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Leselupe.de > Humor und Satire
Das AMS und woher wissen wir wer wir sind?
Eingestellt am 30. 12. 2010 17:55


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charlykappel
Hobbydichter
Registriert: Sep 2010

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Kommentare: 1
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Eine böse Satire auf das AMS
Die Türe gingen wie von Geisterhand geöffnet auf und die Arbeitslosen stürzten in das Gebäude. In der Vorhalle herrschte ein Halbdunkel, gegenüber den Türen ist eine Stiege und ein Aufzug. Die Arbeitslosen stürmten zu dem Aufzug, es gibt nur einen, für diese viele Arbeitslosen, und ein jeder möchte mit dem Aufzug fahren, aber dieser Aufzug ist viel zu klein. Einige stürzten, sie fielen in den Staub, andere stiegen über sie hinweg, einige wurden rechts und links neben dem Auzug an die Wand gepresst, so stark, dass sie gleich kleben blieben, erst am Nachmittag, wenn wieder Ruhe eingekehrt war, werden sie vom Reinigungspersonal von der Wand geschält und der Rettung übergeben, die schon vor der Türe wartete. Die Tür zum Aufzug ging auf, die Arbeitslosen prügelten sich um einen Platz in diesem viereckigen Käfig. Einige blieben blutig zurück.
Die Arbeitslosen stürmten zu den Zimmern, stürmten in die Zimmer, und gaben ihre Meldekarte ab. Die Damen in den Büros nahmen die Meldekarte entgegen, sahen nicht einmal darauf und warfen sie in einen Papierkorb. Wenn dieser Papierkorb voll war, dann leerten sie ihn in einem größeren um. Die Büros sind klein, die Papierkörbe nahmen den meisten Platz ein. An den Wänden hingen Diplome: Herr X hat sich nach Arbeitslosenentzug das Leben genommen. Seine Betreuerin wird geehrt. Herr Y, der krank war, ist endlich gestorben, nachdem ihm seine Betreuerin die Krankenversicherung gestrichen hat. Frau Z. mag nicht mehr, ihre Notstandshilfe wurde gestrichen. Selbstmord. Ein Lob für ihre Betreuerin. Leichen pflastern ihren Weg.
Der erste Arbeitslose trat ein. Der Arbeitslose setzte sich auf einen Sessel, der sich unter seinem Gewicht aufbäumte und erst auf eine befehlende Geste seines Herrn stillhielt.
„Nun, was gibt es?“ fragte die Dame, die einen Lippenstift aus der Schreibtischschublade nimmt und hineinbiss. Es war ein roter Lippenstift. Dann zeichnet sie mit dem Lippenstift einen roten Kreis auf den Schreibtisch.
„Da bin ich...“ antwortete der Arbeitslose.
„Was können Sie?“
„Die Grundbegriffe habe ich erlernt...“
„Wie verbringen Sie ihre Tage?“
„Nun, die hellen Tage versuche ich mir zu verdunkeln...“
„Warum denn das?“
„Das Licht stört mich.“
„Sie brauchen eine Arbeit?“
„Ja.“
„Wissen Sie was für eine?“
„Nein.“
„Ich auch nicht. Eines ist mir jetzt schon ganz klar, dass sie für diesen Posten nicht geeignet sind.“
„Warum nicht?“
„Weiß ich nicht.“
„Wie alt sind Sie?“
Der Arbeitslose sagte sein Alter.
