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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Ende vom Lied
Eingestellt am 13. 03. 2002 22:15


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Katrin Volkmann
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2001

Werke: 21
Kommentare: 19
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Wir heirateten im September. Es war ein stĂŒrmischer, verregneter Tag. Meine Freundin sagte: jeder Tropfen Regen bringt GlĂŒck und Segen. Ich klammerte mich an diesen Spruch und freute mich auf ein Leben mit Jan. Ich, die nie hatte heiraten wollen, sagte Ja! Mit diesem Ja! versprach ich mir mein GlĂŒck auf Lebenszeit und ich sah meinem Mann in die Augen und wusste endlich: er liebte mich!

Wenn ich heute zurĂŒck blicke, sehe ich mich am Fenster stehen, Nacht fĂŒr Nacht, und ich höre mich grĂŒbeln und lese die wenigen Worte, die ich mit rascher Handschrift in meinen Notizblock kritzelte: „Und meine Haut fĂŒhlte sich stumpf und trocken an unter seiner Hand, ich spĂŒrte es, und meine HĂŒfte war dick – dort lag seine andere Hand. Ich war dick und hĂ€sslich geworden.“ Oder ich schrieb in mein Reisetagebuch: „Jan kann nicht genießen. Er hat es wahrscheinlich nie gelernt. Unruhig hastet er von einem Reisepunkt zum nĂ€chsten und ist doch nur besorgt, eine möglichst gute, am besten wohlhabende Figur zu machen. Er spielt falsch – und schlecht.“ Ich fragte mich oft: Was machst du hier, Caroline? Warum gehst du nicht einfach weg? Alle Liebe, die du brauchst, musst du dir ergaunern, mal trotzig, mal schmeichelnd.
Genau zwei Monate nach unserem ersten Hochzeitstag sagte mein Mann zu mir: „Ich liebe dich nicht mehr. Trennen wir uns.“ Ich ging in die Knie und erbrach mich auf dem KĂŒchenboden.

Wir haben geweint, wir haben geredet, wir haben versucht normal zu sein. Wenn ich zurĂŒck blicke, dann sehe ich das Ufer nicht, von dem wir aufgebrochen sind. Unser Boot ging verloren in all den hysterischen Stromschnellen und wir warfen zĂŒgig die Rettungsringe ĂŒber Bord, als sehnten wir ein schnelles Ende herbei. Ich flehte, schrie, zankte, jammerte, warf ihm eine Geliebte vor – er stand traurig vor mir, schĂŒttelte immer wieder den hĂ€ngenden Kopf, wollte und konnte mich nicht mehr ertragen. Einem Freund erzĂ€hlte er spĂ€ter, seine Liebe zu mir hĂ€tte ihm die Luft zum atmen genommen, hĂ€tte ihn so sehr in die Enge getrieben, dass er selbst nicht mehr wusste, wer er eigentlich war.

Ein glĂŒhendes Eisen legt sich auf Brust und Arme. Immer wieder. Die Hitze fĂ€hrt in die Beine hinab und dann empor zum Kopf. Immer die rechte Seite. Ich muss das mal untersuchen lassen. Immer die rechte Seite. Ist das die GehirnhĂ€lfte der Frau, habe ich F. gefragt. Aber sie konnte mir keine Antwort geben; weiß selbst nicht, bin ich Frau, gehöre ich nach links oder rechts, was hat das mit dem Gehirn zu tun? Ich sage, gar nichts, und trinke Rotwein und morgen, weiß ich, wird mir beim Erwachen die rechte SchĂ€delhĂ€lfte sieden und ich werde nicht wissen, hat es das mit Frausein zu tun oder mit Alkohol.

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annabelle g.
Guest
Registriert: Not Yet

hallo katrin,

wer hat dir denn da die "1" reingedrĂŒckt - also ich finde eine "1" ohne kommentar nur wie einen faustschlag in die magengegend, dann macht doch eine zwei, dass der autor wenigstens noch atmen kann!

vergiss die eins, das ist gut geschrieben und pointiert. mit der "wohlhabenden figur" kann ich nichts anfangen, wohlhabender eindruck?, und wer da was falsch spielt? keine ahnung. "ich muss das mal untersuchen lassen" wĂŒrde ich rauslassen, "hat es da mit" (?) und es GIBT keine gehirnhĂ€lfte der frau, ich verstehe was du meinst, komm jetzt aber auch nicht auf die richtige formulierung, vielleicht ist ja einer da, dem es einfĂ€llt.

das "wir weinten" wĂŒrde ich auch weglassen, die beiden anderen wirken kraftvoll.

in der dritten zeile steht "ich klammerte mich an den spruch"; wenn das ein schlĂŒssel dazu sein sollte, dass sie ihn von anfang an einschnĂŒrte, aha. dann hĂ€tte ich aber gern noch ein paar lebendige szenen da drin, die beleuchten, dass auch die frau ihren anteil an dem scheitern der beziehung hat.

