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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Café
Eingestellt am 13. 02. 2016 08:31


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JcPosch
Wird mal Schriftsteller
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Ich sitze in einem kleinen Café, irgendwo hier in der Stadt. Ich sehe aus dem Fenster, das zu meiner Linken liegt und die Umgebung kommt mir bekannt vor. Allerdings kann ich gerade nicht sagen, in welchem Teil der Stadt ich mich befinde. Irgendwie sieht alles gleich aus. Ich sitze also in diesem Café. Warte. Warum sitze ich in diesem Café? Ich war doch gerade noch zu Hause! Bin ich eingeschlafen? „Entschuldigen Sie?”
Lass mich einen Moment nachdenken. Ich bin also hier her gegangen. Von zu Hause. Aber wann?
„Mein Herr. Ihr Kaffee.“
Ich sehe zu meiner Rechten und erblicke einen jungen Mann, vielleicht Anfang dreißig, vor dessen Unterleib eine schwarze Schürze hängt. Auch sein T-Shirt ist schwarz und seine Hose und seine Schuhe auch. Was ist das hier für ein Laden? Bin ich auf einer beschissenen Beerdigung?
„Schwarz?“ Frage ich, während ich unter die heiße Tasse fasse und sie ihm aus der Hand nehme.
„Wie immer.“
Wie immer? Wer ist dieser Kerl?
„Kennen wir uns?“ Es scheint mir, als hätte er mit dieser Frage gerechnet. Er sieht mich an, sieht weg, sieht wieder zu mir und wieder weg. Was ist denn hier verdammt noch mal los? Dann scheint er endlich etwas aus sich heraus zu bekommen: „Das ist eine lange Geschichte.“
„Ich denke ich habe Zeit“, antworte ich prompt.
Er lacht. „Ich weiß“, sagt er noch und geht dann weg. Ich würde mich ja über sein Verhalten wundern, wenn ich nicht damit beschäftigt wäre herauszufinden, wie zur Hölle ich in dieses Café gekommen bin? Ein Klingeln reißt mich aus den Gedanken und ich drehe mich um, um nachzusehen, was es zu bedeuten hat.
Ich sitze in einem kleinen Café, irgendwo hier in der Stadt. Ich sehe aus dem Fenster, das zu meiner Linken liegt und die Umgebung kommt mir bekannt vor. Allerdings kann ich gerade nicht sagen, in welchem Teil der Stadt ich mich befinde. Irgendwie sieht alles gleich aus. Ich sitze also in diesem Café. Warte. Warum sitze ich in diesem Café? Ich war doch gerade noch zu Hause! Bin ich eingeschlafen? Ich erblicke einen heißen Kaffee auf dem Tisch vor mir und sehe mir die Tasse genau an. Ist das meine? Nachdem ich sie einmal um ihre eigene Achse gedreht habe, kann ich zumindest beruhigt sagen, dass zuvor noch niemand aus dieser Tasse getrunken hatte. Nicht, seitdem sie das letzte Mal gewaschen wurde. Ich hebe die Tasse hoch, führe sie mir an den Mund und trinke einen großen Schluck. Erst, als ich sie wieder abstelle, bemerke ich, wie heiß dieser Gott verdammte Kaffee ist. Ich sehe in den Raum und erblicke eine wunderschöne junge Dame, die sich ihre Jacke auszieht. Sie muss wohl gerade reingekommen sein. Ich überlege einen kurzen Moment, ob ich herübergehen soll, aber dann fällt mir auf, dass ich zunächst klären sollte, wie ich hier überhaupt gelandet bin. Wo fange ich am besten an? Also, ich bin mir ziemlich sicher, dass ich noch zu Hause war.
