Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92266
Momentan online:
243 Gäste und 6 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Fresstierchen
Eingestellt am 19. 01. 2003 12:35


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Harmonika
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2003

Werke: 3
Kommentare: 5
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Das Fre├čtierchen


Vor kurzem habe ich mir ein kleines Fre├čtierchen gekauft. Eigentlich wollte ich einen Hund oder eine Katze oder ein gr├Â├čeres Tier haben, aber als ich das kleine Wesen erst einmal in der Kaufhausabteilung gesehen hatte, wie es so traurig aus seinem Glaskasten guckte, konnte ich es nicht ├╝bers Herz bringen es einfach so da sitzen zu lassen. Es war ganz klein und hatte gerade so auf meiner ausgestreckten Hand Platz. Beine hatte es genau sechzehn an der Zahl, es ├Ąhnelte also einer kleinen Raupe, nur die Schnauze war wie die eines Krokodils geformt und im Maul sa├čen vier Reihen winziger, spitzer Z├Ąhne. Die langen Ohren erinnerten mich sofort an eine zusammengewickelte Luftschlange, besonders wenn sie sich alle zwei Minuten zu gro├čen Trichtern formten, um Ger├Ąusche aufzufangen. Die kleinen Augen schwirrten unruhig hin und her und be├Ąugten alles mi├čtrauisch, was sich in Sichtweite befand. Zu Hause setzte ich das Fre├čtierchen vorsichtig auf dem Boden ab. Es schn├╝ffelte etwas herum, drehte sich im Kreis und wanderte nach einigen Sekunden zielsicher auf den K├╝hlschrank zu.
Ich konnte mir nicht vorstellen, da├č dieses kleine Wesen in der Lage w├Ąre, die schwere K├╝hlschrankt├╝r zu ├Âffnen, deshalb tat ich es und holte eine saftige, rote M├Âhre hervor. Vorsichtig legte ich sie vor dem Fre├čtierchen auf den Boden, unsicher, ob es wohl Gem├╝se mochte. Doch mein Zweifel verschwand schnell: Es fra├č die M├Âhre ohne zu z├Âgern ratzekahl auf und machte nicht einmal vor den Bl├Ąttern halt. Dann sah es zu mir auf und starrte mich neugierig an.
ÔÇ×Willst du etwa noch eine?ÔÇť fragte ich. Ich suchte nach einer zweiten M├Âhre, die es abermals sofort gierig verschlang, wobei ihm fast meine Hand zwischen die Z├Ąhne gekommen w├Ąre. Als es auch die dritte M├Âhre zur H├Ąlfte angeknabbert hatte, machte es eine kurze Pause.
ÔÇ×Satt?ÔÇť wollte ich wissen. Das Fre├čtierchen legte sich auf den R├╝cken, stie├č einen Laut aus, der vielleicht einen Seufzer darstellen konnte, und schlief einfach ein.
Mitten in der Nacht wachte ich auf. Ein seltsames Ger├Ąusch hatte mich geweckt. Als ich das Licht anknipste, konnte ich gerade noch sehen, wie ein Blatt Papier im Maul des Fre├čtierchens verschwand. Es sa├č auf dem Schreibtisch zwischen meinen letzten Pr├╝fungsarbeiten und war gerade dabei, ÔÇ×Test Nummer dreiÔÇť gen├╝├člich zu vertilgen.
ÔÇ×Was machst du denn da?ÔÇť schrie ich. ÔÇ×La├č das, den mu├č ich doch morgen noch in der Schule vorzeigen!ÔÇť Ich hob das Fre├čtierchen ruckartig hoch und trug es ins Bad, wo ich ihm mit der Zahnb├╝rste meines Vaters die letzten Papierreste zwischen den Z├Ąhnen herauskratzte. ÔÇ×Mach so was nie wieder!ÔÇť drohte ich ihm. ÔÇ×Das n├Ąchste Mal weckst du mich, wenn du Hunger hast, kapiert?ÔÇť Ich war nicht sicher, ob es mich verstanden hatte, es sah mich nur mit einem Blick an, der B├Ąnde sprach. Ver├Ąrgert trug ich es in die K├╝che und verf├╝tterte ihm die restlichen Weihnachtspl├Ątzchen. Es hat gar nicht gemerkt, da├č sie noch vom letzten Jahr waren, aber vielleicht interessiert sich ein Fre├čtierchen nicht f├╝r Haltbarkeitsdaten. Jedenfalls schlief es den Rest der Nacht tief und fest, wie ich selber an seinem lauten Schnarchen feststellen konnte.
Das Fre├čtierchen schlief bis in den n├Ąchsten Morgen hinein weiter, ohne zwischendurch noch einmal ├ärger zu machen. Bevor ich in die Schule ging, stellte ich ihm eine Schale Kekse in seinen Karton, die es als Fr├╝hst├╝ck verspeisen durfte.
