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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Bild der lieben Oma
Eingestellt am 23. 11. 2011 17:42


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triphaena
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Nov 2011

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Annika lauert kniehend auf der obersten Treppensufe hinter der Kellert├╝r. Sie blickt durch den schmalen T├╝rspalt ins gegen├╝berliegende Wonzimmer und wartet auf den richtigen
Moment. Ausser dem Fernseher ist nichts zu h├Âren. Mama sitzt auf dem Sofa, Papa in seinem K├Ânigssessel. Beide vor der Glotze. Die Luft scheint rein zu sein. Aufbruch!

Annika schleicht gekonnt am Wohnzimmer vorbei und verschwindet in der Garderobennische nebenan. Ein kurzer Blick ├╝ber die Schulter. Alles ruhig. Prima!

An der Garderobe h├Ąngen M├Ąntel, Jacken und Sporttaschen. Alle werden sie fein s├Ąuberlich inspiziert. In Mamas Sachen, wie so oft, nichts zu finden. Die Sporttasche, leider auch leer. Mist! Die ausgebeulte Seitentasche von Papas Freizeitjacke schaut da vielversprechender aus.
Da ist was drin!
Ein paar M├╝nzen in Fremdw├Ąhrung. Unbrauchbar. Ein Taschentuch. Seufz. Ein Schl├╝sselbund. Wertlos. Ein einzelner Geldschein. Zu riskant. R├╝ckzug!

Annika verschwindet wieder hinter der Kellert├╝r, wieder einmal ohne Beute. Dem Papa ist wohl nicht entgangen, dass seit einiger Zeit immer wieder Kleingeld verschwindet. Immer
dann, wenn er seine Sachen wie gewohnt an der Garderobe aufh├Ąngt. Der hat dazu gelernt. Und das ist nicht gut f├╝r Annika.
Geld ausleihen findet Annika doof. Das geht n├Ąmlich nur, wenn man es auch zur├╝ckzahlt. Ohne R├╝ckzahlung kein Ausleihen. Aber ohne Ausleihen keine R├╝ckzahlung. Und weil Annika kein Taschengeld bekommt, bleibt ihr nichts anderes ├╝brig, als das Geld verschwinden zu lassen. Wenn aber kein Geld da ist, wird es schwierig. In solchen Situationen gibt es nur noch eine M├Âglichkeit: das Sparschwein von Br├╝derchen Nils, randvoll gef├╝llt mit M├╝nzen. Steht in Papas Arbeitszimmer im Keller, zuoberst auf dem B├╝cherregal. Das Gute daran: im Keller ist meistens niemand anzutreffen und Annika kann ihr Werk ungest├Ârt verrichten. Sie steigt die Kellertreppe hinab.

Das Arbeitszimmer ist vollgestopft. ├ťberall B├╝cher und Ordner, dicht aneinander gereiht. Ein Schreibtisch voller Akten, darunter ein ├╝bervoller M├╝lleimer. Am Boden steht eine leere Kaffetasse, daneben eine Wasserflasche. Papas Chaos. Dicke Luft. Kein Fenster. Anika schliesst die T├╝r. Das
Sparschwein l├Ąchelt iht zu.

Das B├╝cherregal ist gross, gr├Âsser als Annika. Sie streckt sich, um an das Sparschwein zu gelangen. Und als Annika da so auf ihren Zehenspitzen balanciert, schaut sie zur Wand rechts neben ihr. An der Wand h├Ąngt ein eingerahmtes Bild der lieben Oma. Oma ist leider schon tot, sie starb vor drei Jahren an Krebs. Und Annika mochte sie sehr.
Die Oma auf dem Bild schaut Annika an, fast so, als beobachte sie sie. Annika f├╝hlt sich ertappt, erwischt von der lieben Oma. Egal, ist ja nur ein Bild.
Sie fingert eine grosse M├╝nze aus dem Sparschwein, f├╝hlt sich aber immer noch beobachtet. Sie schaut erneut zu Omas
Bild. Oma starrt zur├╝ck. Ein ungutes Gef├╝hl beschleicht Annika.

ÔÇ×Liebe Oma, ich zahle es zur├╝ck, versprochen! Diesmal zahle ich es zur├╝ck!ÔÇť, sagt Annika, meint es aber nicht so. Eine zur├╝ckzahlende Annika gibt es nicht. Sie betrachtet noch kurz die M├╝nze in ihrer Hand und stellt das Sparschwein wieder ins Regal. Immer noch sp├╝hrt sie Omas ermanender Blick. Egal, ist ja nur ein-

KLIRRRRRR!!!

Das Bild der lieben Oma, das eben noch an der Wand hing, f├Ąllt zu Boden. ├ťberall Glassplitter, ein kaputter Rahmen. Irgendwo darunter, das Bild der lieben Oma.

Annika ist bleich, kreidebleich. F├╝r einen Moment kann sie nicht atmen. Sie bleibt eine Weile wie angewurzelt stehen. Pl├Âtzlich ergreift sie hastig das Sparschwein, wirft die grosse M├╝nze wieder ein, stellt das Sparschwein zur├╝ck und rennt, wie vom Blitz getroffen, aus dem Arbeitszimmer.

Version vom 23. 11. 2011 17:42

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