Ich sitze in einem kleinen Café, irgendwo hier in der Stadt. Ich sehe aus dem Fenster, das zu meiner Linken liegt und die Umgebung kommt mir bekannt vor. Allerdings kann ich gerade nicht sagen, in welchem Teil der Stadt ich mich befinde. Irgendwie sieht alles gleich aus. Ich sitze also in diesem Café. Warte. Warum sitze ich in diesem Café? Ich war doch gerade noch zu Hause! Bin ich eingeschlafen? Nein, warum sollte ich eingeschlafen sein? Ich kann doch im Schlaf nicht hier hergekommen sein. Das ist absurd. Mann, reiß dich zusammen. Warum brennt meine Kehle so? Ich sehe herunter auf den Tisch, an dem ich sitze und erblicke eine Tasse Kaffee. Aber diese Tasse ist benutzt. Aus ihr wurde schon getrunken! Ich sehe panisch in den Raum hinein und suche mit meinem Blick den Kellner. Ein junger Typ, vielleicht Anfang dreißig sieht mich und kommt zu mir herüber. „Hören Sie mal: Man kann doch wohl erwarten, dass –“ Er unterbricht mich: „Sie waren es, der den Kaffee getrunken hat. Brennt ihre Kehle? Sie haben Ihren Kaffee zu schnell getrunken.“ Woher weiß er, dass meine Kehle brennt? Woher zur Hölle –? Woher weiß er das? Ich fühle mich unwohl. „Kann ich sonst noch etwas für sie tun, mein Herr?” Mir gefällt es, wie er „mein Herr” sagt. Ich denke, ich werde gerne so angesprochen. „Können Sie sich noch daran erinnern, wann ich hierhergekommen bin?”
„Das ist schon eine Weile her. Sie sind in der Sonne eingeschlafen und gerade wieder aufgewacht.” Das erklärt einiges. „Könnten Sie mir bitte noch ein Wasser bringen?”
Ich sitze in einem kleinen Café, irgendwo hier in der Stadt. Ich sehe aus dem Fenster, das zu meiner linken liegt und die Umgebung kommt mir bekannt vor. Allerdings kann ich gerade nicht sagen, in welchem Teil der Stadt ich mich befinde. Irgendwie sieht alles gleich aus. Ich sitze also in diesem Café. Warte. Warum sitze ich in diesem Café? Ich war doch gerade noch zu Hause! Bin ich eingeschlafen? Meine Kehle schmerzt. Ich drehe den Kopf zur anderen Seite und erschrecke mich. Ein Mann steht dort an meiner Seite, direkt an meinem Tisch. Er ist pechschwarz angezogen. Wo bin ich? Er sieht auf mich herab, wie ein Zoobesucher auf ein gefangen gehaltenes Tier. Was will dieser Mann von mir? „Kann ich Ihnen helfen?”
Er sieht mich verwundert an. „Sie wollen mir helfen?” Fragt er benommen. Ich fühle mich unwohl. „Schatz? Hast du das gehört? Er hat mich gefragt, ob er mir helfen kann?” Schreit er in den Raum hinein und aus einer Tür, die lediglich einen Spalt offen ist antwortet eine helle Frauenstimme: „Das hat noch nie, oder?” Sie klingt erstaunlich euphorisch. „Das ist das erste Mal”, vernehme ich zudem. Ich sehe in den Raum und erblicke eine wunderschöne junge Frau, die in unsere Richtung sieht und lächelt. Erst jetzt fällt mir auf, dass sonst niemand in diesem Café sitzt. Ich werde nervös. Wer sind diese Menschen, verdammt? „Schatz, rufst du bitte den Doktor an und teilst es ihm mit?” Ruft der Mann in schwarz wieder.
„Jetzt?”
„Ja! Jetzt!”
All das ist zu viel für mich. Ich gerate in Panik, stehe mit einem Satz auf und schmeiße den Tisch um. Die fast volle Tasse Kaffee, die wohl auf dem Tisch stand fliegt in hohem Bogen auf die Fliesen und zerspringt in tausend Scherben. Ein blitzartiger Schmerz schießt mir durch den Rücken. „Verfluchte Scheiße!” Schreie ich auf. Ich versuche zur Tür zu laufen, aber es geht nicht so einfach. Ich fühle mich schwer und eingeschränkt. Haben die mir was verabreicht? Bin ich gelähmt? Scheiße, ich bin vielleicht nicht viel älter als dieser Typ, der wie angewurzelt immer noch an dem umgeworfenen Tisch steht und trotzdem fühle ich mich als wäre ich schon siebzig. Ich gehe langsam – und doch so schnell ich kann – zur Tür und versuche sie zu öffnen. Sie ist abschlossen. „Was ist das hier für ein Mist! Lassen Sie mich sofort gehen!” Nun, zum ersten Mal bewegt sich der Mann von seinem Fleck und geht auf mich zu. Kaum zu glauben, dass ich noch panischer werden kann. „Lassen Sie mich gehen! Ich will hier weg! Sofort!” Obwohl sein Mund die ganze Zeit über geöffnet ist, scheint er erst jetzt etwas aus sich heraus zu bekommen: „Beruhige dich, Opa. Setz dich bitte wieder hin.”
