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Leselupe.de > Horror und Psycho
Creature
Eingestellt am 22. 11. 2013 13:56


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RainerSonnberg
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Realit├Ątsverlust bezeichnet die Unf├Ąhigkeit eines Menschen, das eigene Handeln mit der Objektivit├Ąt der realen Welt und der Denkweise seines Umfeldes in Einklang zu bringen.
Ausl├Âser k├Ânnen traumatisierende Erlebnisse, Schock, Drogenmissbrauch, aber auch der Beginn schwerer psychischer Erkrankungen wie Schizophrenie und organische Psychose sein. Auch Gefangenschaft in gleichbleibender Dunkelheit, bestimmte Stoffwechselst├Ârungen, Fl├╝ssigkeitsmangel oder allm├Ąhliches Verhungern bewirken unter anderem Realit├Ątsverlust.
Aus der Wikipedia, 2013



┬╗Christian, du solltest dir dringend eine Auszeit nehmen!┬ź Dieter Arsen schaute mich an und ich wollte den Ausdruck in seinem Gesicht nicht deuten.
    Ich wusste selbst, dass ich ├╝berarbeitet war, aber was ging ihn das an? Die Tatsache, dass wir ab und zu unter Kollegen ein Bier zusammen tranken und beide aus Schwerin kamen, gab ihm noch lange nicht das Recht, Vaterstelle an mir zu vertreten.
    ┬╗Stimmt etwas nicht mit meinem Lehrgang?┬ź Ich wollte an ihm vorbei zu meinem Wagen, doch er hielt mich am Arm fest und schaute mir in die Augen.
    ┬╗Nein, und das wei├čt du auch selbst. Ich meine es nur gut mit dir. Du bist v├Âllig ├╝berarbeitet und wirkst st├Ąndig, als w├╝rde dich irgendetwas hetzen.┬ź
    Ein f├╝nfzigj├Ąhriger Kahlkopf mit Hornbrille, der sich um mich sorgte. Wahrscheinlich wollte er nur meinen n├Ąchsten Lehrgang haben. Als selbst├Ąndiger Dozent ist jeder Kollege ein Konkurrent und diese Konkurrenz tarnt sich mit den seltsamsten Methoden. Er f├╝rchtete doch nur um seine Dozentenstelle, die er bald verlor, wenn ich meine Arbeit weiter so gut machte.
    ┬╗Nein, alles ist gut. Ich werde mich am Wochenende ausschlafen. Mehr ist nicht!┬ź Ich blickte demonstrativ auf seine Hand, mit der er mich festhielt.
    Er nahm die Hand von meinem Arm, aber nur, um mir seine Visitenkarte zu reichen. ┬╗Ich bin das Wochenende zu Hause in Schwerin. Wenn du jemanden zum Reden brauchst, ruf mich an.┬ź
    Wortlos steckte ich die Karte in meine Hosentasche und lie├č ihn im Gang stehen. Soweit kam es noch. Ich hatte alles im Griff.
    Wer viel in der Nacht auf Deutschlands Autobahnen unterwegs ist, wei├č, dass es nicht nur Geisterfahrer gibt. Dann, wenn die Scheinwerfer f├╝r lange Zeit einen Tunnel aus Licht in die Schw├Ąrze der Nacht graben und aus dem Radio sanftes Gedudel klingt, nimmt die Einsamkeit hinter dem Lenkrad seltsame, fast k├Ârperliche Formen an. Der Geisterfahrer sitzt dann nicht in dem entgegenkommenden Auto, sondern auf dem Beifahrersitz.
    W├Ąhrend meiner R├╝ckfahrt von Dortmund nach Schwerin f├╝hrte ich eine angeregte Unterhaltung mit einem solchen Beifahrer. Tiefgr├╝ndig, ├╝ber Freud und Leid des Dozentenlebens und neidische Kollegen. Als ich in Bandenitz von der A24 abbog und das gelbe Licht der Stra├čenlaternen ├╝ber den Platz neben mir huschte, sah ich nur Leere, wo mein Gespr├Ąchspartner h├Ątte sitzen m├╝ssen.
    Ich wusste, dass ich nervlich und k├Ârperlich an meinem Limit angekommen war und dringend einen Arzt brauchte. Aber welcher Psychologe w├╝rde verstehen, wie das Leben auf der ├ťberholspur aussah, mit zu wenig Schlaf und dem verzweifelten Versuch, alles unter Kontrolle zu halten. Was es bedeutet, sich kopf├╝ber auf jede Herausforderung zu st├╝rzen und ein Leben wie im Cockpit eines D├╝senjets zu f├╝hren. Gegen diese Droge ist Crack ein sanftes Beruhigungsmittel.
    Der Rest der Donnerstagnacht bestand aus schlaflosem Herumw├Ąlzen in meinem Bett mit ├╝berreizten Nerven in einem Kopf, der nicht mehr abschalten wollte. Freitagvormittag erledigte ich die B├╝roarbeit und am Nachmittag packte ich einen kleinen Koffer. Kurz darauf warf ich ihn ins Auto und machte mich auf den Weg zum Meer. Kein Seelenklempner, sondern eine Wochenendauszeit an der Ostsee. Das passte noch in meinen aus allen N├Ąhten platzenden Terminkalender. Siebzig Kilometer bis zur K├╝ste. Einsamkeit, Natur und Meer w├╝rden mich wieder fit machen. Dachte ich und ich dachte falsch.

