Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92248
Momentan online:
314 Gäste und 16 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Humor und Satire
Das Bankgespräch
Eingestellt am 21. 05. 2003 15:31


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Friede
Leere-Blätter-Hasser
Registriert: May 2003

Werke: 5
Kommentare: 3
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Bankgespräche sind besonders unter dem Aspekt von Basel 2 und dem damit verbundenen Firmen Rating heute mehr denn je zu einer persönlichen Offenbarung für den jeweiligen Unternehmer geworden:
Ein Gespräch zwischen Kreditnehmer, im Folgenden Bittsteller genannt, und dem Kreditgeber, der hier als Gott, Kaiser und Pharao gleichzeitig auftritt, könnte sich in der heutigen Zeit etwa so abspielen:

Nehmen wir den hypothetischen Fall, dass ein kleiner, selbständiger Bittsteller ein Kreditgespräch mit der Deutschen heiligen Beraterbank suchen würde. Ein erster Termin ist vereinbart, und der Bittsteller wartet höflich im Vorhof zu einem der Nebenpaläste dieses alt-ehrwürdigen Institutes.

Nehmen wir weiter an der Termin wäre für 14.00 Uhr vereinbart. Schon um 14.53 Uhr erscheint ein Abgesandter des Hofes und weist den Bittsteller an, in einem vorbereiteten, spärlich eingerichteten Wartezimmer nochmals einige Minuten Platz zu nehmen. Ihro Majestät, der Pharao Nixgebheut, habe momentan noch ein Meeting mit Außenminister Überweisheutnix. Danach wäre noch ein kurzes Gespräch mit Geldeintreiber Kontopfänd, aber dann hätte Ihro Hoheit wohl etwas Luft, um sich mit den geringfügigen, quasi wurmhaften Angelegenheiten des Bittstellers zu befassen.

In einem Nebensatz macht der Abgesandte noch deutlich, dass sich auch Herr Kontopfänd vorab sehr genau mit den letzten Kontobewegungen des Bittstellers beschäftigen würde... .

Es ist dann auch erst 15.47 Uhr, als Pharao Nixgebheut kurz das Zimmer betritt und sich erstaunt über die Anwesenheit des Bittstellers äußert: „Ei, ei wen haben wir denn da? Sind Sie noch nicht erhört worden? Hat mein Abgesandter, Herr Kontoführgut, sie nicht über meine Termine in Kenntnis gesetzt?
Ach übrigens, wenn ich Sie mir jetzt mal genauer ansehe – nehmen Sie doch bitte zunächst einmal einen Frisör Termin wahr, bevor Sie sich wieder bei uns melden. Melden Sie sich dann bitte erneut bei Herrn Kontoführgut und vereinbaren Sie mittelfristig einen erneuten Termin. Ich wünsche Ihnen für Ihr weiteres Leben noch alles Gute.“

Der Pharao möchte sich gerade umdrehen und das Zimmer zu einem weiteren wichtigen Termin verlassen, als sich der Bittsteller erstmals schüchtern und verunsichert zu Wort meldet: „Ihro Hohlheit, ... äh Hoheit, es geht lediglich um die weitere Existenz meiner unwürdigen Unternehmung!“ Er erklärt weiter, dass sein Konto derzeit negative Erträge aufweise, und auch Herr Kontopfänd schon zugeschlagen habe. Der Richter Pleitegeir habe auch schon eine Urkunde versandt mit der Aufforderung zur Erklärung: Habenichts.

Der Pharao dreht sich –ob dieser Respektlosigkeit- erstaunt um, und fragt nochmals nach, ob der Bittsteller seinen eben kurz genannten Vorschlag nicht wahrgenommen hätte: „ Ach übrigens empfehle ich Ihnen auch gleichzeitig einen Arzt Termin auszumachen – und bitte putzen Sie sich ordentlich Ihre Zähne.“ „Ich habe hier einige Unterlagen mitgebracht..“ versucht es der Bittsteller erneut.

