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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Ende der Welt
Eingestellt am 09. 02. 2015 18:04


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Arno Abendsch├Ân
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Damals war ich zwei oder drei Tage in K├Âln. Ich wohnte in einer Pension nicht weit vom Rhein. Einmal kam ich sp├Ąt ins Bett und wachte zu fr├╝h auf. Es war zeitiger Vormittag, ich brauchte noch nicht aufzustehen. Vielleicht konnte ich noch einmal in den Halbschlaf zur├╝ckfinden.

Stattdessen fingen auf einmal drau├čen Sirenen an zu heulen. Es war ein Dauerton. Er drang umso mehr durch, als das Zimmer zu einem ruhigen Hof lag. In der Pension war und blieb es weiterhin still. Das Zimmer lag im obersten Stockwerk, Empfang und Fr├╝hst├╝cksraum befanden sich weiter unten.

Ich wollte noch immer nicht aufstehen, jetzt noch weniger als vorher. Nur war da die Frage: Was hat es zu bedeuten? Es war nicht die f├╝r einen Probealarm ├╝bliche Zeit. Ein Wunsch gewann die Oberhand: Es soll aufh├Âren, sofort. Dann k├Ânnte ich den Kopf unter die Decke stecken und das Ger├Ąusch schnell vergessen.

Der gellende Dauerton hielt bereits eine Minute an, vielleicht schon zwei Minuten. Er blieb auf immer gleicher Tonh├Âhe, schrill und kraftvoll. Am grauen Himmel zeigte sich nichts.

Nach einer Reihe von Minuten verstummten pl├Âtzlich alle Sirenen. Ich steckte den Kopf dann doch nicht unter die Bettdecke. Daf├╝r hatte es zu lange gedauert. Ich sah vom Bett zum Fenster und durch das Fenster in den Himmel. W├╝rde sich bald etwas zeigen? Waren Raketen im Anflug? Ich ├╝berlegte, von wem ich mich in diesem Fall gern noch verabschiedet h├Ątte. Der Kreis war sehr klein.

Es geschah nichts, nat├╝rlich nicht. Die Stille verlor mit jeder halben Minute etwas mehr von ihrer Bedrohlichkeit, wurde am Ende zu einer fast ungetr├╝bten harmlosen Vormittagsruhe. Ich stand auf und ging fr├╝hst├╝cken. Der Wirt bediente selbst die wenigen G├Ąste. Keiner erw├Ąhnte den Alarm, auch ich nicht. Unsere Ruhe hatte etwas Gek├╝nsteltes. Mir schien, wir alle f├╝rchteten, an etwas zu r├╝hren.

Sp├Ąter erfuhr ich, es war ein fl├Ąchendeckender Fehlalarm gewesen. Millionen waren in der gleichen Lage wie ich gewesen: unwissend, ge├Ąngstigt, ratlos. Und einige hatten sofort begonnen, ihre Badewannen volllaufen zu lassen, aus Furcht, es k├Ânnte wieder Gift im Rhein sein. Gl├╝cklich, wer seine Angst an etwas Konkretem festmachen kann.

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petrasmiles
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Hallo Arno,

wie immer sehr gut geschrieben.
Allerdings leuchtet mir nicht ein, wie aus der permanenten L├Ąrmbel├Ąstigung durch die Sirenen - und die nachvollziehbaren ├ängste/Gedanken - eine bedrohliche Stille entstehen kann.
Einleuchtender w├Ąre doch, wenn die nachfolgende Stille 'heilsam' oder ├Ąhnlich w├╝rde.
Die 'Beaobachtung', dass niemand ├╝ber das Ereignis spricht, finde ich dann wieder 'folgerichtig' passend und stimmungsm├Ą├čig gro├čartig.
Aber die Pointe,

quote:
Gl├╝cklich, wer seine Angst an etwas Konkretem festmachen kann
ist mir dann doch etwas zu wuchtig f├╝r die 'kleine Angst'.

Liebe Gr├╝├če
Petra

__________________
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