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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Abenteuer seines Lebens
Eingestellt am 15. 03. 2013 19:17


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Rhondaly DaCosta
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Das Abenteuer seines Lebens


SorgfÀltig betrachtet Rolf sein Gesicht im Spiegel.

Die Haut erscheint noch glatt, ohne erkennbare tiefere Falten. Unter den Augen erkennt er dunkle Schatten. Sagen wir `mal, leichte dunkle Schatten, nicht so doll. Das kommt bestimmt von den zwei Bierchen, die er gestern Abend mit Heinz und Helmut genossen hat.

Das Haar ist noch schön dicht. Langsam fĂ€hrt er sich mit der ganzen Hand von der Stirn her rĂŒckwĂ€rts durch den Haarschopf bis zum Hinterkopf, so wie es der Werbemensch im Fernsehen macht. Das Haar ist OK. Na gut, vorne rechts und links sieht man zwei U-Boot Ausbuchtungen. Aber das ist vererbet. Sein Vater hatte die gleichen, leichten Ecken. Rolf kann diesen Umstand mit den vĂ€terlichen, leichten U-Boot Ecken nachweisen. Er hat noch ein Foto von seinem Vater. Damit kann man seine Aussage eindeutig belegen. Eindeutig.

Rolf zieht nun betont ruhig sein Hemd aus und betrachtet prĂŒfend seinen Oberkörper. Schultern, Arme, Brustraum, alles sieht normal aus. Als kritischer Betrachter findet er sich weder zu dick noch zu dĂŒnn. Na gut, die Oberarme könnten schon ein bisschen krĂ€ftiger sein. Aber das kann man mit drei, vier Wochen Krafttraining schon hinkriegen. Der Bauch ist mittelstark geformt. Kein hard body, kein Schwammbauch. Eben mittelstark geformt. Geformt ist ein guter Ausdruck, denkt Rolf bei sich. Den Ausdruck merkt er sich fĂŒr das GesprĂ€ch.

Jetzt zieht er sein Oberhemd wieder an und geht ruhig vom Bad ins BĂŒrozimmer. Zuerst betrachtet er seine fachlichen Unterlagen. Uni Diplom, Einstellungsvertrag bei der Elektronikfirma, dazu zwei Auszeichnungen, eine fĂŒr eine Erfindung, und eine fĂŒr Verbesserungen im Testablauf. Das sind kleinere Sachen, aber immerhin, kleine Dinge können so wertvoll sein, besonders, wenn Menschen auf sich allein gestellt sind. Die Unterlagen sind sauber in einer Reihe angeordnet.
Darunter hat er das Heiligste seiner HeiligtĂŒmer liebevoll ausgebreitet. Die Ă€rztlichen Gutachten, alle sind aktuell. Der Hausarzt, der HNO-Spezialist, der Facharzt fĂŒr Innere Medizin, alle bescheinigen dem Aspiranten eine gute Gesundheit ohne nennenswerte EinschrĂ€nkungen. Über die nicht nennenswerten EinschrĂ€nkungen denkt ein starker Mensch nicht nach, nach der Devise: NebensĂ€chliches ausblenden. Pflege deine StĂ€rken, jawoll.

Die nĂ€chste Station ist das Wohnzimmer. Rolf setzt sich betont aufrecht auf das Sofa und betrachtet die Unterlagen auf dem Couchtisch vor sich. Er prĂŒft noch einmal, ob er tatsĂ€chlich aufrecht sitzt, und dann holt er tief Luft. Jetzt ist die Zeit zur Entscheidung reif. Hier sitzt ein Mann in seinen besten Jahren, 32 Jahre alt - und geschieden. Also gibt es da keine Ehefrau mit und ohne Kind, die er weinend zurĂŒck lassen wĂŒrde. Moni ist gut versorgt, und Hansi wird jetzt sechs. Der kommt schon im Leben zurecht. Der Hansi kommt ganz auf den Vater. Und die finanzielle Versorgung der beiden ist in trockenen TĂŒchern. Rolf hinterlĂ€sst keine Schulden.

Entschlossen greift er zu den Unterlagen auf dem Tisch. „Nein, noch nicht zugreifen!“, warnt ihn seine innere Stimme. Rolf bemerkt, wie seine Hand leicht zittert. Er atmet tief ein, hĂ€lt die Luft kurz an, und atmet dann bewusst und langsam wieder aus. Noch einmal! Einatmen, Atem anhalten, langsam ausatmen.

