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Leselupe.de > Science Fiction
DAS UFO
Eingestellt am 13. 12. 2001 21:05


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rufus
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2001

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Es war schon spĂ€t in der Nacht, als Sabine und ich unsere FahrrĂ€der durch den Wald schoben. Wir waren im Kino gewesen und danach in einem kleinen Weinlokal wo wir uns bei dĂ€mmrigem Licht und einem guten Wein noch etwas unterhalten hatten. Daß es dabei ziemlich spĂ€t geworden war störte uns ĂŒberhaupt nicht, und so machten wir uns dann irgendwann gut gelaunt auf den Weg nach Hause. Dabei mußten wir durch ein ziemlich ausgedehntes WaldstĂŒck, das unser kleines Dorf von der Stadt trennte. Schon oft waren wir nachts diesen Weg entlang gegangen, aber noch nie waren wir so in Gedanken versunken gewesen. Der Film hatte uns in unserem Innersten berĂŒhrt.
“Laß uns noch eine Weile auf unsere Lichtung gehen,” schlug Sabine vor und so bogen wir kurz darauf in einen schmalen Waldweg ein. Die BlĂ€tter raschelten im Wind und irgendwo in der NĂ€he erklang der Ruf eines KĂ€uzchens. Nur selten drang ein heller Mondstrahl durch das dichte BlĂ€tterdach und verwandelte den engen Weg in einen verwunschenen Pfad, der uns in eine andere Welt fĂŒhrte. Immer stiller wurde es als wir tiefer in den Wald hineinkamen. Nur das leise Rauschen des Laubs begleitete uns auf unserem Weg. Es war kurz nach Mitternacht, als wir eine kleine Weggabelung erreichten, von der ein, selbst bei Tageslicht kaum zu erkennender Pfad neben einem kleinen Rinnsal immer tiefer in den Wald fĂŒhrte. Von nun an folgten wir dem munter gluckernden Bach bergauf bis zu einem mĂ€chtigen Findling, der seit der letzten Eiszeit den Eingang zu unserer Lichtung versteckte. Auch wir hatten den Durchgang im Unterholz nur zufĂ€llig entdeckt, und außer durch diesen Spalt, oder aus der Luft, war die Lichtung nicht zu erreichen. Fast Ă€ngstlich achteten wir darauf, daß wir keine Äste oder Zweige abbrachen, die unseren geheimen Gang verraten könnten. Doch schon nach wenigen Metern konnten wir wieder normal hintereinander gehen. Ein schmaler Stollen drang hier durch den Berg und brachte uns in unser verstecktes Tal.
Am Ausgang des Tunnels blieben wir stehen und betrachteten den im Vollmondlicht glĂ€nzenden Wasserfall, der am gegenĂŒberliegenden Ende des kleinen Tales einen kreisrunden Pool geschaffen hatte, in dem wir uns schon so manches Mal erfrischt hatten. Nicht weit entfernt davon, auf der anderen Seite des kleinen Baches befand sich ein Haufen Findlinge, deren grĂ¶ĂŸter bequem Platz fĂŒr zwei Personen bot. Direkt dahinter erhob sich die das Tal umschließende Felswand in eine Höhe von gut fĂŒnfzig Metern. Mit einem Durchmesser von etwa vierhundert Metern war es eigentlich erstaunlich, daß das Tal so verlassen und unberĂŒhrt in einer Welt existierte, in der man buchstĂ€blich seinem NĂ€chsten auf den Fuß trat, wenn man sich nicht in Acht nahm.
Unsere FahrrĂ€der ließen wir im Stollen zurĂŒck, ehe wir uns leise den Findlingen zuwandten. Schnell hatten wir eine Stelle gefunden, die leicht dem Tal entgegen geneigt war, und die es uns gestattete die Bewohner unserer kleinen, abgeschiedenen Welt in Ruhe zu beobachten. Doch jetzt, mitten in der Nacht, legten wir uns wortlos auf den Stein und beobachteten den phantastisch klaren Sternenhimmel in seiner atemberaubenden Pracht. Wie oft hatten wir hier schon gelegen und davon getrĂ€umt zu den Sternen zu fliegen.
“Glaubst du eigentlich, daß es außer uns noch andere intelligente Wesen gibt, irgendwo da draußen?” fragte Sabine plötzlich, wĂ€hrend sie sich fröstelnd an mich kuschelte. Obwohl den ganzen Tag die Sonne geschienen hatte, war die Nacht doch noch ziemlich kĂŒhl. Sanft legte ich ihr meine Jacke ĂŒber die Schulter.
“Aber natĂŒrlich. Wenn es schon auf der Erde unter den unmöglichsten Bedingungen möglich war Leben zu entwickeln, warum dann nicht dort draußen. Es gibt so viele Milliarden Sonnen alleine in unserer Milchstraße. Selbst wenn nur ein Bruchteil davon Planeten besitzt, so bleiben nach sehr vorsichtigen SchĂ€tzungen unserer besten Astronomen und Astrophysiker immer noch viele Millionen Planeten, auf denen erdĂ€hnliche Bedingungen herrschen mĂŒĂŸten. Es wĂ€re ein Wunder, wenn sich dort kein intelligentes Leben entwickelt hĂ€tte. Und dann wĂ€re da noch die Frage, muß Leben etwa so sein, wie wir es uns vorstellen können? Ist es denn nicht eher möglich, daß sich Leben auch dort entwickelt, wo wir es gar nicht vermuten? Was ist denn zum Beispiel, wenn Leben nicht auf Kohlenstoffbasis besteht sondern auf, sagen wir einmal Siliziumbasis. Könnte es dann nicht ganz andere Bedingungen vertragen? Ich glaube jedenfalls, daß es vermessen und arrogant ist, zu behaupten der Mensch wĂ€re allein im Universum.”
