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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Experiment
Eingestellt am 03. 06. 2017 18:21


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fossie
Festzeitungsschreiber
Registriert: Mar 2017

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Hier folgt der zweite Teil meiner Kurzgeschichte mit dem Titel "Alles nur Fassade". Lasst euch ├╝berraschen. Nebenbei bemerkt: Alles ist frei erfunden und ich selbst habe sowas bisher noch nie ausprobiert. Aber vielleicht gibt es ja Jemanden, der schon solche Erfahrungen gemacht hat. Viel Spa├č jedenfalls beim Lesen.



Das Experiment

Was war das gestern eigentlich? Die Frage schoss mir als erstes durch den Kopf, als ich am sp├Ąten Vormittag aufwachte. Ob ich wollte oder nicht, ich musste sofort an Rurainski denken. War er verr├╝ckt, weil er die Grenze des Normalen ├╝berschritten hatte?
Ich dachte daran, wie schockiert ich war, als er mir sein Geheimnis offenbarte. Wir alle hatten ger├Ątselt, wie er seine Freizeit verbringen w├╝rde, waren schon fast besessen von dieser unstillbaren Neugier. Aber so etwas h├Ątte ich nie im Leben von ihm erwartet. Meinen Kolleginnen w├╝rde ich auf keinen Fall etwas davon verraten. Das Ganze erschien mir einfach zu pers├Ânlich.
"Probier es aus", hatte er gemeint und mir fiel ein, dass ich es ihm aus einer Laune heraus tats├Ąchlich versprochen hatte. Gleichzeitig str├Ąubte sich in mir alles. "Nein, ich werde ihn anrufen und ihm sagen, dass ich es mir ├╝berlegt habe und es einfach nicht mein Ding ist", nahm ich mir vor. Es t├Ąte mir zwar leid deswegen, aber ich w├╝rde mich in meiner Rolle als Mann unver├Ąndert wohl f├╝hlen.
Daf├╝r m├╝sse er Verst├Ąndnis haben, aber wir k├Ânnten ja ab und zu gemeinsam etwas unternehmen.
Im selben Moment, als ich nun zum Telefon greifen wollte, klingelte dieses.
"Guten Morgen. Ausgeschlafen?" Ich erkannte sofort seine Stimme. Es war Tobias und er war mir zuvorgekommen.
"Hallo Tobias." Ich war ├╝berrascht von der Gleichg├╝ltigkeit, die ich an den Tag legte. "So einigerma├čen", war meine kurze und knappe Antwort.
"Stehst du noch immer unter Schock wegen gestern? Habe ich dich vielleicht etwas ├╝berfordert?"
"Nein, nein. Das geht schon in Ordnung."
"Du brauchst dein Versprechen auch nicht einl├Âsen, wenn du nicht willst. Ich kann dich schlie├člich nicht dazu zwingen."
Ups! Er hatte mich eiskalt erwischt. Eigentlich h├Ątte ich ihm sp├Ątestens jetzt sagen m├╝ssen, dass es einfach nicht mein Ding w├Ąre, mich auch als Frau zu verkleiden wie er sei es auch nur das eine Mal. Jedoch erwiderte ich genau das Gegenteil davon und wunderte mich heimlich selbst ├╝ber mich.
"├äh, naja, vielleicht sollte ich es tats├Ąchlich ausprobieren. Aber bin ich ├╝berhaupt daf├╝r geeignet?"
"Warum nicht? Finde es einfach heraus, dann wei├čt du es. Also, ab wann hast du heute Zeit?"
"H├Ą? Das ÔÇŽ das ist jetzt schon etwas ├╝berraschend f├╝r mich. K├Ânnen wir es denn nicht auf einen anderen Tag verschieben?"
"Warum?"
"Weil ÔÇŽ weil ich ÔÇŽ", mein Widerstand schmolz dahin wie Schokolade in der Sonne. Ich suchte verzweifelt nach einer Ausrede, musste mich aber am Ende geschlagen geben. "Na gut, wenn es denn sein muss. Wann h├Ąttest du gedacht?"
" Etwas mehr Begeisterung bitte. Aber lass mich ├╝berlegen. Du solltest dazu auf jeden Fall schon am fr├╝hen Nachmittag kommen. Gerade die Vorbereitung nimmt, wie du dir vorstellen kannst, ziemliche Zeit in Anspruch. Mitbringen musst du nichts, au├čer guter Laune. Sagen wir 13 Uhr?"