*


B├╝rgerende-Rethwisch ist ein kleiner K├╝stenort an der Ostsee, ziemlich genau in der Mitte zwischen Warnem├╝nde und Heiligendamm liegend. Wenige H├Ąuser, eine Verbindungsstra├če, die am Deich entlang l├Ąuft, und ein Campingplatz. Wer nahe der Stadt Rostock, aber doch in Ruhe einen naturverbundenen Urlaub machen will, ist an diesem Platz immer gut aufgehoben.
    Ich freute mich auf zwei ruhige Tage an der herbstlichen See, w├Ąhrend ich die K├╝stenstra├če entlang fuhr und die Sonne im Wasser der Ostsee untergehen sah. Ich parkte meinen Wagen auf einem ├Âffentlichen Parkplatz und steckte f├╝nf Minuten sp├Ąter den Bartschl├╝ssel in die T├╝r meiner alten Fischerkate. Der Rost hatte in meiner monatelangen Abwesenheit die Chance genutzt, sich in das Eisen des Schlosses zu fressen und ich musste kr├Ąftig dr├╝cken, bis sich die T├╝r mit einem lauten Quietschen ├Âffnete. Staub rieselte aus der niedrigen Decke auf meinen Anorak und auf ein gro├čes Spinnennetz, das sich im T├╝rrahmen spannte. Die Luft roch nach einer Mischung aus Moder, F├Ąulnis und Fisch und erinnerte mich daran, dass es h├Âchste Zeit war, die H├╝tte zu renovieren.
    Ich schmiss meinen Koffer auf den Tisch, riss die Fenster auf und warf noch einen Blick auf das Handydisplay, bevor ich es ausschaltete. Die Sturmwarnung f├╝r heute Nacht h├Ątte ich nicht gebraucht, denn ich sah, wie die regenschweren Wolken am Himmel Fahrt aufnahmen.
    Die ersten B├Âen bliesen mir ins Gesicht, als ich in Richtung Wasser lief. Die Herbsturlauber waren vor dem herannahenden Sturm geflohen und so geh├Ârte mir der Strand allein. Der Wind stemmte sich mir entgegen, aber ich lachte ihn aus, w├Ąhrend ich durch den Sand trabte und mit tiefen Atemz├╝gen die salzige Meeresluft einsog. Mit ausgebreiteten Armen tobte ich die D├╝nen hinauf und hinunter wie ein Kind und schrie das Leben hinaus in den Wind.
    Eine Stunde mochte vergangen sein, als ich meinen Anorak wieder an den Haken im Korridor meines Hauses h├Ąngte. M├╝de vom Lauf gegen den immer mehr zunehmenden Sturm und das Gesicht nass von Schwei├č und den Spritzern der Brandung. Ersch├Âpft, aber bis zum Bersten gef├╝llt mit Endorphinen.
Eine hei├če Dusche und zwei Heringe mit Bratkartoffeln sp├Ąter sa├č ich in meinem mottenzerfressenen Sessel mit MelvillesÔÇÖ ┬╗Moby Dick┬ź auf den Knien. Der Wind drau├čen frischte immer mehr auf und ich machte mir Sorgen um das alte Haus. Schon vor Jahren h├Ątte ich es dringend renovieren m├╝ssen und ich war mir nicht sicher, ob das verrottete Schilfdach diesen Herbst noch ├╝berstehen w├╝rde. An den alten Leitungsdr├Ąhten des Blitzableiters fra├č der Rost und die letzten Gewitter mochte die H├╝tte nur ├╝berlebt haben, weil sie die D├╝nen nicht ├╝berragte.
    Die h├Âlzernen L├Ąden vor den undichten Fenstern klapperten in ihren Verriegelungen gegen die Wand. So ├Ąhnlich musste es geklungen haben, wenn Kapit├Ąn Ahab mit seinem Holzbein ├╝ber die Decksplanken der Pequod hinkte. ┬╗Klack, klack, ÔÇŽ, klack, klack┬ź Welches Monster mochte in dem Mann verborgen gewesen sein, dass ihn zwang, sein Leben und das der Besatzung der Jagd nach einem Pottwal zu opfern? Oder war Ahab wie ich gewesen? Jemand, der nicht mehr von seinem Lebensweg abspringen konnte, jemand, den seine eigenen Geister vorantrieben und dessen stumme Hilfeschreie niemand h├Ârte? W├Ąhrend mir die Lider zufielen, versuchte ich mir vorzustellen, wie er wohl gewesen w├Ąre, wenn er den Wal nicht gejagt h├Ątte. Wenn er st├Ąrker gewesen w├Ąre als seine Geister.