HÄTTE sie es nicht, wĂ€re es mir zu eindimensional erklĂ€rt und dann sowieso zu kurz!

schöne grĂŒĂŸe annabelle

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Antaris
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2001

Werke: 30
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Schulnote

Hallo Katrin,

da hat wohl jemand die Punktevergabe mit Schulnoten verwechselt! Mir gefÀllt Dein Text inhaltlich wie sprachlich sehr gut.

Mit feurigen GrĂŒĂŸen

Antaris

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Monfou
???
Registriert: Feb 2002

Werke: 0
Kommentare: 0
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sprache und geschichte

Liebe Katrin,

auch ich finde deinen Text ziemlich gelungen, wohltuend ist, dass hier nicht der Zwang zur Konstruktion spĂŒrbar ist, also es ist leger vom ErzĂ€hler berichtet, kein Zwang zu einer ĂŒberkommenen Gestaltung mit Pointe ect.
Schön finde ich die Sprunghaftigkeit der Geschichte, das DahinerzÀhlte, das zuweilen völlig Unvermittelte und Unvorbereitete, die Sprache ist in sich so wie die Geschichte, schön!


@annabelle g.
Liebe annabelle,

ich empfinde deine EinwĂ€nde als ein wenig von oben herab gesprochen (sie sind sicherlich nicht so gemeint), vielleicht hat der Text hier und da sprachliche MĂ€ngel, aber was du im Ton der Gewissheit aussprichst, trifft fĂŒr meinen Eindruck nicht zu. Die Redewendungen spiegeln die (Sprach-)Haltung der ErzĂ€hlerin wider. Warum sollte es keine GerhirnhĂ€lfte der Frau geben?, es ist doch keine medizinische Abhandlung, sondern die authentisch wirkende Ich-ErzĂ€hlerin macht sich in ihrer neurotischen Haltung Gedanken...

Gut, besser kann man jeden Text machen. Was sprachlich auch fĂŒr die Sprachkritikerin zutrifft.

Liebe GrĂŒĂŸe
Monfou

PS: Ein Punkt heißt "eins": sehr gut. So sehe ich es in diesem Fall.

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Sanne Benz
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Katrin,
das ist wirklich gut geschrieben und mir gefĂ€llt es darum,weil es in dieser KĂŒrze auch noch so gut geschrieben ist.
Was man NICHT liest..das sind die EIGENTLICHEN Probleme.
Nur,das es etwas gab,was IHM wohl die Luft nahm zu leben und zum LIEBEN..
Es ist eigentlich eine SEHR gut geschrieben Inhaltsangabe einer Ehe..
Aus der Sicht derer,die verlassen wird..
Warum EIGENTLICH..das weiss diese Frau selbst (noch) nicht..
Ich kann nur hoffen,das sie dieses Muster erkennen wird..
sonst wird sie immer wieder verlassen.
Ich schreibe das..weil darin das mit der vermeintlichen..Geliebten vor kommt (also besteht eine unbegrĂŒndete Eifersucht)

Ich kann..mit meinen eigenen Erkenntnissen heute,keinen Mitleid haben mit der Frau.Mitleid bringt nicht weiter. Sondern das ERKENNEN.

So,ich mach mal lieber Schluss..
aber es ist dennoch..verdammt gut geschrieben.

lG
Sanne

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annabelle g.
Guest
Registriert: Not Yet

nee, nicht von oben herab,

oder eigentlich doch, ich drucke die texte nicht aus -d.h.ich versuche es,aber aus irgendeinem grund druckt bei mir nur farbkatusche, wenn mir da einer einen tip geben kann - und deshalb habe ich den text nie danebenliegen und schreibe aus dem gedÀchtnis auf, was mir aufgefallen ist.

neurotisch, monfou?

monfou ... verflixt, mein französisch. mein narr? meine narrheit? dasistfalsch.

aber ich freue mich, dass wir uns einig sind, dass sich die kappe mit der eins vertan hat.

schöne grĂŒĂŸe annabelle

gehirnhÀlfte der frau, da steckt doch was anderes dahinter, oder nicht.

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