„Sie sind jünger als ich es bin, gut das ich hier eine Arbeit habe. Für Sie ist das die Endstation. Sie sind viel zu alt.“
„Ist das ein Problem?“
„Für mich nicht.“
„Ich arbeite gerne.“
„Ich auch, ich trete euch gerne in den Arsch. Und Sie, sie arbeiten sicher nicht mehr viel?“
„Sie können mich doch einstellen.“
„Wir haben für Sie nichts zu tun.“
„Es muss doch was geben, vielleicht Blumen stutzen?“
„Sie sind ein Nichtsnutz!“
„Gerade da sollten Sie eine Arbeit für mich haben.“
„Warum denn das?“
„Ein Nichtsnutzer kann nicht arbeiten. Er braucht nicht zu arbeiten.“
„Das leuchtet ein.“
„Da liegt der Hase im Pfeffer...“
„Sie reden schon vom Essen...“
„Hunger hab ich auch...“
„Sie wollen noch Direktor werden?“
„Das ist sehr wahrscheinlich.“
„Gehen Sie, Sie sind doch nur ein Faulenzer!“
Der Arbeitslose stand von seinem Sessel stöhnend auf. Der Sessel seufzte zufrieden auf.
„Hau ab!“ schrie die Dame, die jetzt keine Dame mehr war.
„Greifen Sie mich jetzt nicht an!“ sagte der Arbeitslose und wich zur Tür zurück. Die Dame nahm einen Aktenordener und warf ihm dem Arbeitslosen hinterher, dabei verlor sie das Gleichgewicht und fiel in einen Papierkorb. Sie fluchte laut. Der Arbeitslose ging die Stiegen nach unten, er versuchte verzweifelt ins Freie zu kommen, im Voyer sah er noch die Zeichen, die die Arbeitslosen hinterlassen hatten. Die zwei klebten immer noch an der Wand. Hinter der Information wurden die Pistolen geladen und auf den Arbeitslosen abgeschossen. Der Arbeitslose zog den Kopf zwischen die Schultern, wie eine Schildkröte, und verschwand durch die Türe in das grelle Sonnenlicht. Große schwarze Löcher hinterliessen die Projektile.
Keine Arbeit, aber dafür noch am Leben!
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Die Betreuerin rief den nächsten Arbeitslosen. Ein Arbeitsloser stand von seinem Sessel auf und ging in das Büro. Die Betreuerin saß schon wieder hinter ihrem Schreibtisch und hatte schon wieder den Lippenstift in der Hand, diesmal zog sie ihre Lippen nach, verpasste aber die Konturen der Lippen und malte einen Mund, der doppelt so groß war wie der ihrige, dann legte sie den Lippenstift zur Seite und den Arbeitslosen, wie sie sicher dachte, lächelnd an, aber es war nur eine lächelnde Fratze.
„Ich bin wieder da“ sagte der Arbeitslose.
„Das sehe ich“ erwiederte die Betreuerin, angewiedert.
„Schönes Wetter heute.“
„Es kann noch schneien.“
„Die Papierkörbe...“
„...sind noch da.“
„Glücklich sind die, die nach Gerechtigkeit hungern.“
„Hunger... ich hatte noch kein Frühstück.“
„Wir sind das Salz der Erde.“
„Arbeitsloses Gesindel.“
Das Telefon leutete, die Dame, die keine Dame mehr ist, sie ist ein Mann, hebt den Hörer ab und flüstert in die Muschel. Der Arbeitslose ließ sich nicht aufhalten, er spricht immer weiter.
„Und da gehe ich hin und ich sehe einen alten Mann, mit einem langen Bart und um seinen Kopf ranken sich neunköpfige Schlangen, die rote Augen haben und wild pfauchen.“
Die Dame flüstert ins Telefon, mit einer sexy Stimme, die den Arbeitslosen erregt, ihn wirr macht und ihn ganz aus der Fassung bringt. Er kratzt sich an den Eiern.
Die Dame, die ein Herr ist, legte den Hörer auf. Ihre Wangen sind jetzt gerötet, haben endlich etwas Farbe bekommen. Sonnenstrahlen durchsuchten das Zimmer nach dunklen Flecken, sie werden vernichtet, wo sie gefunden wurden.