Z├Ąhneknirschend stimmte ich zu und wir plauderten nur noch kurz ├╝ber irgendwelche Belanglosigkeiten. Dann beendeten wir das Gespr├Ąch, nicht ohne dass mich Tobias nochmals ermahnte, unbedingt p├╝nktlich zu sein.
Hinterher f├╝hlte ich mich elend und w├Ąre am liebsten wieder im Bett verschwunden, wenn da nicht der Einkauf f├╝rs Wochenende noch gewesen w├Ąre.
Tausend Gedanken, die sich immer nur um das Eine drehten, gingen mir durch den Kopf, als ich im Supermarkt an der Stra├čenecke wahllos Lebensmittel in meinen Einkaufswagen warf.
Zuhause angekommen blickte ich auf die Uhr und wurde daran erinnert, dass ich nur noch eine Stunde Zeit bis zum Start dieses zweifelhaften Experiments zur Verf├╝gung hatte.
Ich schlang mein Mittagessen eilig in mich hinein und brach zu meinem pers├Ânlichen Abenteuer auf. Wenig sp├Ąter stand ich mit einem mulmigen Gef├╝hl im Magen vor der Eingangst├╝re von Rurainskis Haus und klingelte z├Âgerlich.
Ein paar Sekunden danach stand Tobias vor mir, dieses Mal jedoch in "zivil".
"Hallo", begr├╝├čte er mich. "Sch├Ân, dass du es dir doch ├╝berlegt hast. Du wirst sehen, es tut auch nicht weh", scherzte er, was ich allerdings gar nicht lustig fand.
"Mir bleibt eben nichts Anderes ├╝brig. Wie hast du dir eigentlich den weiteren Verlauf des Tages vorgestellt?"
"Das, mein Lieber, lass mal meine Sorge sein. Es wird auf jeden Fall eine ├ťberraschung f├╝r dich geben."
"Die werde ich wahrscheinlich dann haben, wenn du mit mir fertig bist", gab ich missmutig zu.
Er lachte laut und bat mich endlich, hereinzukommen. Die Einrichtung seines Hauses war geschmackvoll und modern, so richtig zum Wohlf├╝hlen. F├╝r eine Junggesellenwohnung hatte ich dies gar nicht erwartet. Dann bot er mir etwas zu trinken an und ich zog dabei Antialkoholisches vor.
"Nun sei doch nicht so eine Spa├čbremse", meinte er. "Du wirst sehen, mit dem einen oder anderen Gl├Ąschen Sekt wird das eine ganz tolle Sache.
"Aber sollten wir nicht lieber n├╝chtern sein, wenn du mich bearbeitest? Au├čerdem werde ich auf keinen Fall so aus dem Haus gehen, wenn wir fertig sind."
"Das ist genau die ├ťberraschung, von der ich spreche. Das brauchen wir auch nicht, man kommt zu uns."
"Nein!"
"Doch, ich habe n├Ąmlich einige Freunde eingeladen, lauter nette Leute, du wirst sehen. Und damit es dich beruhigt, f├╝r die ist so ein Wechselspiel das Normalste auf der Welt. Du brauchst also keinerlei Hemmungen vor ihnen zu haben. Ich meine, falls du dich genieren solltest. Aber, wer wei├č, vielleicht halten sie dich ja sogar f├╝r meine richtige Freundin, das h├Ąngt ganz von meinen Schminkk├╝nsten ab. Aus deinem Gesicht k├Ânnen wir jedenfalls Einiges machen. lass dich ├╝berraschen."
Auf was hatte ich mich da eingelassen? "Sind ÔÇŽ sind die etwa auch alle ÔÇŽ?" Von dieser Einladung hatte er mir ├╝berhaupt nichts erz├Ąhlt.
"Teilweise. Aber mich kennen sie ja und wir ziehen manchmal ausgeflippt um die H├Ąuser. Da k├Ânnte ich dir jede Menge erz├Ąhlen."
Tobias war einmal mehr das glatte Gegenteil von dem, wie ich ihn aus der Arbeit kannte. Er bl├╝hte richtig auf und er schien sich wie ein Schneek├Ânig auf den bevorstehenden Abend zu freuen.