So, jetzt ist er bereit. Mars One, eine europĂ€ische Organisation, sucht 40 Astronauten fĂŒr eine Reise zum Planeten Mars im Jahre 2023. Die Weltraumpioniere sollen die erste Kolonie auf dem Planeten Mars einrichten. Es ist eine Reise ohne Wiederkehr. Und es ist ein Abenteuer ohne Vergleich.
Hier sitzt ein Pionier, und dies ist das Abenteuer seines Lebens. Konzentriert beginnt Rolf, das Bewerbungsformular auszufĂŒllen. Seine Augen glĂ€nzen.


Version vom 15. 03. 2013 19:17

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nanja
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Hallo Rhondaly DaCosta,

hab gerade deine Kurzgeschichte gelesen. Ein paar typographische Fehler sind mir aufgefallen:

- pflege deinen StÀrken
- innere Medizin (eher: Innere Medizin)
- innerer Stimme

und auch ein paar Formulierungen klangen seltsam fĂŒr mich:

- Ehefrau mit und ohne Kinder - dann hat er aber doch Kinder (halt aber vermutlich nicht von einer Ehefrau), hört sich aber irgendwie seltsam an
- europÀische Organisation: die Art der Organisation sollte spezieller erwÀhnt werden, finde ich
- der Planet Mars wird zweimal in dieser Doppelung in zwei aufeinanderfolgenden SÀtzen erwÀhnt
- kommt auf den Vater: das hört sich vielleicht nur fĂŒr mich seltsam an, denn ich bin Österreicherin, bei uns wĂŒrde man jedenfalls sagen: kommt nach dem Vater, aber das kann ja in anderen SprachrĂ€umen ganz anders sein...
- ĂŒber das "mittelstark geformt" bin ich zuerst gestolpert, aber das hast du dann ja selbst thematisiert und weiter ausgebaut, also passt's dann auch irgendwie...

So und nun weg von den Kleinigkeiten: Gut hat mir gefallen, wie du dir Zeit nimmst, diesen Mann anhand seiner Äußerlichkeiten ausfĂŒhrlich zu beschreiben und so in Interaktion mit seinem innerlichen Monolog auch seine Persönlichkeit mehr und mehr ausbaust - man kann Einiges ĂŒber diesen Rolf erahnen, auch wenn letztlich nur eine sehr kurze Szene beschrieben wird. Außerdem finde ich die Fragestellung spannend: Was beschĂ€ftigt einen wohl, wenn man mit dem Gedanken spielt, sich auf eine derartige Mission zu begeben? Wie muss man gestrickt sein? Da wĂ€re auch eine tiefergehende Charakterstudie noch möglich - zum Beispiel die abenteuerlustigen Elemente in Rolf mehr zur Sprache kommen zu lassen - die er ja fĂŒr sein Vorhaben zweifelsohne braucht!

Alles in allem war der Text durchaus spannend und klar aufgebaut. Die beiden AbschlusssĂ€tze finde ich allerdings noch nicht prĂ€gnant genug, ohne dass ich sagen könnte, warum genau.... Das ist schade, weil es dann den Leseeindruck zum Schluss noch etwas trĂŒbt.

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Rhondaly DaCosta
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Hallo nanja,

ich danke dir fĂŒrs Lesen, und ich freue mich ĂŒber deinen ausfĂŒhrlichen Kommentar.
Die typographischen Fehler habe ich ausgerĂ€umt. Über deine VorschlĂ€ge denke ich nach.

Liebe GrĂŒĂŸe. Rhondaly.

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Rhondaly DaCosta
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Hallo Andraika,

ich danke dir fĂŒrs Lesen und fĂŒr deinen Kommentar.

Beim Schreiben habe ich auch erst gedacht, ich könnte das Ende mit mehr Effekt gestalten. Dann habe ich den Text gefĂŒhlsmĂ€ĂŸig so belassen, wie er jetzt ist.
NachtrĂ€glich bin ich zufrieden, dass ich zum Schluß keinen Knalleffekt gesetzt habe. Der eher verhaltene Ausklang gefĂ€llt mir jetzt von der Stimmung her besser.
Möglicherweise sucht man fĂŒr die Marsstation mehr den Typ von Pionier, der ruhig und besonnen seinen Aufgaben nachgeht, so wie Rolf sich bei der Vorbereitung seiner Bewerbung verhĂ€lt.

Also, ich danke dir, und ich wĂŒnsche dir mit deinen Werken viel Freude.

Liebe GrĂŒĂŸe. Rhondaly.

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