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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Ende der Welt
Eingestellt am 10. 08. 2017 21:12


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Arno Abendschön
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Gestern bin ich zu spĂ€t ins Bett gekommen und jetzt zu frĂŒh aufgewacht. Es ist erst halb neun, ich brauche noch nicht aufzustehen. Wo bin ich ĂŒberhaupt? In einer Pension in Köln, nicht weit vom Rhein, seit gestern. Vielleicht kann ich noch mal in den Halbschlaf zurĂŒckfinden.

Stattdessen fangen draußen auf einmal Sirenen an zu heulen. Es ist ein Dauerton. Er dringt umso mehr durch, als das Zimmer zu einem ruhigen Hof hin liegt. In der Pension ist und bleibt es still. Das Zimmer liegt im obersten Stockwerk, Empfang und FrĂŒhstĂŒcksraum befinden sich weiter unten.

Ich will noch immer nicht aufstehen, jetzt noch weniger als vorher. Nur ist da die Frage: Was hat das zu bedeuten? Es ist nicht die fĂŒr einen Probealarm ĂŒbliche Zeit. Ein Wunsch gewinnt bei mir die Oberhand: Es soll aufhören, sofort. Dann könnte ich den Kopf unter die Decke stecken und das GerĂ€usch schnell vergessen.

Der gellende Dauerton hÀlt bereits eine Minute an, vielleicht schon zwei. Er bleibt auf immer gleicher Tonhöhe, schrill und kraftvoll. Ich blicke zum Dachfenster - am grauen Himmel zeigt sich nichts.

Nach einer Reihe von Minuten verstummen plötzlich alle Sirenen. Ich stecke den Kopf jetzt doch nicht unter die Bettdecke. DafĂŒr hat es zu lange gedauert. Ich sehe wieder vom Bett zum Fenster und durch das Fenster in den Himmel. Wird sich bald etwas zeigen? Sind Raketen im Anflug? Ich ĂŒberlege, von wem ich mich in diesem Fall gern noch verabschieden wĂŒrde. Wen mĂŒsste ich dann anrufen? Der Kreis ist sehr klein.

Es geschieht nichts, natĂŒrlich nicht. Die Stille verliert mit jeder halben Minute etwas mehr von ihrer Bedrohlichkeit, wird am Ende zu einer fast ungetrĂŒbten harmlosen Vormittagsruhe. Ich stehe auf und gehe frĂŒhstĂŒcken. Der Wirt bedient selbst die wenigen GĂ€ste. Keiner erwĂ€hnt den Alarm, auch ich nicht. Unsere Ruhe hat etwas GekĂŒnsteltes. Mir scheint, wir alle fĂŒrchten, an etwas zu rĂŒhren.

Ich bin schon aufgestanden, um nach oben zu gehen, da dreht der Wirt das Radio lauter – die Lokalnachrichten. Ich höre im Weitergehen, es sei vorhin ein Fehlalarm gewesen. Und einige hĂ€tten sofort begonnen, ihre Badewannen volllaufen zu lassen, aus Furcht, es könnte wieder Gift im Rhein sein. Ich sehe zum Wirt hinĂŒber. Er zuckt nur mit den Achseln und ruft mir zu: „Schönen Tag noch!“

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DocSchneider
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Hallo Arno,

Deine Geschichte finde ich etwas dĂŒrftig. Ein bisschen mehr Innenleben hĂ€tte der Prot schon verdient. Du hĂ€ttest den Text mit wörtlicher Rede auch lebendiger gestalten können. Die Reaktionen des Ich fand ich seltsam. Normalerweise versucht doch jeder, in so einem Falle an Infos ranzukommen: Radio, Handy, TV, aus dem Zimmer laufen, andere Menschen fragen ... das habe ich eigentlich erwartet.

Den Text fÀnde ich in der Kurzprosa besser aufgehoben.

Viele GrĂŒĂŸe,
DS
__________________
Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals ermĂŒdendem Lesen. (Virgina Woolf)

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Arno Abendschön
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ZunÀchst sei allen gedankt, die sich mit dem kleinen Text beschÀftigt haben. Ich will auf das Wesentliche eingehen.

