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Leselupe.de > Humor und Satire
Das Diktat
Eingestellt am 21. 11. 2006 16:15


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Marcus Richter
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Jan 2003

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Nach einer unvergesslichen Nacht
auf einem mondhell leuchtenden
Kopiergerät mit Multifunktion,
zĂĽngelt Herr Meier seine Anwesenheitskarte
durch das Lesegerät und hüftelt
mit zufriedenem Lächeln auf Fräulein Sense zu.
Mit niedergeschlagenem Blick hüstelt die Sekretärin:
„Einen wunderschönen guten Morgen, Herr Meier.“
Er hebt sein Becken auf ihren Schreibtisch
und ertrinkt in ihrem hastig nachgezogenen Lidschatten.
FĂĽr Herrn Meier gibt es heute nur sie und das Diktat.

Auf der Uhr lieben sich die Sekunden
und stoĂźen rhythmisch auf die Sieben zu:
Drei – Zwo- Eins;

Fräulein Sense zupft mit spitzen Fingernägeln
ein Schreibgerät aus der eng anliegenden
Brusttasche ihrer blauen Bluse und beginnt
ein Blatt Papier mit beliebten Blumenmotiven
zu bemalen.
Herr Meier bewundert das Bukett.
Er lehnt sich zu ihr herĂĽber und nestelt ĂĽber den
Bildschirm eines 486ers hinweg an ihrer
von extrastarkem Haarlack knochentrockenen
Dauerwelle, die nach Dhonig und Drosen duftet.
„Mein lieber Schnuckelputz.“ Er stockt.
„Ich meine, sehr geehrter Herr Schnu…
SEHR GEEHRTER HERR SCHNEIDER“, sagt er laut.
Und Fräulein Sense lächelt sanft und schreibt Steno.
Herr Meier räuspert sich:
„Wie wir letzte Nacht;
wie wir letzte Woche schon besprochen hatten,
kopiere, ehm, schiebe ich Ihnen die Fotos; die Formulare –
schicke ich Ihnen die Formulare von hinten;
von Hinrichsmeyer, meine ich, ich schicke Ihnen
also die Formulare von Hinrichsmeyer zu.“,
Er wird stocksteif und schaut stirnrunzelnd auf den Stenoblock.
„Wie weit sind wir denn schon, Schnuckelsputz,
ich meine Fräulein Schneider, eh Sense!“
Fräulein Sense rezitiert reibungslos.
Herr Meyer schaukelt um den Schreibtisch herum
und beugt sich weit ĂĽber ihre Schulter.
„Es war die schönste;
es war mir eine Freude mit Ihnen zu schlafen;
GESCHÄFTE – ich meinte natürlich,
GESCHÄFTE ZU MACHEN.“ Herr Meier lacht gekünstelt.
„Sie können jeder Zeit…“ Er hält inne.
„Mein Gott, was schreiben Sie denn da!“, ruft er ärgerlich.
„Sie können also jeder Z-E-I-T wieder mit mir
schlafen, ach, RECHNEN NATĂśRLICH!
ABSATZ!
Auch die besten Grüsse“, Meier ist
ĂĽberrascht, fehlerfrei geblieben zu sein.
„Also, auch die besten Grüsse
an meine Frau;
AN IHRE FRAU! PUNKT.
ABSATZ!
Ihr geliebter,
nein,
Ihr ergebenster Meier.“

Herr Meier ist kraftlos auf Fräulein
Senses Schulter zusammengesunken.
Liebevoll säuselt sein erschöpfter Atem
über das Wäldchen ihrer aufgerichteten Nackenhaare.
„Möchtest du einen Kaffee?“, fragt er ganz erschöpft.
Fräulein Sense nickt aufrichtig.

„Dann mach mir doch gleich einen mit“, sagt er
und er knurrt sie wie ein Tiger an,
„MEIN SCHNUCKELPUTZ.“

__________________
"Ein Wort aufs Papier und wir haben das Drama."
Durs GrĂĽnbein

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