"Aber jetzt lass uns anfangen. Was dich betrifft, so habe ich noch einiges an Arbeit vor mir." Ich sah ihn fragend an, aber er packte mich nur am Arm. "Komm mal mit ins Bad. Da haben wir alles, was man zur Vorbereitung braucht." Mit dem Kneifen schien es jetzt endg├╝ltig f├╝r mich vorbei zu sein.
"Hmh", meinte er. "Eine Ganzk├Ârperenthaarung f├╝r deinen Pelz w├Ąre jetzt zu aufwendig und w├╝rde zu lange dauern. Dann machen wir eben nur die Beine, die Arme, deinen R├╝cken, deinen Bauch und die Schultern im Schnellverfahren." Er nahm eine Packung Einwegrasierklingen aus dem Spiegelschrank und hielt sie mir vor die Nase. "Damit bearbeitest du zuerst deine Beine. Das geht am besten, wenn du dich dazu in die Badewanne schmei├čt."
"Ich soll baden?"
"Nat├╝rlich, was dachtest du denn? Es soll ja alles m├Âglichst authentisch an dir aussehen. Also lass schon mal Wasser einlaufen. Wenn du in der Wanne sitzt, f├Ąngst du, wie gesagt, mit deinen Ober- und Unterschenkeln an. Ich sto├če dann sp├Ąter zu dir."
"Was, du willst mit mir baden? Ich bin doch nicht schwul!" Ich war entsetzt.
"Nein, du Kasper. Ich werde dir nur den R├╝cken rasieren, weil du ja an diese Stelle nicht hinkommst. Den Rest musst du dann selbst machen. Ok.?"
Ich atmete erleichtert auf.
"Und mach es gr├╝ndlich, denn es soll makellos aussehen", schob er noch hinterher.
Er verlie├č das Badezimmer.
W├Ąhrend das Wasser aus dem Hahn pl├Ątscherte, zog ich mich aus. Eigentlich hatte er ein sehr gem├╝tliches und hochmodernes Badezimmer. Es war ausgestattet mit Dusche und Wanne und es verstr├Âmte eine Atmosph├Ąre, in der man sich auf Anhieb wohlf├╝hlen konnte. Ich dachte an mein Etablissement zuhause, das von der Gr├Â├če nicht einmal die H├Ąlfte erreichte.
Fein s├Ąuberlich legte ich meine Klamotten ├╝ber einen Hocker, damit ich sie sp├Ąter wieder griffbereit haben w├╝rde. Dachte ich zumindest, jedoch sollte es sp├Ąter ganz anders kommen.
Aber zun├Ąchst stieg ich in die Wanne und ruhte mich aus. Jeder kennt dieses Gef├╝hl, wo man entspannt in der Wanne sitzt und alle Sorgen von einem abfallen. Es fehlte nur noch, dass ich zum Singen anfing, aber das lie├č ich lieber bleiben.
Nach ein paar Minuten ging die T├╝r auf und Tobias schaute herein. "Na, hier kann man es aushalten, oder?"
"Hmmh".
Er griff pl├Âtzlich nach meinen Kleidungsst├╝cken. "Die brauchst du heute f├╝r den Rest des Tages nicht mehr."
"Spinnst du? Soll ich etwa nackt herumlaufen. Leg sie sofort wieder hin."
Er grinste nur frech. "Vergiss nicht, was du versprochen hast. Rasier dich erstmal anst├Ąndig. Du siehst ja aus wie ein Orang-Utan. So kannst du nicht vor die Leute treten." Er legte mir die Packung mit den Rasierklingen auf den Wannenrand. "Los, mach schon."
Ich wollte schon wieder leisen Protest anmelden, dass ich mir das Ganze nochmals ├╝berlegt h├Ątte. Gleichzeitig merkte ich jedoch an seinem Blick, dass er leicht genervt war.
"Na gut, ich f├╝ge mich in mein Schicksal." Mein Widerstand war gebrochen, jedoch schwor ich mir heimlich, mich nie wieder auf so etwas einzulassen.

