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Leselupe.de > Gereimtes
Darwin läßt grüßen
Eingestellt am 22. 09. 2003 11:04


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Penelopeia
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2002

Werke: 149
Kommentare: 1964
Die besten Werke
 
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Das Leben macht, dacht' einer einst,
hienieden kein Vergnügen:
Es sucht der Mensch den Mensch gemeinst
und meistens zu betrügen.

Er wendet dazu Waffen an
äußerst verschied'ner Sorten:
Den Faustkeil kennt und Bomben man,
doch kämpft er auch mit Worten.

Mit Worten kämpft und Lächeln auch
der Mensch stets um Vorteile,
zunächst ist ihm der eigne Bauch,
dann kommt sein Seelenheile.

Es sei ganz gleich, so sprach er laut,
was Mensch auch täte, ließe.
Aus Menschenhandeln stets vertraut
her Darwins Gesetz grüße.

So sprach der eine einst: nur Kampf,
selbst beim Gedichteschreiben.
Was er vergaß: bei ihm wars Krampf,
ganz ohne Übertreiben...

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Bruno Bansen
Guest
Registriert: Not Yet

Darwin?

Moin, moin

Bei deinem Darwin-Titel habe ich etwa mehr an Evolutionäres gedacht, aber naja, muß ja nicht immer.

Der Text ist aber sehr gut geschrieben. Sauberer Jambus bis auf wenige Zeilen. Zum Beispiel:

"Dazu wendet er Waffen an..."

wenn Du schreiben würdest "Er wendet dazu Waffen an" wäre der Jambus wieder OK, dein Text wäre unverändert und man bräuchte am Anfang nicht die falsche Hebung und ab Mitte nicht diesen Tangoschritt.

Ansonsten sehr gut!

Gruß
Bruno

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DeGie
Guest
Registriert: Not Yet

Tach Pelo,

heute sage ich besser mal nicht viel und stimme einfach Bruno zu...

"her Darwins Gesetz grüße."

ist auch so ein Beispiel.
Wenn man es rhythmisch so liest, wie es den Zeilenlängen entspricht, wird es halt völlig falsch betont...

Strophe 1 oder die ersten drei Zeilen von Strophe 4 geben hingegen keinen Anlaß zum Mosern.



So schliefe sie ersma schön...
Bin ein viel zu lieber Junge, als daß ich Dir je Böses wünschen könnte...

Ali,
DeGie

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Penelopeia
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2002

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Jamben

Hallo Bruno,

danke für Deinen netten Kommentar und den Verbesserungsvorschlag. Du hast nicht unrecht, Deine Variante wäre genauso gut möglich. Mir schien die Zeile in der von mir gewählten Wortfolge ein Bit ironischer, aber das ist wohl Geschmackssache. Ich lass es mir nochmal durch den Kopf gehen.

Prinzipiell allerdings: Warum die scharfe Unterscheidung der Verse in jambische, trochäische etc.? Soweit ich mich erinnern kann, waren die "Versforscher" seit Lachmann der Ansicht, eine solche Unterscheidung mache bei deutschen Versen wenig Sinn. Denn die uns bekannnten Versfüße wie Jamben, Trochäen, Spondeen, Daktylen, Anapäste usw. gelten hauptsächlich für die antiken Sprachen. Es ist zwar möglich, deutsche Verse als alternierende Abfolge von Hebung und Senkung (bzw. Senkung und Hebung) zu schreiben/ zu lesen. Aber als Baustein für den deutschen Vers sieht man doch eher den Verstakt, dessen reale Bausteine Sprechglieder und Sprechgruppen sind...
Anders ausgedrückt und exemplifiziert am sogenannten Jambus: Ein deutscher Vers aus "aufsteigenden Gliedern", also Jamben, kann durchaus eine fallende rhythmisch-melodische Linienführung haben. (Für den Trochäus gilt dies umgekehrt.)
Als Beispiel zu den sogenannten jambischen Versen, die eben keine regelmäßige Abfolge von Senkung und Hebung aufweisen, trotzdem aber keinen "Holperstein" entdecken lassen, eine Zeile von J.W.G.: Wer reitet so spät durch Nacht und Wind... Hätte sich der Meister an das Schema gehalten, dürften wir heute lesen: Wer reit' so spät durch Nacht und Wind...

Übrigens: Neben Hebungen und Senkungen war doch da noch was... (Oder ist der Inhalt eines Gedichtes so viel weniger als die Regelmäßigkeit der Versfüße?)

Liebe Grüße

Pen.

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Bruno Bansen
Guest
Registriert: Not Yet

Darwin

Ach ja, die Theorie, die bei allem, was mit dem Gefühl zu tun hat trotzdem oder grade deshalb, so eine große Rolle spielen kann. Moin, liebe Penelopeia, oder doch nur eine untergeordnete? Welche Kkraft ist es denn, die einen„Gesang“ vom Roman oder Fahrplan unterscheidet? Genau, es scheint bei beiden die gleiche zu sein, eine, die sich an anderen Dingen oorieniert als an physikalischen Größen und Maßeinheiten und den freundlichen Namen “Rhythmus“ verliehen bekommen hat.