“Und warum haben wir dann noch keinen Hinweis auf andere Intelligenzen entdeckt?” wollte meine Freundin wissen. “Wir suchen doch schließlich seit Jahrzehnten danach.”
Ich ĂŒberlegte nicht lange bevor ich antwortete: “Nun, es gibt da verschiedene Möglichkeiten, die sowohl jede fĂŒr sich, als auch in der Gesamtheit dafĂŒr verantwortlich sind, daß wir noch keine Außerirdischen Lebewesen entdeckt haben. ZunĂ€chst wĂ€ren da die gigantischen Entfernungen zwischen den Sternen. Nehmen wir einmal an, daß die Lichtgeschwindigkeit tatsĂ€chlich eine Grenze ist, die allgemein gĂŒltig die Raumfahrt einer jeden intelligenten Rasse behindert. Und nehmen wir weiterhin an, daß auf Energieaufwand nicht geachtet werden muß, so daß man sich tatsĂ€chlich mit annĂ€hernder Lichtgeschwindigkeit bewegen könnte, dann wĂŒrde die Fahrt zum der Erde nĂ€chstgelegenen Stern fast fĂŒnf Jahre dauern. Nun ist es aber fraglich ob auf den Planeten von Alpha Centauri intelligentes Leben besteht. Und wenn ja, dann stellt sich die nĂ€chste Frage: Auf welchem technologischen Niveau befindet sich diese Rasse? Ein weiterer Aspekt ist sicherlich auch die stellare Position unseres Sonnensystems. Wir befinden uns nĂ€mlich fast am Rand der Milchstraße. Die interessantere Gegend unserer Galaxis befindet sich im Zentrum. Dort sind die Entfernungen nicht so gewaltig. Aber es mag auch noch andere GrĂŒnde geben. Möglicherweise sind wir einfach noch nicht in der Lage anderes Leben als das uns bekannte wahrzunehmen. Und zu guter Letzt, wer sagt denn, daß es noch keine sogenannten Begegnungen der dritten Art gegeben hat? Woher stammen die Legenden und Zeichnungen der alten Völker wie der Mayas oder der Ägypter? Woher stammen unsere ganzen Göttersagen? Sind die unzĂ€hligen UFO-Sichtungen wirklich alles nur Hirngespinste? Nein, mein Liebling, ich sage dir die Fremden sind uns nĂ€her als wir glauben.”
Wenn ich doch nur gewußt hĂ€tte wie recht ich hatte. Obwohl, ich glaube nicht, daß sich dann etwas geĂ€ndert hĂ€tte. Und so wurde diese Nacht zu der denkwĂŒrdigsten in unserem Leben, ja, zu einem ganz neuen Anfang....

WĂ€hrend wir gemĂŒtlich aneinander gekuschelt dasaßen und den Nebel beobachteten, der langsam aus dem Bach aufstieg zeigte Sabine plötzlich nach oben. Gespannt folgte mein Blick ihrem Finger und entdeckte schnell den kleinen Lichtpunkt der ĂŒber den Himmel zog. “Ein Satellit,” erklĂ€rte ich: “er wird schon von der Sonne angestrahlt, deshalb können wir ihn hier unten erkennen.”
“Das kann kein Satellit sein,” widersprach Sabine: “Ich beobachte es schon eine Weile. Was immer es ist, es kommt immer nĂ€her.”
“Bist du sicher?” fragte ich zweifelnd. Ein flĂŒchtiges Kopfnicken beantwortete meine Frage.
Also warteten wir und beobachteten den Lichtpunkt. Schon nach kurzer Zeit erkannte ich, daß meine Freundin recht hatte. Mein Herz begann auf einmal wie wild zu klopfen. Sollten wir etwa tatsĂ€chlich ein fremdes Raumschiff entdeckt haben? Immer nĂ€her kam das Raumschiff - denn daß es ein Raumschiff war, daran hatten wir keine Zweifel mehr. Schon bald konnten wir erkennen, daß es in unserer NĂ€he landen wĂŒrde.
WĂ€hrend wir das fremde Raumschiff - wir nannten es nur ‘Das Raumschiff’, denn UFO klang einfach zu abwertend, die erstaunlichen FĂ€higkeiten der fremden Besucher nicht wĂŒrdigend - beobachteten, das langsam, scheinbar vorsichtig der Erde nĂ€herkam, setzte allmĂ€hlich die DĂ€mmerung ein. Mit den ersten, zarten Sonnenstrahlen, die die gegenĂŒberliegende Felswand entflammten, erwachte auch unser kleines Tal zum Leben. Vögel zwitscherten sich ihren Morgengruß zu. Ganz in der NĂ€he hĂ€mmerte ein Specht auf der Suche nach Nahrung an eine alte Eiche. Am Teich versammelte sich die im WĂ€ldchen lebende Wildschweinfamilie um in aller Ruhe das kalte Wasser zu genießen. Erstaunt bemerkte ich, daß wir stundenlang dieses Raumschiff beobachtet hatten.
Mittlerweile konnten wir erkennen, daß es sich um ein riesiges, untertassenförmiges Gebilde handelte, das von einer Aura aus rotem und grĂŒnem Licht umhĂŒllt war. Von diesem löste sich jetzt ein wesentlich kleineres, formgleiches Objekt und fiel senkrecht auf unsere Lichtung herab, wĂ€hrend das große plötzlich beschleunigte und verschwand.
