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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Darf ich bitten ...
Eingestellt am 22. 03. 2015 17:28


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IDee
Festzeitungsschreiber
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Darf ich bitten?

Schon wieder einmal hat die Bahn VerspĂ€tung. Mein Gesicht spiegelt sich in den Scheiben, draußen ist es bereits dunkel. Ich sehe die Menschen auf der anderen Seite des Ganges. Einige lesen, andere schlafen. Ein PĂ€rchen kĂŒsst sich hingebungsvoll. Der Zug fĂ€hrt in die Haltestelle ein. Leute steigen aus, neue ein. Ein Mann mit akkurat sitzender Frisur, sein dunkles Haar ist silbern durchwoben und glĂ€nzend, spricht den ZugfĂŒhrer an. Ich verstehe nicht worĂŒber sie reden. Der Mann zĂŒndet sich nervös eine Zigarette an. SchĂŒtzend hĂ€lt er die linke Hand vor die Flamme.Er stĂ¶ĂŸt kleine weiße Ringe aus seinem Mund und wieder zieht er an dem StĂ€ngel. Auf ein Zeichen des ZugfĂŒhrers hin lĂ€sst er die Kippe fallen, rutscht ein paar Mal mit dem Fuß darĂŒber, dann betritt er den Zug.

Ich kenne ihn. Es ist Jahre her. Er trÀgt noch immer einen Anzug, doch heute wirkt er schÀbig. Seine Ausstrahlung ist trotzdem elegant wie eh und je. Ich sehe ihn noch vor mir.
Vor, vor, Wiegeschritt. Schwarze Hochglanz polierte Schuhe. RĂŒck, Seit`, Schluss. Lang, lang, kurz, kurz, lang. So habe ich seine Stimme noch im Ohr. Damals hatte er keine Bartstoppeln. Ich vergötterte ihn, hĂ€tte was dafĂŒr gegeben nur einmal in seinen Armen zu liegen. Slow, linker Fuß geknickt, slow, Haltung nach vorn, Valentino. Ja, Valentino benannt nach der Positur. Seine tiefschwarzen, fordernden Augen wirken heute nervös.
Trotzdem sein Gesicht ist nach wie vor geradezu aristokratisch.
Quick, quick, slow.

Du siehst mĂŒde aus. Damals war das anders. Sie, die blonde Schönheit, wenn sie den Raum betrat, brachte sie das Feuer in deinen Augen zum Lodern. Ich sehe es noch vor mir. Sie kam mit einem eleganten HĂŒftschwung, ihr Kopf mit dem Haarknoten am Hinterkopf bog sich herausfordernd nach hinten. Die Geige ertönte, schön und einfĂŒhlsam und dennoch in einem harten Takt.
Schwungvoll schleuderst du dein Jackett in die Ecke. Dein Hemd ist weit geöffnet, einige Brusthaare sind sichtbar. Sie hebt die Arme und winkelt ein Bein an, fast wie zum Sprung. Der Schlitz in Ihrem roten Kleid ist gewaltig, atemberaubend. Ihr Fuß sinkt zurĂŒck auf den Boden, sie dreht sich schnell einige male um sich selbst, um dann in deine Arme zu gleiten. Zwei kurze Schritte, einer langsam. Beide geht ihr in die Knie mit einem langgestrecktem Bein. Deine Hand liegt auf ihrem RĂŒcken. Eine Locke fĂ€llt dir in die Stirn. Sachte, eng aneinander geschmiegt richtet ihr euch auf, entfernt euch durch einige Drehungen. Mit exakten hĂŒftdrehenden Bewegungen nĂ€hert ihr euch. Eine Hand der Schönen liegt auf deiner Brust, du reißt ihren Körper an dich, ihr Bein schlingt sich um deinen Körper. Ihr seht euch in die Augen. Ihre HĂŒfte dreht sich auffordern hin und her wĂ€hrend ihr Bein locker und dennoch absolut korrekt im Takt schwingt. Der Geiger setzt den Bogen auf die Saiten, behĂ€nde zieht er ihn darĂŒber.

Regen klatscht gegen die Zugfenster. Die dicken Tropfen rollen herunter. Haltestelle. Aussteigen, einsteigen. Du wirkst nervös. Die TĂŒren schließen. Die Regentropfen fliehen. Quick, quick, slow. Fast bilde ich mir ein meine FĂŒĂŸe klopften den Takt.

Der Kragen deines Hemdes ist ausgefranst, der hat wohl schon bessere Tage gesehen. Die HÀnde versinken tief in deinen Taschen. Mit gesenktem Kopf bist du lÀssig an die Abteilwand gelehnt. Es scheint fast du schlÀfst.
Eins, zwei Wiegeschritt. Blick in die Augen, Kopf nach rechts, Wangen dicht aneinander. Das monotone GerĂ€usch des Zuges ermĂŒdet auch mich. Damals hielt mich die Eifersucht wach. UnbegrĂŒndet. Wir hatten nichts gemeinsam. Du hast mich nicht einmal gesehen. VerstĂ€ndlich. Ein LĂ€cheln huscht ĂŒber meine Lippen, bei der Vorstellung ich wĂ€re an ihrer statt gewesen. Ein scharfer Ton zieht durch das Abteil. Die Bremsen quietschen. Der Zug fĂ€hrt in den Bahnhof ein. Es regnet nicht mehr, nur ein paar einsame Tropfen bahnen sich ihren Weg ĂŒber die Scheibe. Die RĂ€der drehen langsamer, der Zug kommt zum stehen.
Menschen drĂ€ngen sich zur TĂŒr, auch du. Schon lĂ€ngst steckt wieder eine Zigarette zwischen deinen Lippen. Quick, quick, slow.

Ich weiß nicht woher ich den Mut nehme, doch ich sage einfach: „Entschuldigung, darf ich bitten? Könnten Sie mir helfen? Mein Rollstuhl passt so schlecht ĂŒber die Stufe.“


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rothsten
???
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Hallo IDee,

inhaltlich kann ich dem Text schon was abgewinnen. Formal betrachtet habe ich aber -neben kleineren Zeichenfehlern- ein massives Problem: Wer erzÀhlt hier eigentlich?

quote:
Mein Gesicht spiegelt sich in den Scheiben,

-> ZunÀchst ein Ich-ErzÀhler, erste Person

quote:
Du siehst mĂŒde aus. Damals war das anders.

-> dann weiter in der zweiten Person


quote:
Ich weiß nicht woher ich den Mut nehme

-> um schließlich wieder mit dem Ich-ErzĂ€hler abzuschließen.


Sicher, man kann den ErzĂ€hler wechseln. Es sollte aber Sinn machen. Ich erkenne hier keinen Sinn, im Gegenteil: Ich weiß mittendrin nicht, wer mit wem spricht. Das ist die logische Folge Deiner inkonsequenten ErzĂ€hl-Perspektive.

Sorry, aber mit diesem Wirrwarr kann ich wenig anfangen.

lg

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