Eine geschlagene Stunde verging, bis ich alles herunterrasiert hatte. Irgendwie war es dennoch ein ganz neues K├Ârpergef├╝hl f├╝r mich und gefiel mir sogar. Allerdings sah es in der Badewanne katastrophal aus, als das Wasser abgelaufen war. Man konnte es mit einem schwarzen Fell vergleichen, das zu meinen F├╝├čen lag. Immer wieder musste ich den Abfluss von den Haaren befreien, damit es keine Verstopfung gab.
Irgendwann wurde es mir zu bl├Âd. "Tobias!", schrie ich. "Houston, wir haben ein Problem!" Endlich ├Âffnete sich die T├╝r. Er lachte herzhaft und gemeinsam schaufelten wir meine Haare in eine Plastikt├╝te. "Wei├čt du, das ist hundert Prozent Recycling, die kann man auf den Kompost ausleeren. Ist alles biologisch abbaubar." Ich sah ihn ungl├Ąubig an und stellte mir vor, wie er seine Haare immer auf seine Beete im Garten kippte.
Ich musste mir eingestehen, dass es ein angenehmes Gef├╝hl war, als ich meinen gesamten K├Ârper mit einer Lotion eingecremte, die meine Haut in wenigen Minuten weich und geschmeidig werden lie├č. Langsam begann ich zu frieren.
Er bemerkte es, gab mir einen Bademantel und f├╝hrte mich in sein Schlafzimmer. Dabei bekam ich schon wieder gewisse Bef├╝rchtungen, aber er zerstreute sie, indem er mir nur seinen Kleiderschrank zeigte. Ich staunte nicht schlecht: Zur H├Ąlfte war dieser mit Frauenkleidern prall gef├╝llt und auf dem Boden standen mindestens zehn Paar High Heels mit m├Ârderisch hohen Abs├Ątzen, darunter auch jene, die er gestern im Cafe getragen hatte. Sie waren blank geputzt und gl├Ąnzten. Dann folgte die Kr├Ânung. Unter der Garderobe befanden sich noch Schubladen. Er ├Âffnete sie und es kamen mehrere Garnituren von Damenunterw├Ąsche zum Vorschein. "Um perfekt auszusehen, brauchst du auch die passende Unterw├Ąsche. Vor allem soll sie sexy aussehen."
"Soll ich mich etwa noch vor deinen Freunden ausziehen? Nie und nimmer! Au├čerdem passt mir das doch gar nicht. Du bist doch kleiner als ich." Eine Ausrede, die mir dazu verhelfen sollte, mich mit einem letzten zaghaften Versuch doch noch aus der Aff├Ąre zu ziehen.
Aber meine Hoffnung zerplatzte seifenblasenartig, weil er mir Sachen hinlegte, die eine Einheitsgr├Â├če hatten.
"Nein, also wirklich. Es reicht! Das kannst du nicht von mir verlangen. Ich w├╝rde mich in Grund und Boden sch├Ąmen, wenn ich so was anziehen m├╝sste. Sorry, das war`s!" Verzweifelt st├╝rzte ich aus dem Zimmer, um nach meinen Klamotten zu suchen, fand sie jedoch nicht sogleich. Hatte er sie absichtlich versteckt? Inzwischen traute ich ihm alles zu.
"Wo sind meine Sachen?", schrie ich.
"Die habe ich sicher versteckt."
"Wie bitte?"
"Ja, ich habe sie an einem sicheren Ort untergebracht, zu dem nur ich Zugriff habe. Du bekommst sie erst wieder, wenn du dein Versprechen einl├Âst."
"Willst du mich erpressen?"
"Nein, ich will dir nur zeigen, dass es nicht schaden kann, einmal seine geschlechtliche Identit├Ąt zu wechseln ÔÇô zumindest f├╝r einen Abend. ├ťberwinde einfach den inneren Schweinehund und spiel mit. Au├čerdem brauchst du, wie gesagt, vor unseren G├Ąsten keine Hemmungen zu haben. Keiner wird dich deswegen auslachen. Im Gegenteil, man wird dich sogar bewundern, dass du solchen Mut beweist. Du wirst sehen, es wird dir gefallen. Bitte mach einfach mit. Ich werde dich als eine gute "Freundin" vorstellen und sie werden staunen, wie h├╝bsch du aussehen wirst. Verlass dich ganz auf mich."
Bei mir str├Ąubte sich noch immer alles.