„Was soll ich mit Ihnen machen?“
„Nicht den Frieden zu bringen bin ich gekommen, sondern das Schwert.“
„Da sollte mir was einfallen.“
„Die Luft ist dünn.“
Ein Radio plärrte durch den Gang. „I have trouble in my mind...“ Eine Ratte lief durch das Büro, blieb kurz stehen und grüßte den Arbeitslosen militärisch. Der Arbeitslose versuchte die Ratte zu zertreten, aber die Ratte war schneller, sie flüchtete unter den Schreibtisch. Sie zeigte den Arbeitslosen die lange Nase. „Ätsch, erwischt mich nicht!“ rufte die Ratte den Arbeitslosen zu. Die Betreuerin blättert in ihren Papieren, fand aber nichts.
„Ich muss mich um meinen Sohn kümmern, der Idiot braucht Nachhilfe.“
„Die Vögel fliegen schon wieder.“
„Woher bekomme ich...“
„Einkaufen muss ich auch noch. Woher bekomme ich nur das nötige Geld?“
„Das wird wieder teuer. Hätte ich nur was gelernt.“
„Spinat, das ist eine Alternative.“
„Mein Mann, der Vater dieser mesen Kreatur, tut nichts.“
„Vielleicht doch nur ein Stück Brot?“
„Ich zünd die Schule an... kommt billiger.“
„Käse und Brot. Auch gut.“
„Ratten!“
Die Ratte hatte das Bein der Betreuerin angeknabbert. Die Ratte verzog ihr schönes Gesicht zu einer Fratze. Die Sonnenstrahlen krochen langsam auf sie zu. Die Ratte verzog sich in ihr Loch, sie wollte keinen Sonnenbrand riskieren. Die Dame kratzte sich zwischen den Beinen.
„Hunger ist schrecklich.“
„Das sind keine Menschen. Menschen tun so etwas nicht. Sie leben ganz anders, sind wohlerzogen, sind gefällig, aber sie tun so etwas nicht.“
„Was kann ich heute nur essen?“
„Sie können gar nichts! Sie sind ein Wurm, ein Niemand. Sie gehören auf den Mistplatz der Geschichte. Wie komme ich dazu, mich mit diesem Abschaum zu befassen.“
„Bald bekomme ich die Räumungsklage, dann muss ich aus der Wohnung.“
Die Ratte zeigte ein höhnisches Lächeln, als sie ihren Kopf aus dem Loch zeigte.
Die Dame seufzte, nahm eine Wimperntusche aus der Schreibtischlade und zog ihre Wimpern nach. Sie verpasste die Wimpern und zeichnete sich Augenbrauen die wesentlich größer waren, als ihre eigenen.
„Was soll ich blos tun? Das ganze Studium der Physik hat mir nichts gebracht. Es werden keine Doktoren mehr gesucht.“
„Was weiß ich.“
„Vielleicht was Neues machen?“
„Nie sollst du mich befragen“ sagte die Dame.
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In der Zeitung stand eine Anzeige: Nichtsnutz gesucht. Auf diese Anzeige bewarb sich der Arbeitslose, und wirklich, nach wenigen Tagen wurde er zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen.
Ein dicker, fetter Mann saß hinter einem dicken, fetten Schreibtisch und zwischen seinen dicken, fetten Fingern drehte er eine dicke, fette Zigarre.
„Ich komme um mich um die Stelle eines Nichtsnutz zu bewerben“ erklärte der Arbeitslose.
Der dicke, fette Mann verdrehte die Augen: „Suchen wir einen Nichtsnutz?“
„So steht es geschrieben.“
„Da muss ich nachsehen.“
Der dicke, fette Mann wühlte in einem Stapel von Papieren herum, Staub flog durch die Luft, dass sie Sonnenstrahlen nicht mehr durchkamen und lieber draußen blieben. „Wir suchen keinen Nichtsnutz, wir haben davon schon genug.“
„Das habe ich mir fast gedacht.“
„Ich kann meinen Kollegen fragen, vielleicht sucht der einen Nichtsnutz, ich auf jeden Fall nicht.“
Der dicke, fette Mann rief seinen Kollegen, der kam sofort und sah genau so aus wie dieser Mann mit dem der Arbeitslose gesprochen hatte.
