechende Generation sicherlich selbst am besten sagen
Aber mal im Ernst, sollte ich in zwanzig Jahren so sein, schlagt mich bitte ^^

Mata ne
Warui
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Ever tried? Ever failed?Try again! Fail better!(Samuel Beckett)

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GabiSils
???
Registriert: Mar 2002

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Um Himmels Willen, Warui, was kennst du f├╝r Mittvierziger?

Da├č du schreiben kannst, wei├čt du, aber du solltest vorher jemanden fragen, der sich mit sowas auskennt

Gru├č, Gabi (48)

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Warui
Festzeitungsschreiber
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Hallo Gabi

Ja, das frag ich mich manchmal auch *augenverdreh*
Leider gibt es Markus wirklich .... nagut, er ist ein wenig karikiert und anonymisiert (anderer Name) und so, aber ansonsten trifft es auf ihn zu ... zumindest das Verhalten .... (bin ich froh, dass ich aussem haus bin *puh*)

*nachfrag* Wie denken Mittvierziger ...? ^_^

Mata ne
Warui (19)
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GabiSils
???
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quote:
*nachfrag* Wie denken Mittvierziger ...? ^_^


Das sprengt den Rahmen der Textarbeit
Ein Thema f├╝r die Plauderecke. Oder Mail.

Dein Text ist f├╝r eine Satire nicht b├Âse genug und f├╝r Humor zu wenig lustig; als Charakterstudie zu oberfl├Ąchlich ... au├čerdem merkt man auch hier, da├č du wohl mehr f├╝r deine Generation schreibst, immer wieder baust du Insiders ein, die ich teilweise dank 16j├Ąhriger Tochter verstehe, manche aber sagen mir gar nichts, und damit geht ein Teil der Aussage verloren (siehe "Der Sturm").

Das soll nun kein Verri├č sein; vielleicht kannst du aber deine Texte unter diesem Aspekt noch mal durchgehen?

Gru├č,
Gabi

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flammarion
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Routinierter Autor

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hm,

auch mich rei├čt die geschichte nicht gerade vom hocker.
au├čerdem qu├Ąlt sich keiner gerne durch eine derartige bleiw├╝ste. sei so lieb und gliedere deinen n├Ąchsten text st├Ąrker. vor jeden neuen gedanken einen absatz, bitte.
lg
__________________
Old Icke

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