Die Zielstrebigkeit, mit der die Fremden das Tal ansteuerten, verunsicherte uns nun doch etwas, aber unsere Neugier erlaubte es uns nicht, jetzt einfach zu fliehen. Vorsichtig zogen wir uns etwas tiefer zwischen die Findlinge zurĂŒck und verfolgten die Landung des kleinen Raumschiffs. Doch was heißt hier eigentlich klein. DafĂŒr daß es als Teil eines grĂ¶ĂŸeren Raumschiffes, vielleicht als Beiboot oder Landungsboot anzusehen war, hatte es ungeahnte Ausmaße. MĂ€chtige Teleskop-StĂŒtzen fingen das Schiff sanft federnd ab, wobei sie sich tief in den weichen Boden gruben.
Mit einem Durchmesser von gut und gerne einhundert Metern und einer Höhe von knapp vierzig Metern erreichte dieses Raumschiff eine GrĂ¶ĂŸe, die selbst die geplante Mondstation ĂŒbertraf. Es sah aus wie zwei umgekehrt zusammen gefĂŒgte Untertassen. An der Nahtstelle in der Mitte befand sich ein mehrere Meter tiefer und ebenso hoher Einschnitt in dem riesige Rohre waagerecht an der HĂŒlle des Raumers entlang liefen. In regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden mĂŒndeten diese in einer senkrechten SĂ€ule, in der bequem ein Auto Platz hatte. Ganz oben und von unserem Platz schon fast nicht mehr zu erkennen war eine spiegelnde Halbkugel aufgesetzt, die von unzĂ€hligen antennenartigen Gebilden umgeben war. Der intensive rote Lichtschein verblaßte langsam und ein lautes Zischen lies uns noch tiefer zwischen die Felsen kriechen. Vorsichtig lugen wir zwischen den Steinen hindurch und bemerkten, wie sich in einer der senkrechten SĂ€ulen langsam ein Durchgang öffnete. Die Wand schien sich einfach aufzulösen.
Gespannt warteten wir, was weiter passieren wĂŒrde. Atemlos und mit vor Aufregung rasendem Herzen spĂŒrte ich wie Sabines Hand nach meiner suchte und sie fest ergriff. Ein Blick in ihre weit aufgerissenen Augen enthĂŒllte unglĂ€ubiges Staunen, als fĂŒnf Gestalten aus der Öffnung traten. Die Wesen hatten eine humanoide Körperform, waren aber deutlich grĂ¶ĂŸer als ein erwachsener Mensch. Sie hatten kurze, stĂ€mmige Beine, die ihren verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig großen Körper trugen. Auf einem aberwitzig langen Hals saß ein ziemlich großer Kopf, der annĂ€hernd kugelrund war. Aus halber Höhe des Körpers wuchsen zwei kurze krĂ€ftige Arme. Die Fremden waren ganz in silbrige AnzĂŒge gehĂŒllt, nur vor den Augen befand sich eine schwarze Scheibe. Sie schienen regelrecht ĂŒber den Boden zu schweben wĂ€hrend sie sich der nĂ€chsten Teleskop-StĂŒtze nĂ€herten. Kaum hatten sie diese erreicht sanken sie nach unten, um Sekunden spĂ€ter aus der StĂŒtze zu erscheinen. Sofort und ohne sich weiter um ihr Raumschiff zu kĂŒmmern verschwanden sie in dem kleinen WĂ€ldchen.

Mittlerweile war es hell geworden, doch das riesige Raumschiff tauchte das Tal in einen tiefen Schatten. Neugierig war ich wieder etwas nach vorne gekrochen.
“Komm mit, das wollen wir uns mal genauer anschauen!” forderte ich Sabine auf und ging ein paar Schritte auf die Untertasse zu. Jetzt erst erkannte ich, daß die Rohre und SĂ€ulen von zahlreichen Fenstern unterbrochen waren. Langsam nĂ€herte ich mich der StĂŒtze, aus der die Fremden erschienen waren. Dort drehte ich mich noch einmal nach Sabine um. “Was ist, Schatz? Sollen wir lieber von hier verschwinden, solange die Außerirdischen da drĂŒben im Wald sind, oder willst du mit mir ein echtes Raumschiff besichtigen? Ich garantiere dir, daß das wesentlich aufregender ist als der Besuch auf der Enterprise neulich in DĂŒsseldorf.”
Zögernd nĂ€herte sie sich, wĂ€hrend mein Blick ĂŒber die Unterseite des Schiffes wanderte. Keine Öffnung die einem Antrieb dienen könnte war zu erkennen. Auch der Boden war in keinster Weise beschĂ€digt. Was auch immer dieses Schiff bewegte, es tat es auf eine uns nicht vorstellbare Weise.
Als Sabine mich erreicht hatte schob ich langsam meinen Kopf in die Öffnung der StĂŒtze. Das Innere war zu meiner EnttĂ€uschung lediglich ein ganz gewöhnlicher, kreisrunder Raum ohne jegliche Einrichtung und weitere TĂŒren. Neugierig traten wir ein und schauten uns um. Doch kaum waren wir ein paar Schritte in den Raum getreten verschwand die Öffnung hinter uns und ein leises Summen alarmierte unsere gespannten Sinne.
“Keine Angst,” meinte ich beruhigend: “Ich bin sicher, daß uns hier ĂŒberhaupt nichts geschehen wird. Denn sonst wĂ€re schon lĂ€ngst etwas passiert.”
“Und wenn die Außerirdischen zurĂŒck kommen?”
