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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Einrad
Eingestellt am 12. 07. 2004 20:04


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Peter Januhs
Hobbydichter
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Das Einrad

Das Einrad


Mit ├Ąu├čerster Sorgfalt verteilte er die Schminke gro├čz├╝gig in seinem runzligen Gesicht. Er f├Ąrbte die rissigen Lippen knallrot ein. Die glasigen Augen wurden schwarz umrandet. Nat├╝rlich trug er auch heute wieder das Rouge als letztes auf, wie eigentlich jeden Mittwoch und Samstag. Er hatte das schon so oft gemacht, sechsundvierzig Jahre lang, jeden Mittwoch und Samstag. Er klipste die beiden Hosentr├Ąger zu, die Hose passte nun schon seit sechsundvierzig Jahren. Nach der Per├╝cke brauchte er nicht lange zu suchen, sie hatte seit sechsundvierzig Jahren einen festen Platz auf einem h├Âlzernen Kopf. Er hatte ihn damals selbst geschnitzt. Er sprang aus dem Wagen auf die Wiese - kein Tusch! Routiniert stieg er auf sein Einrad und fuhr los. Selbst in dem weichen Gras auf dieser unebenen Rasenfl├Ąche verlor sein Auftreten nicht an Sicherheit. So ein Quatsch, wieso sollte man mit 63 auch auf einen Schlag das Einrad fahren verlernen? Das ist wie Fahrrad fahren - das verlernt man nicht! Aber das wollten sie ja nicht verstehen. Du kannst nat├╝rlich weiterhin bei uns arbeiten. Wir hoffen sogar, dass du weiterhin bei uns arbeitest. Aber das mit dem EinradÔÇŽdu bist ja auch nicht mehr der J├╝ngste. Nat├╝rlich wissen wir zu sch├Ątzen, was du in den letzten sechsundvierzig Jahren alles geleistet hast. Und jetzt, wo Papa tot ist - jetzt bist du der Erfahrenste hier. Aber ich muss ja auch auf die Sicherheit achten, ich bin ja hier verantwortlich. Und wenn etwas passiertÔÇŽ Ich hoffe, du kannst meine Entscheidung verstehen.
Pah, verstehen. Soll er doch sehen, wie er alleine zurecht kommt. Der Senior h├Ątte das nie zugelassen. Dabei hatten sie sich fr├╝her so gut verstanden. Dem werd ichÔÇÖs zeigen! Mit 63 pl├Âtzlich zu alt, nachdem es sechsundvierzig Jahre problemlos ging. - Nat├╝rlich musste er das nicht mehr machen. Aber er tat es, weil er es konnte, weil er es noch konnte! Warum sollte er es auch nicht mehr k├Ânnen? Das ist wie Fahrrad fahren - das verlernt man nicht! Aber das wollten sie ja nicht verstehen. Die Innenstadt war, wie jeden Samstagmorgen, gut besucht. Er holte die f├╝nf kleinen B├Ąlle aus der Seitentasche seiner karierten Weste. Er h├╝pfte mit dem Einrad durch die Spielstra├če. Vorw├Ąrts und r├╝ckw├Ąrts. Und r├╝ckw├Ąrts und vorw├Ąrts. Alles kein Problem. Wieso sollte es auch ein Problem sein, nachdem es sechsundvierzig Jahre lang keins war? Geschickt fuhr er im Slalom um die Pfeiler, die die Autos davon abhielten, die Fu├čg├Ąngerzone zu befahren und als er die Augen wieder ├Âffnete, blickte er in das Gesicht des Juniors. Er habe Gl├╝ck gehabt, gab ihm die Krankenschwester zu verstehen.

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ratzfatzweg
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Jul 2004

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Hey,

vorab,die Thematik finde ich recht interessant. An der einen oder anderen Stelle w├╝rde ich deine Geschichte jedoch noch etwas bildlicher machen und die Kernaussage noch feiner umrahmen.

Nun aber...

quote:
Er f├Ąrbte die rissigen Lippen knallrot ein.

ich w├╝rde das "ein" weglassen.



quote:
Die glasigen Augen wurden schwarz umrandet.

An der Stelle habe ich mich gefragt, weshalb er glasige Augen hat. Trinkt er oder was aus meiner Sicht als erstes mit "glasigen Augen" verbunden wird...er hat geweint.Sicherlich gibt es noch X Gr├╝nde... das waren nur meine ersten Assoziationen.

Du schreibst er habe ein runzeliges Gesicht und volle Lippen... ich beginne mir ein Bild zu machen...gib mir noch ein bisschen mehr Futter...beschreib seine Augen -tiefliegend oder hervortretend...welche Farbe haben sie? Welcher Ausdruck liegt in ihnen.Hat er eine gro├če Knollennase oder eine r├Âmische, leicht gebogen...
Gro├če H├Ąnde, die nach der Perr├╝cke greifen, oder eher feine H├Ąnde f├╝r einen Mann seines Alters ?

Immerhin schnitzt er damit ja auch den Kopf auf dem die Perr├╝cke ruht.. (Reife Leistung, ganz gleich welchen Alters.)


quote:
Er klipste die beiden Hosentr├Ąger zu, die Hose passte nun schon seit sechsundvierzig Jahren.


