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Das Feierliche Gelöbnis unserer Soldaten
Eingestellt am 05. 04. 2007 12:49


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Wolfgang Bessel
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Registriert: Feb 2007

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Bundeswehr-Auslandseinsätze und das Feierliche Gelöbnis

„Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“.

So lautete mein Feierliches Gelöbnis im Jahre 1960 bei der nicht öffentlichen Vereidigung auf einem Kasernenhof in Wuppertal. Das Gelöbnis besteht auch heute noch und entspricht der preußischen Grundidee, dass jeder Bürger auch der Verteidiger seines Landes sei.

Unser Feindbild hieß damals „Warschauer Pakt“ (militärischer Beistandspakt des Ostblocks unter Führung der Sowjetunion von 1955-1991).
Es herrschte der „Kalte Krieg“ mit einem enormen Wettrüsten auf beiden Seiten.
Der „Eiserne Vorhang“ (ideologisch unüberwindbare Grenze zwischen Ost und West von 1945-1990) war noch nicht gefallen, und die Welt stand im Oktober 1962 durch die Kuba-Krise (die Sowjetunion stationierte SS 4 Raketen auf Kuba) unmittelbar vor dem Ausbruch eines Atomkriegs – dem Dritten Weltkrieg.

Das Feierliche Gelöbnis machte damals für mich noch Sinn.

Wenn ich den Eid allerdings heute sprechen sollte, bekäme ich in Hinblick auf die fragwürdigen Auslandseinsätze im Rahmen von ISAF, EUFOR, KAFOR, UNOMIG etc. - Bauchschmerzen.

Es wäre an der Zeit, das Feierliche Gelöbnis zu ergänzen und auf die heutigen militärischen Bündnisverpflichtungen abzustellen.

Laut SPD-Fraktionsvorsitzenden Struck und Verteidigungsminister Jung, verteidigen unsere Soldaten heute das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes am Hindukusch, im Libanon, am Horn von Afrika, im Kosovo, in Bosnien, Georgien, und im Sudan.
Alle Parteien haben unter dem Druck der Verbündeten ihre pazifistische Unschuld verloren. Joschka Fischer bereits beim Absegnen des Kosovo-Einsatzes. Das gute Gewissen der Grünen, Herr Ströbele, wehrt sich zwar lauthals gegen alle militärischen Optionen, obwohl er doch genau weiß, dass er politisch nichts bewirken kann.

Mittlerweile befinden sich 9000 (neuntausend) deutsche Soldaten im Auslandeinsatz. Alle Mandate waren auf eine kurze Zeit begrenzt.
Es ist unglaublich! Seit Juni 1999 befinden sich beispielsweise unsere Soldaten schon im Kosovo! Weitere 500 Soldaten wurden vor zwei Wochen zusätzlich zur Verstärkung dorthin abkommandiert. Wann endet endlich dieses kostspielige Mandat zur ethnischen Stabilisierung dieser Region?

Das neue Feindbild unserer Soldaten heißt offenkundig „Terrorismus“. Der zu bekämpfende Feind – der militante Islam.
Die unsäglichen Gründe für die Entstehung des heutigen Terrorismus sind sattsam bekannt.

Von den zahlreichen Formen des Terrorismus bestimmt heute der „religiöse Terrorismus“ und der „Terrorismus als Kriegsform“ das politische und militärische Handeln unserer Politiker.

Selbstmordattentate, Entführungen, Sprengstoffanschläge gegen unbeteiligte Zivilisten und Einrichtungen sind eine effektive Form der „Kriegsführung“. Terroristen haben keine feste Front. Sie verbreiten Angst und Schrecken und wollen mit ihren Aktionen ein Umdenken des Westens erzwingen.

Terrorismus ist nicht besiegbar und endet immer mit einer Niederlage der Streitkräfte. Russland konnte die Mujaheddin (muslimische Gotteskrieger) in Afghanistan von 1979 bis 1989 nicht besiegen. Das Fiasko der USA im Irak ist längst vorhersehbar.
Diese vermeintliche oder tatsächliche internationale Verpflichtung der Terrorismusbekämpfung wird bei uns (noch) von Berufssoldaten, Soldaten auf Zeit und W23 –Soldaten (Wehrpflichtige, die sich auf 23 Monate verpflichtet haben) wahrgenommen.
Angesichts der Tatsache, dass die verantwortlichen Politiker unseren Streitkräften nicht die erforderlichen Mittel, Kräfte und Zeit zur Verfügung stellen, fällt es schwer, den Sinn und die Notwendigkeit dieser Auslandseinsätze zu begründen. Schon gar nicht mit einer Armee von Wehrpflichtigen.

