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Leselupe.de > Kurzgeschichten
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Eingestellt am 09. 05. 2014 22:48


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Susanne Kolbach
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Registriert: May 2013

Werke: 9
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Er konnte ihr etwas geben, das sie so nicht von ihm erwartet h├Ątte und das noch niemand zuvor geschafft hatte. Wenn er sie in die Arme nahm, sie seine warme Haut sp├╝rte, dann war es f├╝r Anna, als sei die Welt dort drau├čen abgeschaltet. Sie war einfach nicht mehr vorhanden und es existierten nur noch dieser Mann und sie. Anna war dann wunschlos. Danach hatte sie sich immer gesehnt und sie hatte nicht gedacht, dass sie das einmal erleben w├╝rde.

Wenn sie bei ihm war, war sie frei. Einmal hatte sie bei ihm ├╝bernachtet, ein kompliziertes Unterfangen, denn ihr Gewissen hatte ihr tagelang zu schaffen gemacht. Und dann war sie einfach nicht nach Hause gefahren, sondern zu ihm. Es war schon sp├Ąt gewesen und er hatte sie einfach aufgefordert, in sein Bett zu klettern und dort einzuschlafen. Und dann lag sie dort, lauschte auf seinen regelm├Ą├čigen Atem, sie hatte ihre Arme um ihn geschlungen und konnte nicht glauben, was sie da tat. Sie f├╝hlte sich wie vor drei├čig Jahren, als h├Ątten die Jahre dazwischen nie existiert. Und auch ihr bisheriges Leben nicht. In ihrem Kopf schwirrte es, ihre Gedanken gaben keine Ruhe. Zum einen war es so unglaublich sch├Ân, zum anderen zu sch├Ân, um es auszuhalten. Das hatte sie nicht verdient und sie bek├Ąmpfte den Impuls, sich wieder anzuziehen und nach Hause zu fahren, dort hin, wo sie hingeh├Ârte.

Als sie nach dieser Nacht nach Hause kam, fragte ihr Mann, wo sie gewesen sei. Er sah traurig aus und hatte einen ruhigen Tonfall. Sie sagte: ÔÇ×Weg.ÔÇť und ging in die K├╝che, um sich eine Tasse Kaffee zu holen. Dann kam von ihrem Mann nichts mehr und sie atmete auf. Er wusste es. Er wusste, was sie tat und er wusste auch, wo sie gewesen war, da war sie ganz sicher. Und es h├Ątte nichts ge├Ąndert, wenn sie es ihm gesagt h├Ątte. Sie waren aufeinander angewiesen, sie und ihr Mann. Und deshalb kam es auch nicht mehr zur Sprache.

Anna duschte zwei Tage nicht, um Carstens Geruch nicht zu verlieren. Und sie hatte keinen anderen Gedanken mehr als diese eine Nacht, die die einzige bleiben w├╝rde. Von da an ertappte sie sich oft dabei, dass ihre Gedanken aus dem ├╝blichen Karussell ausbrachen. Sie hatte st├Ąndig Carstens Augen im Kopf, braune, wunderbare, mit einem z├Ąrtlichen Blick. Wenn sie ihre Augen schloss, konnte sie seine Haut f├╝hlen, warm und mit kleinen weichen H├Ąrchen bedeckt, sie konnte f├╝hlen, wie sie seinen Kopf ber├╝hrte (das mochte sie wirklich), das millimeterkurze Haar streichelte, die Konturen seines sch├Ânen Gesichts nachzog und dann sein Mund! Diese perfekt geformten Lippen, die viel zu selten l├Ąchelten, die sie so gerne auf ihrem K├Ârper f├╝hlte. Sie fragte sich jeden Tag, ob sie verliebt war. Das w├Ąre schlecht, denn Carsten sollte nur ihre Aff├Ąre sein, ihre Insel im Alltag, auf die sie sich fl├╝chten konnte. Sie befand sich in einer tiefen Lebenskrise, so schlecht war es ihr noch nie ergangen. Sie hatte ihre berufliche Existenz verloren, die Beziehung zu ihrem Mann war mehr freundschaftlich als partnerschaftlich, und wenn sie ganz ehrlich zu sich selbst war, wollte sie eigentlich nur noch, dass dieses Leben aufh├Ârte, aber selbst dazu war sie zu feige.