Zum Hintergrund: Das Ereignis - großflĂ€chiger Fehlalarm in weiten Teilen des Rheinlands - hat es Mitte der 80er Jahre tatsĂ€chlich so gegeben. Ich habe es vor ca. 10 Jahren erstmals beschrieben, und zwar im PrĂ€teritum. Angesichts aktueller Entwicklung habe ich es gestern ins PrĂ€sens ĂŒbertragen, um es Lesern als etwas heute ebenso Bedrohliches vor Augen zu fĂŒhren. (G.R. Asool hat das richtig aufgefasst.) Dennoch bleibt es im Detail an die damaligen UmstĂ€nde gebunden, z.B. in der Zimmerausstattung.

Doc irrt sich möglicherweise, wenn sie normale Reaktionen erwartet hĂ€tte. Das Verhalten erklĂ€rt sich eher aus einer Art Schock, der leicht zu einer LĂ€hmung und Verzicht auf jegliches Handeln fĂŒhren kann. FĂŒr eine solche Ausnahmesituation ist das Fehlen von "Lebendigkeit" und differenziertem "Innenleben" gerade typisch. Man vergleiche mit dem Ă€hnlichen Verhalten mancher Beobachter schwerer VerkehrsunfĂ€lle. Ich habe es an mir selbst einmal so erlebt, als ein Mensch angefahren wurde und plötzlich durch die Luft flog. Die Vorstellung eines gerade ausgebrochenen Atomkriegs lag damals nicht so fern, wie es einigen heute vielleicht erscheinen mag. Es war die Zeit eines hochriskanten WettrĂŒstens, das stĂ€ndig im Bewusstsein informierter Zeitgenossen vorhanden war.

Als Kurzprosa möchte ich den Text ausdrĂŒcklich nicht aufgefasst sehen. Es ist eine KĂŒrzestgeschichte mit klarem Anfang und Ende und einem Ablauf dazwischen, der ein geradliniges Geschehen darstellt. Im Fall eines "großen Knalls" (Alberta) wird es auf genau diese Kargheit und Knappheit hinauslaufen.

Es wird hier auch mehr wörtliche Rede erwartet. Nun, Schweigen und VerdrĂ€ngen ist ja gerade das Thema! Man will nicht wahrhaben, was man insgeheim befĂŒrchtet. Alberta hat das auf den Begriff "fragil" gebracht. Die FragilitĂ€t wird wohl empfunden, aber die Ohnmacht, die man ihr gegenĂŒber empfindet, verhindert die nĂ€here Erörterung.

Vielleicht spielt auch Scham eine Rolle bei diesem Schweigen. Man kann es ja auch so sehen: Mit der Erfindung, Herstellung und Bevorratung von Massenvernichtungswaffen, die die Menschheit insgesamt auslöschen können, hat sich die Gattung Mensch ein StĂŒck weit schon das Urteil gesprochen. Was man auf diese Weise antizipiert, ist man auch bereit, ins Werk zu setzen. Wir alle hier sind Kinder des 20. Jahrhunderts. Unter dem Gesichtspunkt, um den es hier geht, war es das barbarischste aller Zeiten. Die technische Möglichkeit, alles Leben auf dem Planeten innerhalb von Minuten zu vernichten, hat dieselbe Wurzel wie der Holocaust. Beides gehört fortlaufend als etwas unbedingt zu Meidendes auf Dauer in unser Bewusstsein.

Freundliche GrĂŒĂŸe
Arno Abendschön

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Arno Abendschön
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Nachtrag

Der Frage der Zuordnung - Kurzgeschichte oder Kurzprosa - bin ich noch nachgegangen. Dazu lese ich hier im Forentext:

Prosa-Miniaturen mit einem Umfang von weniger als einer halben Manuskriptseite sollten im Forum Kurzprosa eingestellt werden.

