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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
DDR, das schwarze Schaf der Familie
Eingestellt am 30. 09. 2013 01:12


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Schreibensdochauf
???
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Es ist soweit, die Montagsdemonstrationen in Leipzig jähren sich. Im kommenden Jahr sogar zum 25. Mal. Zur Erinnerung: Jahrestag der DDR war der 7. Oktober. Los ging bekanntlich alles in Leipzig:

Ich möchte – bald 25 Jahre nach der friedlichen Revolution – den jüngst verstorbenen deutschen – in Polen geborenen – Juden – Reich- Ranicki zitieren, der daran erinnerte, dass das Kriegsende `45 für die damals Lebenden KEIN Tag der Befreiung war und der Tag für die heute lebende Jugend so fern sei, wie für ihn damals der deutsch-französische Krieg 1870/71

Zum Thema Erinnerungskultur hörte ich jüngst einen Experten der Oral History, der sinngemäß sagte, dass das Erinnern auch geprägt sei durch die fortfolgende Interpretation des Geschehens. Also nicht nur die Veredelung des Erinnerns im Nachhinein – früher war alles besser – sondern die Erinnerung wird auch geprägt durch den heutigen Mainstream "Sputnik – Schock am 4.Oktober 1957" (für wen ein Schock?)

Es gibt die offizielle Geschichtsschreibung und das Einzelerlebnis. Ich werde nie vergessen, den Satz meines KFZ-Meisters in Neudietendorf/Thüringen, auf die Frage seines damals 13 jährigen Sohnes im Jahr 2008, warum denn nun die Mauer gefallen sei: „Weil ein paar Intellektuelle Ananas essen wollten." Einzelfälle?

Leipzig steht heute für die friedliche Revolution 1989. Zu Recht. Leipzig steht. Stehen die Leipziger? Wie viele Leipziger gingen auf die Straße? Zu Beginn? Später? Wie viele saßen zu Hause und hießen das Geschehen gut. Aber wie viele hatten Angst vor dem was kommt? Was war mit denen, die an die DDR glaubten und Angst hatten? An die DDR glaubten! Wie komisch das klingt.

An die BRD glauben. Klingt das besser? Wer von Ihnen glaubt an die BRD? Wer ist die BRD? Was war die DDR?

Der westdeutsch-sozialisierte Historiker Hubertus Knabe, Gedenkstättenleiter in Hohenschönhausen, sagte mal auf die Frage, ob es in der DDR nicht auch Gutes gegeben habe? „Ich interpretiere die Geschichte der DDR aus der Perspektive der Folterkeller in Hohenschönhausen“. Das ist sein Recht.

Und ich? Ich interpretiere die Geschichte der BRD aus der Perspektive von Kiesinger, Filbinger, Besatzung, Waffen an Saudi-Arabien, Guttenberg Doktorarbeit gefälscht, Koch-Mehrin Doktoberarbeit gefälscht, Schavan Doktorarbeit wahrscheinlich gefälscht, Steinmeier Doktorarbeit angeblich gefälscht. Bringt uns das weiter?

Jede Familie hat ihr schwarzes Schaf. Es kann nicht sein, dass die DDR das schwarze Schaf des heutigen Deutschland ist. In der DDR waren Nazideutschland, BRD und USA die schwarzen Schafe. In der BRD waren Nazideutschland, DDR und Sowjetunion die schwarzen Schafe. Schwarze Schafe sind auch Schafe. Je schwärzer ein Schaf, desto weißer die anderen.

Ja, vieles in der DDR war schwarz. Das wird besprochen, diskutiert ausgewertet. Ja, vieles in der BRD war schwarz. Das wird nicht diskutiert, nicht ausgewertet.

Die Aufarbeitung zur DDR-Geschichte darf nicht aufhören. Das bedeutet aber auch, nie zu vergessen, dass die DDR auch UN-Mitglied war und von allen UN-Ländern anerkannt wurde. Waren diese Länder alle verblendet? Waren Frankreich, Belgien, die Schweiz, die USA zu doof zu sehen, was los war? Ja, all diese Länder haben die DDR erst anerkannt nach dem Segensspruch der sozial-demokratisch-liberalen Grundlagenvertragsinitiative unter Willy Brandt. War die falsch? Ein langer Diskussionsabend könnte sich entspinnen.

Mit oder ohne Grundlagenvertrag war die ganze Welt auf der traditionellen Leipziger Messe vertreten. Ja, die ist älter als die DDR je gewesen ist, aber auch ja, die funktionierte auch zu DDR-Zeiten. Und ja, westeuropäische Länder engagierten sich wirtschaftlich, kulturell und sportlich in der DDR oder pflegten den Austausch

Fazit: Es gab einmal viele deutsche Länder, dann gab es einmal eine kurze Zeit ein deutsches Reich. Dann gab es noch kürzer eine Demokratie, dann das 12 Jahre währende "1000-jährige Reich", dann zwei deutsche Staaten und jetzt gibt es wieder einen deutschen Staat. Mehr als 17 Millionen Deutsche – denn die 17 Millionen waren immer nur der Ist-Stand – haben einen deutschen Staat erlebt (oder hören über ihn von ihren Eltern und Großeltern)den es nicht mehr gibt. Doch es gibt die Geschichte. Und die ist noch nicht auserzählt.

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