Erst dachte sie, Carsten w├╝rde ihr Trost spenden in ihrem Ungl├╝ck. Aber so war es nicht. Sie w├╝nschte sich auf einmal, zum ersten Mal in ihrem Leben das Gef├╝hl zu haben, angenommen zu sein und geborgen. Und das konnte Carsten ihr geben und er ahnte das bestimmt nicht einmal. Und selbst wenn, war es ihm mit Sicherheit gleichg├╝ltig. Er suchte nur eine Aff├Ąre, hatte er klar gestellt, zwar langfristig, aber sein Herz k├Ânne sie nicht haben, da lie├če er nie wieder eine Frau hinein. Dass das stimmte, hatte sie schon l├Ąngst festgestellt. Denn eines Tages fing er an zu erz├Ąhlen, von seiner ehemaligen Lebensgef├Ąhrtin und sie hatte danach den Eindruck, er sei von dieser Frau besessen. Es machte ihr nicht aus und so war sie sich ganz sicher, nicht verliebt zu sein. Sie war n├Ąmlich ├╝berzeugt davon, das gar nicht zu k├Ânnen, sich zu verlieben, zu lieben. Oft haderte sie mit sich, irgendetwas mit ihr sei nicht in Ordnung. Jeder konnte sich verlieben, sie selbst konnte das nicht. Sie konnte wohl Z├Ąrtlichkeit geben, weil es ihr ein Bed├╝rfnis war, zu Carsten z├Ąrtlich zu sein. Aber ihr Herz r├╝hrte sich nicht. Und das machte sie eigentlich noch trauriger, als sie es ohnehin schon war.
Dann ├Ąnderte sich etwas. Carsten fing an, ihr seltsame Nachrichten zu schicken. Er sei furchtbar traurig und verzweifelt, er fragte sich, was er auf dieser Welt eigentlich verloren h├Ątte und er w├╝nsche ihr Alles Gute, er wollte nicht mehr. Anna war erschrocken, als sie das las, wie versteinert wartete sie, ob noch eine Nachricht folgte. Aber erst nach ein paar Tagen kam ein Herzchen und sie wusste, es war wieder gut. Sie atmete auf. Der Gedanke, ihn nicht mehr umarmen zu k├Ânnen, hatte ihr sehr zugesetzt und sie hatte sich gefragt, wie sie das blo├č aushalten sollte, ihn nie wieder zu sehen. Sie verabredeten sich ein paar Mal, aber jedes Mal sagte Carsten kurz vorher den Termin ab und Anna wurde krank.
Sie litt seit ├╝ber 20 Jahren an einer Erkrankung, mit der sie bisher gut leben konnte und sie kaum beeintr├Ąchtigte, aber diesmal war es so schlimm, dass sie das Haus nicht verlassen konnte. Sie war so geschw├Ącht, dass ihr die Tr├Ąnen kamen und sie meist den Tag verschlief. Hatte sie ihren Alltag bisher wenigstens einigerma├čen geregelt bekommen, funktionierte jetzt nichts mehr. Sie musste sich vollkommen auf ihren Mann verlassen, der alles regelte, der ihr Medikamente besorgte und den Haushalt erledigte, w├Ąhrend sie dumpf vor sich hinbr├╝tend auf der Couch lag und nicht mehr sprach. Sie f├╝hlte sich minderwertig und schuldig, dass sie ihm alles aufb├╝rdete und sie selbst zu schwach war, ├╝berhaupt nur zum Briefkasten zu gehen. Sie f├╝hlte sich von ihrem K├Ârper im Stich gelassen und hasste die ganze Welt und ihr Dasein im Besonderen.
Sie schrieb mit Carsten, erw├Ąhnte jedoch ihre Krankheit mit keinem Wort. Carsten schrieb, er habe eine schwere Depression. Frag mich mal, dachte sie ver├Ąchtlich. Wie kann man nur so rumjammern! Anna jammerte nicht, sie sprach einfach nicht, sie sah ihren Mann nur mit gro├čen Augen an und zog sich dann die Decke ├╝ber den Kopf. Dann ging es ihr nach ein paar Wochen etwas besser, sie konnte wieder stundenweise die Wohnung verlassen. Und wenn sie in den Spiegel sah, h├Ątte sie am liebsten gespuckt. Sie sah aus wie ein Gespenst, als sei sie schwer krank gewesen. Das war sie ja auch, aber sie war nicht zum Arzt gegangen, weil sie ja nicht rausgehen konnte. Das war allerdings nur der offizielle Grund. Eigentlich w├╝nschte sie sich, einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen. Aber anscheinend hatte sie es nicht verdient, einfach abzutreten und so musste sie sehen, wie sie mit ihrem ÔÇ×RestlebenÔÇť, wie sie es bei sich nannte, klar kam.
Dann meldete sich Carsten vier Wochen nicht. Zuerst hatte sie gedacht, er sei mutiger als sie und h├Ątte seinem Leben ein Ende gesetzt, immerhin hatte er dauernd davon gesprochen. Aber sie sah sich nicht in der Lage, sich seines Schmerzes anzunehmen, weil ihm das nicht helfen w├╝rde und sie sowieso nur Kraft f├╝r sich selbst hatte. Also schrieb sie seinem Freund eine Nachricht, er sollte bitte nach Carsten schauen, sie selbst k├Ânne es nicht. Und dann kam die Krankheit wieder mit aller Kraft und Carsten verschwand aus ihrem Ged├Ąchtnis, nur manchmal, wenn sie nachts wach lag, w├╝nschte sie sich, in seinem Bett zu liegen.