“Auch die werden uns nichts antun. Ich glaube, die wissen ganz genau, daß wir hier sind. Denn vor einer solchen Technik kann man sich nicht hinter einfachen Felsbrocken verstecken. Wenn die glauben wĂŒrden, daß wir ihnen in irgendeiner Weise gefĂ€hrlich werden könnten, dann hĂ€tten sie sich als allererstes um uns gekĂŒmmert. Wir...”
Ein leises Summen unterbrach mich als sich ein krĂ€ftiger roter Lichtstrahl in der Mitte des Raumes bildete, von wo er sich gleichmĂ€ĂŸig nach allen Seiten ausdehnte. Nie zuvor hatte ich davon gehört, daß es möglich ist einen Lichtstrahl so exakt zu begrenzen. Es war ein faszinierendes Schauspiel. Es war wie..., ich weiß nicht wie ich das beschreiben soll. Hinter dem Ă€ußeren Rand wirbelten rauchartige Schlieren in allen möglichen Rottönen. Zur Mitte hin wurde der Strahl immer krĂ€ftiger und dunkler, bis er schließlich ganz undurchsichtig wurde. Es schien jedoch keine Falle zu sein, denn einen halben Meter vor der Wand, an die wir instinktiv zurĂŒckgewichen waren stoppte der Strahl seine Ausdehnung und blieb bestehen.
“Was machen wir jetzt?” fragte Sabine und schaute sich nervös um.
“Ich denke, daß uns der Strahl wohl irgendwie nach oben bringt,” vermutete ich und streckte meine Hand vor. Nichts geschah. Also trat ich kurz entschlossen in den Strahl und verlor jegliche Orientierung. Es war als wirbelte ich blind und hilflos durch einen gewaltigen Sturm. Doch schon Sekunden spĂ€ter stand ich leicht schwankend auf der Äquatorebene des Raumschiffes genau ĂŒber der StĂŒtze. Benommen versteckte ich mich hinter der Verankerung der Teleskop-StĂŒtze und wartete darauf, daß mich dieses merkwĂŒrdige SchwindelgefĂŒhl verließ. Theoretisch war mir absolut klar was soeben passiert war: ich war gebeamt worden. Eine Transportweise die auf der Erde aus dem Fernsehen fast ĂŒberall bekannt war. Auch die wissenschaftlichen HintergrĂŒnde waren keine unbekannte GrĂ¶ĂŸe mehr, ja, selbst erste Versuch mit Protonen waren erfolgreich abgeschlossen. Was unseren Ingenieuren allerdings Kopfzerbrechen bereitete, war die Tatsache, daß fĂŒr die Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung sĂ€mtlicher Daten eines einzelnen Menschen nach heutigen MaßstĂ€ben ein planetengroßer Computer benötigt werden wĂŒrde. Aber betrachtet man die rasende Entwicklung der Computertechnologie, dann kann es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch Menschen und GĂŒter ĂŒber grĂ¶ĂŸere Entfernungen teleportiert werden konnten.
Angespannt suchte ich nach einem Hinweis, wie ich den Vorgang wieder umkehren und zu Sabine zurĂŒck konnte, als sie auch schon vor mir erschien. Ein leiser Hauch der verdrĂ€ngten Luft spielte mit ihrem langen, kastanienroten Haar. Taumelnd fiel sie mir in die Arme. Ich fragte mich, ob man sich jemals an diesen Zustand der Desorientierung gewöhnen konnte. Vorsichtig zog ich sie in die Deckung der StĂŒtzenaufhĂ€ngung und wartete, daß sie sich wieder erholte.
Nachdenklich betrachtete ich Sabine. Durfte ich es wagen aus purer Neugier ihr Leben aufs Spiel zu setzen? Was wĂ€re, wenn die Fremden bei weitem nicht so friedlich waren wie es im Moment noch den Anschein hatte? Was wĂŒrde mit uns geschehen, wenn sie uns an Bord ihres Raumschiffes finden wĂŒrden?
WĂ€re ich allein gewesen, hĂ€tte ich keine Minute gezögert. So aber sagte ich zu meiner Freundin: “Laß uns wieder umkehren. Das könnte zu gefĂ€hrlich werden.”
“Ist das dein Ernst?” Überrascht blickte sie auf und erhob sich kopfschĂŒttelnd. “Nein, das ist das Abenteuer unseres Lebens. Davon trĂ€umen wir beide schon solange wir denken können. Ich kann jetzt nicht einfach aufgeben.”
“Und wenn wir entdeckt werden?”
“Sie werden uns nichts tun,.... glaube ich.”
“Also gut. In der SĂ€ule dort muß eine Luke sein. Laß uns dort einmal nachsehen, ob wir hineinkommen.” Sekunden spĂ€ter standen wir vor der SĂ€ule aus der die Fremden erschienen waren. Nichts deutete darauf hin, daß sich hier eine TĂŒr befand. Es schien, als bestĂŒnde die Wand aus einem einzigen StĂŒck. Auch die Suche nach einem Schalter oder einem anderen Öffnungsmechanismus blieb vergebens. EnttĂ€uscht trat ich mit dem Fuß nach der verborgenen Luke und fand mich auf dem Boden sitzend wieder. Mein Tritt war ohne Widerstand in die Wand eingedrungen und ich hatte das Gleichgewicht verloren. Mißtrauisch kroch ich auf die SĂ€ule zu und tastete mit der Hand nach der vermeintlichen Wand. Doch diese verschwand ebenso widerstandslos wie Sekunden zuvor mein Fuß. In einem kleinen Bereich rund um meinen Arm löste sich jetzt die Struktur der SĂ€ulenwand auf und gab den Blick frei auf den in der SĂ€ule liegenden Raum. Staunend ĂŒber diese technischen Möglichkeiten traten wir ein. Zu beiden Seiten erstreckte sich ein mehrere Meter breiter Gang entlang der Außenwand, wĂ€hrend uns gegenĂŒber die erste TĂŒr, die auch auf den ersten Blick als TĂŒr erkennbar war, den Weg ins Innere versperrte. Trotz aller Geduld bei der Suche nach einem Mechanismus gelang es uns aber nicht diese TĂŒr zu öffnen.