*


Das grelle Licht einer elektrischen Entladung stach wie Dolche durch meine geschlossenen Augenlider und riss mich aus dem Schlaf. Nur eine Sekunde sp├Ąter krachte der Donner und das Licht der Stehlampe neben meinem Sessel erlosch. Der Wind war zu einem ausgewachsenen Herbststurm geworden und die Gewalt, mit der er das Wasser der Ostsee gegen die Felsen am Strand schmetterte, sp├╝rte ich bis zu mir. Jeder Aufprall pflanzte sich als Vibration bis in die wurmstichigen Balken ├╝ber mir fort. Staub und altes Schilf rieselten aus dem Geb├Ąlk und die h├Âlzernen Fensterl├Ąden schlugen bei jeder B├Âe einen kakophonischen Takt an die Hauswand meiner H├╝tte.
    Mit zitternden H├Ąnden tastete ich nach meinem Feuerzeug und einer Kerze umher. Als ich beides fand, fl├╝chtete ich mich wieder in meinen Sessel, schlang mir die Decke um die Schultern und wartete zusammengekr├╝mmt darauf, dass der Orkan weiterzog.
    Die Finsternis der Mitternacht dr├╝ckte gegen die undichten Butzenscheiben der Wohnstube und sickerte hinein, als w├Ąre sie ein b├Âser Geist. Die kleine Flamme auf dem Sideboard neben mir schuf eine winzige Insel aus schummriger Helligkeit. Jeder Luftzug lie├č die Kerze flackern und erweckte dunkle Schatten an der Wand zum Leben. Der Sturm gewann immer mehr an St├Ąrke und h├Ąmmerte jetzt Welle auf Welle gegen den Strand. Vor den Fenstern w├╝tete die Natur mit der Gewalt eines zornigen Gottes. Furcht kroch mir den R├╝cken hinauf wie kalter Schleim.
    Wo waren die Kraft und das Gl├╝cksgef├╝hl, die mich am Strand dem Sturm trotzen lie├čen? Ich war nur noch ein Gef├Ą├č, bis zum Rand gef├╝llt mit Angst. Zusammengekr├╝mmt sa├č ich in meiner Insel aus flackerndem Licht, w├Ąhrend der Orkan an T├╝ren und Fenstern r├╝ttelte. Er kam, um mich zu holen.
    Es ging zu Ende. Mein Lebensakku hatte unten am Strand noch einmal eine kurze Ladung erhalten, aber jetzt war es vorbei. Mein Unterbewusstsein k├Ąmpfte seit Wochen mit allem, was es hatte, gegen die schwarzen W├Ąnde der Depression. Tag f├╝r Tag r├╝ckten sie ein St├╝ck n├Ąher. Ich stand vor der letzten Wand am Ende des Tunnels und meine Reise durch das Leben endete hier. Der Orkan drau├čen w├╝rde es mir abnehmen. Ein Dachsparren, der unter der Last brach oder eine Wand, die einst├╝rzte. Ich k├Ânnte nach Hause gehen in die wohlige W├Ąrme des Vergessens und w├╝rde nie mehr denken m├╝ssen. Was auch immer dort drau├čen oder in mir tobte, konnte mich haben, jetzt und hier.
So nicht!
Etwas stieg empor aus den finstersten Abgr├╝nden meiner Seele, zornig und mit gefletschten Z├Ąhnen. Jeden Anprall der Sturmb├Âen an meine H├Ątte wiederholte es mit einem kraftvollen Schlag meines Herzens. Meine Verzweiflung hatte ein Monster geweckt und es fegte meine Angst hinweg, als sei sie ein Nichts.
    Viele Jahrtausende alt, b├Ąumte es sich auf gegen das W├╝ten der Krankheit in mir und gegen die Urgewalt drau├čen in der Dunkelheit. Jemand hatte auf den Startknopf des Golems gedr├╝ckt und er erwachte aus seinem Schlaf. Schwei├č perlte auf meiner Stirn, aber er r├╝hrte nicht von der Angst und die W├Ąrme meiner Muskeln kam nicht von einer Bewegung. Etwas gab Erinnerungen frei in mir auf Dinge, die so alt waren wie die Menschheit.
