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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Daily Business
Eingestellt am 14. 02. 2017 08:16


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Reginald Schuh
Hobbydichter
Registriert: Feb 2017

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Meine Augen öffnen sich langsam, als das grĂŒnstichige Licht den Raum zu erhellen beginnt. Das GerĂ€usch von Vogelgezwitscher entreißt mich endgĂŒltig Morpheus Armen. Ich rolle mich zur Seite, setze mich auf und beginne den Tag wie den letzten, sowie den davor. Allein. Die schwarzen, kahlen WĂ€nde strahlen SterilitĂ€t aus. Sie sind sauber, wie auch der Rest des Raums. Denn dies ist mein Job, naja zumindest ein Teil davon. Ich stehe auf, fordere die AI auf die Toilette freizugeben und setze mich wieder. Diesmal auf meinen Thron. Nachdem dieser, auf Körpertemperatur erwĂ€rmt, aus der Wand gefahren ist. Von der Ablage daneben greife ich meine SchallzahnbĂŒrste. Ich arbeite maximal effektiv. Nicht weil ich effizient sein möchte, sondern um lĂ€nger schlafen zu können. Nach getaner „Arbeit“ stelle ich mich vor den Spiegel und entleere den Inhalt meines Mundes in das darunter befindliche Becken. Ein kurzer Blick auf mein Kinn sagt mir, es ist noch nicht Zeit sich wieder zu rasieren. Überhaupt habe ich den Bartwuchs eines ZwölfjĂ€hrigen. Absolut okay, weniger Arbeit. Die dunklen Haare auf meinem Kopf sind zu kurz um sie mit Wachs oder Spray zu formen. Das ist auch gut so. Meine Haut ist blass. Werde ich krank? Ich glaube nicht. Selbst wenn es so wĂ€re, ich könnte es nur schwer vom Normalzustand unterscheiden. Hier unten gibt es kein Sonnenlicht, nur gedimmtes kĂŒnstliches. Kein Wunder, dass ich so aussehe. Wenigstens habe ich keine dunklen Ringe unter den Augen. Überhaupt finde ich, dass ich mich fĂŒr Mitte dreißig gut gehalten habe. Auch wenn sich ein kleiner Anstandsbauch entwickelt hat, sieht man mir meine sportliche Vergangenheit noch an. Nachdem ich meine schwarze SchlafwĂ€sche durch meine weiße Dienstkleidung ersetzt habe, betĂ€tige ich die Stechuhr und verlasse Zelle CCII224.

Dies ist ĂŒbrigens auch meine Dienstnummer. Sie ist auf meinem rechten Unterarm tĂ€towiert. Auch wenn ich bereits seit drei Monaten hier bin, die Stelle juckt nach wie vor. Aber was macht man nicht alles fĂŒr Geld. Und da ich hier Kost, Logis und Entertainment gestellt bekomme, wird das einiges sein, wenn meine Zeit hier zu Ende ist.