Nach einer halben Stunde hatte er es endg├╝ltig geschafft, mich zu ├╝berreden. Wozu ich mir einfach "Augen zu und durch" dachte. Am n├Ąchsten Tag w├╝rde dann sowieso alles vor├╝ber sein und ich w├╝rde wieder normal aussehen. Dieser Abend schien jedenfalls f├╝r mich gelaufen zu sein.
Nach mindestens zehnmaliger Anprobe fanden wir endlich die passende Unterw├Ąsche f├╝r mich. Der schwarze Spitzen-BH, den er auf meinem R├╝cken schloss, war ziemlich eng und als er zus├Ątzlich Papier hineinstopfte, um mir die richtige Brustgr├Â├če hin zu modellieren, bekam ich fast keine Luft mehr. Was musste eine Frau erst damit ertragen?
Die Unterhose dazu war aus demselben Stoff und relativ bequem zu tragen.
Dann meinte er, ich solle mich im Schlafzimmer vor einer Kommode mit einem Spiegel setzen. Ich kam mir vor wie beim Friseur. Ein paar Minuten sp├Ąter kam er mit einem richtigen Schminkkoffer herein. Bevor er jedoch damit loslegte, seifte er mein Gesicht mit Rasierschaum ein und begann, mich mit einem Rasiermesser zu bearbeiten. Ein mulmiges Gef├╝hl befiehl mich, aber mir blieb nichts anderes ├╝brig, als ihm zu vertrauen.
"Wenn ich dir anschlie├čend diese ganze Farbe auftragen soll, darfst du kein einziges Haar mehr im Gesicht und am Hals haben."
Er war ein Perfektionist. Waren alle Transvestiten so? Was f├╝r ein Aufwand! Sicherlich konnte man diese Verkleidungsspielchen nur am Wochenende machen, wenn man gen├╝gend Zeit dazu hatte.
Ich lie├č diese Prozedur nur widerwillig ├╝ber mich ergehen. Was w├╝rde noch alles folgen? H├Ątte ich mich nur nicht gestern zu diesem Quatsch ├╝berreden lassen! Dann k├Ânnte ich jetzt ins Kino, in die Disko oder einfach nur mit Kumpels in den Biergarten gehen. Nie mehr spioniere ich jemandem hinterher, das schwor ich mir.
"So, fertig." Ich war so in Gedanken versunken, dass ich es zun├Ąchst gar nicht wahrnahm, was er sagte. "Ich trage dir jetzt noch eine beruhigende Gesichtscreme auf. Dann werde ich dich weiterbearbeiten."
"Hoffentlich beruhigt sie mich auch innerlich", war mein ganzer Kommentar.
Er grinste nur unversch├Ąmt, fast hatte es schon etwas Teuflisches an sich.
Ich hingegen kam mir immer bl├Âder vor. Wie sollte das heute nur enden?
Solche Art Gesichtspflege betrieb ich nicht einmal, wenn ich zwischendurch auf Freiersf├╝├čen wandelte. Oder standen die M├Ądels auf so etwas? Vielleicht sollte ich es in Zukunft ausprobieren. Es konnte vielleicht nicht schaden, wenn man einen gepflegten Eindruck machen wolle, obwohl ja Dreitageb├Ąrte schwer in Mode sein sollen.
Immerhin wurde mir langsam klar, warum es bei Frauen so lange dauerte, bis sie sich ausgehfertig gemacht hatten.
Der n├Ąchste Kraftakt stand bevor, das Schminken. Dazu ben├Âtigte er bei mir fast eine halbe Stunde. Warf ich am Anfang noch verstohlene Blicke in den Spiegel, so unterlie├č ich es nun, je l├Ąnger es sich hinzog. Er begann mit meinen Augen und trug kr├Ąftig schwarze Farbe auf, sodass ich schon fast nichts mehr sehen konnte. Dann klebte er mir auch noch falsche Wimpern an, sodass meine Lider immer schwerer wurden. Er hatte wirklich an alles gedacht. Jetzt malte und pinselte er wie ein K├╝nstler noch in meinem ├╝brigen Gesicht herum, sogar meinen glattrasierten Hals hinunter bis zum Dekollet├ę lie├č er nicht aus und puderte darauf herum, dass es nur so staubte.
