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Leselupe.de > Gereimtes
Das Fräulein am Meer
Eingestellt am 28. 08. 2004 14:29


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Vera-Lena
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Das Fräulein am Meer

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.

Mein Fräulein! Sein sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück.

Heinrich Heine (1797-1856)


Mit Neid bedenk ich Herrn Heine,
er schrieb nie etwas ins Reine,
war nicht in der Leselupe,
erklang dort die Fehler-Hupe:

Hör einmal her, mein Heinerich,
die letzte Zeile stimmt doch nicht,
da steht ein Silbchen peinlich rum,
ja, eins zu viel, mach es jetzt stumm!
Ich geb dir, das wirst du verstehn,
die 2 nur, sonst wär’s eine 10,
dies Pfuschen habe ich jetzt satt,
dein Werk muss in die Schreibwerkstatt.

So klingt es eifrig kühn im Chor.
Nur einer kommt das seltsam vor,
da steht im Winkel tief entzückt
und ist von deinem Werk beglückt
die Vera-Lena, nicht mehr bang
beim nächsten Sonnenuntergang.
Sie hat die Silbe glatt geschluckt
und auch nicht wieder ausgespuckt.





__________________
Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Sandra
Guest
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Wie schön, Vera-Lena. Ja, wir "Kritiker" stellen unsere Meinung oft über das Gefühl. Wir meinen etwas sagen zu müssen, unser vermeintliches Wissen nach außen tragend, damit es nur jeder sieht und schätzt und sind froh, wenn wir sagen können: Schaut her! Hier ist eine Silbe zu viel und ich habe sie als erster entdeckt.

Wie wahr deine Worte sind. Sie sprechen mir aus der Seele und dabei fasse ich mir auch an die eigene Nase.

Ein Lied auf die Lyrik und auf wunderschöne "Fehler".

LG
Sandra

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Thys
Guest
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Wie gut,

daß ich von dem ganzen Kram sowieso keine Ahnung habe. Da fallen mir solche Schnitzer erst gar nicht auf. Ich lese viel unbelasteter ... :-)

Gruß

Thys

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Vera-Lena
Routinierter Autor
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Liebe Sandra,

danke für Deine prompte Antwort!
Ich verstehe schon, wie Du es meinst,aber ganz so krass habe ich es nicht darstellen wollen, das muss ich jetzt einmal sagen, damit ich nicht von allen anders verstanden werde, als ich es meine.
Gerade solche Kritiken in puncto Silben sind ja immer berechtigt, denn die Silbenzahlt ist ja schnell nachgezählt.

Aber....
Ich finde, dieser Heine hier ist ein Superbeispiel dafür, dass die Zählerei allein noch keine ausreichende Kritik darstellt. Warum und wieso der Autor sein Metrum verändert haben könnte, das müsste man beim Lesen auch immer mit bedenken. Natürlich sind das die Feinheiten in der Lyrik und nicht jeder hat schon gleich ein Gespür dafür. Das sind eben Lernprozesse, zu denen man in der LL aber eine Gelegenheit bekommt.
Ich wollte eigentlich schon den Finger in die Wunde legen, aber mit Sanftheit, wie ich das am liebsten mache, und auf dichterische Feinheiten und lyrische Freiheiten aufmerksam machen, die man natürlich sehr genau abwägen muss.

Aber ansonsten fühle ich mich von Dir verstanden, ja, es ist ein Lied auf die Lyrik und die "gekonnten" Fehler.
Nochmals Danke und Dir ein schönes Wochenende!
Ganz liebe Grüße von Vera-Lena



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Vera-Lena
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Glückwunsch Thys,
da hast Du es wirklich gut! Nichts stört Deinen Genuss.

Auch Dir ein schönes Wochenende und Dank für Deine Antwort
Liebe Grüße von Vera-Lena
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Klopfstock
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Vera-Lena,
ich zähle nie die Silben und bin doch bei dem Heine
zuerst etwas über die letzte Zeile gestolpert.
Dann las ich es mehrmals vor und zwar laut und mit dem
Bemühen und die richtige Betonung - und siehe da, es hat nicht mehr geholpert (im gewohnten Sinne)
Ich habe mich auf die etwas unbequeme Melodie dieser
Zeile eingelassen.....

Man könnte sie allerdings auch flüssiger machen, so daß man sich beim Lesen nicht so bemühen müßte und nicht so bedacht sein müßte auf die Betonung - diese letzte Zeile, meine ich.

Ich frage jetzt einmal ganz dumm, warum
hat es der olle Heine denn nicht gemacht, wo es doch ginge?

Was mich allerdings immer wundert ist, daß man bei den
so genannten großen immer ein Auge zudrückt (sie sind ja so bedeutend) bei den kleinen Würstchen, da ist man überkritisch, das habe ich schon mal unter einen Anonymus
geschrieben, den man so fertig gemacht hat.
Er hatte einen Kurztext geschrieben für den man ihm 1-sen
und 2-ien gab. Ich habe seinen Text mit einigen kurzen
vom Wilhelm Busch verglichen und siehe da, die von
Busch waren keineswegs besser, aber bekannter.
Ja, so ist es - hat man erst einen Namen, dann
sprechen die Kritiker gerne ihr erlösendes Amen


Dir einen schönen Abend
und ganz liebe Grüße
Irene

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