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Leselupe.de > Gereimtes
Das Fenster zum Hof
Eingestellt am 05. 09. 2003 11:49


Autor
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Elmar Feische
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2001

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Das Fenster zum Hof,
oder ÔÇ×Einmal Waisenhaus und zur├╝ckÔÇť.
Eine Moritat ohne Happy-End.


Ich seh aus dem Fenster und find es famos,
im Hof unten ist mal endlich was los.
Die letzte Zeit war es wirklich echt ├Âde,
ich glaubte schon, jetzt wirste bald bl├Âde.
Doch pl├Âtzlich, wie aus heiterem Himmel,
gibt es dort unten ein gro├čes Gewimmel.
Gerade noch war nichts, doch jetzt, zapperlot,
schl├Ągt Hilde von dr├╝ben den Ottokar tot.

Nun solltet ihr wissen, dass Ottokar
nicht eigentlich einer der guten war.
Wohingegen immer schon unsere Hilde,
nun ja, sie f├╝hrte stets Gro├čes im Schilde.
Doch eigentlich war ihre Herkunft vakant,
sie hatte nicht Vater, nicht Mutter gekannt.
So blieb ihr, wie traurig, als schreckliches Los,
als Alternative das Waisenhaus blo├č.

Unserm Ottokar hingegen,
waren Eltern doch gegeben.
Geholfen hat ihm das nicht viel,
bis auf Erziehung mit dem Besenstiel.
Nicht lang er sich bei den Eltern sonnte,
auf und davon war er, als er laufen konnte.
Von hier nach dort trieb ihn das Leben,
Ruhm und Reichtum waren sein Bestreben.

Die Hilde war im Waisenhaus,
`ne graue und `ne stille Maus.
Viel Zeit verbrachte sie nach innen,
dem konnte sie viel abgewinnen.
Sie verglich sich manchmal mit dem Goethe
und f├╝r Musik hatte sie eine Fl├Âte.
Auf dieser produzierte sie vielerlei T├Âne,
am Anfang laute, sp├Ąter dann sch├Âne.

Ottokar stand auf der Stra├če,
zufrieden mit sich in dem Ma├če,
dass jetzt das Leben ohne Hiebe
ihn f├╝hren w├╝rd zu Geld und Liebe.
Doch pl├Âtzlich fand er sich auf Wegen,
die kamen ihm nicht so gelegen.
Das Schicksal nahm ihn bei der Hand:
das Ziel war Hildes Waisenland.


Gleich zu Beginn war Hilde ihm gewogen,
man f├╝hlte sich zueinander hingezogen.
Es waren sch├Âne, lichte Tage,
kein Schatten gab es, keine Klage.
Schon bald gab man sich sehr vern├╝nftig
und plant, was machen wir zuk├╝nftig.
So ging dahin viel waisenhafte Zeit
und endlich war es dann so weit.

Man feiert Hochzeit, geht auf Reise,
empfindet Gl├╝ck auf unbekannte Weise.
Schon damals, in dem Haus in Flandern
trennt man sich oft von all den andern.
Begl├╝ckt sind Ottokar und Hilde,
genie├čen Honigmond-Gefilde.
In Hildes Scho├č versenkt sich Ottokar,
wenn das mal nicht `ne Zeugung war.

Im Anfang ist der Ottokar sehr flei├čig
und bleibt auch so bis Ende Drei├čig.
Die Hilde schenkt ihm eine Schar von Kindern,
so lieb, so sch├Ân, fast wie auf Bildern.
Vom Geld gibt man sehr wenig aus,
als es sich h├Ąuft, baut man ein Haus.
Am Abend trinkt der Ottokar ein Bier
und Hilde improvisiert auf dem Klavier.

Es ist so sch├Ân, so k├Ânnt`es bleiben,
gut leben wir, wenn auch bescheiden.
So sagt die Hilde, denkt ans Waisenhaus,
wie trist sah dort die Zukunft aus.
Nochmal nach Belgien dieses Jahr,
wei├čt du noch, wie sch├Ân das war?
Jedoch das Schicksal wendet sich zu andern,
und unter geht der Stern von Flandern.

