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Leselupe.de > Kurzgeschichten
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Eingestellt am 29. 12. 2004 00:03


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Edgars Sohn
Festzeitungsschreiber
Registriert: Dec 2004

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Es war eine der mondlosen W├╝stenn├Ąchte in Nevada. Sein schwarzer Umhang wehte im Wind, als er den staubigen Weg von seinem Pick-up zu der heruntergekommenen Truckerrastst├Ątte ging. Mit gro├čen Schritten n├Ąherte er sich der Glast├╝r, ├╝ber der in einem gef├Ąhrlichen Winkel eine flackernde Neonreklame hing. Sie zeigte einen Cowboy, der auf den Schriftzug Rodeo deutete.
Es klingelte, als der Mann die T├╝r aufstie├č. Er war Mitte 40, hoch gewachsen und hatte breiten Schultern. In der rechten Hand hielt er einen Cellokasten. Zielstrebig ging er zur Bar.
ÔÇ×Du kommst sp├Ąt. Der Boss wartet schon. W├Ąrst du noch sp├Ąter gewesen, h├Ątte er dich wohl schon in St├╝cke gerissen.ÔÇť ÔÇ×Schon, klar Matt. Gib mir ┬┤n BierÔÇť. Der Barmann wandte sich ab, schlurfte zum K├╝hlschrank und nahm eine Dose Schlitz heraus. ÔÇ×Hier. Geht aufs Haus.ÔÇť Der Gast griff die Dose und ging an einigen Spielautomaten vorbei zu einer Holzt├╝r. Vorsichtig ├Âffnete er sie und trat in einen verr├Ąucherten Raum. Hinter einem riesigen Schreibtisch sa├č ein massiger Kerl in einem Ledersessel. Er grinste. Das diffuse Licht der gr├╝nbeschirmten Schreibtischlampe lie├č einen Goldzahn aufblitzen. Die Zigarre in seiner Hand entsandte weiterhin dicken Qualm in den Raum. Zu seinen Seiten standen zwei gut gekleidete Herren mittleren Alters. Der Besucher schloss die T├╝r und lehnte den Cellokasten gegen die Wand.
ÔÇ×Ciao, Tony.ÔÇť, sagte der Dicke mit rauchiger Stimme, ÔÇ×Ich mache dir ein Angebot, das du nicht ablehnen kannst. Eigentlich sollte Sunny diesen Job ├╝bernehmen, aber er hat mich entt├Ąuscht. N├Ąchsten Freitag wird der B├╝rgermeister von Powder Junction hier einer Wohlt├Ątigkeitsverantstaltung beiwohnen. Du wirst ihm einheizen.ÔÇť Mit einem angedeuteten Nicken verabschiedete Tony sich, nahm den Kasten und verlie├č den Raum wortlos.
An dem folgenden Freitag hielt wieder der Pick-up vor dem Rodeo und wieder lief Tony mit dem Cellokasten den staubigen Weg zur Rastst├Ątte entlang. Der Cowboy ├╝ber der Eingangst├╝r leuchtete nicht. Allerdings hing an der Glast├╝r ein Pappschild mit der Aufschrift:ÔÇ×Dance ToniteÔÇť. In dem Geb├Ąude waren Transparente mit den Namen mehrer karitativer Einrichtungen gespannt. Der Bereich vor der B├╝hne war voller Menschen, die tanzten. Auf der B├╝hne selbst stand der Barmann mit einer Trompete. Die Band begleitete seinen Blues. Nachdem die schwerm├╝tige Melodie verklungen war, nickte er Tony zu. Der erwiderte den Gru├č und schritt auf die Bretter. Er legte seinen Cellokasten vor sich und ├Âffnete ihn. Es ert├Ânte ein Klicken und Ratschen. Das Publikum verstummte und richtete den Blick in Richtung B├╝hne. In der ersten Reihe stand der B├╝rgermeister. Tony schaute ihn an. Langsam griff er in den Kasten und grinste.
Pl├Âtzlich ging alles ganz schnell: Mit einer routinierten Bewegung hob Tony das Instrument heraus. Die Menge johlte, als der Bogen den Saiten die ersten Akkorde des Nevada Waltz entlockte und die Band einstimmte. Die Tanzfl├Ąche schien zu brodeln und besonders der B├╝rgermeister stampfte wie von Sinnen mit seiner Ballsch├Ânheit durch den Saal.
In dieser Nacht spielte er zu Ehren des B├╝rgermeisters noch viele St├╝cke. Am Ende des Auftritts kam Mr. Corleone aus seinem Hinterzimmer und nickte wohlwollend. Tony wusste, dass seine Zukunft als Cellist gesichert war.

┬ę 2004 by Hans-Rasmus Steinke

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chrissieanne
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hall├Âchen edgars sohn,
hat mir gut gefallen die geschichte. so wie ich sie gelesen habe, sollte eine d├╝stere spelunkenatmosph├Ąre gezeichnet werden mit dem klassischem barmann und dem bad big boss im hinterzimmer. der leser soll denken, dass der b├╝rgermeister erledigt werden soll.
das ist dir schon gelungen. nur w├╝rde ich nicht von anfang an von einem cellokasten schreiben. nur einfach ein schwarzer kasten.
dann kommt der schluss wirklich ├╝berraschend.
an einer stelle schreibst du "der gast" nimmt das bier. . da w├╝rde ich beim "der mann" bleiben.
ansonsten hats mir spa├č bereitet, deine kleine geschichte zu lesen.
viele gr├╝├če von
chrissieanne
__________________
Das Buch soll die Axt sein f├╝r das gefrorene Meer in uns. (Franz Kafka)

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Edgars Sohn
Festzeitungsschreiber
Registriert: Dec 2004

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liebe chrissieanne!
ich wollte gezielt mit den mafiaclishees arbeiten, dies kam am besten mit dem cellokasten r├╝ber. das mit dem der mann k├Ânnt ich mir noch ├╝berlegen.
vielen damk und liebe gr├╝├če
Edgars Sohn

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