„Ach ja, Unterlagen.. ! Zum nächsten Termin bringen Sie bitte folgende Papiere, jeweils im Original und in einer Kopie mit:
Gültiger Personalausweis oder Reisepass, Führerschein, Fahrzeugpapiere, Warndreieck, Verbandskasten incl. Aids-Handschuhen, ASU Bescheinigung,
Geburtsurkunde, Impfbuch
Familien-Stammbuch
Wichtig: Feuer - und Hausratsversicherung!
Unterlagen zu Lebensversicherungen, Bausparverträgen, Wertpapieranlagen
Heiratsurkunde, bei Scheidung bitte Scheidungsurteil, Unterlagen zu ehelichen und außerehelichen, unterhaltspflichtigen Kindern, sozialen Bezügen wie Bafög, Kindergeld, Wohngeld, evtl. Sozialhilfe, Matratzengeld, Rentennachweise etc..
Gesonderte Bescheinigung über Ausfallzeiten für nicht erfolgte Zahlungen in die Sozialkassen (anzufordern bei der BFA in Berlin)
Zusätzliche tabellarische Aufstellung aller Vermögenswerte, sollten Immobilien vorhanden sein, bitte aktuelle, amtlich beglaubigte Grundbuchauszüge (die bitte 2-fach)
Nachweise über Gehaltszahlungen der letzten 3 Jahre, Arbeitsvertrag
Wurde Arbeitslosengeld bezogen, wie lange?
Wenn selbständig, bitte Handelsregisterauszug sowie Nachweis über die vollständig erbrachte Einlage des gezeichneten Kapitals bei einer Kapitalgesellschaft und den Nachweis für die geleistete Zahlung der Kapitalbewegungssteuer,
Notariellen Gesellschaftervertrag sowie Mietverträge, ggf. Leasingverträge,

Unterlagen über laufende Kredite bei anderen, fremden Instituten, Guthaben auf Schweizer-Nummernkonten oder in Liechtenstein bzw. Luxemburg, Bescheinigung über die erfolgte Zahlung der Zinsabschlagssteuer für die Guthaben bei den ausländischen Instituten (denn man wolle sich hier nicht der Beihilfe zur Steuerhinterziehung mitschuldig machen und würde in diesem Falle eine Kontrollfunktion ausüben!)
Bilanzen der letzten 3 Jahre, Betriebswirtschaftliche Auswertung zum aktuellen Stand, abgezeichnet von einem vereidigten Steuerberater, Inventurbewertung des Lagerbestandes.“

Er führt weiter aus: „Ich übergebe Ihnen an dieser Stelle schon einmal, rein prophylaktisch, das Formular zur Sicherheitsübereignung Ihres Lagerbestandes an unser Institut. Nicht, dass das für uns irgend einen aussagefähigen Wert darstellt. Es ist rein zu Ihrer eigenen Absicherung. Vorsorglich erkundigen Sie sich bitte nach Bürgen z.B.: Vater, Mutter, reiche Tante, Erbonkel aus USA etc.. .
In diesem Falle sollten Sie bitte auch die oben genannten Unterlagen für die Bürgen beibringen. Bitte weisen Sie die Bürgen darauf hin, dass unser Haus nur unbegrenzte Bürgschaften ohne Laufzeitbeschränkungen akzeptiert, die zusätzlich noch durch Immobilien oder Lebensversicherungen bzw. Wertpapierdepots oder Sparbücher abgesichert sind. Haben Sie das alles verstanden und notiert?“