Wie kann ich einem Soldaten oder dem Bürger den Einsatz am Hindukusch vermitteln, wenn schon die finanziellen Mittel nicht ausreichen, um die vergammelten militärischen Einrichtungen in der Heimat zu sanieren?
Diese Einschätzung wird übrigens von der überwiegenden Zahl der militärischen Führer aller Ebenen geteilt.

Es stellt sich die Frage, ob nicht eine Berufsarmee künftige militärische Aufgaben besser bewältigen könnte? Die neunmonatige Ausbildungszeit der Wehrpflichtigen reicht für keinen dieser Kampfeinsätze aus!
Der Wegfall der Wehrpflicht würde wahrscheinlich bei uns mittel- bis langfristig zur Entfremdung zwischen Armee und dem Bürger führen – muss aber nicht.
Gegenbeispiel ist England mit seiner traditionellen Berufsarmee.
Aber wir sind ja bereits auf dem Weg zur Freiwilligenarmee, denn nur vier von zehn Soldaten sind Grundwehrdienstleistende. Ein seinerzeit angestrebtes Spiegelbild unserer Gesellschaft ist in den Streitkräften ohnehin nicht mehr erkennbar.

Eine Berufsarmee birgt allerdings die Gefahr, dass sie von Politikern als beliebig einsetzbare Verfügungsmasse eingesetzt wird.
Das Für und Wider einer Berufsarmee soll an dieser Stelle aber nicht beleuchtet werden. Das Thema wird in den Parteien seit etlichen Jahren kontrovers diskutiert und publiziert.

Wir sind international so aufgestellt, dass die Alliierten ungeniert fordern: „Deutsche, ab in den Süden Afghanistans, damit ihr das Kämpfen und Töten lernt“.
Die Verbündeten mögen aus ihrer Sicht Recht haben. Ihre Soldaten sterben fast täglich im Kampf gegen die Taliban, während unsere Truppe im Norden vergleichsweise eine ruhige Kugel schiebt.
Wenn man internationale Verpflichtungen erfüllen will, müssen a l l e Partner kämpfen.
Man kann das Fell eines Bären nicht waschen, ohne es nass zu machen.

Um den lauter werdenden Forderungen der Alliierten nachzukommen, schickte Verteidigungsminister Jung mit „Gottes Segen“ sechs Tornados nach Afghanistan – zur Unterstützung der taktischen Aufklärung.
Der angedachte Einsatz des im ehemaligen Jugoslawien kampferprobten Tornado-Aufklärungsgeschwaders unterscheidet sich immens von der Wertigkeit eines normalen Einsatzes unserer Truppe. Er hat eine völlig andere Dimension.

Es dürfte jedem klar sein, das diese Maschinen keine Aufnahmen für das Familienalbum schießen werden. Die Auswirkungen, gewollt oder ungewollt, sind weder im Einsatzgebiet noch in der Heimat absehbar.
Die Maschinen werden unmittelbar in die Kriegshandlungen im Süden Afghanistans eintreten. Unsere Piloten liefern den Alliierten bestes Datenmaterial zum Bombardieren feindlicher Bodenziele.
Gleichwohl behaupten unsere Politiker, der Tornadoeinsatz sei kein Kampfauftrag.
Was ist er sonst?
Unsere Politiker versuchen dem Bürger auch einzureden, dass dieser brisante Auftrag im Interesse der deutschen Sicherheit läge.
Das Gegenteil ist der Fall.
Deutschland muss jetzt verstärkt mit terroristischen Anschlägen rechnen. Wir Bürger dürfen die verantwortlichen Politiker auch mal an i h r e n Amtseid erinnern:

"Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden ...

Wenn die ersten im Kampf gefallenen Soldaten/Innen in Zinksärgen auf deutschem Boden übergeben werden, mögen die betroffenen Angehörigen die Politiker an den Kragen packen, durchschütteln und vor laufender Kamera plausibel erklären lassen: Ihre Söhne/Töchter, Ehepartner, Elternteile hätten in Afghanistan „für das Recht und die Freiheit des Deutschen Volkes“ am Hindukusch den Tod gefunden.

Hoffentlich bezeichnen sie nicht die Umstände, die zum Tod der Soldaten führten, als unabwendbaren Kollateralschaden (Begleitschaden)!
__________________
Wolfgang M. A. Bessel
www.bessel-autor.info

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