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Leselupe.de > Ungereimtes
Darin ich: Geist
Eingestellt am 28. 12. 2002 15:25


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Lame
Guest
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Darin ich: Geist

Hinein
in den Wunschraum der Gegenwart,
im Scheitern den Mythos erschaffend.
Das Erkennen des Kopflosen
als Kopfmaterial
und die GegenĂŒberstellung mit
der verkopften Kopflosigkeit -
der eigenen Verdammnis
in Anschauung des Ideals.
Die Suche nach dem Schönen
eine Schleife in den Widerspruch.
Die Erlösung
eine SĂ€ule im Ruinenmeer -
selbst SĂ€ule,
erodiert in der Neuzeit,
ein Kind des Altertums,
hoffend auf jene
Erhaltenere,
Bausteingleiche.
Die Zeit der Feind hierin,
die ach! schon so Erschöpfte,
von uns im Endspurt Mißbrauchte,
aber des letalen Ziels Gewisse.
Dem Sog ausgeliefert,
Kraft mangelhaft im SĂ€ulenschwund.
Feld verheert und
erwartend neues GlĂŒck,
darin ich: Geist,
der es einst
betrachtet.

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kaffeehausintellektuelle
Guest
Registriert: Not Yet

könntest du mir bitte in wenigen worten wie einem fĂŒnfjĂ€hrigen kind erklĂ€ren. was du mir damit sagen willst.
ich verstehs einfach nicht.

die kaffeehausintellektuelle

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Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 671
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Geist

Hallo, Lame,

Ja mein Lieber, wenn man so durch die Äonen geht, es hilft alles nichts, dies ist eine dunkle Zeit. Immerhin:"erwartend neues GlĂŒck".

Liebe GrĂŒĂŸe Vera-Lena
__________________
Der Mensch ist sich selbst das grĂ¶ĂŸte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Lame
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo kaffeehausintellektuelle, hallo Vera-Lena!

@Vera-Lena, Du hast die Richtung, in die das Gedicht geht, schon sehr schön angedeutet.

@Kaffeehausintellektuelle, ich möchte natĂŒrlich niemanden vor den Kopf stoßen (jedenfalls nicht lĂ€nger als 24 Stunden ;-) ), daher hier die Gedanken, die dahinter stehen, nicht in ein paar Worten, sondern ausfĂŒhrlich.