Hat dieses kleine Arschloch mich gerade „Opa” genannt? Sehe ich aus, wie ein beschissener Opa? Ich drehe mich wieder zur Tür und hämmere dagegen, während ich nach Hilfe schreie: „Kann mich jemand hören? Hilfe! Ich werde hier festgehalten.” Das Geräusch meiner Faust, die gegen die morsche Holztür prallt, hallt durch den Raum wie der Donner vor einem grauenhaften Sturm. Als ich mich wieder umdrehe, um zu überprüfen, ob der Mann nicht vielleicht noch näher gekommen ist, erblicke ich eine weiter Frau im Raum. Vermutlich jene, dessen Stimme vorher aus der Küche erklang. Jene, die wohl auf „Schatz” hört. Sie muss aus ihrer Höhle gekrochen sein. Auch das schöne Mädchen ist in der Zwischenzeit aufgestanden. Tränen laufen ihr über’s Gesicht. „Ich schwöre euch, wenn das hier rauskommt, –” Ich breche abrupt ab, da mir die Worte fehlen, um diesen Satz zu beenden und drehe mich wieder um.
Ich sehe auf ein großes hölzernes Rechteck. Ist das eine – es ist eine Tür. Was mache ich hier? War ich nicht eben noch zu Hause? Ich drehe mich um und sehe, dass ich wohl in einem Café bin. Gott verdammt, habe ich schon wieder getrunken? Es scheint ein kleines Café zu sein. Lediglich drei oder vier Tische stehen in dem Raum, jeweils doppelt bestuhlt. Ein Tisch liegt umgeworfen auf dem Boden, daneben eine große Kaffee Pfütze samt zersprungenem Porzellan. Ein Mann – schwarz gekleidet – steht wenige Meter vor mir, ich erkenne wie seine Augen feucht werden; sich mit Tränen füllen. Rechts von ihm steht eine Frau. Sie ist wunderschön. Unbeschreiblich. Kurz denke ich darüber nach zu ihr zu gehen, doch Tränen laufen ihr Kinn herunter. Sie ist so hübsch und ich kann es nicht ertragen, sie weinen zu sehen. Weiter hinten im Raum in der Ecke steht ebenfalls eine Frau. Es liegt eine eigenartige Stimmung in der Luft. Irgendwie angespannt. „Komme ich ungelegen? Soll ich vielleicht später noch einmal wiederkommen?” Frage ich. Jetzt kann ich deutlich erkennen, wie auch dem Mann die Tränen das Gesicht herunterlaufen. Ich fühle mich unwohl. „Nein, nein! Ganz und gar nicht! Bitte setzen sie sich.” Er geht zu dem umgefallenen Tisch hinüber, stellt ihn wieder auf und gestikuliert mir, dass ich mich dort hinsetzen soll. Naja, wenn ich schonmal hier bin. Ich mache einen Schritt in seine Richtung und sofort schmerzt es mir überall. Vor allem mein Rücken macht mir zu schaffen. „Um Gottes Willen, was habe ich denn gestern gemacht, dass mein Rücken so schmerzt?” Ich gehe langsam – und doch so schnell ich kann – zum Tisch, beziehungsweise zu dem Stuhl vor dem Tisch, den mir der Mann hinhält und ich lasse mich darauf fallen.