“Laß es uns auf dem Gang versuchen,” schlug ich vor. “Es muß doch noch mehr RĂ€ume und Decks geben. Warum wĂ€re dieses Ding denn sonst so riesig?”
Schon bald erreichten wir ein große, halbkreisförmige Halle, die vollgestopft war mit unzĂ€hligen Maschinen. Die WĂ€nde verschwanden hinter hunderten von Monitoren vor denen Konsolen mit blinkenden LĂ€mpchen standen. Fremdartige Schriftzeichen schienen die Funktionen der einzelnen Elemente zu beschreiben, wĂ€hrend die Bildschirme wohl die Funktionen der Anlagen ĂŒberprĂŒften. Über dem Ganzen hing ein tiefes, kaum hörbares Summen, das die Luft vibrieren lies.
“Uwe, schau mal,” Sabine klang aufgeregt als sie mich rief. Auch ich mußte schlucken, als ich die Grafik auf dem Monitor entdeckte. Das war zweifellos eine vereinfachte Skizze des Raumschiffes. Doch das wirklich wahnsinnige daran war die zweite Skizze. Obwohl kleiner als der Plan ‘unseres’ Raumschiffes, zeigte dieses Bild das Mutterschiff im GrĂ¶ĂŸenvergleich zu seinem Beiboot. Und nach diesem Vergleich mußte es eine GrĂ¶ĂŸe von mehreren Kilometern haben. Schockiert schauten wir uns an. Was fĂŒr eine Macht besaß dieses Volk, das Raumschiffe so groß wie StĂ€dte bauen konnte.
Schweigend nĂ€herten wir uns einem Durchgang, der uns in Richtung des Zentrums bringen sollte. Wie benebelt schritt ich den Gang entlang. Wie lange schon hatte ich von davon getrĂ€umt einmal ein echtes Raumschiff zu betreten. Ein Raumschiff, auf dem von Raumproblemen keine Rede sein konnte. Zwar waren unsere heutigen Raumschiffe wie die Saturn- oder Wostok-Rakete, der Spaceshuttle, Spacelab, MIR oder die neue internationale Raumstation ISS01 Meilensteine der menschlichen Geschichte. Aber was war schon die Santa Maria eines Christoph Kolumbus gegen einen der gigantischen amerikanischen FlugzeugtrĂ€ger, was war Otto Lilienthals erster Gleiter im Vergleich zu unseren heutigen Flugzeugen. Und nun mußte ich erkennen, daß meine ganze Vorstellungskraft es nicht geschafft hatte mich auf mein heutiges Abenteuer vorzubereiten. SelbstverstĂ€ndlich waren in meinen TrĂ€umen Raumschiffe vorgekommen die dieses, in dem ich mich gerade befand, in den Schatten gestellt hĂ€tten. Und selbstverstĂ€ndlich hatte ich mich auf ihnen ganz ungezwungen bewegt, gerade so, als hĂ€tte ich mein ganzes Leben darauf verbracht. Aber das waren nur Phantasien, WunschtrĂ€ume eines unglĂŒcklichen Teenagers, gewesen. Jetzt aber stand ich leibhaftig in einem außerirdischen Raumschiff und alles was bisher so selbstverstĂ€ndlich schien verschwamm nun im Nebel meiner TrĂ€ume. Was blieb war die reine Neugier, die das aufkommende Unbehagen immer wieder unterdrĂŒckte. Entschlossen trat ich mit Sabine in die nĂ€chste Halle. Kreisrund war sie, offenbar der Mittelpunkt dieses Decks. FĂŒnf breite GĂ€nge mĂŒndeten in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden, und bis auf einen roten Ring am Boden, der etwa ein Drittel davon eingrenzte, war die Halle leer. Es gab keinerlei Hinweis darauf wie man die oberen oder unteren Decks erreichen konnte.
“Vielleicht mĂŒssen wir in den Ring treten,” schlug Sabine vor; sie dachte wohl daran was in der Schleuse passiert war. Aber es erschien durchaus logisch und so trat ich gefolgt von meiner Freundin in den Ring. ZunĂ€chst schien gar nichts zu passieren, doch nach einigen Sekunden lies uns ein leises Dröhnen zur Decke aufschauen. Dort öffnete sich eine runde Luke, durch die ein zarter blauer Lichtstrahl fiel. Er schien uns in die Höhe ziehen zu wollen, denn als ich meinen Arm ausstreckte und mit der Hand in den langsam krĂ€ftiger werdenden Strahl hielt, wurde sie sanft angehoben. Je weiter die Luke sich öffnete um so breiter und intensiver wurde der Strahl. Bald hatte er die ganze FlĂ€che innerhalb des Rings bedeckt, und hatte sich von seiner anfĂ€nglichen zarten blauen FĂ€rbung in ein tief dunkles, fast schwarzes Blau verfĂ€rbt. Und dann fielen wir. Ich hörte noch Sabines erschrockenen Ausruf, dann verlor auch ich den Boden unter den FĂŒĂŸen. Schemenhaft bemerkte ich durch den Strahl hindurch, wie ich langsam in die Höhe schwebte und sich unter mir die Luke wieder schloß. Dann wurden wir sanft abgesetzt, wĂ€hrend der Strahl wieder verblaßte.
