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Leselupe.de > Kurzgeschichten
DER KUSS
Eingestellt am 21. 04. 2009 00:28


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Chrisch
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Registriert: Jan 2009

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DER KUSS

„Blau, blau, blau blĂŒht der Enzian...“ So sangen sie. Mir allerdings war ganz anders zumute gewesen. Meine Wohnungseinweihung war langsam zu einer allgemeinen BesĂ€ufnisparty geworden.
Ich erinnere mich, wie ich ziemlich angewidert meine Kollegen beobachtete, die gerade die letzten Reste der Bowle vernichteten und schon wieder eine Flasche Korn kreisen ließen. Vielleicht mache ich ja auch immer was falsch und betrinke mich nicht, um ebenso fröhlich zu sein. Wahrscheinlich fĂŒhlte ich mich deshalb falsch zwischen den grölenden MĂ€nnern und konnte nichts Lustiges an Karins plötzlichem Einfall finden. Eigentlich veranstaltete ich das alles nur ihretwegen. EnttĂ€uscht saß ich abseits. Umringt, von aufgeregten MĂ€nnern, als einzige Frau, war sie der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Das hĂ€tte ich mir ja auch denken können. Jetzt fing sie, zu meinem Entsetzen an, auf dem Tisch tanzend sich langsam zu entblĂ€tterten. Das reichte nun aber wirklich! Ehe sie sich völlig vor den geilen Kollegen unmöglich machte, löste ich die Versammlung auf, was allerdings ziemlich schwierig und erst nach zehn Minuten erledigt war. Dann hĂŒllte ich, die nun doch schon völlig unbekleidete, in eine Decke und nahm sie in den Arm als sie plötzlich zu schluchzen begann.
Seit dem liegt sie schlafend an meiner Schulter. Ich streichle ihre weichen Haare, fĂŒhle ihre hĂŒbschen BrĂŒste, die sich regelmĂ€ĂŸig heben und senken, ihre Schenkel ĂŒberdeutlich an meinen Beinen, das linke Knie gefĂ€hrlich nahe an meinem Geschlecht, das sich redlich bemĂŒht ruhig zu bleiben. Ich fĂŒhle mich dabei nicht gut, aber kann dem Drang nicht widerstehen, etwas die Decke zu verschieben. Ihr Bauch lĂ€dt meine Hand ein, der Kopf sagt: - Nein! -, aber die Einladung ist zu stark. Es fĂŒhlt sich großartig an! Meine Hand gleitet von allein zu ihrer HĂŒfte. Ich fĂŒhle mein Herz klopfen, als ich ihr einen Kuss auf die Stirn hauche. Dann spĂŒre ich ihre Lippen, ihre Zungenspitze, die meine neckt und ihre Finger an meiner Wange. Erschreckt, aus dem innigen Kuss auftauchend bemerke ich: Sie ist wach! Meine Hand zuckt zurĂŒck, zupft die Decke ĂŒber ihren bloßen Busen, den ich so gern gekĂŒsst hĂ€tte. So muss auch die Vertreibung aus dem Paradies gewesen sein, stelle ich fest.
„Tommi“, sagt sie, „was ist los. Magst du mich nicht?“, dabei nestelt sie an meiner Hose. Ich mache mich los, kĂŒsse sie auf die noch verschlafenen Augen.
„Ich heiße nicht Tom, tut mir leid.“ Ich lasse sie auf die Couch rutschen und winde mich vorsichtig aus ihrer Umarmung, die sie jetzt hastig auflöst. Endlich scheint sie wach zu sein. Der zĂ€rtliche Ausdruck in ihrem schlafenden Gesicht, ist verschwunden. Mit nervösen Fingern ĂŒberprĂŒft sie, ob auch jedes StĂŒckchen Haut bedeckt ist und stĂ¶ĂŸt dabei hervor: „Was ist denn los? Wo bin ich ĂŒberhaupt? Hast du mich etwa ausgezogen?“