Ich tue mir ein bisschen schwer mit "klipsen" ...es klingt, auch wenn's ja im Grunde mit ihm als Person nicht viel zu tun hat, etwas zu modern...vielleicht sollte er die Hosentr├Ąger lieber ├╝berstreifen...


quote:
Er sprang aus dem Wagen auf die Wiese

Nicht, dass ich es ihm mit 63 nicht merh zutrauen w├╝rde,die Vorstellung ist nur am├╝sant.Ich glaub, ich steig mit 63 nur noch aus'm Wagen.
Haben die f├╝r gew├Âhnlich nicht Stufen oder zumidnest einen ausklappbaren Tritt.? Die Vorstellung er springe nun auch noch dar├╝ber macht das ganze noch lustiger.

quote:
Selbst in dem weichen Gras auf dieser unebenen Rasenfl├Ąche verlor sein Auftreten nicht an Sicherheit.

Ich bin mir nicht sicher, was du an der Stelle r├╝berbringen m├Âchtest.. sicheres Auftreten ist f├╝r mich innere St├Ąrke, eine emotional schwierige Situation "meistern"... du meinst hier jedoch eher, dass er trotz der Unebenheiten sicher voran kommt,oder?

Ja, und davon abgesehen... mir gef├Ąlt auch nicht so recht, dass jemand der auf dem Rad sitzt sicher auftritt

(Ist aber nicht sooo wild)

Vielleicht eher:

Selbst in dem weichen Gras, auf dieser unebenen Rasenfl├Ąche
fuhr er so sicher, wieso um Himmels Willen sollte er mit 63 nicht mehr Einrad fahren. So ein Quatsch!...



quote:
Mit 63 pl├Âtzlich zu alt, nachdem es sechsundvierzig Jahre problemlos ging.


Auch hier wieder... wie oben mit dem "Auftreten"...
Ich weiss zwar was du mit "ging" meinst, aber es erscheint mit zudem auch noch etwas umgangssprachlich.

wie w├Ąre:

nachdem er sechsundvierzig Jahre lang jeden Mittwoch und Samstag fester Bestandteil des Programms war.

An der Stelle k├Ânntest du ihn sogar noch kurz ans Publikum denken lassen.Wie ihm die Kinder zugewunken und am Ende alle begeistert geklatscht haben...


quote:
- Nat├╝rlich musste er das nicht mehr machen. Aber er tat es, weil er es konnte, weil er es noch konnte!

Den Satz finde ich in der verst├Ąrkten Widerholung schon mal gut.Ich vermiss nur die Liebe zum Zirkus... er macht das doch nicht nur weil er es kann oder? W├╝rdest du die Beziehung zum Zirkus und Publikum noch mehr einbringen, w├╝rde auch noch verst├Ąndlicher, warum er ├╝berhaupt fahren will...es w├╝rde das Ganze noch tragischer machen.


quote:
Geschickt fuhr er im Slalom um die Pfeiler, die die Autos davon abhielten, die Fu├čg├Ąngerzone zu befahren und als er die Augen wieder ├Âffnete, blickte er in das Gesicht des Juniors. Er habe Gl├╝ck gehabt, gab im die Krankenschwester zu verstehen.


Das ging mir jetzt etwas zu schnell...wenn schon ein derartiger Sprung -der ja im Grunde nicht schlecht gedacht ist- dann lass ihn zuvor doch erstmal die Augen schliessen... nach dem Slalom versteht sich. Er kann ja auch 'n St├╝ck auf der Stra├če fahren... in Gedanken an seine Jugend/den Zirkus die Augen schliessen -vielleicht hat er im Zirkus sogar eine Frau kennengelernt... wer weiss... du l├Ąsst ihn ein wenig tr├Ąumen und dann dein gew├╝nschter Schluss.




__________________
Jeder Satz ist ein Sprung.

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Monfou Nouveau
???
Registriert: Aug 2003

Werke: 2
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Hallo Peter Januhs,


die Idee ist sch├Ân und konsequent auf das Thema Einrad fokussiert. Du hast einiges aus dem Thema herausgeholt. Neben den Hinweisen meines Vorredners m├Âchte ich sagen, dass f├╝r mich der Schluss zu vorhersehbar ist. Wir bekommen die Gefahr, die der alte Einradfahrer eingeht, sehr explizit pr├Ąsentiert (Und wenn etwas passiertÔÇŽ / du bist ja auch nicht mehr der J├╝ngste) einschlie├člich des Beschwichtigungsdenkens des Einradfahreres - und dann passiert es wirklich. Dahinter schimmert dann fast so eine Moral auf nach dem Motto: Wer nicht h├Âren will, muss f├╝hlen. Weil der alte Herr also nicht dem Rat (jawohl mit t) folgte und sein Rad (jawohl mit d) nicht weglegte, fliegt er im wahrsten Sinne des Wortes auf die Schnauze.

Was f├╝r mich etwas schnell geht und zugleich un├Âkonomisch scheint, ist der konkrete Schwenk vom Junior zur Krankenschwester am Schluss:
ÔÇŽ und als er die Augen wieder ├Âffnete, blickte er in das Gesicht des Juniors. [[So, jetzt blickt er also in das Gesicht des Juniors. Es wird eine Szene hergestellt, aber mit welcher Konsequenz? Es m├╝sste doch jetzt eigentlich was kommen zwischen Radfahrer und Junior: Erstaunen, Fragen, Erleichterung, ect. Aber es wird gleich weitergeblendet zu einer zweiten Figur, der Krankenschwester. Was die feststellt, wei├č der Junior auch.]] Er habe Gl├╝ck gehabt, gab ihm die Krankenschwester zu verstehen.

Gelungen finde ich bei alledem, wie das Thema grunds├Ątzlich angegangen wird, und auch die sprachliche Umsetzung ist in weiten Teilen nicht schlecht gemacht.

Beste Gr├╝├če

Monfou

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