Ich sitze in einem kleinen Café, irgendwo hier in der Stadt. Ich sehe aus dem Fenster, das zu meiner Linken liegt und die Umgebung kommt mir bekannt vor. Allerdings kann ich gerade nicht sagen, in welchem Teil der Stadt ich mich befinde. Irgendwie sieht alles gleich aus. Ich sitze also in diesem Café. Warte. Warum sitze ich in diesem Café? Ich war doch gerade noch zu Hause! Bin ich eingeschlafen? Ich merke, wie jemand von hinten gegen meinen Stuhl drückt und ihn somit näher an den Tisch vor mir schiebt. Als ich im perfekten Abstand zum Tisch sitze, verharre ich. Ich will gerade hinter mich sehen, als ein Mann, vielleicht Anfang dreißig, nicht viel jünger als ich in mein Blickfeld tritt. Er wischt sich mit dem Ärmel durch’s Gesicht. Als dieses frei wird, kann ich seine geschwollenen Augen erkennen und die gereizte Haut. „Worum geht es? Frauen?” Er lacht. Ich erkenne eine einzelne Träne, die sich alleine den Weg über sein verquollenes Gesicht bahnt. Hinunter über die Wange, bis ich sie schließlich nicht mehr erkennen kann. Aus dem Augenwinkel, wenn auch nur sehr unscharf, erkenne ich eine Person, die sich an einen benachbarten Tisch setzt. „Was sonst?” Gibt er mir als Antwort.
„Ach weißt du, es ist immer das Gleiche. Egal wie alt du bist. Du kommst schon drüber hinweg.”
Er sieht nach oben und zieht die Nase hoch. Bei all der schwarzen Kleidung, in die er gehüllt ist, erkenne ich erst jetzt dass er eine ebenfalls schwarze Schürze trägt. „Meinst du, du kannst mir einen Kaffee machen?”
„Einen Kaffee?” Fragt er zurück, als ob es ein Fremdwort wäre.
„Das hier ist doch ein Café, oder sehe ich nicht richtig? Wenn ich schonmal hier –”
Ich sitze in einem kleinen Café, irgendwo hier in der Stadt. Ich sehe aus dem Fenster, das zu meiner Linken liegt und die Umgebung kommt mir bekannt vor. Allerdings kann ich gerade nicht sagen, in welchem Teil der Stadt ich mich befinde. Irgendwie sieht alles gleich aus. Ich sitze also in diesem Café. Warte. Warum sitze ich in diesem Café? Ich war doch gerade noch zu Hause! Bin ich eingeschlafen? Ich sehe in den Raum und erblicke eine wunderschöne junge Dame, die nur ein paar Tische von mir entfernt sitzt. Ich überlege einen kurzen Moment, ob ich zu ihr herübergehen soll, aber dann kommt schon ein Kellner vorbei; er ist ganz schwarz angezogen und will mir gerade eine Tasse auf den Tisch stellen, als ich unter die heiße Tasse fasse und sie ihm aus der Hand nehme. „Schwarz?” Frage ich. „Wie immer.” Wie immer? Wer ist dieser Kerl? „Kennen wir uns?” Er stößt erleichtert auf. Habe ich irgendwas getan? Er sieht aus, als hätte er geheult. Bevor er mir gleich auf die Pelle rückt und ich ihm seelische Unterstützung geben muss, scheuche ich ihn schnell weg und sehe darüber hinweg, dass ich in diesem beschissenen Café sitze und keine Ahnung habe warum. Ich war doch gerade noch zu Hause. Wie auch immer. Vermutlich aus Ratlosigkeit greife ich die Tasse, hebe sie hoch, führe sie mir an den Mund und trinke einen großen Schluck. Erst, als ich sie wieder abstelle bemerke ich, wie heiß dieser Gott verdammte Kaffee ist. Meine Kehle brennt. Ich sehe wieder zu der Frau, zu der sich nun auch der Kellner gesellt hat und lausche ihrem Gespräch. „Das ist das erste Mal, seit wann?” Fragt er sie.
„Seit beginn”, antwortet sie. „Was hat das zu bedeuten?”
„Woher soll ich das wissen? Hat deine Frau schon den Doktor ausgerufen?”
Ich sitze in einem kleinen Café, irgendwo hier in der Stadt. Ich sehe aus dem Fenster, das zu meiner linken liegt und die Umgebung kommt mir bekannt vor. Allerdings kann ich gerade nicht sagen, in welchem Teil der Stadt ich mich befinde. Irgendwie sieht alles gleich aus. Ich sitze also in diesem Café. Warte. Warum sitze ich in diesem Café? Ich war doch gerade noch zu Hause! Bin ich eingeschlafen? Meine Kehle brennt. Dann werde ich durch ein Gespräch eines Pärchens ein paar Tische weiter aus den Gedanken gerissen. Er ist ganz schwarz angezogen. Sein T-Shirt, seine Hose, seine Schuhe. Alles schwarz. Was hängt da vor seinem Unterleib? Trägt er ein Kleid über der Hose? Naja, jedenfalls ist es auch schwarz. Die Dame, die ihm gegenüber sitzt, erkenne ich nur schwer von der Seite, aber es scheint mir, als wäre sie wunderschön. Dann höre ich ihn sagen: „Ich kann das nicht mehr. Wie lange machen wir das jetzt schon?”
