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D(englisch) - weil uns die Worte fehlen?
Eingestellt am 26. 03. 2007 12:03


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Wolfgang Bessel
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D(englisch) – weil uns die Worte fehlen?

Bleibt cool, relaxt. Wir leben im Zeitalter der Globalisierung. Wir sind „global player“. Englisch ist eine Weltsprache – zweifellos.

Wenn aber unsere deutsche Sprache in fast allen Medien verpanscht wird, darf man nachdenklich werden und dieses Gebaren anprangern. Ich glaube, dass uns eine besondere Sorgfaltspflicht obliegt, aufzupassen, dass unsere Sprache nicht noch mehr verkommt.

Zugegeben, die Diskussion um das Denglisch in unserer Sprache hatten wir schon. Es gibt allerdings zu vermeintlich alten HĂĽten immer wieder neue Sichtweisen.

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass z. B. in allen überregionalen Zeitungen Stellenbeschreibungen auftauchen: „Business Unit Manager oder Key Account Manager gesucht“?
Verdammt, was sind das fĂĽr Jobs?

Ich habe aus meinem Zeitschriftenständer wahllos einige Zeitungen herausgepickt. Ich fand nicht ein Blatt, das sich diesem Denglisch-Trend verweigerte.
MĂĽssen wir uns sprachlich so extrem an das englische Vokabular anbiedern?
Unverständnis und Kopfschütteln löste bei mir die Sprache im deutschen „Journal“, Ausgabe 12/06 der Allianz Group - Insuerance/Asset Management/ Banking aus.
Das ist die Versicherung mit den höchsten Gewinnzahlen und dem ausgeprägtem Sharehoulder-Value-Denken und dem uncoolen Slogan: „Hoffentlich Allianz versichert“.
Hier ein “random abridgement” aus dieser besagten Ausgabe:
Ranking, Fulltime Job, Global Talent Community, Sustainability, Upload, Lifelong Learning, Asset Manager, Moments, Marketing Controller, Big Deals, Entertainment Worker, Net Promoter Score, Business-Dress, Ideenpool, Capital Partners, Know-How-Transfer, Workshops, ideas of success, Tools, Power Club, Cross Selling, Diversity Managerin, Cultural Collisions, Underwriter, Headhunter, Group Marketing, Large Caps, Brand Scorecard, eRecruiting, Pensions Trust.

Noch Fragen?

Schauen wir mal nach Frankreich, Japan oder China. Hier wird fast ausschließlich die Muttersprache verwendet. Polen und Franzosen legen größten Wert auf ihr Kulturgut Nummer eins – ihre Landessprache.
Deutsch ist in Europa die zweitgrößte Sprache. Haben wir es nötig, unsere Muttersprache mit überflüssigen Anglizismen zu vermanschen?

Offensichtlich.

Denn in Englisch wirbt’s sich besser. Sechstausend Anglizismen gibt es angeblich. Die meisten stammen aus der cleveren Werbesprache. Englisch kommt better over. Jugend und Werbung tunen unsere Sprache gerne auf, das ist trendy. Schlager in Englisch verfügen auch über einen besseren Sprachsound. Alles o. k.!
Selbst große Firmen haben einen Blackout, und ihre Werbung floppt bei der Consumer-Group over 55. Ihre Products könnten much better boomen, wenn sie sich einer verständlicheren Sprache bedienten.

Die Generation „55 – plus“ ist eine Altersklasse mit ungeheurem Potential. Sie würde sicherlich mehr High End – Hightech shoppen, wenn sie doch nur dieses verdammte Denglisch checken könnte.
Selbst Kids schnallen häufig die Bedienungsanleitung ihrer Dumping-Preis-Handys nicht mehr.

Cover, Label, Flyer und Handsout werden von Oldies häufig nicht verstanden. Um keinen Imageverlust zu riskieren, outen sie sich nicht und verzichten auf den Deal.

Vermutlich mögen die sonst urkonservativen Schweizer ihre vier Amtsprachen (Deutsch, Italienisch, Französisch, Rätoromanisch) nicht mehr. Sie nutzen ebenfalls dieses Denglisch.

Aktueller Davoser Wintersportprospekt „Unsere Geheimtipps“ 2006/2007:

Mit der Davos Inclusive Card fahren Sie gratis mit dem Shuttle Bus. Sie ziehen auf den Pisten ihre Lines und surfen in der Halfpipe. Im Angebot: Freeriding in der Off-Piste, Freeridecamps, Training auf Rails und Railslides, Events und Incentives.
Ja, es gibt dort sogar eine Top Secret-Snowboardschule mit Weekendunterricht und Privat-Guiding.
Eine Snowtubing-Bahn bringt Sie ins Skigebiet.
Dies ist nur ein kleiner Teil der völlig überflüssigen Anglizismen. Natürlich erwartet man im Tourismusbüro ein Feedback.
Seit Jahren beobachte ich diesen denglisch-gestylten Prospekttrend auch in Ă–sterreich und Deutschland.

Bei Douglas konnte man vor Monaten den Werbespruch lesen: Come in and find out. Manche Kunden verstanden: „Kommen Sie rein, irgendwie finden Sie wieder hinaus.“
In einem Remscheider Taxi fand ich das Schild: “Fasten seat belt“ (bitte Sicherheitsgurt anlegen). Vielleicht ein Scherz des Unternehmers?
Soweit – so schlecht. Bin ich „behind the times“? Muss ich beim Lesen deutscher Druckschriften demnächst ständig mein Dictionary mitführen?

In der Informationstechnik ist die Computersprache leider unumkehrbar. Sie hat sich bereits in den Internetforen und Chatrooms als Netzkultur etabliert.

Ein Drittel unserer älteren Bevölkerung versteht bei übertriebener Anwendung der Anglizismen nur noch Bahnhof. Sie machen nach einigen unverständlichen Vokabeln die Schotten dicht. Sie haben zwar ein Recht auf eine allgemeinverständliche Sprache, aber man grenzt die „Fossile“ aus – sie sind vermutlich für manche Medien und Werbeagenturen bereits, pardon – biologischer Müll.

Wie lange wird es dauern, bis die n e u e Unterwanderung der deutschen Sprache hinreichend auffällt?

Die voll krass „Kanak Sprak“.

Belauschen wir auf deutschen Schulhöfen, in Diskotheken oder öffentlichen Verkehrsbetrieben die Jugendlichen, dann erleben wir hier eine ätzende Veränderung der Deutschen Sprache. Was geht da ab? Was du wolle? Problem, Mann?

Nö, n o c h nicht!

Ich erwarte keine Standing Ovations und brauche nach diesem Flashback hoffentlich keinen Bodyguard gegen das verbale friendly Fire – ich wäre not amused.





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Wolfgang M. A. Bessel
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jon
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Den Schlenker am Schluss, den zur "neuen" Unterwanderung, verstehe ich nicht ganz. Klar, es gibt da ganz am Grunde des Geschehens ähnliche Bewegründe, aber die beiden Effekte sind sich nicht so ähnlich, dass man vom "Wettern gegen Denglisch" mal so locker-flockig zur " voll krass Kanak Sprak“ kommen könnte …

PS:

quote:
Zugegeben, die Diskussion um das Denglisch in unserer Sprache hatten wir schon. Es gibt allerdings zu vermeintlich alten HĂĽten immer wieder neue Sichtweisen.
… und warum bringst du dann keine?

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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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