„Suchst du einen Nichtsnutz?“
„Da muss ich meine Sekretärin fragen.“ Er rief seine Sekretärin an und fragte nach. „Suchen wir einen Nichtsnutz?“
„Wir suchen einen Nichtsnutz.“
„Da ist einer.“
„Sie sind ein Nichtsnutz?“
„Ganz genau.“
„Sie sehen nicht so aus.“
„Ich habe die Ausbildung erst gemacht.“
„Sie haben also keine Erfahrung als Nichtsnutz?“
Nein, aber ich habe gute Zeugnisse.“
„Die helfen nicht weiter. Wir suchen einen Nichtsnutz mit Erfahrung und Qualifikation. Ein Nichtsnutz muss eine lange Erfahrung mitbringen, sonst wird das nichts.“
„Alle Nichtsnutze sind gerade in der Politik.“
„Es ist schwer in diesen Tagen qualifiziertes Personal zu bekommen.“
„Was wäre denn meine Aufgabe?“
„Nichts.“
„Das kann ich gut.“
„Sie haben keine Referenzen.“
„Das Arbeitsamt könnte mir eine Referenz ausstellen.“
„Sie sind überqualifiziert.“
„Ich bin doch zu was nütze?“
„Sieht so aus, aber damit werden Sie nicht weit kommen.“
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Der Arbeitslose war wieder zurückgekommen. Er setzte sich auf einen klapprigen Stuhl, auf dem er schon einmal gesessen hatte und ihn nur mit Mühe bezwungen hatte können.
„Sie schon wieder“ sagte die Dame, die ein Herr war.
„Der Tag ist lang und anstrengend“ antwortete der Arbeitslose.
„Ich habe noch immer keinen Nachhilfelehrer...“
„“Was werde ich jetzt noch machen?“ fragte sich der Arbeitslose.
Die Dame sah ihn an. „Was ist los? Noch immer keine Arbeit?“
„Die Nichtsnutze werden nirgends mehr gebraucht.“
„Umschulen.“
„Auf was?“
„Das weiß ich doch nicht!“
„Nichtsnutz ist ein guter und ehrlicher Beruf. Schwer zu erlernen und in der Zukunft stehen einem Nichtsnutz alle Türen offen.“
„Das ganze Parlament ist voll davon.“
„Eben, und die verdienen nicht schlecht.“
Die Ratte kam aus ihrem Loch und sah sich um. „Schon wieder der“ zischte sie durch ihre Zähne.
„Sie wollen also ein Nichtsnutz bleiben?“
„Ich möchte eine Zukunft haben.“
„Als Nichtsnutz?“
„Haben Sie keine Arbeit für mich hier?“
„Nichtsnutze haben wir schon genug, da ist keine Stelle mehr frei.“
Die Ratte schürzte die Lippen: „Noch so ein Nichtsnutz, da wandere ich aus.“
„Die Papierkörbe, werden die einmal ausgeleert?“
„Sie müssen eine Schulung machen.“
„“Es kommt mir vor als würde das Zimmer immer kleiner werden. Jedes mal wenn ich hier bin, kommt es mir kleiner vor.“
„Das stimmt es wird auch immer kleiner.“
„Es können auch die Papierkörbe größer werden...“
„Es ist das Zimmer.“
Der Arbeitslose sah nach der Decke, und wirklich, die Decke war ein Stück nach unten gerückt. Auch die Ratte hatte nach oben gesehen und dann mit ihrem Kopf gewackelt.