„Seit dem wir auf der Welt sind”, antwortet sie. „Und Pa? Er hat es gemacht, bis er starb. Ich kann das nicht.”
„Reiß dich zusammen, Bruderherz. Opa wird auch älter. Ich meine, er geht auf die neunzig zu. Wie lange kann das schon noch dauern?”
„Verarscht du mich gerade?”
„Tut mir leid.”
Dann fühle ich mich irgendwie motiviert einzugreifen: „Familienprobleme?”, frage ich in den Raum. Das Pärchen sieht schlagartig zu mir herüber. „Hat er uns etwas die ganze Zeit zugehört?” Faucht sie ihn an.
„Woher soll ich das wissen?” Noch ein weiters Mal melde ich mich zu Wort: „Wo liegt das Problem?”
Sie sehen mich mit großen Augen an, wie ein kleines Kind im Zoo, dass zum ersten Mal ein Kamel sieht. Oder einen Tiger. Oder eine Giraffe.
„Wir fragen ihn einfach.”
Sie antwortet: „Bist du bescheuert?”
„Warum nicht? Er weiß es doch wohl am besten!”
„Wie zur Hölle will er das beurteilen? Erstens ist sein Gehirn alles andere als noch funktionstüchtig, du hast doch keine Ahnung was er denkt. Vielleicht sind es auch nur noch Instinkte oder alte Erinnerungen, die ihn handeln lassen. Und zweitens –«
Ich sitze in einem kleinen Café, irgendwo hier in der Stadt. Ich sehe aus dem Fenster, das zu meiner Linken liegt und die Umgebung kommt mir bekannt vor. Allerdings kann ich gerade nicht sagen, in welchem Teil der Stadt ich mich befinde. Irgendwie sieht alles gleich aus. Ich sitze also in diesem Café. Warte. Warum sitze ich in diesem Café? Ich war doch gerade noch zu Hause! Bin ich eingeschlafen? Meine Kehle brennt.
„Wie viele Gründe willst du noch haben?” Erklingt es von meiner Rechten. Es ist eine bezaubernd schöne Stimme.
Ich sehe in die Richtung, aus der sie kommt und erblicke ein Pärchen, das wenige Tische weiter sitzt. Sie streiten sich wohl. Sie muss wunderschön sein, auch wenn ich ihr Gesicht nur von der Seite sehe und sie wütend auf ihr Gegenüber einredet. Dann steht er plötzlich auf. Er ist ganz schwarz gekleidet, mit einer Schürze vor dem Unterleib. Oder ist es ein Kleid? Könnte ein Kellner sein.
„Wir werden es nie herausfinden, wenn wir es nicht versuchen”, sagt er noch und geht dann in meine Richtung, „und selbst, wenn es schief geht. Was soll’s. In fünf Minuten hat er sowieso wieder alles vergessen.”
„Aber dann mach es mit Gefühl. Nicht zu direkt”, sagt sie noch bevor er sich an meinen Tisch setzt.
„Hörst du mir nicht zu?”, sagt er noch, bevor er sein Gesicht von ihr wendet und es zu mir dreht. „Selbst wenn? Dann versuchen wir es in fünf Minuten noch einmal.”
Was zur Hölle ist hier los?
„Hallo, mein Herr.” Mir gefällt es, wie er „mein Herr” sagt. Ich denke, ich werde gerne so angesprochen.
„Können Sie mir einen Gefallen tun?”
„Ich werde es versuchen.”
„Wie fange ich an? Mein Großvater leidet an einem schweren Fall von Amnesie. Alle vier bis sechs Minuten verliert er sein Kurzeitgedächnis und startet von vorn. Seit fast fünfzig Jahren und mit den unterschiedlichsten Methoden wird sich nun schon um ihn gekümmert. Was denken Sie? Ist er glücklich?” Er fragt es mit vollem Ernst, wobei ich nicht damit gerechnet habe, dass er mir direkt sein Herz ausschüttet. „Er weiß mit Sicherheit nicht, was seine Familie für ihn durch macht. Also frage ich Sie: Ist es das wert?” Ich überlege kurz, allein aus dem Grund, weil ich bei solch sentimentalen Ratschlägen schon oft in die Kloschüssel gegriffen habe: „Fühlt es sich den so an, als wäre es das alles wert? Ob ja oder nein, die Antwort sollte klar sein.”