Ich antworte nicht, nehme die GlĂ€ser vom Tisch, versuche auch noch ein paar Flaschen zu greifen. Eine fĂ€llt zu Boden und rollt ihr vor die FĂŒĂŸe. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie sie stöhnend ĂŒber ihre Stirn streicht, „Mein Kopf!“, flĂŒstert und langsam ihre Umgebung wahrnimmt.
„Ich mach dir einen Kaffee, ok?“ Ohne auf Antwort zu warten, gehe ich zur Kochnische, gebe Wasser in die Kaffeemaschine, dabei kann ich kein Auge von ihr nehmen, was der große Spiegel begĂŒnstigt. Sie ist aufgestanden, die Decke rutscht hinunter. - Hilfe! -, denke ich und - Man ist die sĂŒĂŸ –
Laut sage ich: „Schade, dass ich nicht Tommi bin. Wer ist der eigentlich?“ Krampfhaft versucht sie die Decke an sich zu ziehen und blickt sich suchend um.
„Warum hast du mich ausgezogen? Du hast doch nichts gemacht mit mir, oder? Wo hast du meine Sachen versteckt?“
- Blödmann! -, schimpfe ich mich, daran habe ich leider nicht gedacht.
„Das wĂ€re eine gute Idee gewesen, aber ich Dummkopf hab gehofft, dass du die einfach vergisst.“, sage ich und sehe zu, wie der Kaffee in den Becher lĂ€uft. Jetzt muss sie doch lachen, sieht mich plötzlich nachdenklich forschend an, als ich ihr das heiße GebrĂ€u bringe und ihr unter die Nase halte.
„Und, hast du...“
„Nein, hab ich nicht!“
Ich nehme schnell die Flasche vom Boden und mache auf dem Tisch Platz. So sieht sie mir hoffentlich nicht an, was meine vorwitzige Hand kurz vor ihrem Erwachen da angestellt hat. Die hĂ€tte bestimmt weitergemacht, denke ich entsetzt und kann nicht umhin mich an das GefĂŒhl ihrer HĂŒfte an meiner Haut zu erinnern und mir auszumalen, wie sich erst dieses aufregende Hinterteil angefĂŒhlt haben wĂŒrde. Musste sie ausgerechnet da aufwachen? „Halt!“ rufe ich mich zur Ordnung. Ich sehe das Kleid auf dem Boden, fĂŒhle an ihrer Stelle, die Blicke der MĂ€nner.
„Was hat dich nur getrieben, hier vor allen Leuten so einen Affentanz aufzufĂŒhren? Sag nur nicht, dass du das nicht mehr weißt?“
„Guck weg!“, befielt sie, dreht sich um, ich auch. - Spiegel hilf! - flehe ich. Die Decke gleitet zu Boden. Ich spĂŒre, dass ich diesen Hintern liebe, mit meinem ganzen Körper mich danach sehne, so wie sich mein Mund nach Ihrer Zunge, meine Hand nach ihrem Haar und mein Herz nach ihrem Atem sehnt. Tief luftholend drehe ich mich um als das Kleid ihre Nacktheit endgĂŒltig vor meinen Blicken verbirgt.
Ihren Slip wird sie nicht finden! Wie beilÀufig schiebe ich den gerade entdeckten unter den Sessel. Wenigstens ein Andenken möchte ich behalten. Sie ist so der Typ, der sicherlich nicht das erste Mal ohne Höschen aus dem Haus geht.
Ich stelle mich vor sie, nehme ihr die dampfende Tasse aus der Hand. „Mach mal bitte die Augen zu.“ Fragend schaut sie mich an, schließt sie aber dann doch. Ich gehe nahe an sie heran, spĂŒre ihren Körper nur Zentimeter von mir entfernt. Höre ihr Schlucken, kĂŒsse sie leicht auf das OhrlĂ€ppchen und flĂŒstere:
„Was meinst du, könntest du dir nicht vorstellen, dass ich dein neuer Tommi bin?“.



__________________
"ist wie Schach, nur ohne WĂŒrfel" Lukas Podolski

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