Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92201
Momentan online:
53 Gäste und 0 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Ungereimtes
DIN
Eingestellt am 29. 09. 2008 00:38


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
R. Herder
???
Registriert: Jan 2008

Werke: 41
Kommentare: 526
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um R. Herder eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

DIN



An der Iris findet sich noch ein St├╝ck Licht
das mir erlaubt: die Wiederschau der
furchtsam arrangierten Anmut deiner H├Ąnde
wie sie (dem Strich entgegen) durch mein
Flimmern streifen ├Ąhnlich einer Hoffnung
die ihr Dasein sucht in Fu├čnoten.┬╣


Vom Brand der (in dein Haar gelegt) das nie
gekannte Ende aller Gegenseitigkeiten
sanft zu Asche werden l├Ąsst ist Sakrosanktes
zu erwarten // die Namensgebung einer Tat
die kritisch zerrt an jenen Verh├Ąltnissen
die seit jeher verwachsenen Normen unterliegen.



1 Und niemals findet.


Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Hakan Tezkan
Guest
Registriert: Not Yet

bereits der titel deines gedichts, ren├ę, bietet dem leser ein ger├╝st: ÔÇ×dinÔÇť ist das k├╝rzel f├╝r das deutsche institut f├╝r normung ÔÇô man denke da an die papierformate din a4 oder din a5 usw (die ├╝brigens f├╝r sich wieder eine metapher darstellen k├Ânnen: das vorgegebene format f├╝r das eigene schreiben, oder: denken)ÔÇô und schafft gleich den boden, auf dem man sich sp├Ąter im gedicht bewegt.

in der ersten strophe erf├Ąhrt man von einer normen.freien begegnung zwischen lyr.ich und lyr.du, dessen anmut nur furchtsam arrangiert, d.h. unter gewissen, noch unbekannten gefahren her.gerichtet wurde. dass die h├Ąnde durch das flimmern (und ÔÇ×gegen den strichÔÇť) des lyr.ichs streichen, zeigt die sehnsucht(fiebrig-flimmern) nach jener sch├Ânheit, und verdeutlicht zudem den revolution├Ąren akt, der dahinter steckt.
man sp├╝rt auch eine gewisse dringlichkeit heraus, allein schon durch die sprachliche wendung ÔÇ×findet sich NOCH ein st├╝ck lichtÔÇť. das streichen durch das gesicht vergleicht das lyr.ich mit einer hoffnung, die ihr dasein in fu├čnoten(also: au├čerhalb des 'vorgegebenen' textes) sucht, in erkl├Ąrungen, die nicht gegeben werden k├Ânnen. das bild ist wirklich geil, auch wie du den blick des lesers lenkst: gro├čartig.

dann erfolgt ein bruch im gedicht. es wird ein brand gelegt[im haar des lyr.ichs(d.h.:im nat├╝rlichen, urspr├╝nglichen)], der alle gegenseitigkeiten zerst├Ârt, denn eine normung sucht nach einem konsens, also der aufl├Âsung von unterschieden, um einheitlichkeit herstellen zu k├Ânnen. man erwartet jetzt: sakrosanktes, was so viel bedeutet wie: unantastbares, unver├Ąnderliches. diese norm wird zu heiligem terrain.
das lyr.ich holt jetzt zum end.g├╝ltigem schlag aus: der brand widerspricht der gesetzm├Ą├čigkeit der gegenseitigkeit.

nat├╝rlich ist mir bewusst, dass du nicht gegen das ÔÇ×dinÔÇť hetzt, vielmehr geht es doch darum, dass einzig die unterschiede zwischen dir und mir jene schatten mit ein wenig farbe f├╝llen. einzig durch die unergr├╝ndliche einzigartigkeit eines jeden individuums ist solch eine z├Ąrtlichkeit, oder: liebe einem menschen gegen├╝ber m├Âglich. oder k├Ânnte man sich wirklich in sich sebst verlieben? jedenfalls: ist das gedicht gegen anpassung jeglicher art.
denn gleichzeitig kann man das ganze nat├╝rlich auch auf politische ebene projizieren, und noch in viele andere bereiche, aber ich habe mich, sentimental wie ich bin, f├╝r die liebe entschieden.