Nach diesen vier Wochen und acht Wochen nach Beginn ihrer Krankheit kam eine Nachricht. Er vermisse sie so sehr. Ob sie sich noch einmal sehen k├Ânnten. Anna dachte, warum nicht, ich bin wieder in der Lage dazu und es w├Ąre ja sch├Ân, sich von ihm lieben zu lassen, damit sie sich begehrt und geborgen f├╝hlte und sie sagte zu. Sie fuhr morgens in aller Fr├╝he zu ihm, er erwartete sie ungeduldig an der Wohnungst├╝r und als er sie heftig umarmte, f├╝hlte sie, wie sehr sie ihn vermisst hatte. Was ist das? fragte sie sich verwundert. Und dann sagte er, er liebte sie. Er liebte sie so sehr. Anna konnte damit nichts anfangen, sie selbst hatte noch nie zu jemandem gesagt, ihn zu lieben. Auf diese Idee w├Ąre sie gar nicht gekommen, Liebe fand in ihrem Leben nicht statt. Also die Liebe, von der die Welt sprach und die so unglaublich wichtig schien. Sie kannte das nicht. Und oft hatte sie schon ├╝berlegt, ob sie damit anderen Menschen, die an der Liebe verzweifelten, etwas voraus hatte.

Sie liebten sich stundenlang, z├Ąrtlich, leidenschaftlich und sie f├╝hlte einen Anflug von Gl├╝ck. Oder das, was sie daf├╝r hielt. Jedenfalls war es ein sch├Ânes Gef├╝hl. Und als er sagte, sie sei seine und er geh├Âre ihr, legte sie den Kopf an seine Brust und w├╝nschte sich, nie wieder woanders zu sein. Dieses Spielchen, sich gegenseitig zu geh├Âren, hatte sie einmal entz├╝ckend gefunden. Aber jetzt f├╝hlte sie, dass es etwas anderes war als ein Spiel. Sie h├Ârte ihm einfach nur zu und streichelte ihn. Er w├╝sste, sie w├╝rde ihn lieben und irgendwann k├Ânne sie ihm das auch sagen. Er liebte sie und w├╝sste, sie glaubte ihm nicht, aber er w├╝rde es ihr beweisen. Er hat es gut erkannt, dachte sie, als sie die T├Ątowierung k├╝sste, die sie besonders mochte. Sie glaubte ihm nicht. Allerdings hatte sie noch keinen Grund daf├╝r gefunden. Es war ein Gef├╝hl. Er wollte etwas von ihr. Etwas, das sie ihm nicht freiwillig geben wollte. Sie wusste nur nicht, was es war.
Sie dachte noch tagelang dar├╝ber nach, sie trafen sich und jedes Mal beteuerte er seine Liebe zu ihr so plakativ, dass es einfach gelogen sein MUSSTE. Und dann erfuhr sie, was es war. Er bat sie, ihn zu schlagen. Mit einem G├╝rtel. Sie konnte es nicht glauben und w├Ąre fast in Tr├Ąnen ausgebrochen. Dann tat sie es, weil er sie darum gebeten hatte. Nachher h├Ątte sie am liebsten vor sich ausgespuckt. Sie hatte dem Mann, zu dem sie nur z├Ąrtlich sein wollte, Schmerz zugef├╝gt, weil er es so wollte.
Beim n├Ąchsten Treffen tat sie es wieder und sie trauerte dem nach, warum sie eigentlich hierher gekommen war und es jetzt nicht mehr bekam. Dann, er lag in ihrem Arm, sagt er, er w├╝rde in Therapie gehen. Sie sagte, Depressionen, und er antwortete, nein, Drogen. Sie erstarrte. Und dann erz├Ąhlte er ihr seine Lebensgeschichte und sie dachte, er sieht es nicht. Er sieht nicht, was er gemacht hat, er sieht nur seine Depression. Wie kann das sein? Er hat bereits einen Entzug hinter sich und sieht nicht, was ihn wieder dazu getrieben hat.

