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Leselupe.de > Humor und Satire
DIE VERKNORRUNG
Eingestellt am 01. 09. 2002 20:51


Autor
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Barks
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2002

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Die Verknorrung des Handelsreisenden Fritz Kaneder

Fritz Kaneder war ein dynamischer, gutaussehender und durchaus erfolgreicher junger Handelsreisender. Bei seinem direkten Vorgesetzten, einem gewissen Verkaufsdirektor Wilhelm Schitz, geno├č er seiner verk├Ąuferischen Erfolge wegen hohes Ansehen und die Kunden unterzeichneten mit zufriedenen Gesichtern die mit ihm get├Ątigten Abschl├╝sse. Auch sein Privatleben konnte als gl├╝ckvoll bezeichnet werden: er stand kurz vor der Hochzeit mit einer bezaubernden blonden Industriellentochter, deren Vater mit dem gesch├Ąftst├╝chtigen Schwiegersohn Gro├čes zu tun gedachte. Kurzum: Kaneder war ein vom Leben geliebter junger Mensch und konnte ├╝berdies erwartungsvoll in eine vielversprechende Zukunft blicken.
Doch sollte alles Gl├╝ck sich in ein schlimmes Gegenteil kehren, denn eine unbegreifliche Laune der Zeit lie├č den jungen Mann hinabtaumeln in Abgr├╝nde des Seins, von denen sich au├čer Gnomen und Waldschraten niemand etwas h├Ątte tr├Ąumen lassen k├Ânnen. Von einem Tag zum andern ver- kehrte sich Kaneders Welt in ein Spiegelbild des Irrsinns, in eine Farce der Vernunft, wurde zu einer ausweglosen H├Âlle des Geistes - und der arme Mensch mu├čte sich wiederfinden inmitten schillernder Eruptionen des Wahnsinns.
Niemand h├Ątte erkl├Ąren k├Ânnen, was da vor sich gegangen war und w a r u m, keiner h├Ątte auch nur die Spur einer Ahnung haben k├Ânnen von den Dingen , die Kaneder pl├Âtzlich ├╝berkamen. Nicht einmal er selbst konnte sich dazu ├Ąu├čern, denn eine erschreckende k├Ârperliche Ver├Ąnderung versetzte ihn in un├╝berwindliche Starre. Stocksteif verharrte er, noch immer den Aktenkoffer in der Hand, auf der Stelle und r├╝hrte sich auch fortan nie mehr vom Fleck. Mehr noch geschah: seine ehemals makellose Haut ├╝berzog sich mit knorrigen Borken, wurde zu einer knarzigen H├╝lle -gleich der Rinde einer Eiche- Beine und F├╝├če bildeten sich innerhalb weniger Stunden zu stengeld├╝nnen Wurzelenden um und sein Kopf formte sich gar zum abges├Ągten Stumpf eines Blattbaumes.
Wen wundert es da noch, da├č er bald darauf seine Stelle ver1or , die junge Braut sich ersch├╝ttert von ihm abwandte und der Schwiegervater resigniert alle Hoffnungen begrub ? Starr, stumm und blind steht der junge Kaneder seither in einem stillen Winkel des Ostfriedhofs.
In wenigen Jahren, wenn der unab├Ąnderliche Wechsel der Jahreszeiten mit Regen, Sonne, Schnee und Wind sein gnadenloses Werk beendet hat, wird von Kaneder nichts mehr ├╝brig sein , was an eine einst so bl├╝hende Jugend erinnern k├Ânnte. Als Baum unter B├Ąumen wird er die achtlos Vor├╝bergehenden wortlos mahnen.
Mahnen ?

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