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Dabei sein ist alles
Eingestellt am 18. 08. 2004 08:05


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Michael Schmidt
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Registriert: Jan 2002

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Dabei sein ist alles

Dabei sein ist alles. Ein Grundsatz. Eigentlich DIE olympische Regel. Ist doch der olympische Gedanke die Völkerverbindung, unabhÀngig vom Klassendenken, unabhÀngig vom Leistungsdenken.

Damit sollte sich Olympia von den anderen großen Sportveranstaltungen trennen. Die gibt es zuhauf. Tour der France, Fußballweltmeisterschaft, die Leichtathletik- oder die Schwimmweltmeisterschaft, die Grand Slam Turniere oder nennen wir auch die Vierchanzentournee, um auch dem Wintersport eine ErwĂ€hnung zu geben.

Diese Veranstaltungen drehen sich um den Mittelpunkt Geld. Bei den großen Leichtathletikturnieren kann man durch einen Seriensieg pures Gold gewinnen, die Preisgelder der großen Tennisturniere dĂŒrften jedem bekannt sein. Ebenso die GehĂ€lter der Fußballprofis, die allenthalben aus diesem Grund in der Kritik stehen.

Nun, Olympia ist anders. Nein, Olympia war anders. Gab es doch eine BeschrĂ€nkung der Teilnehmer. Nur Amateure, keine Profis. Nun gibt es Sportarten wie Fußball, da ist dann ĂŒberhaupt kein Wettbewerb mehr möglich, da man bis in die vierte deutsche Fußballklasse herabsteigen muss, um einen Spieler zu finden, der zumindest offiziell als Amateur gilt. Fußball ist da Vorreiter, manch andere Sportart zog nach, so interessiert sich heute niemand mehr fĂŒr den Amateurstatus. Kohle ist in, getreu dem Motto „Geiz ist geil“. Das bundesdeutsche Zentrum ist das monetĂ€re Gewissen.

Auch in Ordnung. Wer will schon ewig in der Vergangenheit leben. Die Welt bleibt nicht still, die Globalisierung schreitet voran und der Völker verbindende Gedanke sind die Euros und Dollars. Der Kommerz ist die Allmacht. Olympia sei Dank, hat das IOC Fernseheinnahmen von 2, 3 Milliarden Euro, die 3er-Grenze steht dicht bevor.

Doch wĂ€re das noch lange kein Anlass fĂŒr diese Kolumne. Kommen wir zum Ausgangpunkt zurĂŒck.
Dabei sein ist alles.
Oder: Möge der Bessere gewinnen.
Stimmt dieser Satz? Gibt es den Respekt fĂŒr den Gegner? Und auch die Anerkennung, gewollt zu haben und das Beste zu geben, aber trotzdem weder auf den vorderen RĂ€ngen noch in der NĂ€he der persönlichen Bestleistung zu sein?

Ich finde es gelinde gesagt zum Kotzen. Den Schwimmern wird ein Desaster zugeschrieben, und sie sind bestimmt nicht die einzigen. Die Fußballer durften dies bei der vergangenen Euro erleben.
Niederlage gleich Versagen.
So lautet die deutsche Formel. Sieger werden gepuscht, gefördert und im SchwĂ€chefall gnadenlos ausgepfiffen. Verlierer mit Schimpf und Schande aus dem Lande verjagt. Eine Übertreibung meinerseits, doch der Tenor der Medien trifft dies genau. Verbal gibt es eine Attacke fĂŒr die Verlierer. Und das in beispielloser Einigkeit, egal ob Zeitung, Radio, Fernsehen oder das Internet.

Selbst in der Politik findet man das Gleiche. Verlierer darf es nicht geben. Keinen RĂŒckschritt, egal ob PraxisgebĂŒhr oder eine Steuerreform. Niemand will etwas verlieren. Niemand kann etwas verlieren. FĂŒr Verlierer gibt es keine gesellschaftliche Akzeptanz.
Gerne möchte jeder BĂŒrger den momentanen Zustand geĂ€ndert haben. Nur möchte er nicht zu den Verlierern gehören. Die anderen haben doch wesentlich mehr, fangt doch erst einmal da an.

Dabei sein ist alles. Jemand, der bei einem olympischen Turnier ist, hat schon eine große Leistung vollbracht. Er gehört zu den Besten der Welt. Und auf jeden Fall zu den Besten seines Landes. Es heißt doch richtig:
Der Bessere soll gewinnen. Man muss doch auch neidlos anerkennen können, dass es nicht fĂŒr den Sieg gereicht hat. Vielleicht ist man nicht so leistungsfĂ€hig wie sein Gegner. Vielleicht war es einfach nur die Tagesform, die eine Bestleistung verhindert hat.

Erinnert sich jemand an WettkĂ€mpfe, in denen der Teilnehmer aus einem kleinen Land zwei Runden nach dem Vorletzten ins Ziel kommt, sich verausgabt hat und trotzdem vor Freude weint, weil er dabei war. Komischerweise erkennen die Zuschauer so etwas an. Bei einem Deutschen wĂŒrden sie es nicht.

Dabei sein ist alles. Auch in der Leselupe erkennt man den krampfhaften Leistungsgedanken. Bitte keine treffende Kritik, man könnte ja das Gesicht verlieren. Bitte ein Lob, damit der Leistungsgedanke erfĂŒllt ist.

Dabei sein ist alles.
Heißt auch, zufrieden mit dem eigenen Schicksal zu sein. Freude zu verspĂŒren, dass man lebt, dass man gesund ist, dass man einen intakten Freundeskreis hat.
Positives Denken.
Das wĂŒnsche ich uns allen. Denn:
Dabei sein ist alles.

__________________
Der ErnstFall Michael Schmidt

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