„Ist das nicht gefährlich?“
„“Nein, wenn die Decke noch mehr nach unten wandert, dann müssen wir nur den Kopf einziehen.“
Die Ratte schüttelte en Kopf und ging in ihre Höhle zurück, wo sie sich ein kleines behagliches Büro eingerichtet hatte.
„Sie gehen in ein Institut, dort wird man Ihnen schon lernen was ein Nichtsnutz zu tun hat. Haben Sie verstanden?“
„Die Tage werden jetzt immer länger.“
„Unterschreiben Sie.“
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Der Arbeitslose kam zum Institut, dass denselben Namen trug wie sein Berater, Berater, dass ihm weiterhelfen sollte. Der Arbeitslose trat in einen Raum, ein Mann saß an seinem Schreibtisch, dass war sein Berater.
„Kommen Sie nur herein!“ rief der Berater dem Arbeitslosen zu.
Der Arbeitslose trat in das Zimmer und ging zu dem Schreibtisch.
„Nehmen Sie Platz, fühlen Sie sich wie zu Hause“ forderte ihn der Berater auf.
Der Arbeitslose nahm Platz und wartete, was nun geschehen würde.
„Ich bin ihr Berater und ich werde Ihnen hilfreich zur Seite stehen.“
„Das ist gut.“
„Sie wollen also ein Nichtsnutz werden?“
„Nein, ein Nichtsnutz bin ich schon.“
„Ach so, und was wollen Sie dann von mir?“
„Das weiß meine Beraterin.“
„Hätte ich mir gleich denken können.“
„Das denke ich mir.“
„Fangen wir von vorne an. Ist Ihnen etwas bekannt, dass eine Aufnahme von Arbeit in irgendeiner Form verhindert?“
Der Arbeitslose begann zu würgen, etwas steckte in seinem Hals, er begann zu husten, dann spuckte er Blut auf den Schreibtisch. Der Berater wischte das Blut weg, der Arbeitslose saß mit eingefallenem Gesicht auf seinem Sessel, er schüttelte den Kopf.
„Also, nein. Das ist gut. Was haben Sie für einen Beruf?“
„Ich bin eine Nichtsnutz und das schon seit mehren Jahren.“
„Das muss schön sein.“
„Ist es auch.“
„Wie sind Sie ein Nichtsnutz geworden?“
„Daran kann ich mich nicht mehr erinnern.“
„Haben Sie schon gearbeitet?“
„Ich habe als Nichtsnutz eine gute Ausbildung.“
„Was halten Sie von Arbeit?“
„Da muss ich etwas weiter ausholen.“
„Holen Sie nur aus.“
„Um die Bestandteile des Kapitals fungieren zu lassen, bedarf die Kapitalistenklasse eines Zuschusses von Arbeit. Soll nicht die Ausbeutung der schon beschäftigten Arbeiter extensiv oder intensiv werden, so müssen zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt werden. Dafür hat der Mechanismus der kapitalistischen Produktion ebenfalls schon gesorgt, indem er die Arbeiterklasse reproduziert als vom Arbeitslohn abhängige Klasse, deren gewöhnlicher Lohn hinreicht, nicht nur ihre Erhaltung zu sichern, sondern auch ihre Vermehrung. Diese ihm durch die Arbeiterklasse auf verschiedene Altersstufen jährlich gelieferten zuschüssigen Arbeitskräfte braucht das Kapital nur noch den in der Jahresproduktion schon erhaltenen zuschüssigen Produktionsmittel einzuverleiben, und die Verwandlung des Mehrwerts in Kapital ist fertig. Das halte ich von Arbeit.“
„Das ist sehr schön.“
„Soll ich noch etwas hinzufügen oder reicht Ihnen das?“
„Um Gottes Willen nein! Es reicht. Jetzt brauchen Sie mir nur noch erklären von was Sie gesprochen haben und worüber.“
„Siw sind doch ein Nichtsnutz, da müssten Sie das doch verstehen.“
Ein anderer Arbeitsloser war in das Zimmer getreten, er sah sich verstört um.