Als wir wieder durch den verblassenden Strahl sehen konnten, bemerkten wir, daß wir uns in einer riesigen Halle befanden, die sicherlich bis an die Außenwand der Untertasse reichte und sich nach oben hin stark verengte. Und trotz der GrĂ¶ĂŸe war der Raum vollgestopft mit GerĂ€ten aller Art. Dazwischen standen fĂŒnf Kleinstraumschiffe in dem Chaos verteilt, scheinbar achtlos auf freien PlĂ€tzen abgestellt. Wir standen in einem Hangar. Und auch hier konnten wir mit den Apparaturen und Schalttafeln nichts anfangen. Lediglich katapultĂ€hnliche Vorrichtungen zum Start der - wie nennt man eigentlich das Beiboot eines Beibootes? - waren zu erkennen. Wie diese allerdings den Hangar verlassen konnten war uns ein RĂ€tsel. Doch dann dachte ich an die TĂŒr in der Außenwand auf der Äquatorebene. Dort hatte sich auch einfach die Wand aufgelöst. Bestimmt war das hier Ă€hnlich. Aber wie sollten wir weiter nach oben kommen? Suchend schlichen wir durch den riesigen Raum und umrundeten auf unserem Weg auch eines dieser Katapulte. Sie sahen aus wie ĂŒberdimensionale Greifer, die die kleinen Boote sicher halten sollten. Zweifellos war das auch eine ihrer Aufgaben. Eine schmale Leiter ermöglichte das Besteigen der Katapulte, und bei genauem Hinsehen bemerkte ich, daß ĂŒber den Katapulten eine Luke zum nĂ€chsten Deck fĂŒhrte.
Sekunden spĂ€ter standen wir in der Zentrale dieses gewaltigen Raumschiffes. Hunderte von Schaltpulten und Konsolen waren ringsum an der Basis der durchsichtigen Kuppel verteilt, nur unterbrochen durch die fĂŒnf Nischen der Einstiege vom Hangar. Über einem kreisförmigen Podest in der Mitte des Raumes schwebte eine kleine Plattform mit einem Sessel und einer Computerkonsole, offensichtlich der Platz des Kommandanten, der ĂŒber eine schmale Wendeltreppe vom Podest aus zu erreichen war. Ringsum blinkten abertausende von LĂ€mpchen und Lichtern. In abgeschalteten Monitoren spiegelten sich unsere staunenden Gesichter. Es war unmöglich auch nur einem einzigen Teil eine Funktion zuzuordnen.
“Was sollen wir jetzt machen?” fragte Sabine flĂŒsternd.
“Ich weiß es nicht,” unbewußt flĂŒsterte auch ich. “Es ist wohl das Beste, wenn wir versuchen uns in einem der Beiboote zu verstecken. Wenn sie uns nicht gleich entdecken können wir zumindest einen kurzen Flug mitmachen.”
“Und was ist, wenn sie uns nicht mehr auf die Erde zurĂŒckbringen?”
WĂ€re das denn so schlimm?” fragte ich leise und drehte mich zu ihr um. Aber ich erhielt keine Antwort. Nachdenklich war Sabine auf den Kommandantensitz hinaufgestiegen. Dort saß sie nun und schaute gedankenverloren durch die Kuppel, wobei sich ihr Blick in der Unendlichkeit zu verlieren schien.
“Sie kommen,” rief Sabine plötzlich und hastete die Wendeltreppe herab. “Laß uns in einem Beiboot verstecken, wir werden ja sehen was dann passiert.”
Die plötzliche Entschlossenheit meiner Freundin erstaunte mich nun doch etwas, als ich ihr folgte. Doch ich holte sie erst ein, als sie unter dem ersten Beiboot Halt machte und nach einem Einstieg suchte. Der war allerdings schnell gefunden. Im Gegensatz zu dem großen Raumschiff befand sich an der Unterseite eine Öffnung, die von einem leicht flimmernden Kraftfeld umgeben war, dessen Aufgabe es zweifellos war, die Luft im Boot und das Vakuum des Weltalls draußen zu halten. Wieder faszinierte mich die scheinbar unendliche Vielfalt der technischen Möglichkeiten, die wir hier fanden. Es gab ĂŒberhaupt keine Norm. Fast schien es, als ob die verschiedenen technischen Errungenschaften von verschiedenen Kulturen stammten. Einmal hatten wir eine ganz normale TĂŒr, am anderen Ende des Raumes mußte man durch eine Wand gehen. Oder die Lifte: der erste Lift war eine Art Teleporter und der zweite schien auf Antigravitation zu beruhen. War das normal? Was hatte diese Vielfalt zu bedeuten? UnwillkĂŒrlich mußte ich an die Borg aus Startrek denken. Diese hatten ihre Technologie auch durch den Diebstahl von fremden Völkern - sie nannten es Assimilation - verbessert. Waren wir hier auch auf ein solch rĂ€uberisches Volk gestoßen? Aber warum dann diese Vorsicht bei den Außerirdischen? Sie hatten es doch mit Sicherheit nicht nötig sich vor der Menschheit zu verstecken.