Als ich sp├Ąt am Nachmittag wieder nach Hause kam, empfing mich meine verzweifelte Mutter mit der Nachricht, das Fre├čtierchen habe nicht nur die Kekse als Fr├╝hst├╝ck angesehen, sondern auch seinen Karton und meinen Teppich. Sie schimpfte, sie w├╝rde dieses Biest aus dem Haus werfen, wenn ich mich nicht besser darum k├╝mmern w├╝rde. Kleinlaut zog ich mich mit meinem Mittagessen in mein Zimmer zur├╝ck. Es gab Pizza mit Thunfisch, was ich noch nie besonders leiden konnte. Das Fre├čtierchen allerdings a├č den ganzen Teller leer ohne auch nur einmal Luft zu holen und h├Ątte beinahe auch noch in das teure Porzellan gebissen, wenn ich es nicht noch rechtzeitig davon abgehalten h├Ątte.
W├Ąhrend ich meine Hausaufgaben machte, dachte ich dar├╝ber nach, wie ich das Problem mit dem Fre├čtierchen regeln k├Ânnte. Dabei reichte ich dem kleinen Wesen hin und wieder Abf├Ąlle wie einige Sp├Ąne aus meinem Spitzer oder die Radierfussel zu, die es hei├čhungrig von meiner Hand ableckte. Seine Zunge f├╝hlte sich rauh und warm an. Als Abfalleimer war das kleine Tier wirklich gut geeignet.
Irgendwann zwischen dem Thales-Satz und dem Imparfait kam mir dann die Idee, das Fre├čtierchen ganz einfach mit in die Schule zu nehmen. Fieberhaft ├╝berdachte ich meinen Plan noch einmal und kam zu dem Schlu├č, da├č eigentlich nichts Gef├Ąhrliches an der Sache sein konnte, solange ich gen├╝gend Vorrat auf Lager hatte. Au├čer Fressen tat dieses Tier ja sowieso nichts anderes.
Am n├Ąchsten Morgen war ich fest dazu entschlossen meinen Plan durchzuf├╝hren. Ich fischte das Fre├čtierchen aus meiner M├╝slisch├╝ssel, packte es in die Kekst├╝te und steckte es zu den B├╝chern in meinen Schulranzen.
In der Schule versammelten sich alle meinen Klassenkameraden um mich, als das laute Schmatzen des Wesens h├Ârten. Das Fre├čtierchen musterte sie mit argw├Âhnischem Blick, w├Ąhrend es an einem Lolli herumlutschte. Es erntete gro├čes Gel├Ąchter, als es sogar den Stiel auffra├č. Einige meiner Mitsch├╝ler versuchten auch seine glatte, gr├╝ne Haut zu streicheln, mit dem Ergebnis, da├č die H├Ąlfte der Klasse beim Diktat nicht mitschreiben konnte.
Der Deutschlehrer war dar├╝ber nicht besonders erfreut. ÔÇ×Wir schreiben doch bald eine Arbeit mit Grammatikteil! Was denkt ihr denn, was auf diese Art und Weise dabei herauskommt? Wir haben noch kein einziges Mal ge├╝bt...- und ihr seid ja auch wirklich keine gro├čen Leuchten.ÔÇť Er seufzte laut. Dann verk├╝ndete er: ÔÇ×Seite 158 oben, lest euch den Text durch. Danach suchen wir die Verben heraus. Los jetzt!ÔÇť
Wir machten uns daran, die Geschichte durchzulesen. Als ich wieder aufsah, merkte ich, da├č unser Deutschlehrer verschwunden war. Seltsamerweise kam mir mein Fre├čtierchen auch etwas dicker als vorher vor.
F├╝r diesen Vormittag fiel der Unterricht aus, da es keinen einzigen Lehrer gab, der bereit war die Vertretungsstunde zu halten. Meine Mutter wunderte sich nicht einmal, da├č ich fr├╝her nach Hause kam, aber wahrscheinlich war ihr das nur recht so, weil sie mir dann noch etwas mehr Hausarbeit aufbrummen konnte. Ich verdr├╝ckte mich sicherheitshalber in mein Zimmer und probierte mit meinem Fre├čtierchen verschiedene Spiele aus, aber es wollte einfach nur auf dem Boden liegen und faulenzen. Irgendwann kam ich dann auf die Idee, diese ganze Ge chichte mit dem Fre├čti rchen einma aufzuschre b n und ich h├Ą te es auc getan, wen nic t pl tzlich der Schreibti ch fort gewese w├Ąre und das Papi r und ich uch.. .... . ... . .


┬ę Harmonika

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Arno1808
Guest
Registriert: Not Yet

Das Fresstierchen

Liebe Harmonika,

Dein Tierchen erinnert mich durchaus an den einen oder anderen Vertreter des menschlichen Geschlechts!

Eine lustige Geschichte und wahrscheinlich der Traum mancher Sch├╝ler ...

Lieben Gru├č

Arno

Bearbeiten/Löschen    


anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

Werke: 587
Kommentare: 977
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
hallo Harmonika!

Nach der Verdauung dieses seltsamen Tierchens wollen wir besser nicht weiter fragen,
eine sehr interessante, witzige Geschichte.

lG
anemone

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!