„Sie wünschen?“ fragte der Berater, dem der Schädel brummte.
„Ich suche was“ antwortete der eingetretene Arbeitslose.
„Und was?“
„Das habe ich vergessen.“
„Dann gehen Sie.“
„Gleich.“
„Zeigen Sie mir den Weg zur Toilette?“ fragte der Berater den Arbeitslosen der vor ihm saß und dieser erklärte dem Berater den Weg zur Toilette.
„Danke, ich bin Ihnen zu Dank verpflichtet. Der Weg zur Toilette ist weit, aber werde es schon schaffen.“
„Aber ich bitte Sie, wir Nichtsnutze müssen zusammenhalten.“
„Das sehe ich auch so.“
Der Berater verließ das Zimmer. Die Arbeitslosen sahen sich an.
„Das ist aber nicht der Weg zur Toilette, dass ist der Weg auf die Straße“ meinte der Arbeitslose der zum Schluss in das Zimmer gekommen war.
„Ich weiß.“
„Warum hast du das gemacht?“
„Mit diesem Berater können wir nichts anfangen, er weiß gar nichts, vielleicht kommt ein besserer nach, wie werden sehen.“
Der eine Arbeitslose schüttelte den Kopf und ging, der andere saß noch Stunden in dem Büro und wartete auf den Berater, aber er kam nicht wieder.
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Wie durch ein Wunder kam der Berater dann noch zurück, allerdings brauchte er dazu mehrere Tage, was für ihn nicht ungewöhnlich war.
„Die Zeiten sind hart“ meinte der Berater zum Arbeitslosen.
„Gerade dann, wenn sie einem auf den Kopf fallen.“
„Sie werden immer härter.“
„Die Köpfe auch.“
„Wo waren wir stehen geblieben?“
„Wir sind gesessen, aber wenn Sie mich so fragen, an der Tür.“
„Warum?“
„Bevor wir eintreten, müssen wir anklopfen, dass gehört zum guten Ton.“
„Sehr gut.“
„Und was jetzt?“ Der Arbeitslose war etwas aus der Fassung geraten.
„Ich kenne mich nicht aus.“
„Ich auch nicht, gut dass wir zwei Nichtsnutze sind, einer alleine wäre verloren.“
„Der Zusammenhalt ist alles.“
„Der Leim ist alles.“
„Was soll ich nur mit Ihnen machen?“
„Diese Frage kenne ich schon, haben Sie nichts Neues?“
„Leider nein, aber heute werde ich Sie nicht nach dem Weg zur Toilette fragen.“
„Ist auch besser so, ich kenne den Weg gar nicht.“
„Ist Ihnen was aufgefallen?“
„Eingefallen ist mir was – meine Stirn.“
„War nur so eine Frage, hätte ja sein können.“
„Ich muss zum Arzt.“
„Sie sind doch nicht krank?“
„Aber woher, ich bin völlig gesund.“
„Warum gehen Sie dann zum Arzt?“
„Das ist ein Freund von mir.“
„Sie haben studiert?“
„Das Weiterkommen war nicht so schwierig, in bezug auf Ihre Qualifikation.“
„Ich habe mich immer nur bemüht.“
„Ich nicht, ich habe etwas getan.“
„Wollen wir weitermachen?“
Der Arbeitslose beginnt wieder zu würgen und ein Blutstrom ergoss sich auf den Schreibtisch des Beraters. Der Berater, freundlich und zuvorkommend, wie er nun einmal war, wischte das Blut von seinem Schreibtisch.
„Was werden wir jetzt tun?“ fragte der Berater.
„Was weiß ich?“ stammelte der Arbeitslose, der am Boden lag und nur mehr röchelte.