Egal! Wir wollten uns auf alle FĂ€lle vor ihnen verstecken, und zwar in dem Beiboot unter dem wir standen. Langsam trat ich unter das Kraftfeld. Auch hier wurde ich von einer Art Antischwerkraft sanft in das Innere des kleinen Raumschiffes gezogen, das aus lediglich einem kleinen runden Raum bestand. Zwei kleine Sessel erlaubten es bequem sĂ€mtliche Kontrollen zu erreichen. Ringsum waren unter der glĂ€sernen Kuppel kleine Bildschirme angebracht, die allerdings nicht eingeschaltet schienen. Etwas ratlos wie es jetzt weitergehen sollte lies ich mich in einen der beiden Sitze fallen. Doch es war zu spĂ€t. Die Außerirdischen hatten ihr Raumschiff wieder erreicht. Es gab im Moment keine Möglichkeit unbemerkt zu entkommen. Tief in die Sessel geduckt warteten wir was passieren wĂŒrde. Nervös suchte Sabine nach meiner Hand, wĂ€hrend ihr Atem immer schneller ging. Beruhigend strich ich ihr mit meiner freien Hand ĂŒber ihre Wange.
Als es dann endlich losging hatte sich meine GefĂ€hrtin wieder etwas beruhigt. Ein tiefes Summen setzte ein und das Schiff begann leicht zu vibrieren. Kein Ruck verriet uns das wir gestartet waren, und auch der erwartete Andruck blieb aus. Doch wie sollte das auch anders sein. Ein Volk, das zu den Sternen fuhr mußte zwangslĂ€ufig eine Methode entwickeln die MassentrĂ€gheit ĂŒberwinden zu können. Nur so konnte man sich endlose Phasen der Beschleunigung ersparen. Es wĂ€re doch paradox wenn man wochenlang beschleunigen mĂŒĂŸte um eine entsprechend hohe Geschwindigkeit zu erreichen, dann mit Hilfe phantastischer und genialer technischer Möglichkeiten die physikalische Grenze der Lichtgeschwindigkeit umgeht und in Sekundenbruchteilen viele Lichtjahre zurĂŒcklegt, nur um dann wiederum wochenlang abzubremsen.

Ich trĂ€umte. TrĂ€umte von einem riesigen UFO, das auf der Erde gelandet war und mich und Sabine entfĂŒhrt hatte. TrĂ€umte von mĂ€chtigen Armen, die uns durch das Raumschiff in eine kleine Kabine getragen hatten, tief im Inneren des Schiffes. TrĂ€umte, daß dieses Raumschiff wieder startete um in den Tiefen des Weltraums zu verschwinden und vielleicht nie wieder zur Erde zurĂŒckkehren wĂŒrde. Stöhnend öffnete ich die Augen. Verschwommen nahm ich meine Umgebung war. Das war nicht mein Zimmer. Und das war auch nicht die einsame Lichtung in dem Felsental. Aber wo war ich? Ganz allmĂ€hlich wurde mein Blick wieder klar. Ich lag in einer fĂŒnfeckigen Kabine in einem seltsam fremdartigen Bett. Also war das ganze wohl doch kein Traum gewesen. Aber wir hatten uns doch in einem Beiboot versteckt. Wie kamen wir hierher? Und, wo war hier? Zweifellos waren wir entdeckt und aus dem Beiboot herausgeholt worden.
Neben mir vernahm ich ein leises Stöhnen.
“Wo sind wir?”
“Ich vermute, daß man uns entdeckt und auf das Mutterschiff gebracht hat,” antwortete ich nachdenklich. Warum sollten die Fremden das getan haben? Wieso hatten sie uns nicht einfach wieder auf der Lichtung ausgesetzt? Seltsamerweise fĂŒhlte ich mich auch nicht eingesperrt oder gefangen. Ich hatte tief in mir ein GefĂŒhl, als ob wir uns frei auf dem Raumschiff bewegen durften. Aber wenn wir wirklich im Weltraum waren, dann konnten wir ja sowieso nicht entkommen. Warum also sollte man uns einsperren?
WĂ€hrend ich noch ĂŒber die Situation nachdachte, öffnete sich hinter Sabine lautlos die TĂŒr. Erschreckt hielt ich den Atem an und streckte meinen Arm aus um meine GefĂ€hrtin hinter mich zu ziehen. Erst jetzt bemerkte sie was hinter ihrem RĂŒcken geschah. Kreidebleich wich sie bis an hintere Wand der Kabine zurĂŒck.
“Was ist das?” fragte sie mit zitternder Stimme.
“Das muß wohl eine Art Roboter sein,” sagte ich. Auch meiner Stimme konnte man ganz deutlich den Schrecken anhören. Gebannt betrachtete ich das Ding das unter der TĂŒr stehen geblieben war. Ein grĂŒnlich-grauer Kegel von etwa zweieinhalb Metern Höhe schwebte auf seinen fĂŒnf kurzen, höchstens unterarmlangen Gliedern mehrere Zentimeter ĂŒber dem Boden. An der Spitze des Kegels saß, wie ein Kopf, eine fußballgroße, grĂŒne Kugel. In regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden konnte man Linsen und Sensoren erkennen, mit deren Hilfe der Roboter seine Umgebung wahrnehmen konnte.
“Folgen mir!” schnarrte er und bewegte sich ohne sich umzudrehen den Gang vor der Kabine hinunter. Ohne sich zu vergewissern ob wir ihm ĂŒberhaupt folgten nĂ€herte er sich einer glĂ€sernen Röhre vor der er schließlich stehen blieb. Dort forderte er uns auf in die Röhre zu steigen. Wieder setzte das mittlerweile schon fast vertraute GefĂŒhl des Fallens, doch diesmal dauerte es entschieden lĂ€nger. Etwas war anders. Es war keine Teleportation wie wir es in der Schleuse erlebt hatten, es war aber auch kein sanftes Schweben wie in der großen Halle. Irgendwie fĂŒhlte ich mich wie ein Geschoß im Lauf einer gewaltigen Waffe. Wie recht ich damit hatte ahnte ich zu dieser Zeit allerdings noch nicht. Doch auch diese Fahrt fand nach endlosen Minuten ihr Ende und wir fanden uns vor einem breiten Portal wieder, das sich langsam vor uns öffnete.