Erst nachdem er meinen Mund bearbeitet hatte, wurde ich endlich von diesen Qualen erl├Âst. Ich hatte vorher die ganze Zeit nur noch nach unten gesehen und er forderte mich mit einem "Voila" auf, den befreienden Blick in den Spiegel zu wagen.
"Ach du Sch ÔÇŽ", brachte ich nur noch heraus. Das blanke Entsetzen hatte sich meiner bem├Ąchtigt. Er hingegen sch├╝ttete sich aus vor Lachen ├╝ber diesen Kommentar.
"Das soll ich sein?"
"Siehst du vielleicht jemanden, der sonst noch neben dir sitzt?"
"Bring mir sofort einen Eimer Wasser und einen Schwamm. Das geht doch hoffentlich alles wieder mit Wasser herunter?", fragte ich ihn v├Âllig aufgel├Âst.
"Naja, gr├Â├čtenteils." Ich sah ihm an, dass er sich beherrschen musste, nicht wieder loszuwiehern.
Mir kam ein furchtbarer Gedanke. "Was soll das hei├čen. Muss ich ÔÇŽ muss ich jetzt etwa ein paar Tage lang so herumlaufen? Das kann doch nicht dein Ernst sein."
"Quatsch, du Dummerchen. Nat├╝rlich geht das wieder herunter. W├╝rde ich mich sonst noch jedes Mal danach in die Arbeit wagen?"
Seufzend musste ich ihm recht geben.
"Und jetzt lass mich mein Werk noch vollenden. Bitte in die Umkleidekabine einzutreten." Damit machte er eine einladende Bewegung in Richtung seines Kleiderschranks.
"Aber mir passt doch nichts davon. Du bist viel kleiner als ich." versuchte ich zu widersprechen. In Wirklichkeit war ich tats├Ąchlich nur geringf├╝gig gr├Â├čer als er, wollte es mir aber nicht eingestehen und nahm es gleichzeitig als Ausrede, das ganze Unternehmen kontraproduktiv in der letzten Minute doch noch zum Scheitern zu bringen.
Ich hatte Pech, denn auch mehrere seiner Kleider hatten Einheitsgr├Â├če und sp├Ątestens nach der f├╝nften Anprobe hatten wir ein passendes "kleines Schwarzes" f├╝r mich gefunden. Der dazugeh├Ârige Ausschnitt war sehr offenherzig und verf├╝hrerisch, was Tobias jedoch bei mir geschickt kaschieren konnte.
Er legte das Kleid allerdings zun├Ąchst auf die Seite, denn es fehlte noch etwas. "Perfekt", meinte er. "Jetzt brauchst du nur noch die passenden Str├╝mpfe." Er ├╝berlegte. "Ich denke, eine schwarze Seidenstrumpfhose ist hier am besten geeignet."
Er zog die n├Ąchste Schublade auf, in der sich jede Menge Damenstr├╝mpfe und Strumpfhosen befanden. "Ah, hier ist sie ja. Er nahm sie mit den Fingerspitzen vorsichtig heraus und sch├╝ttelte kurz durch, damit sie ihre ganze L├Ąnge entfalten konnte.
Aber was war das?
"Die hat ja auch noch so eine komische Naht an den Beinen!", meinte ich entsetzt und v├Âllig fertig, dass ich jetzt auch noch ein solches Teil anziehen sollte.
"Nat├╝rlich. Sie soll ja auch sexy aussehen. Komm, ich werde dir beim Anziehen helfen." Dabei legte er uns Latexhandschuhe hin und erkl├Ąrte mir, dass diese Strumpfhose eines seiner besten und teuersten St├╝cke sei und man sie ganz vorsichtig anziehen m├╝sse, damit spontan keine Laufmasche entstehen w├╝rde. Das ginge am besten, wenn man Handschuhe dabei tragen w├╝rde. So k├Ânne nichts besch├Ądigt werden.
Weitere endlose Minuten vergingen, in denen ich mir vorkam wie eine Wurst, die man langsam in Folie einschwei├čt.
Endlich war es geschafft und ich musste zugeben, dass es eigentlich ein geiles Gef├╝hl war, so etwas anzuhaben.
"Jetzt musst du noch in dein Kleid schl├╝pfen, dann sind wir schon fast fertig. Gib aber acht, dass du nicht dabei mit deiner Schminke im Gesicht in Ber├╝hrung kommst."