„Mir fällt nichts mehr ein.“
„Mir auch nicht.“
„Sollen wir für heute Schluss machen?“
„Ich weiß nicht?“
„Es ist noch früh.“
„Spät genug.“
„Nächste Woche machen wir weiter. Machen Sie sich Gedanken...“
Der Arbeitslose am Boden, er wälzt sich im Staub. „Über was?“
„Es fällt mir nichts ein.“
„Es muss doch etwas geben über das man sich Gedanken machen kann.“
„Das habe ich auch gedacht.“
„Es sieht gar nicht so aus.“
Leicht ist das alles nicht. Ich hätte sollen einen anderen Kurs besuchen.“
„Wäre einfacher gewesen.“
„Ich glaube immer noch, dass ich in die falsche Schulklasse gegangen bin.“
„Das soll vorkommen. Die Schulklassen sind immer falsch.“
„Da wäre ich heute ganz woanders.“
Der Mensch bleibt immer gleich, ganz egal wo er ist.“
„Denken Sie nach.“
„Und das wäre?“
„Dass Entgegengesetzte.“
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Der Herr Minister saß in seinem neu eingerichteten Büro, das sicher eine ganze Stange Geld gekostet hatte, aber das tangierte ihm nicht so sehr, war es doch nicht sein Geld. Er nahm sich was er brauchte, und der Steuerzahler musste blechen. Dass war ihm nur recht so. Ihm gegenüber saß der Chef des Arbeitsamtes. Er war neu in diesem Metier, der Minister hatte ihm noch rasch diesen Posten verschafft, bevor es zu Neuwahlen kam. Wieso gerade dieser junge Mensch diesen Posten bekommen hatte, sicherlich durch seine große Erfahrung, er war sicher einer der besten Speichellecker überhaupt. Praktische Erfahrung hatte er somit jede Menge und Reputationen auch – jede Menge.
„Die Arbeitslosen werden immer mehr“ meinte der Minister.
„Da können wir nichts machen.“
„Wir müssen was unternehmen, so kann es doch nicht weitergehen.“
„Wir haben schon alle Schulungen, dieser Sozialschmarotzer voll gestopft, da bleibet kein Platz mehr über, die sind alle bis auf den letzten Fleck ausgelastet.“
„350.000 dreckige Sozialschmarotzer, da müssen wir was unternehmen!“
„Noch mehr Schulungen?“
„Das geht auch nicht, die gehen alle in den Krankenstand, kaum dass sie in einem dieser Kurse sind, da haben wir die Krankenkasse am Hals.“
„Die Krankenkasse zu beruhigen ist wesentlich leichter...“
„Wie viele offene Stellen haben wir?“
„Derzeit sind es 28.000.“
„Und Arbeitslose?“
„350.000.“
„Das ist kein gutes Verhältnis.“
„Wir werden den Arbeitslosen eine Umschulung anbieten.“
„Für welchen Berufszweig?“
„Als Nichtsnutz, Politiker oder Industrieller.“
Voller Freude ruft der Chef des Arbeitsamtes aus: „Das ist die Idee!“
„Was meinen Sie?“
„Wir bilden sie alle als Industrielle aus!“
„Was hätte das für einen Sinn?“
„Als Industrielle sind sie nicht arbeitslosenversichert, Arbeit werden sie da auch keine finden, aber zumindest fallen sie uns sie dann nicht zur Last, wir brauchen nichts mehr zu zahlen und die Zahl der Arbeitslosen wird dramatisch sinken. Als Politiker können wir sie nicht umschulen, da würden sie und ja die warmen und angenehmen Plätze im Parlament, im Bürgermeisteramt usw. wegnehmen, wir würden unsern Gehalt nicht mehr bekommen, dass kann zu Spannungen führen und das wollen wir ja nicht.“
Der Minister nickte zustimmend. Der Chef hatte schon recht, auch er möchte seinen Posten nicht aufgeben, viel Geld und dafür nichts tun zu müssen, dass gibt es nicht so rasch wieder. Er liebte seinen Wein und er liebte seine Zigarren, wenn er nicht Politiker sein würde, dann wäre er ein Industrieller, denen geht es auch so gut.