Zögernd traten wir durch das Tor in den dahinter liegenden Raum, denn zweifellos wurde das von uns gewĂŒnscht. FĂŒnfzig Augen blickten uns entgegen, und ebenso viele humanoide Wesen waren anwesend. Sie waren groß, fast zweieinhalb Meter und hatten je zwei starke aber kurze Arme und Beine. Ihre haarlosen Köpfe, die auf einem langen Hals saßen, hatten eine hellblaue Haut, die leicht schuppig glĂ€nzte. Zu beiden Seiten des großen schwarzen Auges befand sich eine kleine Membran, die wohl so etwas wie ein Gehör waren. Eine lĂ€ngliche Öffnung unter dem Auge diente wohl als Mund. Ihre Körper waren bis auf eine Ausnahme in lange schwarze und weiße Kutten gehĂŒllt. Dieser Außerirdische trug eine reich verzierte rote Kutte und einen blauen Umhang. Langsam kam er auf uns zu. Vor seiner Brust hing ein kleines schwarzes KĂ€stchen, das gleichmĂ€ĂŸig vor sich hin blinkte. Eine metallisch klingende Stimme ertönte aus dem Apparat, als der Fremde zu sprechen begann:
“Willkommen Erdenmenschen. Ich bin FrĂ»khtarr, Kommandant dieses Raumschiffes des Volkes. Wir sind in friedlicher Absicht gekommen. Aber noch ist euer Volk nicht reif fĂŒr die Sterne und ihre Macht. Solange ihr euch noch selbst bekĂ€mpft seid ihr eine weitere Gefahr fĂŒr die vielen friedlichen Völker des Universums. Erst wenn ihr erwachsen geworden seid und erkannt habt, daß ihr nur gemeinsam bestehen könnt, erst dann könnt ihr damit rechnen Hilfe zu bekommen. Hilfe, die euch auf dem Weg zu den Sternen begleitet, die euch die Wunder des Universums nĂ€herbringt. Doch die Gefahr ist groß. Seit Jahrtausenden werdet ihr beobachtet, und seit Jahrtausenden fĂŒhrt ihr aus lĂ€cherlichen GrĂŒnden Krieg gegeneinander. Selbst jetzt habt ihr noch nichts verstanden. Der einzige Grund warum zwischen den großen MĂ€chten eures Planeten Frieden herrscht, besteht darin, daß ein Krieg zwischen diesen MĂ€chten euren Planeten vernichten wĂŒrde. Es ist ein Angstfrieden, ein Frieden der Vernunft und nicht des Herzens, und der ist brĂŒchig. Aber es ist ein erster Schritt. Vielleicht werden wir in einhundert oder zweihundert Jahren auf eine reifere Menschheit treffen, doch bis dahin wird kein weiterer Kontakt hergestellt werden.”
Mit diesen Worten fĂŒhrte uns FrĂ»khtarr in einen gewaltigen Saal mit einer glĂ€sernen Kuppel. Ein flĂŒchtiger Blick zeigte mir, daß wir uns im Weltraum befinden mußten. Scheinbar bewegungslos schwebte das Raumschiff unter dem Sternbild des Orion. Deutlich waren die drei GĂŒrtelsterne zu erkennen. Atemlos beobachteten wir, wie sich ein riesiger Planet in unsere Sicht schob und schnell am anderen Rand der Kuppel wieder verschwand.
“Saturn,” hauchte ich benommen. Leise fragte ich: “Sind wir tatsĂ€chlich schon so weit, oder ist das ein Trick um uns einzuschĂŒchtern?”
FrĂ»khtarr trat an eine Konsole und betĂ€tigte ein paar Schaltungen. Sofort begann die Luft in der Mitte der Halle zu flimmern, und in diesem Flimmern materialisierten sich drei StĂŒhle.
“Es ist die Wahrheit,” antwortete der Kommandant nachdem wir uns gesetzt hatten. “Doch bevor ihr mehr erfahrt, sollt ihr nur wissen was ich euch jetzt sage. Wir sind eine uralte Rasse und fahren schon so lange zu den Sternen, daß sich nicht einmal mehr unsere Computer an die Zeit davor erinnern können. Aber wir sind nur noch wenige. Ein anderes Volk, das neidisch ist auf die Technik anderer ist fĂŒr unsere fast vollstĂ€ndige Vernichtung verantwortlich. Der Krieg zwischen uns hat hunderte von Welten unbewohnbar gemacht. Aber er ist vorbei. Vor fast tausend eurer Jahre wurde das letzte Raumschiff der anderen zerstört. Seither herrscht Friede in diesem Teil des Universums.
Was euch betrifft, können wir euch nur auf die Erde zurĂŒckbringen wenn wir euer GedĂ€chtnis löschen. Ihr werdet dann auf der Lichtung wieder erwachen und euch an nichts erinnern. Wenn ihr das nicht wollt, mĂŒĂŸt ihr an Bord bleiben und werdet die Erde vielleicht nie wieder sehen. Begebt euch jetzt wieder in eure Kabine und denkt darĂŒber nach. Entscheidet weise!”.....

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