    Achtlos rutschte die Decke von meinen Schultern, als ich mich mit der Geschmeidigkeit eines Tigers aus dem Sessel erhob. Der schleichende Gang, mit dem ich mich zum Fenster bewegte, war nicht meiner. Geduckt und sprungbereit schaute ich hinaus in das Chaos der Elemente und sp├╝rte keine Furcht. Die wirbelnde Schw├Ąrze da drau├čen war nicht mehr fremd und angsteinfl├Â├čend, sondern nur noch kalt und vertraut. Was auch immer dort lauerte, ich war ihm schon einmal begegnet, vor tausenden Jahren - und hatte es besiegt.
    Es waren nicht meine Gedanken, und ohne dass ich es wollte, fl├╝sterte ich mit zitternden Lippen ein Wort: ┬╗Bruder.┬ź
    Die Antwort kam erwartet unerwartet.┬╗Ich bin da und werde es immer sein.┬ź
Diese Stimme hatte mich begleitet, mein Leben lang. ┬╗Warum?┬ź, fragte ich und nicht weit entfernt schlug ein Blitz in den Boden.
    ┬╗Du hast Angst vor dem Werwolf im n├Ąchtlichen Wald, obwohl du wei├čt, dass er nur in der Legende existiert. Die leuchtenden Augen im dunklen Keller erschrecken dich zu Tode, gleichwohl du sicher bist, dass es nur eine Katze ist. Du w├╝rdest in einer finsteren Nacht nicht ├╝ber einen Friedhof wandern, weil du dich vor Untoten f├╝rchtest. Ich bringe dein Herz zum H├Ąmmern, pumpe Adrenalin in dein Blut und mache dich bereit zu t├Âten. Du wirst dich fortpflanzen, deine Gene weitergeben und deine Art erhalten. Daf├╝r wurde ich geschaffen.┬ź
    Kalt und emotionslos klingt das Echo der Worte in mir.
┬╗Ich bin der, der dich ├╝berleben l├Ąsst, wo andere scheitern. Ich bin das Danaergeschenk der Natur an deine Rasse und die m├Ąchtigste Waffe, die je erfunden wurde.┬ź
    ┬╗Wer bist du?┬ź, frage ich wieder und es wei├č, dass ich seinen Namen will.
    ┬╗Du kennst die Antwort. Ich bin dein dunkler Bruder. Ihr Menschen habt mir viele Namen gegeben, doch f├╝r euch bin ich nur die Legende einer finsteren Vergangenheit. Ich bin ├Ąlter als deine Rasse, und wenn ein Kind gezeugt wird, werde auch ich wiedergeboren. Ich diene und besch├╝tze das junge Leben in den ersten Jahren, wenn es noch nicht denken kann und hilflos ist. Wie auch dich. Doch je ├Ąlter du wurdest, umso st├Ąrker habt ihr meine Ketten geschmiedet. Ihr habt mich in ein Verlies gesperrt, das so dunkel und finster ist, dass du nicht mehr hineinschauen willst.┬ź
    ┬╗Aber ich bin doch frei! Ich trage keine Ketten!┬ź Wie einen Schrei denke ich diese Worte und ein sp├Âttisches Fl├╝stern ist die Antwort.
    ┬╗Oh nein. Du selbst hast mich gebunden. Jede deiner Ketten tr├Ągt einen Namen, eingebrannt mit dem heiligen Feuer der Moral. Da gibt es die ÔÇ║das tut man nichtÔÇ╣- Kette, dann gibt es die ÔÇ║was sollen deine Freunde denkenÔÇ╣- Kette und ganz eng um deinen Hals liegt die ÔÇ║sch├Ąm dichÔÇ╣- Kette.
Ihr beschreibt mich in B├╝chern, nennt mich ÔÇ║Das TierÔÇ╣ oder ÔÇ║Mr. HydeÔÇ╣. Schaust du in den Spiegel, erblickst du mich nicht mehr, denn du siehst nur noch das, was du sehen willst. Aber du irrst, denn ich bin noch immer da und warte auf meine Zeit.┬ź