Er sieht mir tief in die Augen. Ist das eine Träne? Ich fahre fort: „Auch, wenn ich nicht viel älter bin als du, habe ich eins gelernt: Familie ist das Wichtigste. Der Rest ist scheißegal. Aber wenn es dich hindert, dich weiterzuentwickeln, dann ist es vielleicht besser loszulassen. Manchmal tut es mehr weh, etwas festzuhalten, als es einfach loszulassen” Ich bin von mir selbst erstaunt. Der Mann lächelt und Tränen laufen ihm das Gesicht herunter. Ich sehe hinunter zur Kaffeetasse. „Kannst du mir einen Kaffee machen?”, frage ich ihn. Vielleicht zu früh, aber bei dem Anblick, musste ich einfach fragen.
„Da steht ihr Kaffee”, meldet er schluchzend, ohne mich anzusehen.
„Entschuldigen Sie? Den habe ich nicht getrunken.”
„Sie waren es, der den Kaffee getrunken hat. Brennt ihre Kehle? Sie haben Ihren Kaffee zu schnell getrunken”, sagt mein Tischnachbar wie aus der Pistole geschossen. Dann reißt er die Augen auf und sieht mich an. Ich habe den Kaffee nicht getrunken. Warte. Meine Kehle brennt wirklich. Woher wusste er das? Wie bin ich hier hingekommen? Scheiße, was zur Hölle ist hier los? Ich sehe auf meine Hände. Sie sind mit Altersflecken bedeckt, die Haut ist wie aus Leder. Ich sehe wieder zu ihm hoch. Das kann nicht sein. Verfickte Scheiße, das kann nicht sein! Wie bin ich hier hingekommen?
„Es tut mir leid”, sagt er noch während er mir ansieht, dass ich in Panik verfalle. Ich werde nervös. Verdammt nervös. Das kann nicht sein.
Ich sitze in einem kleinen Café irgendwo hier in der Stadt. Ich sehe aus dem Fenster, das zu meiner Linken liegt und die Umgebung kommt mir bekannt vor. Allerdings kann ich gerade nicht sagen, in welchem Teil der Stadt ich mich befinde. Irgendwie sieht alles gleich aus. Ich sitze also in diesem Café. Warte. Warum sitze ich in diesem Café? Ich war doch gerade noch zu Hause! Bin ich eingeschlafen? Nein, warum sollte ich eingeschlafen sein? Ich kann doch im Schlaf nicht hierhingegangen sein. Das ist absurd. Reiß dich zusammen. Warum brennt meine Kehle so?

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DocSchneider
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Hallo JcPosch, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Schön, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem Maße an neue Mitglieder richtet. Hier klicken

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Gelbe Hühner
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Hallo Jc,
viel zu lang! Man wartet endlos auf eine Pointe, die nicht kommt, denn am Ende kommt genau das, was man nach dem zweiten "Ich sitze in einem Cafe" schon ahnte. Keine Überraschung mehr. Hier hättest du schon enden können. Dann wäre es eine bitterstarke Miniatur geworden.

Aber: Ganz offenkundig kannst du schreiben und erzählen. Also unbedingt weitermachen.

Es ist natürlich Geschmackssache, aber aus meiner Sicht hab ich drei Stilanmerkungen:
1. Du könntest dem Leser die ständigen Wiederholungen ersparen, wenn du spätestens den dritten Neuanfang schlicht auf "Ich sitze in einem Cafe..." (Pünkchen) beschränkt und danach die alte Szene fortgeführt hättest. Aber auch dann fehlt noch die Schlusspointe.
2. Du zeigst, was los ist. Der Leser ist in der Regel nicht dumm, er erkennt das. Du musst den Zustand deines Protagonisten nicht noch zusätzlich ausführlich erklären.
3. Flüche können wie das Salz in der Suppe sein. Weniger wirken oft besser.

Viele Grüße
GH

__________________
Genug ist am besten.

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