Der Chef fuhr fort: „Und als Nichtsnutz . mein Gott, da haben wir mehr als wir brauchen können. Jeden Tag kommen neue, dass hat sich schon herumgesprochen und jetzt kommen sie auch schon von der anderen Grenzseite. Nein, Nichtsnutze haben wir genug. Sogar die Politiker und auch teilweise die Industriellen wollen zu uns kommen, nur um ein Nichtsnutz zu werden.“
„Wo Sie Recht haben, da haben Sie Recht.“
„Machen wir es so?“
„So machen wir es! Sollen diese Arschlöcher doch alle Industrielle werden!“
Und sie lachten.
**************************************************************************
Der Berater, von den Beratern, braucht selber eine Beratung. Er sitzt in seinem kleinen, beengten Büro, wie eine Wühlmaus in ihrem Sandloch, und hämmert auf die Tastatur seines Computers ein, wie ein Steinmetz auf einen Grabstein. Der Arbeitslose sitz vor ihm und sieht ihm gebannt zu. Jugendliche Arbeitslose gehen an dem Büro vorbei, die Türe ist offen, der Berater hat Klaustrophobie.
„Ich finde nichts“ erklärt dann der Berater.
„Sie suchen was?“
„Einen Arbeitsplatz.“
„Sie haben doch einen oder sind Sie nicht zufrieden?“
„Ich suche ganz was anderes.“
„Schwierig.“
„Vielleicht als ein Überflieger.“
„Hört sich gut an.“
„Ist es auch.“
„Überflieger – was ist das?“
„Überflieger machen das, was Nichtsnutze nicht fertig bringen. Wenn man so möchte, ist der Überflieger eine Stufe über dem Nichtsnutz.“
„Sind Sie ein Überflieger?“
„Ich bin ein Berater.“
„Das sind doch Überflieger!“
„Wenn Sie so wollen...“
„Ich würde gerne ein Goldsucher werden.“
„Kann ich mir gut vorstellen.“
„Gibt es da was?“
„Kaum, alles schon weg.“
Der Berater, der eine Beratung braucht, gibt dem Beratenden eine Aufgabe, weil er glaubt, dass der zu Beratende eine Beratung braucht.
„An fünfhundert Nähnadeln verdient ein Kaufmann 30 Cent, an zwölfhundert 80 Cent, die Bedingungen die gekauft werden müssen kosten 20 Cent, der Kaufmann verdient also 90 Cent. Der Kaufmann muss ein Gesuch abgeben um den Auftrag zu erhalten, pro Seite ist dies mit 2 Euro Stempelmarke zu versehen, das Gesuch hat zwei Seiten, also 4 Euro. Die Ware, um dessen Lieferung er sich bemüht, kostet ihn 3.50, die Ausgaben 4,20. Für die gelieferte Ware würde er 4,40 erhalten. Sein Verlust wären als 3,30.“
„Das ist echt schwierig.“
„Seit ich Berater bin versuche ich diese Aufgabe zu lösen. Es ist mir noch nicht gelungen und ich bin schon lange ein Berater und noch dazu ein guter.“
„Fühlen Sie sich wohl? Gibt es in ihrer Familie einen Fall von Schwachsinnigkeit?“
„In meiner Familie ist alles beim Besten, und ja, ich fühle mich wohl,“
Der Arbeitslose sagt nichts mehr, er sitz nur noch da und starrt den Berater an. Der Berater hat ganz auf den Arbeitslosen vergessen: „500 Stück 30 Cent, 1200 Stück 80 Cent, 4 Euro, Ausgaben 4,20, Verlust 3,30. Verdammt ich komme nicht drauf.“
Und so sitzt der Berater immer noch in seiner Zelle, berät die Arbeitslosen und versucht noch immer auf die Lösung zu kommen.
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