Wie bemisst sich das im Detail? Auf meiner Word-Vorlage umfasst der Text deutlich mehr als eine halbe Seite bei Schriftart Times New Roman, dem Schriftgrad 12 und der Formatvorlage smalltxt.

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DocSchneider
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Hallo Arno,

ich verstehe Deine Intention jetzt! nach Deiner ErlĂ€uterung, das mĂŒsste der Text aber auch ohne leisten.

Normalerweise schĂ€tze ich Deinen unprĂ€tentiösen Stil mit seiner klaren Sprache. Hier finde ich ihn aber weiterhin fehl am Platz. Selbst wenn der Prot in Schockstarre verfĂ€llt - wie Ă€ußert sich die? Ich kann da als Leser nicht mitfĂŒhlen.

Die Kurzprosa macht sich nicht an genauer Zeilenzahl fest, es geht ja auch um Inhaltliches und Gestaltung. Als KĂŒrzestgeschichte kann ich Deinen Text aber akezptieren.

Nicht akzeptieren kann ich Deine Bemerkung

quote:
Die technische Möglichkeit, alles Leben auf dem Planeten innerhalb von Minuten zu vernichten, hat dieselbe Wurzel wie der Holocaust.


Du vergleichst hier Äpfel mit Birnen. Beim Holocaust wurde Leben ja eben nicht mit dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen in Minuten ausgelöscht. Es handelte sich um einen Prozess industrieller Massenvernichtung, der mit einem Atomkrieg so nicht zu vergleichen ist. Hier ging es um die Auslöschung einer ganz bestimmten Bevölkerungsgruppe. In seiner Form war der Holocaust ein einzigartiges! Kriegsverbrechen - ausgefĂŒhrt mit deutscher GrĂŒndlichkeit, denkt man nur an die Bereitstellung der ZĂŒge in die Vernichtungslager durch Adolf Eichmann. Ideologisch wurzelt der Holocaust im Antisemitismus, in der Vernichtungsideologie Hitlers und der Nationalsozialisten, historisch vor allem in der kumulativen Radikalisierung des Zweiten Weltkriegs mit dem Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion.

Der Einsatz von Atomwaffen wĂŒrde ganz anders ablaufen. Wenn sie als Massenvernichtungswaffen eingesetzt werden, so wĂŒrden sie vor allem ĂŒber GroßstĂ€dten abgeworfen werden, siehe Hiroshima und Nagasaki. Auch das ist ein wichtiger Unterschied zum Holocaust. Hier gab es einen koordinierten Prozess zur industriellen Massenvernichtung bzw. Vernichtung durch Arbeit. Juden wurden durch ganz Europa transportiert, um in Auschwitz umgebracht zu werden...

Ein Vergleich soll ja immer Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzeigen. Ich sehe bei diesem Vergleich aber keine Gemeinsamkeiten. Deshalb macht er keinen Sinn.

Viele GrĂŒĂŸe,
DS
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Wipfel
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Hi Arno,

ich kann mit dem Text nix anfangen. Was du schreiben wolltest, hast du ja danach erklĂ€rt. FĂŒr mich liest sich das wie eine AnhĂ€ufung von Nichtigkeiten. Warum muss ich wissen, ob das Zimmer oben oder unten ist? Nicht aber, warum der Prot in dieser Pension weilt? Letzeres hĂ€tte mich der Person nĂ€her gebracht, nur so als Beispiel. Ich hab da einen anderen Anspruch, scheinbar.

quote:
... Dauerton. Er dringt umso mehr durch, als das Zimmer zu einem ruhigen Hof hin liegt.
Logisch ist das nicht. Oder doch? Auf alle FĂ€lle geschwobeltes Deutsch. Logisch wĂ€re fĂŒr mich, je nĂ€her der Sirene, desto laut. Und nicht je ruhiger, desto laut.

Schade, meisterlich ist der Text nicht. Doch schon Goethe wusste: Kein Meister kann tÀglich meisterliches vollbringen... (oder so Àhnlich)

GrĂŒĂŸe von wipfel

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