Mein Weg fĂŒhrt mich durch die lang gezogenen, schwarzen GĂ€nge, direkt zum Personalraum. Hier warten in der Regel Kollegen, FrĂŒhstĂŒcksrationen und Kaffee zum „Kickstarten“ auf mich. Der Raum ist klein, sauber und hat neben KĂŒche sowie Klo, einen Esstisch samt StĂŒhlen. Er ist schwarz gefliest und mit schwachem, grĂŒnlichem Licht ausgeleuchtet. Ich setzte mich mit meinem „Fit-fĂŒr-dem-Tag-Paket“ an den Tisch. Die Rationen in Breiform sehen weder appetitlich aus noch schmecken sie besonders gut. Doch man gewöhnt sich daran. Mir gegenĂŒber sitzt Howard. Mit locker zwei Metern GrĂ¶ĂŸe sieht es so aus, als ob er am Kindertisch sitzen wĂŒrde. Seine schlanke Gestalt lĂ€sst ihn fast dĂŒrr wirken. Wer allerdings schon mal gesehen hat, wie leicht er eine Leiche schultert, kann bestĂ€tigen, dass er nebst Haut und Knochen auch drahtige Muskeln unter seiner Kleidung verbirgt. Bei dieser hatte er wahrscheinlich die Wahl zwischen „richtige LĂ€nge aber zu weit“ oder „zu kurz und dafĂŒr eng anliegend“. Offensichtlich hat er sich fĂŒr letztere Variante entschieden. Dies verstĂ€rkt den Eindruck er sei entweder zu groß fĂŒr sein Umfeld oder alles Andere sei zu klein fĂŒr ihn. Sein langer Kiefer streckt das Gesicht, sodass es sogar zu groß fĂŒr seine kleinen Augen und die schmalen Lippen zu sein scheint. Einzig seine flache aber lang gezogene Nase schĂŒtzt das Gesicht davor auf der FlĂ€che verloren zu wirken. Umrahmt wird es von leicht abstehenden Ohren und seinem flach anliegenden, strengen Seitenscheitel. Ich begrĂŒĂŸe ihn: „Gudn morgen Howy. Gut geschlafen?“ Howard hebt seinen Blick in meine Richtung und verzieht die Lippen zu etwas, dass ein gequĂ€ltes LĂ€cheln sein könnte: „Ich hab dir gesagt, dass ich es nicht mag, wenn du mich so nennst, August! 
 Und ja meine Nacht war ruhig. Ich musste nicht raus, falls du das meinst.“ Ich schmunzele ĂŒber meine kleine Nicklichkeit. Howard ist gut mit Worten. Mit Geschriebenen zumindest. Er liest gerne und schreibt viel in seiner freien Zeit. Leider sind seine Antworten kurz, prĂ€zise und in der Regel auch gleich das Ende der Konversation. Ich versuche es erneut, vielleicht schlĂ€gt der Blitz ja heute zweimal ein. „Was gibt es heute bei dir zu essen?“ Er verzieht das Gesicht. Erschöpft, fast schon genervt von meiner HartnĂ€ckigkeit, atmet er hörbar durch die Nase aus, schaut mich an und kneift dabei seine Augen zusammen. „Matsch 
 HĂŒhnchen Matsch!“ Mit einigen schnellen ZĂŒgen leert er seine Ration. Fast wie ein Pelikan der einen ganzen Fisch herunter schlingt. Er nimmt seinen Kaffee, steht auf und verlĂ€sst dem Raum. Als er geht, fallen mir wieder, wie sooft, die Narben an seinen Unterarmen auf. Sie lugen unter den zu kurzen Ärmeln hervor. Wahrscheinlich hat er seine GrĂŒnde warum er niemanden an sich heranlĂ€sst.

Neben Howard und mir arbeitet noch Robert in unserem Sektor. Bei ihm bin ich mir nicht sicher, warum er diesen Job angenommen hat. So wie ich ihn kennengelernt habe, scheint es, dass er einen ziemlich ausgeprĂ€gten Sexualtrieb hat. Was an diesem Ort eher unpraktisch ist. Denn soweit ich es beurteilen kann, gibt es kein weibliches Personal, bei dem er mit seiner Art landen könnte. Ich fĂŒr meinen Teil, versuche nach Möglichkeit nicht mit ihm allein zu sein. Da ich mit der FrĂŒhstĂŒcksroutine fertig bin und Robert nicht zu sehen ist, fange auch ich lieber mit der Arbeit an, bevor sich das Ă€ndert.

Die langen, schmalen GĂ€nge wirken klaustrophobisch fast wie ein Labyrinth. Ihre dunklen FlĂ€chen werden durch grĂŒnes Licht in Boden und Decke illuminiert. Als dieser Ort geschaffen wurde, lag die PrioritĂ€t offensichtlich auf der Maximierung der Einheitenanzahl und nicht auf LebensqualitĂ€t. Warum auch? Wenn man sich auskennt und aufhört sich zu verlaufen, ist es ĂŒberraschend wie zĂŒgig man sich an dieses Umfeld gewöhnt. Leicht schlurfend bewege ich mich Richtung Lager. Auf dem Weg dahin begrĂŒĂŸen mich zahlreiche Reinigungsroboter. Kleine fleißige Scheiben, die ĂŒber die Wege flitzen. Auf der Suche nach Staub, Dreck, Hautschuppen oder Haaren. Was zu Boden fĂ€llt und dort nicht hingehört wird aufgenommen und schließlich in der nĂ€chstgelegenen MĂŒllluken entsorgt. Wo geht der ganz Dreck bloß hin? Egal. Meine FĂŒĂŸe haben mich, fast ohne mein Zutun zur ersten Station der Arbeit getragen. Das Lager. Es ist zwar nur ca. 10 Meter breit aber dafĂŒr mehrere Hundert Meter tief. Vom Mittelgang fĂŒhren auf beiden Seiten zahllose Regale in Richtung der WĂ€nde. Die meisten davon leer. Das Lager ist nur etwa zu einem FĂŒnftel gefĂŒllt. Dem Personal wurde mitgeteilt, dass es regelmĂ€ĂŸig aufgefĂŒllt wird. In den drei Monaten, seitdem ich hier arbeite, ist dies noch nicht geschehen. Hoffentlich warten „die da oben“ damit nicht bis zur letzten Kiste. Ansonsten könnte die Stimmung hier unten sehr schnell kippen. Naja diese BrĂŒcke passieren wir, sobald wir sie erreichen. Ich nehme mir einen der Rollwagen und befĂŒlle ihn mit Pappkartons. Dann rolle ich, „Morning has broken“ vor mir her summend, den Gang entlang.

