Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92201
Momentan online:
94 Gäste und 0 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Das Ende einer Sackgasse
Eingestellt am 03. 02. 2011 10:43


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Arno Abendsch├Ân
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2010

Werke: 273
Kommentare: 1190
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Arno Abendsch├Ân eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ich wohne hier am Stadtrand, am Ende einer kleinen Stichstra├če. Von meinem Fenster zur Stra├če aus treibe ich psychologische Studien. Ich beobachte Vor├╝bergehende und erkenne Typen in ihnen, je nach ihrem Verhalten.

Wer kommt denn schon bis ans Ende einer solchen Sackgasse? Viele, sehr viele. Unsere kleine Stra├če zweigt von einer anderen ab, die f├╝r Autos ebenfalls ins Nichts f├╝hrt. Daher steht an deren Anfang ein Sackgassenschild. An der Abzweigung zu uns hat die Beh├Ârde einen nochmaligen Hinweis f├╝r entbehrlich gehalten. Nun kann man allerdings zu Fu├č jene erste Sackgasse auch vom anderen Ende her erreichen. Viele ortsfremde Spazierg├Ąnger kommen von dort und geraten ahnungslos bis ans Ende unserer Stichstra├če, wie in eine Falle.

Hier hinten ist ein gro├čer Wendehammer. Die wenigen H├Ąuser verstecken sich fast in gro├čen G├Ąrten. Zwischen Hecken f├╝hrt ein kleiner Fu├čweg zum allerletzten, von der Stra├če aus nicht einsehbaren Grundst├╝ck. Am Beginn dieses Weges steht ein kleines Schild: PRIVAT. KEIN ├ľFFENTLICHER DURCHGANG. Wie verlockend, dennoch weiterzugehen ÔÇŽ Man kann jedes Verbot ├╝bertreten und dieses hier ist doch ein Hinweis, dass da ein Durchgang existiert. Meinen sie ÔÇŽ Tats├Ąchlich endet der Weiterweg beim letzten Haus vor einem Zaun mit verschlossener Pforte ins Freie.

Von meinem Fenster aus sehe ich, wie die Fremden vor dem Schild stehen bleiben. Sie stutzen. Sie lesen den Text, ├╝berlegen eine Weile und dann ÔÇô jetzt wird es spannend. Wenn sie nicht allein sind, beraten sie sich untereinander. Nur eine Minderheit kehrt gleich um. Von den anderen bricht etwa die H├Ąlfte gemeinsam ins Unbekannte auf, die andere schickt einen Kundschafter vor. Ich stehe schmunzelnd hinter meinem Fenster und freue mich schon auf ihre entt├Ąuschten Mienen, die bald darauf in mein Blickfeld geraten. (Nur Schadenfreude ist reine Freude.) Am Ende gehen sie die Stra├če zur├╝ck, manche rasch und unber├╝hrt, andere langsam und verdrie├člich. Manche schweigen, andere schimpfen. Wie verschieden Menschen sind, wie verschieden sie auch als Passanten sind.

Fast alle kommen bald zur├╝ck, auf einige muss ich allerdings l├Ąnger warten. R├╝tteln sie vielleicht an der Pforte? Und einige wenige erscheinen gar nicht mehr auf der Bildfl├Ąche. Sind sie ├╝ber den Zaun geklettert oder haben sie am Haus gel├Ąutet und es erreicht, dass ihnen die Pforte ge├Âffnet wurde? Ich erfahre es nicht. Es soll Menschen geben, die spurlos verschwinden.

Neulich brauste ein junger Bursche auf seinem Fahrrad heran und las kopfsch├╝ttelnd den Text auf der Tafel. W├╝tend schlug er mit der Faust gegen das Schild und raste los, in den schmalen Gang hinein. Auch er kam nicht zur├╝ck. Er muss das Fahrrad ├╝ber den Zaun gewuchtet haben. Wieder einer kam durch.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur├╝ck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!