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Leselupe.de > Feste Formen
Da will mich wohl der alte Fluch ergreifen - Petrarca Sonett
Eingestellt am 03. 02. 2012 21:06


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Walther
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Da will mich wohl der alte Fluch ergreifen:
Es wird nicht rund, was sich nicht rundet, und
Es wird gesund nicht, was erkrankt. Der Schund,
Genau den, welcher, ließe man es schleifen,

Rasch um sich griffe, ließe man ihn reifen,
Ist es, dem es zu wehren gÀlte. Grund,
Sich zu ereifern, man tut’s lautstark kund,
Nach allen Regeln höchster Kunst zu keifen!

Das ist der Fluch, den ich hier jetzt verfluche:
Er schleicht sich ein, er macht sich breit, kennt keine,
Ich wiederhole, Gnade mit den Texten!

Ob ich mich nochmal am Sonett versuche?
Ach, geht mir weg und lasst mich doch alleine,
Mit diesem ganzen Formkram, dem verhexten!

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Version vom 03. 02. 2012 21:06
Version vom 03. 02. 2012 21:39

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Label
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Lieber Walther

wie ich es lese, ist das ein Scheinwerfer auf die Frontlinie zwischen Formstrengen und Formlaxen.
Humorig empfinde ich die Wortwahl keifen und verflixten Formkram, die die weitest entfernten Positionen in ihrer Unnachgiebigkeit spiegeln.

Hier
Ist es, dem es zu wehren gÀlte. Grund,
hat sich mein Sprachempfinden gestrÀubt, war mir aber unsicher, ob das wie bei so vielen Worten, eine inzwischen veraltete Form sein könnte.

zufÀllig habe ich das gefundenHier klicken gölte giltet immer noch.

mit einem lieben Gruß
Label

PS Das Sonett gefÀllt mir gut
__________________
sie lasen soeben die buchstabenfolge, zensiert nur von eigener meinung

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Bernd
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Hier Hier klicken beschreibt Pia Helfferich das Petrarca-Sonnett, leider ohne Quellenangaben.

Wenn man vergleicht, stellt im vorliegenden Text die Erste Strophe die These auf, die zweite gibt die Antithese und die dritte die Synthese.

Die erste Strophe zeigt frĂŒhere Erfahrungen und wehrt dem Fluch, die zweite Strophe lĂ€sst ihn zu und fĂŒhrt ihn zu einer Art Extase.

Die letzten sechs Verse fĂŒhren zu einer Synthese, die den Fluch durch das Schreiben von Sonetten ersetzt und zugleich das vorliegende selbstbezĂŒglich macht.
__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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Walther
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Lb. Maren,

danke fĂŒr Deinen lieben Eintrag. Es freut, wenn ein Gedicht gefĂ€llt, also Freude macht.

LG W.

Lb. Label,

in der Tat gĂ€lte auch gölte, oder, anders herum, gölte gĂ€lt. Nachdem es galt, wenn es gegolten hĂ€tte, hieß ichs gĂ€lten, was hoffentlich das Lesen nicht vergĂ€llte.

Man darf eines, denke ich, nicht tun: bei allem verbissenen Ringen um die perfekte Form die Ironie, den Humor und den Spaß am Schreiben verlieren. Und die gute Form kann einen schon zur Verzweiflung bringen, wem sage ich das!

Danke und lieber Gruß W.

Lb. Bernd,

in der Tat ist das nicht ganz die Petrarca Form. So wÀre es richtig(er):

Hast Du von Liebe sprechen wollen? Sprache,
Vom Wunderbarsten inspiriert: Sie streichelt
Den Traum von NĂ€he in die Haare, schmeichelt
Sich ein in meinen Tag. Die schönste Sache
Ist mir das Sehnen, das nie wirklich endet,
Und wÀr die Liebe auch perfekt geheuchelt,
Am nÀchsten Tag mit wenig Stil gemeuchelt,
Das Sehnen ist‘s, das Angst in Hoffnung wendet.

Ich möchte sehnen! Wie ich mich verzehre:
Der Schmerz ist sĂŒĂŸ, der die ErfĂŒllung sucht!
Dein Duft, an dem ich, ahnend, Dich erkenne,
Polt spielend mich auf Dich wie die Antenne,
Als wÀre er der Trigger einer Sucht:
Ich freu mich daran mehr, als dass ich wehre.

Der Inhaltsaufbau und die Reim in den beiden Terzetten stimmt aber schon mit dem Original recht gut ĂŒberein.

Vielen Dank fĂŒr Deine AusfĂŒhrungen zur Form und Deine Hinweise!

LG W.

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Bernd
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Mir fĂ€llt gerade sehr stark die kunstvolle Darstellung des VerhĂ€ltnisses von Schriftsteller und Kritiker auf, einschließlich des "Selbstkritikers", ebenso wie der schöpferische Akt des Dichters, der wieder und wieder feilt, um die treffendsten Worte zu finden, stets mit sich selbst verhandelnd, wie es am besten getroffen wird, zu treffen ist.

Ist es besser, die Form zu verlassen, oder sie zu treffen? Wie dĂŒrfen Abweichungen sein?
All dies wird im Gedicht besprochen.
Und alles ist wunderbar selbstbezĂŒglich ironisch und zyklisch.
__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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Walther
Routinierter Autor
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Lb. Bernd,

danke fĂŒr Deinen Eintrag. Er ermutigt, solche Mehrebenentexte zu machen.

LG W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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