wie immer habe ich das gef├╝hl, total daneben zu liegen.

gern gelesen,
hakan


ps: entschuldige diese ÔÇ×schulischeÔÇť herangehensweise, nur durch sie konnte ich dein gedicht ausleuchten, um das gef├╝hlte in gedachte worte zu fassen, vorher habe ich deine sprache lediglich gesp├╝rt, stumm, lautlos.

pps: bin mir noch nicht sicher, ob ich eine 8 oder eine 9 gebe...


Bearbeiten/Löschen    


R. Herder
???
Registriert: Jan 2008

Werke: 41
Kommentare: 526
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um R. Herder eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Danke f├╝r deine Ausf├╝hrlichkeit, Hakan.

Ich glaube, in diesem Gedicht wurde ein Gegen├╝ber umgebracht. Und gar abgefackelt. Was noch? Der stets scheiternde Versuch einer immerhin halb angedachten Revolution in den eigenen vier (Kopf- und K├Ârper-)W├Ąnden.

Wichtig ist wohl das ewig pr├Ąsente Wissen um das Scheitern-m├╝ssen.


Mehr kann ich grad gar nicht sagen.
Nimms mir nicht ├╝bel.


Gr├╝├če,
Ren├ę.

Bearbeiten/Löschen    


penelope
Guest
Registriert: Not Yet

lieber r.,

der text gibt nicht nur: er ist: auch wenn er wirklich das scheitern an sich darstellt, vermag er noch vieles andere: er ist hoffnung zugleich, obwohl alle wege und m├Âglichkeiten fast ausnahmslos abgeschnitten werden. aber schon mit der ersten zeile arbeitest du doch gegen die absolute finsternis: An der Iris findet sich noch ein St├╝ck Licht...
so hei├čt es f├╝r mich: auf deine erste zeile zu antworten w├Ąre weiter zu lesen: also lese ich weiter, mit aufgebrachter aufmerksamkeit, stillgestellt die innere uhr, den gegensturm, die auflehnung, die sich gegen das/dein scheitern sich wendet.
aufgebracht, maximal konzentriert, bem├╝hter, als je zuvor - gerate ich in einen strudel des versagens: Flimmern streifen ├Ąhnlich einer Hoffnung/die ihr Dasein sucht in Fu├čnoten.┬╣... oh!: und die fu├čnote dazu (und das ist schon genial: eine fu├čnote in einem gedicht: neu: einzigartig: eine meisterleistung): 1 Und niemals findet....
wie denn auch! so da├č ich auch lese, wetternde regungen und denken an quitten, aufgebracht, in aufbringendem, die bl├Ątter, die b├Ąume, die normen: verwirbelnder sturm: quintessenz...

wie immer der begeisterung nicht genug, auch wenn du es nicht magst, lieber die harte kritik m├Âchtest... dennoch

lg von deiner fanmeile

penelope

Bearbeiten/Löschen    


Fettauge
Guest
Registriert: Not Yet

DIN

Hallo R. Herder,

ein Gedicht, das bem├╝ht ist, etwas auszusagen und es doch nicht zu sagen, es aber nicht zu verschweigen, denn gesagt muss es werden. Fragt sich nur, was hier eigentlich gesagt werden soll.

Der Titel DIN (Deutsche Industrienorm) weist auf herk├Âmmliches (genormtes) Verhalten hin (hier: zwischen Mann und Frau), deren tats├Ąchliches Verhalten diese Norm aber verletzt - so k├Ânnte ich mir den Inhalt entsprechend dem Titel vorstellen. Leider wird hier gar nichts verletzt, meine Erwartung h├Âchstens entt├Ąuscht.

