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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Geburtstagsgeschenk
Eingestellt am 15. 06. 2003 00:27


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flammarion
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Das Geburtstagsgeschenk

Meine Kinder waren sehr findig. Es hatte keinen Sinn, irgendwelche Geschenke vor ihnen zu verstecken. Ich konnte die SchrĂ€nke verschließen und die SchlĂŒssel abziehen, alles vergebens. Egal, ob Weihnachten oder Geburtstag, sie wussten immer schon vorher, was sie bekommen. Da beschloss ich, mit ihnen zusammen die Geschenke einzukaufen. Schon, weil einer der SchrĂ€nke bei ihrer SchnĂŒffeltour kaputt gegangen war.
Wenn meine Tochter ein neues KleidungsstĂŒck brauchte, artete es immer in einen Tagesausflug aus. Sie war nĂ€mlich unerhört wĂ€hlerisch und sehr eigen, hatte einen ganz besonderen Geschmack. Die Fahrt ging erst nach Mitte, dann nach Weißensee. Von dort in den Prenzelberg und dann nach Pankow. Hatten wir noch nichts gefunden, dann fuhren wir nach Schöneweide. Klappte es da immer noch nicht, ging es zurĂŒck nach Pankow oder einen anderen Stadtbezirk, wo sie etwas halbwegs Ansprechendes gesehen hatte.
Einmal – es war kurz vor ihrem fĂŒnfzehnten Geburtstag – sah mein Töchterlein in der Kaufhalle, wo wir unsere tĂ€glichen EinkĂ€ufe machten, einen Pullover. Er war weiß und hatte blaue Streifen. Er gefiel ihr einfach super und sie wollte ihn sofort haben. Aber ich hatte nicht genĂŒgend Geld dabei. Am anderen Tag quengelte sie wieder nach dem guten StĂŒck. Ich machte ihr klar, dass wir uns das Teil finanziell nicht leisten konnten und zĂ€hlte auf, wie viele Pullover sie schon im Schrank hatte. Sie maulte, war aber bald einsichtig.
Als sie an ihrem Geburtstag aus der Schule kam, fielen ihr fast die Augen heraus beim Betrachten ihres Festtisches. Ich hatte den Blaugestreiften nÀmlich heimlich gekauft und auf der Arbeitstelle in meinem Garderobenschrank versteckt!
Noch heute amĂŒsieren wir uns köstlich ĂŒber die gelungene Überraschung.

Juni 2003

__________________
Old Icke

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe oldicke,

da hat das Töchterlein aber mal Freude gehabt. Ich habe auch so eine Göre, die sehr wÀhlerisch ist.

Vom ErzĂ€hlstil her, der sehr locker fließt, könntest Du glatt eine lĂ€ngere FamilienerzĂ€hlung daraus machen. Oder hast du das bereits getan?

LG
Volkmar

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Wendy
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Hallo Oldicke,
die Situation und die Umgebung von Berlin sind mir sehr vertraut. Die Neugier packte mich damals als Kind genauso.Meine Mutter versteckte ein kleines Transitorradio in einer kleinen Schachtel und legte sie ganz offensichtlich auf ihre NĂ€hmaschine. TĂ€glich lief ich daran vorbei und dachte, dass es ihre Knopfschachtel sei. Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie groß meine Überraschung und Freude war. Danke fĂŒr meine kleine Reise in die Kinderzeit.
Liebe GrĂŒsse
Wendy

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flammarion
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oh,

vielen dank, ihr lieben!
genaugenommen ist es ein auszug aus meinen memoiren.
ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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