Das Gedicht handelt von der Unmöglichkeit, individuell bzw. allgemein-in-der-heutigen-Welt im Sinne von "Schönheit" tĂ€tig zu werden. Gemeint ist ein zentrales inneres Gut, an dem es in der heutigen Welt fehlt. Der Begriff des "Schönen", bzw. mehr noch vielleicht: des Bewußtseins von Schönheit und ihres Empfindens, vielleicht auch im Zusammenhang mit dem naiv "Guten", kommt diesem Gut, das ich meine, am nĂ€chsten, daher taucht er im Gedicht explizit auf, ohne jedoch ĂŒberstrapaziert zu werden. Im nachfolgenden sei er aber stellvertretend verwendet.
Ausgangspunkt ist der Wunsch und Versuch zum Schönen,
..........Hinein
..........in den Wunschraum der Gegenwart
der jedoch von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Intuitiv besteht bereits das Wissen um dieses Scheitern ("erschaffend"):
..........im Scheitern den Mythos erschaffend.
Was man bei dem Versuch vorfindet, ist aber nur die Unmöglichkeit zum Schönen, ausgedrĂŒckt durch die "Kopflosigkeit", die zwangslĂ€ufig zum Gegenstand des Versuchs wird:
..........Das Erkennen des Kopflosen
..........als Kopfmaterial,
Grund fĂŒr die Unmöglichkeit zum Schönen ist der Kopf, die Ratio (des Individuums/unserer Welt), der dem BemĂŒhen um das Ideal notwendig ("Verdammnis") entgegensteht:
..........und die GegenĂŒberstellung mit der
..........verkopften Kopflosigkeit -
..........der eigenen Verdammnis
..........in Anschauung des Ideals.
Der Versuch scheitert also bereits an den Grundvoraussetzungen, und da er immer wieder beim Selbst landet, also der eigenen Unmöglichkeit, ist die Suche nach dem Schönen ein Widerspruch in sich:
..........Die Suche nach dem Schönen
..........eine Schleife in den Widerspruch.
Das Ergebnis des Versuchs kann nur ein Scheitern sein, eine "SĂ€ule im Ruinenmeer" (eine SĂ€ule, die selbst Ruine und umgeben von Ruinen ist),
..........Die Erlösung
..........eine SĂ€ule im Ruinenmeer -
und zwar deshalb, weil man selbst (das Individuum/die Welt) eine Ruine ist (im Angesicht des Ziels, der Schönheit),
..........selbst SĂ€ule,
kaputt von der Zeit (der eigenen Welt),
..........erodiert in der Neuzeit,
sich sehnend nach Schönheit,
..........ein Kind des Altertums,
und nur die Hoffnung auf die Schönheit ("Erhaltenere") bleibt,
..........hoffend auf jene
..........Erhaltenere,
der man sich so verwandt wĂ€hnt/zu sein wĂŒnscht:
..........Bausteingleiche.
Doch die Zeit steht dagegen,
..........Die Zeit der Feind hierin,
sie ist, wie man selbst, mĂŒde, erschöpft (weil ihr die Schönheit fehlt),
..........die ach! schon so Erschöpfte,
gleichwohl wird sie - die Zeit -, man könnte fast sagen, in "panischer" Angst bemĂŒht (denn die persönliche wie die allgemeine Zeit ist begrenzt),
..........von uns im Endspurt Mißbrauchte,
aber am Ende steht gnadenlos das Scheitern (die Zeit siegt immer):
..........aber des letalen Ziels Gewisse.
Dem Sehnen nach Schönheit entkommt man freilich nicht,
..........Dem Sog ausgeliefert,
aber dem dahinsiechenden Selbst mangelt es an Kraft:
..........Kraft mangelhaft im SĂ€ulenschwund.
Was bleibt, ist ein TrĂŒmmerfeld,
..........Feld verheert und
und man kann nur noch darauf warten, daß die Schönheit einst (von selbst?) wiederkommen wird:
..........erwartend neues GlĂŒck,
Das ist die Situation, in der man (das denkende Individuum/die denkende Welt) sich befindet:
..........darin, ich: Geist,
Vor meinem Tod
..........der es einst
werde ich darauf zurĂŒckblicken:
..........betrachtet.

Anmerkung zur Form: Das Gedicht ist rein intuitiv enstanden (von kleineren nachtrĂ€glichen Änderungen abgesehen). Das Ergebnis ist weniger eine vordergrĂŒndig verstĂ€ndliche Beschreibung innerer VorgĂ€nge, als vielmehr die Wiedergabe von "Bildern inneren Empfindens": ĂŒber einen Zustand der Zeit bzw.meines Empfindens ĂŒber mich/die Zeit zum Zeitpunkt des Verfassens. Inneres Empfinden selbst ist ja kein "klar verstĂ€ndlicher Vorgang", also ist es legitim, wenn der Ausdruck solchen Empfindens sich eines intuitiven Elements bedient, hier der Metapher. VerstĂ€ndlichkeit in allen Teilen, zumal vordergrĂŒndig, war folglich nicht Ziel des Gedichts. Es kommt mehr auf den Eindruck an, je stĂ€rker dieser (wenn denn), desto besser *g*. Die Rezeption obliegt ja dem Leser. Auch meine Interpretation kann nur AnnĂ€herung an den Empfindungsinhalt sein (wie eigentlich jede Interpretation).

Ich habe selbst Kritikpunkte an dem Gedicht. Die Verse 4 - 9 sind eine Problemzone. Insbesondere die "verkopfte Kopflosigkeit" ist zu hart; welche Analyse soll das knacken? "Verdammnis" klingt vielleicht etwas aufgesetzt, kitschig. Ab "Die Suche nach dem Schönen" gefĂ€llt mir das Gedicht wieder recht gut, fĂŒr "Bausteingleiche" mag man noch etwas Besseres finden.

Das soll's gewesen sein. Danke fĂŒr Euer Interesse,

liebe GrĂŒĂŸe,

Lame

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kaffeehausintellektuelle
Guest
Registriert: Not Yet

danke vielmals fĂŒr die ausfĂŒhrliche erklĂ€rung.
unser ehemaliger bundeskanzler hÀtte gesagt: das ist alles sehr kompliziert.

die kaffeehausintellektuelle

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