Er fügt noch ermunternd hinzu: „Machen Sie sich aber bitte nicht allzu große Hoffnungen auf einen positiven Bescheid für Ihr Anliegen!“
Das Gespräch wird in diesem Moment durch einen hausinternen Telefonanruf unterbrochen. Im Laufe des Telefonates wechselt Pharao Nixgebheut mehrfach die Gesichtsfarbe und brüllt schließlich in den Hörer: „Das kann doch alles gar nicht wahr sein! Ich glaub es nicht! So etwas unverschämtes ist mir in meiner ganzen Regierungszeit noch nicht untergekommen!“
Er knallt den Hörer auf die Gabel und dreht sich zornentbrannt zu dem Bittsteller um: „Herr, Herr... verdammt Ihr Name ist mir auch sch.. egal! So etwas von Unverschämtheit ist mir ja noch gar nicht untergekommen!“ wiederholt er seine Worte von dem vorher geführten Telefonat. „Wissen Sie, wen ich da gerade am Apparat hatte? Nein, natürlich nicht, Sie Nachgeburt des Teufels. Sie Betrüger – Sie! So können sie mit uns nicht umgehen. Ich überlege sogar, ob ich nicht eine Anzeige wegen versuchten Kreditbetruges veranlassen soll!“

Der Bittsteller blickt ratlos umher und kann sich diesen Sinneswandel nicht erklären.

Der Pharao wütet weiter: „Wissen Sie was mir der Herr Kontopfänd gerade erzählt hat? Tun Sie bitte nicht so unwissend. Wissen Sie denn gar nicht was mit Ihrem Konto los ist? DANN SAGE ICH ES IHNEN JETZT! SIE SIND IM MINUS; SIE HABEN NEGATIVE ERTRÄGE VON INSGESAMT EUR 175.- Stellen Sie sich das mal vor: Einhundertfünfundsiebzig Euro im MINUS!“

Der Bittsteller wirft hier schüchtern ein, dass das ja gerade der Grund wäre, warum er dieses Gespräch gesucht hätte.

„Und da wagen Sie es noch, uns um weitere Kreditleistungen anzubetteln? Ich sage: Raus hier, denn auf dieser Basis, die ja von Anfang an schon einen großen Vertrauensbruch gegenüber unserem Hause darstellt, können wir gemeinsam nicht mehr weiterarbeiten. Ich werde Herrn Kontopfänd noch heute mit der Auflösung Ihrer Konten in unserem Hause beauftragen. Gehen Sie mir aus den Augen!“
Pharao Nixgebheut beginnt jetzt wie wild in die Tastatur seines Computers zu hacken und schenkt dem unwürdigen Bittsteller keine weitere Beachtung mehr.

Dieser überlegt noch, ob er den Pharao nochmals höflich darauf ansprechen sollte, ob dieser Ihm denn noch einen Frisör seines Vertrauens empfehlen könnte, verwirft aber angesichts des zornigen Gesichtsausdruckes des Pharaos diesen Gedanken schnell wieder.
Er packt seine Tasche und verlässt das heilige Gebäude langsamen Schrittes in Richtung Parkplatz. Dort hat er sein altes Fahrzeug abgestellt. Die Parkzeit ist überschritten und eine Aufforderung zur Zahlung von EUR 15.- auf ein von der Stadt angegebenes Konto bei der Deutschen heiligen Beraterbank ist beigefügt.
Er setzt sich in sein Fahrzeug, überlegt noch kurz ob er die Fahrzeugpapiere, den Führerschein, Verbandskasten und Warndreieck dabei hat, dann nimmt er seine 45er Automatik aus dem Handschuhfach und setzt seinem unwürdigen Leben als Unternehmer in diesem Staate ein Ende.

Pharao Nixgebheut lässt verkünden, dass er angesichts der chaotischen Kontoführung dieses Bittstellers nicht einsehen würde, dass sein Institut für die Beerdigungskosten, sowie für die Beseitigung von dessen sterblichen Überresten aufkommen solle... .
Die Zeitung Bild Express berichtete am Montag, dass trotz zu erwartender Steuerausfälle in Millionenhöhe durch den plötzlichen Tod eines Unternehmers, dennoch die Diäten für die Bundestagsabgeordneten der rot-grünen Fraktion schnellst möglich um 45% erhöht werden.

Ja, ja so sind die Dinge... .

__________________
Gruss
Friede

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zurück zu:  Humor und Satire Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!