    Hatte ich mich erk├Ąltet und jetzt Fieber? Ein gl├Ąserner Zentimeter bewahrte mein Gesicht vor dem Inferno der w├╝tenden Naturgewalt drau├čen, doch nichts sch├╝tzte mich vor dem Horror in meiner Seele. Aber warum hatte ich keine Angst mehr?
    ┬╗Weil du mich brauchst. Befreie mich von meinen Ketten und ich gebe dir Macht und Lust, jenseits dessen, was du dir vorstellen kannst!┬ź Ein lauter Donnerschlag lie├č die H├╝tte erbeben.
    Ich schrie gegen die Fensterscheibe: ┬╗Ich kann nicht!┬ź
Orgiastische Lust peitsche durch meine Nervenbahnen.
    ┬╗Doch, du kannst. Wenn du es willst. Lass mich frei und ich rette dich!┬ź
    Meine Widerstandskraft erlosch. Sah so mein pers├Ânlicher Wahnsinn aus? Eine Stimme im Kopf, die Wahrheiten erz├Ąhlt, die ich nicht wissen will? Ich schloss die Augen und wusste, dass ich sie nie wieder ├Âffnen w├╝rde.
    Drau├čen wurde es still. Der Sturm hielt den Atem an wie ein sprungbereites Tier. Und dann stieg es empor, gnadenlos, unwiderstehlich, m├Ąchtig.
    ┬╗Sieh mich an!┬ź, donnerte der Befehl in meinem Kopf.
    Irrationale Angst raubte mir den Atem und ich n├Ąsste mich ein vor Entsetzen. Ich jagte zur Haust├╝r, riss sie auf und sprang mit einem riesigen Satz in den Rachen der Finsternis. Nur weg von hier! Glei├čend hell raste ein Blitz in das Schilfdach meines Hauses und dem schmetternden Krachen folgte eine Sturmb├Âe, die mich von den F├╝├čen riss.
Das Dach fing sofort Feuer und Sekunden sp├Ąter fra├čen die Flammen meine letzte Zuflucht. F├╝nfzig Meter schaffte ich noch, bevor ich zusammenbrach.
    Es dauerte nicht lange, bis ich wieder zu mir kam. Passiert war mir nichts. Die Feuerwehr w├╝rde nur noch Asche und verkohlte Balken vorfinden, wenn sie eintraf. Ich zuckte die Schultern. Pech gehabt.
    Der Sturm war weiter gezogen, und als der Tag graute, fand er mich auf einem Felsen am Wasser. Die Wellen rollten noch heftig an den Strand und n├Ąssten mir die F├╝├če. Es st├Ârte mich nicht. Ein sanftes, rotes Gl├╝hen k├╝ndigte den neuen Tag an und die V├Âgel begannen zu zwitschern. Dann zeigte sich das erste Glei├čen am Horizont, das Meer r├Âtete sich und langsam, aber unaufhaltsam stieg der Feuerball hinter mir auf. Mit jeder Minute nahm die Kraft der Sonne zu, und als sie sich im Meer spiegelte und ihre Strahlen liebevoll meinen R├╝cken w├Ąrmten, wusste ich, was ich tun musste. Es war noch nicht zu sp├Ąt f├╝r mich.