Sie traf ihn trotzdem noch einmal. Sie konnten den ganzen Tag miteinander verbringen, weil sie den erneuten Anflug der Krankheit unterdr├╝ckt hatte mit einem Medikament, dass sie sich von jemandem erbeten hatte. Ich bin auch nicht besser als er, dachte sie, als sie ihn sah. Nachdem sie sich geliebt hatten, bat er sie um etwas, das nicht ihrer Neigung entsprach. Sie habe das noch nie gemacht, sagte sie schaudernd. Ach, er w├╝rde es ihr schon beibringen. Er habe es jeder bisher beigebracht. Jeder? Ja, du bist quasi im Trainingslager. Was? Nimm die Hand von mir. Was f├Ąllt dir ein? Ich bin eine von Vielen? Willst du mir das sagen? Ich bin besonders, merk dir das. Und sie zog sich wortlos an und fuhr nach Hause.

Sie beschimpfte ihn in ihren Nachrichten und er schrieb, das w├╝rde er sich nicht gefallen lassen, das w├Ąre es dann gewesen. Ich hatte Recht, dachte sie. Er schrieb, er sei einer von den Ehrlichen, warum solle er sie bel├╝gen. Nein, dachte sie, du bist einer von den Bl├Âden. Du magst ehrlich sein, aber bist v├Âllig empathielos. Deine Strategien sind noch kindlicher als meine und wir w├╝rden ein feines Paar abgeben, einer d├╝mmer als der andere. Sie holte ihre Sachen ab, die sie noch bei ihm hatte. Sie war n├Ąmlich abergl├Ąubisch. Es w├╝rde erst vorbei sein, wenn sie nichts mehr verband. Er sah schlecht aus, konnte sie nicht ansehen und als sie sich kurz zu ihm setzte, legt er seinen Kopf an ihre Brust. ÔÇ×Es ist eben so.ÔÇť sagte sie teilnahmslos. ÔÇ×Ich w├╝nsch Dir alles Gute.ÔÇť ÔÇ×Meldest du dich mal, wie es Dir geht?ÔÇť rief er hinter ihr her. ÔÇ×Seit wann interessiert dich das?ÔÇť antwortete sie m├╝de und ohne sich noch einmal umzusehen, verlie├č sie die Wohnung.

Er schrieb ihr schon, da war sie noch auf dem Heimweg. Und sie tippte zur├╝ck, sie w├╝rde ihn immer lieben. Sie w├╝rde ihn immer lieben. Und dann wollte er sich mit ihr verabreden, er wolle ihr geh├Âren. Er wolle Schmerz f├╝hlen. Sie ├╝berlegte lange, was sie antworten sollte. Und als sie auf der Couch lag, schwach, in Tr├Ąnen aufgel├Âst, schrieb sie, er solle sich erst nach der Therapie wieder melden, das w├Ąre in ungef├Ąhr drei Monaten. Dann w├╝rde er sie vergessen haben, da war sie sicher. Sie f├╝hlte sich frei, als sie die Nachricht abgeschickt hatte. In drei Monaten w├╝rde sie sowieso nicht mehr leben, dachte sie und zog sich die Decke ├╝ber den Kopf.


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Es weint sich besser im Rolls Royce.
(Baronin Brandstetter)

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herziblatti
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Hallo Susanne, der Text f├Ąngt gut an, h├Ąlt aber nicht durch. Der Text will zuviel und ist sehr ungenau gearbeitet. Beispiel:

quote:
Einmal hatte sie bei ihm ├╝bernachtet, ein kompliziertes Unterfangen, denn ihr Gewissen...
was war daran kompliziert? Die Gewissensbisse kommen erst hintennach, sind demnach keine Erkl├Ąrung f├╝r das komplizierte Unterfangen - das ist ungenau, und solche Ungereimtheiten ziehen sich durch den ganzen Text, schade.
LG - herziblatti
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Warten, was der Fluss so bringt - Fritz Popp

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