Dieses Ding nun ist ganz offensichtlich geprägt von Hebungen und Senkungen, auch umgekehrt, wie du richtig anführrst und bewahrt dich vor unangenehmen Belästigungen deines Tanzpartners, wenn „Wiener Walzer“ anngesagt ist und jener sich ungewarnt, mittendrin in einen Tango verwandeln würde. Wenn du immer genügend Heftpflaster in deinem Handtäschchen hast, mag das gehen, wenn nicht – wäre die Umorientierung beim Partner Richtung Rotkreuz-Helfer schon angebracht und sollte möglichst genauso ticken wie Du.

Die Ethymologische Herkunft der Lyrik ist klar und daraus ergibt sich alles andere. Dem Text unterlegt ist die Melodie (auch die Wortmelodie!). Auch wenn sie und das kann sie, vom vorgegebenen Rhythmus abweicht, aber nur dann, wenn dieses dann auch der „Gesamt-Rhythmik“ wiederum, untersteht. In der Akustik wird das sehr schön demonstriert: Wenn einer gespannten Saite gezupft oder gestrichen die Obertöne, die Harmonischen fehlen würden, hätte wir einen langweiligen Sinuston.

Wie spannend kann ein, sich nicht reimender Text sein, der keinerlei Reimschema befolgt aber einer Melodie, mit einem Takt. Nicht nur einem hörbaren, nein einem fühlbaren mit allen Harmonischen, die auch diesem innewohnen und wie schön, dass Leute wie Bach oder „Metallica“ so virtuos mit dem Wichtigsten bei Musik und Wort, Melodie, Harmonie und Rhythmus umgehen können, denn wenn nur ein einziges Wort, um auf die Lyrik zurück zukommen, falsch steht (siehe die von mir monierte Zeile, ist der Gesamteindruck, was das Zueinander passen angeht, weh eh ceh ha = wech!

Unter diesen Gesichtspunkten gesehen, liebe Penelopeia, lese ich Gedichte. Ich bin allerdings ja gelernter Designer und von daher ein Augenmensch. Ich bemerke, wenn eine Linie schräge ist, weil sie dann nahtlos in den optischen Takt des Werkes passt, aber ich fühle, wenn selbige um Bruchteile vom Millimeter abweicht und „schief“ ist. Dieses „sehen“ ob etwas richtig schräge ist oder falsch, da schief, hat mir schon mancher übelgenommen, aber, nachgemessen lag ich richtig.

So auch beim Hören. Und bei deinem Text ist ganz deutlich, dass du, wie es scheint, bei einigen Zeilen „schief“ liegst und dieses kein Stilmittel ist, denn dann würde man wiederum einen eigenen Takt im Takt erkennen, vorgemacht von Herrn Müller in seinem „Urintext“ mit den eingeschobenen Absätzen, die genau dieses Muster befolgen.

Ich weiss nicht, ob ich mich vrständlich machen konnte, was ich meinte – wie immer bei nicht in Millimeter oder pascal genau zu definierenden Größen, sage Dir aber abschließend und wiederhole es, dass Dein Text ganz hervorragend ist und meine Kritik eine ganz persönliche Reflexion ist, keine Aufforderung etwas nach meinem Geschmack zu tun oder zu lassen!

Liebe grüße aus dem Norden

Bruno

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DeGie
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Pelo,

wahrscheinlich führt es Dich eher in die falsche Richtung, mit Fachvokabeln um Dich zu schmeißen.
Rein technisch geht es halt um mehr als um die Silbenzahl.

Ich habe mal - neben Brunos Vorschlag - noch zwei weitere Stellen geändert (unterstrichen):



quote:
leicht modifizierter Text

Das Leben macht, dacht' einer einst,
hienieden kein Vergnügen:
Es sucht der Mensch den Mensch gemeinst
und meistens zu betrügen.

Er wendet dazu Waffen an
in ach so vielen Sorten:

Den Faustkeil kennt und Bomben man,
doch kämpft er auch mit Worten.

Mit Worten kämpft und Lächeln auch
der Mensch stets um Vorteile,
zunächst ist ihm der eigne Bauch,
dann kommt sein Seelenheile.

Es sei ganz gleich, so sprach er laut,
was Mensch auch täte, ließe.
Aus Menschenhandeln stets vertraut
her Darwins Gesetz grüße.

So sprach der eine einst: nur Kampf,
selbst beim Gedichteschreiben.
Was er vergaß: bei ihm wars Krampf,
ganz ohne Übertreiben...



In dieser Version stören mich nur noch die beiden kursiven Zeilen - vor allem die untere.

Mich persönlich stören solche unglücklichen Betonungen kolossal.
Eigentlich fängt Dein Werk sprachlich sehr schön an (erste Strophe.




Was den Inhalt angeht:
Schon irgendwie ganz nett. Andererseits so oder ähnlich schon oft gelesen.
Auch ist mir der Rhythmus zu gleichförmig - zumindest in Anbetracht der Länge. Und das völlig ungeachtet dessen, daß das wiederum nicht unüblich ist.

Ich denke, Du könntest Kreativeres schaffen, wenn du Dich von Vorbildern und -gaben lösen würdest.



Davon ab:
Wenn Du Rückmeldung dieser Art nicht haben willst, so teile mir dies bitte per PN mit (oder setze mich auf die Ignore-Liste).

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