Umst├Ąndlich hatte ich es ├╝bergest├╝lpt, sofort begann er damit, an mir herumzuzupfen, zog mal links alles nach unten, mal rechts. am Schluss legte er mir noch einen eleganten G├╝rtel an. Dann war ich vollst├Ąndig eingekleidet. "Mann, Mann, Mann, auf was habe ich mich da nur eingelassen", entkam es mir wieder
"Jetzt kannst du sowieso nicht mehr zur├╝ckrudern, dazu m├╝sstest du schon eine Stunde lang dein Gesicht von der Farbe befreien. Du kannst es gerne tun, aber dann vers├Ąumst du hier einiges. Lass dich ├╝berraschen."
Ich gab mich geschlagen. "Was hast du jetzt noch so auf Lager?"
"Na, ├╝berleg mal."
"Keine Ahnung."
"Jetzt stell dich nicht so an, du brauchst doch noch falsche Haare und als Abschluss die richtigen Schuhe. Wobei ich dich vorwarnen will, weil es mit Abstand die gr├Â├čte Qual f├╝r uns M├Ąnner ist. Dazu muss man sich Zeit nehmen, um darin das Laufen zu ├╝ben. Aber das kriegen wir schon hin, wozu gibt es Blasenpflaster."
"Moment mal, soll ich etwa auch noch welche von diesen ÔÇŽ diesen Mordinstrumenten anziehen?"
"Selbstverst├Ąndlich. Du glaubst doch nicht im Ernst, dass du nachher mit deinen ausgelatschten Tretern vor die Leute treten kannst."
"Warum nicht?"
Er winkte ab und lie├č keine weitere Diskussion zu. In diesem Augenblick kam er mir fast schon wie eine m├Ąnnliche Domina vor, so bestimmt trat er auf, fehlte nur noch die Peitsche. "Es tut mir leid, aber du musst schon die passenden High-Heels anziehen. Aber keine Sorge, daran gew├Âhnt man sich nach der f├╝nften Blase." Er kicherte wie ein kleines M├Ądchen.
War er tats├Ąchlich sadistisch veranlagt? Nie und nimmer w├╝rde ich in so etwas herumlaufen, das konnte er sich abschminken. Nahm ich mir jedenfalls vor. Aber wie immer kam es anders. Aber sch├Ân der Reihe nach: Eine halbe Stunde sp├Ąter war mein Kopf mit einer blonden glatten Langhaarper├╝cke bedeckt. Darunter steckte ein verf├╝hrerisches Frauengesicht. Er ├╝bte mit mir kurz dazu den entsprechenden Augenaufschlag, denn alles sollte perfekt sein.
Dann wurde ich der Inquisition zugef├╝hrt, die Folterinstrumente standen in Form von zehn paar St├Âckelschuhen sauber nebeneinander aufgereiht vor mir.
Hatte ich noch die schwache Hoffnung, dass meine F├╝├če daf├╝r zu gro├č w├Ąren, so wurde ich sogleich eines Besseren belehrt. Fast jedes einzelne Paar passte wie angegossen und alle hatten sie eine Absatzh├Âhe von mindestens zehn Zentimetern. Mehrere Minuten lang drohte ich immer wieder zu straucheln und einfach auf die Seite zu kippen. Nach einer weiteren qualvollen halben Stunde st├Ąndigen Hin- und Herst├Âckelns konnte ich einigerma├čen damit gehen, zumindest kleinere Strecken. Eine Wanderung allerdings w├Ąre ausgeschlossen gewesen.
"├ťb` schon mal recht flei├čig. Und nicht vergessen: Elegant dazu mit dem Hintern wackeln, schlie├člich soll ja alles authentisch sein. Ich ziehe mich jetzt um und style mich ebenfalls. Ich will ja schlie├člich nicht unangenehm auffallen." Er freute sich wie ein Schneek├Ânig, so kam es mir vor. "Du siehst ├╝brigens phantastisch aus, fast k├Ânnte man neidisch werden." Er warf mir einen eleganten Handkuss zu.
"Danke f├╝r das Kompliment." Dabei packte ich einen seiner High Heels und drohte, diesen nach ihm zu werfen. Schon war er aus dem Zimmer verschwunden.