Die Schleuse zu meinem Sektor fordert einen Retinascan so wie meinen Zugangscode. Nachdem ich diese passiere, komme ich zum Bereich 7G. Langsam nĂ€here ich mich dem ersten Raum und schaue vorsichtig durch die Glasfront. Da ist sie. Tanzend wie eine Ballerina zieht sie ihre Runden durch den weißen Raum. Ihre Haut ist blass, sogar blasser als meine. Kurze, braune Haare umspielen ihr Gesicht. Die zierliche Statur lĂ€sst sie fast wie eine Elfe wirken. Sie schwebt fast ĂŒber dem Boden und dreht dabei eine Pirouette nach der anderen. Wie jeder Patient trĂ€gt sie einen weißen Einteiler. Ihre Schuhe sind abgewetzt ebenso der Boden. Als sie mich sieht, meine ich etwas wie ein LĂ€cheln zu erkennen. Mit kleinen, schnellen Schritten nĂ€hrt Sie sich der QuarantĂ€neklappe. Ich öffne eine Konserve, leere den Inhalt auf das Plastiktablett, stelle es vorsichtig in die Schleuse und schließe auf meiner Seite die Klappe. Mit einem Druck auf den Freigabeknopf öffnet sich ihre Seite. Sie stĂŒrzt sich darauf, als hĂ€tte ich sie wochenlang hungern lassen. Vor der GerĂ€uschkulisse von Schlingen, Schmatzen und animalischem Stöhnen betrachte ich Reste in der Konserve. Auf ihrem Etikett steht „Gehirn: nach dem Öffnen haltbar bis Ende“. „Mmmmh Hiiiirn...“, sage ich leise.
__________________
Mmmhhhh ... jaaaa ... gleich hab ich es... verdammt ... mir fÀllt nix ein ... spÀter ... vielleicht ... wahrscheinlich nicht -.-

Version vom 14. 02. 2017 08:16
Version vom 19. 02. 2017 17:54
Version vom 19. 02. 2017 20:37

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Hallo Reginald Schuh, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Schön, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem Maße an neue Mitglieder richtet. Hier klicken

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Eine unheimliche Geschichte, die nach Fortsetzung ruft! Einige kleine Rechtschreibfehler solltest Du noch verbessern.


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Reginald Schuh
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Hallo DocSchneider,
vielen Dank fĂŒr den netten Empfang.

Ich habe als Erstes beide Foren besucht und bin nun im Bilde.
Nachdem ich die Geschichte einige Tage habe ruhen lassen, sind mir Stellen aufgefallen, die ich jetzt abgespeckt habe. Ich denke, es lĂ€sst sich nun schon flĂŒssiger lesen.
Der Hinweis auf die Fortsetzung freut mich sehr. Die Idee der Geschichte ist eher ein Zwei- oder sogar Dreiteiler. Ich hoffe, dass ich den richtigen Punkt fĂŒr den Cut gefunden habe.

Ich freue mich ĂŒber konstruktive Kritik.
MfG
Reg Schuh

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Hallo Reginald Schuh,

der Text ist nach der Korrektur schon viel besser. Ich wĂŒrde nur noch mindestens einen Absatz im letzten Teil einbauen, weil dieser einfach zu lang ist und man so beim Lesen ermĂŒdet.

Der Cut ist an der richtigen Stelle, denn der Leser will natĂŒrlich wissen, welches Wesen da so auf Hirn steht.

Viele GrĂŒĂŸe,

DS
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Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals ermĂŒdendem Lesen. (Virgina Woolf)

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