*


Ein vorwitziger Sonnenstrahl wollte mich wach kitzeln, aber ich kniff nur meine Augen zu. Ich hatte mir sp├Ątes Aufstehen verdient. Erst der Sturm am Meer und dann hatte ich auch noch getr├Ąumt, mein Haus sei abgebrannt. Ich sollte mir wirklich mehr Ruhe g├Ânnen. Am besten ich, ich begann sofort damit und schlief noch zwei Stunden. Die H├╝tte hatte den Sturm ├╝berstanden und ich drehte mich beruhigt zur anderen Seite und zog die Decke h├Âher. Es reichte, wenn ich heute Abend in Schwerin ankam. Von meinem Haus am Strand bis nach Hause fuhr ich mit dem Wagen eine Stunde. Ich w├╝rde bis Mittag im Bett bleiben und danach einen sch├Ânen Strandspaziergang machen, daran konnten mich auch die Schritte in der Stube nicht hindern.
    Schritte? In meiner H├╝tte?
    Entsetzt richtete ich mich auf - um sofort wieder zur├╝ckzusinken. Der Schmerz in meinem Gesicht war unbeschreiblich, aber nichts gegen die freundlichen Worte, die jetzt an mein Ohr drangen.
    ┬╗Na, Christian, ein bisschen Geduld musst du schon haben. Es wird noch ein paar Tage dauern, bis die Brandwunden einigerma├čen verheilt sind. Du hast unglaubliches Gl├╝ck gehabt. Die Feuerwehr hat dich bewusstlos f├╝nfzig Meter entfernt von der brennenden Fischerh├╝tte gefunden. Keiner kann sich erkl├Ąren, wie du da noch rechtzeitig herausgekommen bist.┬ź
    Ich hatte nur ein entsetztes St├Âhnen. Dieter Arsen sa├č neben meinem Bett mit dem gleichen Ausdruck in seinem Gesicht wie vor zwei Tagen. Ich wusste jetzt, dass es Sorge war. ┬╗Wie kommst du hier her?┬ź
    Er schmunzelte. ┬╗Erinnerst du dich, wie du meine Visitenkarte eingesteckt hast? Ich wurde aus dem Krankenhaus angerufen.┬ź Dieter Arsen sch├╝ttelte den Kopf. ┬╗Es ist wirklich unbegreiflich. Die Feuerwehrleute haben erz├Ąhlt, dass es gew├Âhnlich nach einem Blitzeinschlag in so einer H├╝tte nur Sekunden dauert, bis alles in Flammen steht. Du musst einen Schutzengel gehabt haben.┬ź
    Einen Schutzengel? Eine Erinnerung dr├Ąngte sich in mein bewusstes Ich. Wie in Zeitlupe sah ich mich grundlos aus dem sicheren Haus in die Dunkelheit springen. Der Blitz hatte erst danach eingeschlagen.
    ┬╗Vertraust du mir jetzt, Bruder?┬ź
    Ich schaute Dieter an, aber der hatte nichts gesagt ÔÇŽ

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Lupus in fabula ...

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