Immer wieder trat ich vor den Schlafzimmerspiegel, zuerst vorsichtig, dann immer neugieriger werdend. Komisch, ich begann tats├Ąchlich reflexartig, an mir herumzuzupfen, war es das Kleid oder waren es die Haare? Ich hatte unbewusst weibliche Verhaltensmuster angenommen, wie war so etwas m├Âglich? Es hei├čt zwar immer "Kleider machen Leute", dass sie aber das geschlechtsspezifische Verhalten beeinflussen k├Ânnen, war mir neu.
Ich kam mir pl├Âtzlich vor wie in einer anderen Welt. Zwar hatte ich schon einmal eine Travestieshow besucht, aber da waren diese "Damen" v├Âllig ├╝berdreht und vulg├Ąr. Sie zogen haupts├Ąchlich ├╝ber uns M├Ąnner vom Leder, aber das mussten sie ja, denn sie wollten vor allem das ├╝berwiegend weibliche Publikum unterhalten. Immerhin hatten diese auch Eintritt bezahlt und wollten etwas f├╝r ihr Geld geboten kriegen.
Nach einer endlos langen Zeit, ich hatte mich inzwischen hingesetzt, da mir die St├Âckelschuhe langsam aber sicher zur Qual wurden, sodass ich sie immer ├Âfters auszog und mir die brennenden F├╝├če rieb, h├Ârte ich wieder seine Stimme. "Fertig", ert├Ânte es aus dem Bad. Als er dann vor mir stand, war er wieder perfekt geschminkt, ganz so, wie ich ihn vom gestrigen Abend her in Erinnerung hatte. Er l├Ąchelte mich hinrei├čend an und klatschte mir auf den Po. Dann begann er, seine Garderobe zu durchst├Âbern, bis er f├╝ndig wurde und einige Kleider und R├Âcke aufs Bett legte.
"Du musst mich jetzt beraten, was dir am besten gef├Ąllt. Okay? Schlie├člich m├Âchte ich neben dir nicht wie eine graue Maus daherkommen."
"Wenn du meinst", entgegnete ich wenig begeistert. Gleichzeitig nervten mich immer mehr diese engen Klamotten, die ich anhatte und ich sehnte mich nach meiner bequemen M├Ąnnerkleidung.
"Also, k├Ânnen wir?"
"Von mir aus."
Dann begann seine Modenschau und irgendwie erinnerte es mich an die Szene, wenn man mit der Frau oder Freundin in ein gro├čes Bekleidungsgesch├Ąft geht. Da dauert es manchmal Stunden, bis sich die Herzensdame entschieden hat. Wir M├Ąnner dagegen machen es uns einfacher, denn sp├Ątestens nach der zweiten Anprobe muss das betreffende Kleidungsst├╝ck passen. Wenn nicht, verschieben wir den Einkauf auf irgendwann andermal.
Qualvolle Minuten vergingen und mir blieb nichts anderes ├╝brig, als gute Mine zum b├Âsen Spiel zu machen. Mit Feuereifer hatte Tobias alles anprobiert, bis er zum Schluss nicht nur etwas Passendes, sondern auch ├Ąu├čerst Frivoles, wenn nicht sogar Rattenscharfes gefunden hatte. Es stand ihm fantastisch, er hatte einfach die ideale Figur daf├╝r und jede Frau w├Ąre bestimmt in diesem Moment vor Neid erblasst. Er trug eine wei├če Spitzenbluse, die teilweise unter einer schwarzen Corsage verschwand, dazu einen roten Minirock, den man eher als "Pomanschette" bezeichnen konnte. Gl├Ąnzende halterlose Lurexstr├╝mpfe verzierten seine makellosen langen Beine und rote High-Heels mit m├Ârderischen f├╝nfzehn Zentimeter hohen Abs├Ątzen. Trotzdem hatte er mit dem St├Âckeln keinerlei Probleme und wiegte elegant seinen ausgestopften Po hin und her, so, als h├Ątte er in seinem Leben noch nie etwas Anderes getan. Auf seinem Kopf prangte diesmal eine dunkelbraune Langhaarper├╝cke.
Wir sahen aus wie zwei Freundinnen, die sich auf M├Ąnnerfang begeben hatten, trotzdem f├╝hlte ich mich ziemlich bescheuert. Wenig sp├Ąter klingelte es an der T├╝r.

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hh

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