Ottokar, vom Kopf her nur gering bemittelt,
ist k├Ârperlich sehr gut entwickelt.
Der Kinder Sch├Ânheit, immerhin,
sie geht bestimmt zur├╝ck auf ihn..
Hingegen Hilde, ja, so hei├čt es,
ist eigentlich ein Mensch des Geistes.
Und diese Diskrepanz von Geist und Bildnis,
sie f├╝hrt die beiden ins Verh├Ąngnis.

Kein L├Ąrmen mehr im Haus, kein Toben,
die Kinder sind jetzt aus dem Groben.
Am Abend, teils im Bett, teils in der Disco,
man ist allein und f├╝hlt sich gut so.
Doch pl├Âtzlich merken sie, an solchen Tagen:
Man hat sich gar nichts mehr zu sagen.
Urpl├Âtzlich ist die Welt verkehrt,
da sitzen sie, in sich gekehrt.

Im Grunde kennt man die Geschichte:
Die M├Ąnner sind die B├Âsewichte.
Die Frau, die wird alleingelassen.
Sie kann es anfangs gar nicht fassen.
Zum Schlu├č wird dann auch noch die Liebe
ersetzt durch N├Ârgelei und Hiebe.
Die Frau, sie wird zum Hassobjekt,
der Mann hat frisches Fleisch entdeckt.

So war es auch bei unsern`beiden,
sie sind gewi├č nicht zu beneiden.
Am Anfang sah man Perspektiven,
allein, was ist davon geblieben?
Ein Haufen Kinder, Stre├č und Schulden,
jetzt will sich niemand mehr gedulden.
Das anfangs akzeptable Leben
wird einfach auf den M├╝ll gegeben.

Was ist letztendlich wie passiert?
Alas, es hat hierhergef├╝hrt.
In diesen kleinen Hinterhof.
Nichts deutete auf`s Ende, blo├č:
Als Hilde kam, trug sie ein Beil
und damit macht` sie gar nichts heil.
Zielstrebig ging sie auf ihn zu
und schlug ein paar Mal kr├Ąftig zu.

Da steht sie jetzt mit ihren Blagen,
im Staub, ihr Mann, von ihr erschlagen.
Die Zukunft hinter Gitterst├Ąben,
ist kein erstrebenswertes Leben.
Ein Schritt nach vorn, Hilde, oh weh,
da kommt ein gro├čer LKW.
Die Kinder schreien noch: oh Graus,
f├╝r Hilde ist das Leben aus.

Allein, was wird jetzt mit den Kindern,
sie werden elternlos verwildern.
Wie geht f├╝r sie die Sache aus?
Es bleibt doch nur das Waisenhaus.
Ach, dort begann, vor vielen Jahren,
ja, h├Ârt nur zu und lasst`s euch sagen,
das Leben, anfangs wunderbar
von Hilde und dem Ottokar.









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Penelopeia
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Nov 2002

Werke: 149
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Hallo Elmar,

Deine Moritat gef├Ąllt mir. Ein bi├čchen k├Ânnte man zwar herumm├Ąkeln an den Reimen, den Reimgeschlechtern, der Metrik. Aber - und das finde ich erstaunlich - trotz der bei exakter Analyse nachweisbaren Fehlerchen liest sich der Text fl├╝ssig. Die Pointe ist gelungen. Schade, da├č wenige LL-er diesen Text bis jetzt gelesen haben, er verdient mehr Aufmerksamkeit.

Sch├Ânen Abend noch

Pen.

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Elmar Feische
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2001

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Das Fenster zum Hof

Hallo Pen.

Sch├Ânen Dank f├╝r Dein Lob. Falls Du konkrete Vorschl├Ąge zu den erw├Ąhnten nachweisbaren Fehlerchen h├Ąttest, beseitige ich diese gerne.
Ich w├╝nsche einen sch├Ânen Herbstsonntag.
Elmar

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Ralf.
Hobbydichter
Registriert: Aug 2003

Werke: 0
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Ich will gar nicht lange analysieren, sondern nur ganz spontan mein Leseempfinden wiedergeben:
Ich hab das sehr sehr gern und rabenschwarz gelesen und mich dabei hervorragend am├╝siert. Sicher g├Ąbe es bei den Reimen oder dem Metrum ein paar Sachen zu ├Ąndern.. aber what the hell! Bevor es zu verkopft gereimt und gemetrumt ist, bela├č es lieber so wie es ist.

Ralf.

P.S. Ich grinse immer noch.

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