Was mir an diesem Gedicht zuerst auffiel, war die bem├╝ht hochgestylte Sprache, die Verwendung von "sch├Ânen W├Ârtern" wie z. B. Iris, die furchtsam arrangierte Anmut deiner H├Ąnde (kann man Anmut eigentlich arrangieren, noch dazu furchtsam?), eine Hoffnung, die ihr Dasein in Fu├čnoten sucht (hier wolltest du wohl sagen, dass die Hoffnung, bei der Dame zu landen, nicht allzugro├č war? Aber hast recht, h├Ârt sich verdammt gebildeter an, man merkt gleich, dies hat ein nicht allzu praktisch veranlagter Intellektueller verfasst, der die Liebe bisher wahrscheinlich rein theoretisch studiert hat).

In der zweiten Strophe, nachdem in der ersten nur bewundert und gehofft und allerlei ├ťberfl├╝ssiges bedacht wurde, erwarte ich als Leserin, dass nun endlich das Erwartete passiert, n├Ąmlich die Verletzung der DIN-Norm. Aber zuviel erwartet, das halberotische Philosophieren geht weiter: Das rote Haar der Angebeteten ist das nie gekannte Ende aller Gegenseitigkeiten und l├Ąsst es sanft zu Asche werden (f├╝r Begriffsschwache: Das Ich hat entweder keine roten oder gar keine Haare), das rote Haar verk├╝ndigt unheilsschwanger Heiliges. Und weil das Haar rot ist, vermutet unser kleiner verliebter Spie├čer: Na, bei der Dame darf man sich auf einiges gefasst machen! Wer hat schon rote Haare! Haare est omen!

Das dr├╝ckt der Autor folgenderma├čen aus: Vom Brand (der in dein Haar gelegt - wer war das?!) erwartet er zudem die Namensgebung einer Tat, die kritisch zerrt an den Verh├Ąltnissen, die seit jeher verwachsenen Normen unterliegen.
Das muss man ├╝bersetzen: Das verliebte Ich erwartet jetzt, dass die Dame sich jeder erdenklichen Unkonventionalit├Ąt, die in der verklemmten Vorstellungswelt des Ich schlummert, schuldig macht: "Hallo, S├╝├čer!" Aber so praktisch sagt er es uns nicht, der R. Herder.

So kann man nat├╝rlich die Anmache einer Stra├čennutte ins Erhabene transportieren und dies so verschwurbelt wie nur irgend m├Âglich rein sprachlich kaschieren. Um noch mal auf die DIN-Norm zur├╝ckzukommen: Der Autor h├Ąlt offensichtlich das Gesch├Ąft zwischen Nutte und notgeilem Bock f├╝r eine Sache, die gesellschaftliche Normen verletzt. Da kann ich ihn tr├Âsten: So ist es nicht, Prostituierte haben einen gesellschaftlich anerkannten Beruf und zahlen sogar Steuern - also alles ganz normal, und hinter so manch einer Nutte verbirgt sich eine liebende Hausfrau.

Mich verwundert das sprachliche Verschwurbeln allerdings ├╝berhaupt nicht, die Sache w├Ąre schlie├člich peinlich, wenn er allzu deutlich w├╝rde und Bekannte dies ungeh├Ârige Tun des Ich mitkriegten, die es dann bestimmt, nat├╝rlich v├Âllig entstellt, weitertratschen w├╝rden. Was mich an diesem Text verwundert, sind allerdings die Kommentare, die sich vor Begeisterung bald ├╝berschlagen. Der Rest ist Schweigen.

Liebe Gr├╝├če, Fettauge

Bearbeiten/Löschen    


R. Herder
???
Registriert: Jan 2008

Werke: 41
Kommentare: 526
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um R. Herder eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

An alle,

ich bin seit geraumer Zeit nicht aktiv in diesem Forum. Aber ich lese mit Neugier Kommentare, so sie meinen alten Texten unterschrieben werden. Ich danke euch f├╝r Zustimmung und Verriss. Ich selber habe DIN nichts hinzuzuf├╝gen, au├čer: wer hier ├╝berz├╝chtete Romantik zu lesen glaubt, hat den Mord nicht entdeckt.

Ich w├╝nsche euch das Beste.

RH

Bearbeiten/Löschen    


11 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Ungereimtes Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!